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Kommentar zur gefährliche Wortwahl von Oberstaatsanwalt Fred Apostel.

Von Jürgen Friedenberg

Erschütterndes Schicksal eines jungen Mädchens: Vergewaltigt, übel zugerichtet, ermordet – angeblich von einem "Homosexuellen, der einmal Lust auf eine Frau hatte." So habe es der geständige Mordverdächtige der vierzehnjährigen Hannah aus Königswinter bei der Vernehmung gesagt, berichtete Oberstaatsanwalt Fred Apostel. Und er äußerte keinerlei Zweifel an der Richtigkeit dieser Aussage. Wieso eigentlich nicht?

Zwar wohnte der 25-jährige Tscheche in Königswinter bei einem 53-jährigen Mann, im Stadtteil Oberdollendorf, nur wenige hundert Meter von der Wohnung seines Opfers entfernt. Aber genügt dies, um den Täter ohne jeden Vorbehalt als homosexuell einzustufen? Erhebt sich da nicht die Frage, ob der vermeintliche Homo in Wahrheit ein verkappter Hete ist? Immerhin wäre es denkbar, dass der Jüngere dem Älteren nicht wegen einer gleichgeschlechtlichen Prägung sondern aus anderen Gründen zugetan war. Vielleicht hofft Dennis H. nun, dass seine angebliche Homosexualität als strafmildernd für seine Untaten gelten könnte, die er – etwa aus Enttäuschung über den nicht eingetretenen, erstrebten Genuss – begangen hat?

An dem erschütternden Schicksal des ermordeten Mädchens ändert das freilich nichts. Nachdenklich aber stimmt der leichtfertige Umgang mit dem Wort, nämlich die unbedachte Übernahme der menschenverachtenden Formulierung des Mordverdächtigen: "Ein Homosexueller, der einmal Lust auf eine Frau hatte." Dieser Satz bleibt in den Ohren der Radiohörer und in den Augen der Zeitungsleser haften, verstärkt überkommene Vorurteile, weckt neue Ängste. Ein Oberstaatsanwalt sollte das wissen und seine Worte sorgsam wählen. Erst recht, wenn er Apostel heißt.

15. September 2007



18 Kommentare

#1 PierreAnonym
  • 16.09.2007, 10:10h
  • Das Ganze lässt sich nur dadurch erklären, dass dieser Typ ein gestörtes Verhältnis zu Frauen (oder Mädchen) hat.
    Der Täter ist ganz sicher nicht homosexuell.
    Vielleicht hat er gelegentlich mal mit einem Mann Sex(evtl. als Stricher oder aus einer Art Ersatzbefriedigung heraus) wie das in Gefängnissen zwischen heterosexuellen Gefangenen ja auch der Fall sein kann.
    Evtl. bedeutet das Wort 'homosexuell' in der Heimat des Täter (Tschechien) ja auch grundsätzlich 'sexuell abnormal'. Egal, ob es sich um Homosexualität, Sodomie, Pädophilie oder sonst was handelt.
    Dies ist in den muslimischen Ländern ähnlich.
    Es zeugt von Verantwortungslosigkeit ohnegleichen des Staatsanwaltes Apostel, so etwas ungeprüft hinaus zu posaunen. Dies erinnert stark an die 50er Jahre und die Nazi-Zeit.
    Ich hoffe, mit Strafanzeigen bei der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe zieht man diesen Wüterisch zur Verantwortung und veranlasst ihn, die gleichen Medien über den tatsächlichen Sachverhalt zu informieren.
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#2 WolfAnonym
  • 16.09.2007, 10:26h
  • Das Schicksal des Mädchens ist furchtbar. Mein Mitgefühl gilt den Eltern und Verwandten des Mädchens.

    Die Äusserung des Staatsanwaltes lässt mich zweifeln. Hätte er in anderem Fall, den es bereits oft genug gegeben hat, auch die Formulierung gebraucht: Ein Heterosexueller hatte Lust auf einen Jungen?
    Hätte er im Fall Riekofen hypothetisch auch formuliert:
    Ein Pfarrer hatte Lust auf ein Mädchen?

    Das hätte er sicher nicht. Woran will er denn die Homosexualität fest machen? An der Aussage des Mörders? Interessant ... Bei der iranischen Lesbe in Berlin reichte das anscheinend nicht.

    Meine Meinung: Herr Apostel hat ausgetestet, wie weit er auch in Zukunft mit Formulierungen gehen kann. Das sollten wir ihm, ebensowenig wie Kardinal Meisner, durchgehen lassen. Er diskriminiert aus meiner Sicht nicht nur Homosexuelle, sondern auch das Opfer. Er macht es mit seiner Sprache posthum zu einem Objekt. Es ist nicht mehr Hannah, es ist "ein Mädchen". Er entpersonalisiert das Opfer mit solch einer Aussage.
    Menschen, die mit ihrer Sprache und dem Inhalt der Mitteilung die Öffentlichkeit prägen, muss klar gemacht werden, das Sprache gerecht sein muss. Ich denke, es ist noch ein langer Weg, bis wir eine gerechte Sprache und ihre Anwendung in unserer Gesellschaft erleben.

    In diesem Sinn bin ich ungerecht:
    Herr Apostel ist ein Staatsanwalt, der mal Lust auf Unobjektiviät hatte.

