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Leider nur mäßig unterhaltsam: John Travolta in den Fußstapfen von Divine und Harvey Fierstein.

Von Holger Fröhlich

Die vollschlanke Tracy Turnblad mit der turmhohen Frisur und einem noch größeren Herzen kennt nur eine Leidenschaft: den Tanz. Sie träumt von einem Auftritt in der "Corny Collins Show", der hipsten TV-Dance-Party in Baltimore. Eigentlich ist Tracy für die Show wie geschaffen – doch sie hat ein gar nicht so kleines Problem: Sie passt einfach nicht hinein.

Nikkis mehr als mollige Figur stempelt sie in coolen Kreisen zur Außenseiterin, und ihre liebevolle, aber sehr gluckenhafte und ebenfalls übergewichtige Mutter Edna wird auch nicht müde, ihre Tochter immer wieder darauf hinzuweisen. Doch Tracy lässt sich nicht entmutigen und kämpft gleichzeitig gegen die Rassentrennung an...

Die Story kommt den Älteren wahrscheinlich bekannt vor: Der Film "Hairspray", der jetzt in den Kinos läuft, ist nur ein Remake des gleichnamigen Klassikers von John Waters aus dem Jahr 1988. Bereits vor fünf Jahren kam außerdem eine Bühnenfassung an den Broadway und landet seitdem mit "Hairspray: The Musical" einen Riesenhit. Das hat offensichtlich auch Hollywood wieder inspiriert…

Immerhin hält sich die neue Filmversion an zwei Traditionen. Die Rolle der Tracy Turnblad wird von einer unbekannten Schauspielerin verkörpert (die 18-jährige Nikki Blonsky hat für die Dreharbeiten extra ihren Job in einer Eisdiele aufgegeben) und die Figur ihrer Mutter Edna immer von einem männlichen Darsteller gespielt. Im Klassiker war das Divine, auf der Bühne Harvey Fierstein, und im Remake ist es nun ausgerechnet John Travolta.

Über ein Jahr brauchten die beiden Produzenten Craig Zadan und Neil Meron allerdings, um Travolta zu dieser Rolle zu überreden. Auf dem Set hatte der bekennende Hetero dann auch heftig mit dem Fummel zu kämpfen. Es dauerte tagtäglich vier bis fünf Stunden, bis er fertig "geschminkt" war – ein 15 Kilo schweres Ganzkörpertrikot machte ihn "übergewichtig". "Ich fühlte mich sehr unwohl und kam richtig ins Schwitzen", schimpfte Travolta. "Mein Gedanke dabei: Wenn das so läuft, möchte ich nie eine Frau sein."

Die Rolle von Mutter Edna spielt Travolta zwar routiniert und lebensnah, aber ohne die herausragende Bravour und den Spaß seines Vorgängers Divine. Im Vergleich zur Rolle der Tochter verblasst Travolta sogar. Nikki Blonsky ist mit Abstand die herausragendste Darstellerin des Remakes. "Da wird eindeutig ein Star geboren", würdigte selbst Travolta ihre Leitung.

"Eine solche Story konnte wirklich nur John Waters auf seine unverwechselbare Art erzählen (und besetzen)", heißt es im aktuellen Presseheft des Warner Filmverleihs. Dem ist wenig hinzuzufügen – obwohl u.a. die originale Tracy Turnblad, Ricki Lake, und Waters selbst einen Gastauftritt in der Neufassung absolvierten.

6. September 2007



#1 DizAnonym
  • 06.09.2007, 17:37h
  • Zitat:
    "und im Remake ist es nun ausgerechnet John Travolta."

    Das war das erste, was ich dachte, als ich zum ersten Mal von der Besetzung hörte! Das Original ist mit Sicherheit 10000 mal geiler!

