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Auch Poppers darf offiziell weder ins Handgepäck noch in den Koffer

Von Dennis Klein

Norbert kehrte zufrieden mit British Airways aus England zurück. Eine Woche lang hatte er in der Partymetropole Manchester gefeiert. Als Erinnerung an heiße Stunden und in Vorfreude auf eventuell noch heißere hat er sich dabei mit Poppers-Fläschchen eingedeckt. Zu dumm, dass der Frankfurter Zoll ein Auge auf den übernächtigten Party-Boy geworfen hat. Norbert wollte die gute Beamtin noch warnen, als sie ein Fläschchen kontrollweise öffnete. Doch es war zu spät: Sie taumelte leicht benommen. "Das ist ein Raumduft", erklärte er kurz. "Den soll man nicht direkt einatmen". Die gute Frau hatte genug: Sie winkte Norbert mit hochrotem Kopf durch.

Darf man wie Norbert Poppers auf Reisen mitnehmen? Das wissen selbst die Fluglinien nicht genau: "Ob Ihre ‚Poppers' überhaupt legal sind, bzw. ob sie wegen der bekanntlich gefährlichen Eigenschaft, auch als Zündbeschleuniger zu dienen, überhaupt an Bord befördert werden dürfen, sollten Sie bitte beim Bundesinnenministerium bzw. bei der Bundespolizei klären", gab die Pressestelle der Lufthansa zu Protokoll. Gesagt - getan. Das Innenministerium reagierte etwas verwirrt: "Was sind Poppers", fragte ein Sprecher des Amtes verunsichert - und verwies auf die Website von Wolfgang Schäubles Ministerium. Hier ist tatsächlich ein Poppers-Verbot vermerkt: Demnach darf jede Art von pyrotechnischen Erzeugnissen inklusive Kleinfeuerwerk ("Party Poppers") nicht auf Reisen mitgeführt werden.

Auch wenn "Big Brother" Schäuble und seine Mannen scheinbar die schwule Droge nicht kennen - auf die gute Bundespolizei ist Verlass: "Bei Poppers handelt es sich um eine Schnüffeldroge, die als brennbar und explosiv eingestuft wird", erklärte ein Beamter des Bundespolizeipräsidiums nach eintägiger Recherche. "Alle brennbaren, leicht entzündlichen oder explosiven Stoffe fallen unter Gefahrgutbestimmungen und sind im Hand- und Reisegepäck sowie am Körper in Flugzeugen verboten", fuhr er mitleidslos fort.

Poppers ist also eine No-Go-Area. Leider hörten wir während der Recherche noch andere schockierende Neuigkeiten: Denn als "leicht entzündliche Stoffe" gelten auch Flüssigkeiten über 70 Prozent Alkohol. Und diese Grenze überschreiten auch die unter Schwulen populären Parfüms, die oft über 80 "Umdrehungen" zustande bringen. Sind nicht nur Stinke-Poppers-Fläschchen sondern auch dieser Frischmacher verboten? Laut Lufthansa ist "lediglich Genussalkohol zum Verzehr" von dieser Regelung betroffen, erklärte deren Pressesprecher. Der Frankfurter Flughafen sieht das aber anders: "Jegliche Flüssigkeit mit mehr als 70 Volumenprozent Alkohol" darf nicht an Bord - und dabei ist es "egal, ob in der Kabine (Handgepäck) oder im aufgegebenen Koffer!" Scheinbar weiß aber die Duty-Free-Industrie noch nichts von dieser Auslegung.

Queer.de hat in dieser Frage aber immerhin für alle gesetzestreuen Vielflieger ein Schlupfloch entdeckt: Kinderparfüm - hier ist nämlich der Alkoholanteil stark reduziert. Man muss sich nur noch zwischen der Duftmarke "Micky Maus" und "Pu der Bär" entscheiden.

Queer.de weist darauf hin, dass der Gebrauch von Poppers gesundheitsschädliche Folgen haben kann.

14. September 2007



14 Kommentare

#1 JanXAnonym
  • 14.09.2007, 08:44h
  • Unglaublich! Was manche Leute versuchen für einen Mist im
    Handgepack zu transportieren. Große Warnschilder vorher und
    3 Monate Haft Mindeststrafe bei Entdeckung sollten
    Abschreckung genug sein.
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#2 alexMucAnonym
  • 14.09.2007, 14:20h
  • Vielleicht gibts ja bald Hunde auf den Flughäfen, die PP schnüffeln. Bekommt das Sprichwort "Spitz wie Nachbars's Lumpi" für mich einen gewissen Sinn. Aber so lange die Amerikaner Atombomben, einfach so durch die Luft fliegen, ohne daß es einer merkt , wäre das wohl eher was fürs Sommerloch gewesen und ich lehne mich gelassen zurück.
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#3 gayschwabeAnonym
  • 14.09.2007, 15:05h
  • Da hilft nur eines: da dieses Poppers Amylnitrit enthält, bzw. enthalten soll, einfach als zum medizinischen Einsatz deklarieren! Da in der Bundesrepublik Deutschland immer noch die Beweislast, welche die prozessuale Beweisrisiken und -obliegenheiten regelt, gilt!

    Die objektive oder materielle Beweislast (Feststellungslast) legt fest, welche Partei das Risiko der Nichterweislichkeit einer Beweisbehauptung trägt. Die subjektive oder formelle Beweislast (besser Beweisführungslast) bestimmt, welcher Partei es in einem bestimmten Stadium des Prozesses obliegt, Beweis für ihre Behauptung anzubieten.

    Zu gut Deutsch: sie müssen nachweisen, dass es nicht für die Gesundheit verwendet wird. Ob sie mit auf die Klappe mitkommen, wie in Amerika bei dem Senator kann ich leider nicht beurteilen.
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#4 LukeAnonym
  • 14.09.2007, 22:37h
  • Sorry, aber Amylnitril als Arzneimittel zu deklarieren ist völliger Blödsinn. Der Wirkstoff ist in Deutschland nicht zugelassen, damit entfällt das Argument Poppers als Arzneimittel benutzen zu wollen. Die Sache mit der Beweislast hätte sich damit auch erledigt. Im Zweifelsfalls musst Du mittels eines Attest oder eines Rezepts nachweisen, dass Dir das Zeug von einem Arzt verschrieben wurde. Der Zollbeamte wird Dir das zeug abnehmen - und das mit Recht.
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#5 GeorgiosAnonym
  • 15.09.2007, 00:53h
  • @JanX

    Dein Posting ist jetzt wohl nicht dein Ernst oder? Poppers nehme ich zwar selbst keins aber in Maßen ist das nicht schädlich und ich würd deswegen niemals jemanden verurteilen...hab selbst gute Freunde die das manchmal zur Luststeigerung nehmen....und für so etwas Haft zu verlangen ist dermaßen daneben..da fehlen mir jetzt echt weitere Worte....dann müsste man ja auch alle Genussdrogen wie Zigarettentransport etc. verbieten....Schokolade kann übrigens auch süchtig machen! *gggg...aber dass Poppers auch ein Flugzeug in die Luft sprengen könnte wusste ich bisher nicht! LOL....Ja Ja...die Terrorbekämpfer wieder mal im Volleinsatz...Würg
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#6 leftqueersAnonym
  • 15.09.2007, 09:22h
  • @Luke: Richtig, es ist kein arzneimittel. Denn dann müsste auch Aceton als solches gelten. Haben aber beide etwas gemeinsam: Organische Lösemittel mit einem sehr niedrigen MAK-Wert.

    @georgios: Das problem wurde bereits im Film "Fharenheit 9/11" ad absurdum geführt:

    Wie kann Muttermilch gefährlich sein, während man bis zu FÜNF gAsfeuerzeuge mit an Bord nehmen darf?
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#7 LukeAnonym
  • 15.09.2007, 22:18h
  • @leftqueers

    Den MAK-Wert gibt es seit 2005 nicht mehr. Was hat der MAK-Wert damit zu tun, ob ein org. LM als Arzeimittel zu definieren ist?
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#8 leftqueersAnonym
  • 16.09.2007, 08:55h
  • @Luke: Komisch, in meinem Beruf ist der gang und gäbe. Und wichtig zu wissen. Wer sagt, das es den nicht mehr gibt?
    Und, was der mit lösemitteln zu tun hat? Na denk doch mal nach! Im übrigen können bestimmte Konzentrationen eines Lösemittels als Gemisch mit der Raumluft ein durchaus explosionsfähiges Gemisch bilden. Das sind so Sachen, die in meinem Beruf von großer Wichtigkeit sind.
    Kannst Dich ja mal informieren:

    www.umweltdatenbank.de/lexikon/mak-wert.htm

    www.gebaeudereiniger.de/
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#9 LukeAnonym
  • 16.09.2007, 19:23h
  • Dass ein org. LM zusammen mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch bilden kann ist logisch. Das hat aber nichts mit der Definition eines org. LM als Arzneimittel zu tun.

    Ohne Dir u nahe treten zu wollen: Da ist wohl mal eine Fortbildung notwendig...

    Nur ein ganz einfacher Link:

    de.wikipedia.org/wiki/Maximale_Arbeitsplatz-Konzentration

    Als Grundlage empfiehlt es sich die EG-Richtinie 98/24/EG zu kennen. Sollte eigentlich jeder, der mit Chemikalien in irgendeiner Weise zu tun hat...
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#10 leftqueersAnonym
  • 16.09.2007, 19:51h
  • @Luke: "....Die alten Bezeichnungen MAK-Werte und BAT-Werte können und sollen jedoch bis zur vollständigen Umsetzung der Verordnung als Richt- und Orientierungsgrößen weiter verwendet werden....."

    GELESEN?

    Da steht KÖNNEN & SOLLEN.

    Also haben sie weiterhin Gültigkeit.

    und, egal wie es hinterher heißen mag; Es geht um die Gesundheitsgefahren, die davon ausgehen.

    Was das mit Arzneimitteln zu tun hat? Ganz einfach: Würdest Du Graffittientferner(95% Nitroverdünnung, 5% Verdickungsmittel) als Medikament zulassen? Nein, sicher nicht.
    Ich wollte im ersten Beitrag auch nicht auf Medikamente hinaus. Es geht schlicht und ergreifend darum, das LÖSEMITTEL nicht sehr gut als ARZNEIMITTEL zu gebrauchen sind.
    Kannst Dich ja mal informieren, was für Hirnschäden die Bukarester Straßenkids durch Kleber(in den meisten sind Organische oder Anorganische Lösemittel enthalten) davontragen.

    P.S.: Selbst in den neuesten Meisterschulungen wird weiterhin der Begriff MAK verwendet.
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