    Heten-Johnny als Divine-Ersatz, lächerlich!
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#2 HairhopperAnonym
  • 06.09.2007, 20:47h
  • Zunächst mal:
    Ich bin ein großer Fan des Originals von John Waters - Divine ist in diesem Film wirklich göttlich, Ricki Lake ein herrliches Power-Pummelchen und zudem ist das Ganze eine großartige Satire, die die Sechziger mit einem liebevollen Augenzwinkern auf den Punkt bringt.
    Ich kann jedem nur empfehlen, sich den Film anzuschauen - gute Laune garantiert!

    Trotzdem sollte man auf jeden Fall auch dem neuen Film eine Chance geben - die Broadway-Fassung hat schließlich nicht umsonst alle wichtigen Tony-Awards eingesackt. Da war es klar, dass eine Neu-Verfilmung ins Haus stehen würde.

    Was nun an Travolta so schlimm sein soll, kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen..
    Zwar finde ich seine Scientology-Mitgliedschaft nicht gerade prickelnd, aber da "Hairspray" ja keine Scientology-Propaganda betreibt (wie Travoltas zweifelhaftes Machwerk "Battlefield Earth"), sollte man sich auf seine Funktion als Schauspieler konzentrieren und dahingehend ist er mehr als geeignet.
    Schließlich wurde Travolta gerade durch seine Tanzkünste in "Saturday Night Fever" und als Musicaldarsteller ("Grease"!) zum Star.
    Seine Darstellung in "Hairspray" hat ihm von Kritikerseite bisher einhelliges Lob eingebracht und er wird sogar als möglicher Oscar-Kandidat gehandelt.
    Außerdem hatte John Waters wohl auch kein Problem damit, sonst wäre er in der jetzigen Version sicher nicht in einer Cameo-Rolle (als Exhibitionist..) aufgetreten...

    Queer.de steht also mit der Meinung, Travolta habe nicht "die herausragende Bravour und den Spaß seines Vorgängers", ziemlich einsam da.
    Dies sagt wenig über den Schauspieler, aber viel über die Engstirnigkeit des Autors aus, der damit den üblichen, jammernden queer.de-Forum-Paranoikern nach dem Mund schreibt, die den Film schon vorab verurteilen, weil sie um ihre heilige rosa Kuh (oder Ochsen?) fürchten: "Hilfe, Eindringlinge im Ghetto! Hete auf schwulem Terrain! Kreischt um euer Leben!!" ;-D

    Könnte ihnen stattdessen nicht in den Sinn kommen, dass sich Travoltas Darstellung und der gesamte Film auch als Hommage an das Original und Divine (Göttin hab sie selig..) sehen lässt?
    Vermutlich werden sich zudem durch die Neuverfilmung, die in den USA schon längst supererfolgreich läuft, viele Leute auch an den John-Waters-Film heranwagen, der ansonsten ja eher unbeachtet in den Videotheken verstaubte!

    Im übrigen sollte man noch Michelle Pfeiffer erwähnen, die hier ihr furioses Comeback als fiese, wasserstoffblonde Velma von Tussle hinlegt. Die überehrgeizige Mutter von Tracy Turnblads Konkurrentin wurde im Original übrigens von Debbie Harry, Sängerin von Blondie, gespielt.

    Also, hört nicht auf die Spielverderber und lasst euch den Spaß nicht entgehen!
    Denn was könnte schließlich besser den schwulen Nerv treffen als ein Musical, das auf ein einem John-Waters-Film basiert und das Abweichen von Norm zelebriert?
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#3 FloAnonym
  • 10.09.2007, 20:27h
  • Also wenn ein Mitglied dieser homohassenden Organisation im Remake dieses Kultfilms mitspielt, noch dazu die Rolle von Divine, darf man schon mal enttäuscht sein. Mit Harvey Fierstein in der Rolle wäre der Film sicher besser gewesen...

    Leider wird schon seit ein paar Jahren bei US-Filmen oft ganz bewusst nicht die beste Besetzung gewählt, sondern die, die sich auf den Plakaten am besten verkauft. Sehr schade!
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