    (Für Nichtinsider: Deutsche Staatsanwälte schmücken sich gerne mit dem Titel, eine der objektivsten Behörden der Welt zu sein)
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#3 JanXAnonym
  • 16.09.2007, 15:15h
  • Völlig uninteressant ob der Täter homo- oder heterosexuell ist,
    ob er gerne Pizza mag oder Spagehetti. Liebe Leute, es handelt
    sich um einen grausamen Vergewaltiger und Mörder. Die
    Beiläufigkeit und Undistanziertheit mit der Fred Apostel hier
    menschenverachtende Zitate eines Schwerstkriminellen, quasi
    im Vorübergehen fast schon in sein eigenes Vokabular
    aufnimmt und sich so vor den Medien präsentiert, disqualifiziert
    ihn m.E. für eine weitere Tätigkeit als Oberstaatsanwalt. Bitte
    beurteilt selbst!
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#4 homo - heteroAnonym
  • 16.09.2007, 17:02h
  • @Wolf
    genau das ist es, in negativfällen erwähnt man schnell die homosexualität des täters aber nie die heterosexualität.
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#5 LiangAnonym
  • 17.09.2007, 00:29h
  • Aber nehmen wir einmal an, er sei schwul gewesen. Das wuerde doch zeigen, wie unwohl er sich in seiner Sexualitaet gefuehlt hat, da er sich und die andere Person zum Sexualakt gezwungen hat... der vergebliche Versuch, sich die Heterosexualitaet zu beweisen. Wenn dem so waere, koennte man diesen Fall mit einem Vorwurf an die heteronormative Gesellschaft zurueckschicken.
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#6 gerdAnonym
  • 17.09.2007, 01:37h
  • Das eigentliche Zitat des Tages ist die Richtlinie 12.1 des deutschen Presserates, die für Fred Apostel (er ist Pressesprecher der Polizei von NRW) und Journalisten gleichermaßen gilt:

    “In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.”

    Die Staatsanwaltschaft Bonn hat hier Informationen über den Täter herausgegeben, die gegen die Richtlinie verst0ßen. Erwähnt die Staatsanwaltschaft in Bonn denn auch bei den sonstigen Kinderschänderfällen, dass der Täter ein Heterosexueller ist ? Denn in den meisten Kinderschänderfällen sind Heterosexuelle die Täter, was in den Statistiken der Kriminologie erwiesen ist. Dies geschieht nicht und das ist auch in Ordnung. Nur dann sollte es auch in dem Fall, wo es ein vermeintlicher homosexueller Mann sein könnte, erst recht nicht erwähnt werden. Insbesondere wer sagt uns denn, ob der Täter nicht vielleich auch bisexuell ist ?

    Die Staatsanwaltschaft in Bonn hat hier in ihrer Pressearbeit versagt.
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#7 cole12Anonym
  • 17.09.2007, 13:54h
  • Um mal allen Hobbypsychologen den Wind aus den Segeln zu nehmen: Die Tatsache, dass dieser Mann das Mädchen getötet hat, hat in erster Linie nichts mit seiner sexuellen Ausrichtung zu tun. Der Satz, der hier zitiert wird, ist wohl im Laufe des Geständnisses des Täters gefallen und deswegen nicht als persönliche Wertung eines Staatsanwaltes zu verstehen.

    Die Tat an sich scheint Resultat einer psychischen Erkrankung zu sein, was wohl jedem einleuchtet, denn nur die wenigsten Menschen stehen morgens auf und denken sich, ach heute schlafe ich mal mit einem Mann, töte ihn, weil ich das mal versuchen wollte, oder mit einer Frau, töte sie, weil ich eben das mal versuchen wollte. Der junge Mann lebte wohl schon viele Jahre mit seinem Freund zusammen, ohne je auffällig geworden zu sein. Er hat seine Homosexualität also nicht geheim gelebt, sondern er schien sogar recht offen damit umzugehen. Dies könnte ein sehr deutliches Zeichen für eine psychische Erkrankung sein, die durch einen Auslöser (welcher Art auch immer) derart eskalierte. Jetzt noch was für die Zweifler: Ja, eine Psychose kann durch Schwierigkeiten mit der eigenen Homosexualität ausgelöst werden (trifft in der Regel aber nur dann zu, wenn sie versteckt gelebt wird, oder andere Traumata vorliegen. Aber nicht jede Psychose muss diese Formen annehmen.

    Ich kann verstehen, dass sich einige von uns durch dieses Zitat verunsichert fühlen. Wenn der Täter diesen Satz aber tatsächlich als eine für ihn schlüssige Begründung bei seiner Vernehmung angegeben hat, müssen wir das leider akzeptieren.
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#8 DragonWarriorAnonym
  • 17.09.2007, 14:42h
  • @ cole...

    *irritiertdreinschau*
    "Der junge Mann lebte wohl schon viele Jahre mit seinem Freund zusammen, ohne je auffällig geworden zu sein. Er hat seine Homosexualität also nicht geheim gelebt, sondern er schien sogar recht offen damit umzugehen. Dies könnte ein sehr deutliches Zeichen für eine psychische Erkrankung sein (...)"

    ich geh mal davon aus, dass das einfach nur eine unglückliche formulierung war, oder???
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#9 ThreadneedleAnonym
  • 17.09.2007, 18:50h
  • Merkwürdig ist vor allem die Art und Weise, in der der Herr Oberstaatsanwalt die angebliche Homosexualität des Täters thematisiert hat."Es handelt sich um einen homosexuellen Mann, der, ich drücke mich bewusst so aus, Lust auf eine Frau hatte." Auf den ersten Blick wirkt dies wie eine unbedarfte Äußerung, die der Aufregung (Medienvertreter aus dem ganzen Bundesgebiet waren anwesend) geschuldet war. Zwar hätte die Staatsanwaltschaft bei dem enormen Mediendruck zum Tatmotiv nicht schweigen können, aber die sachliche Mitteilung, dass der Täter behaupte, er sei homosexuell, es aber keine Beweise für diese Behauptung gäbe, hätte vielleicht zumindest in in der halbwegs seriösen Presse zu einer differenzierteren Berichterstattung geführt. In der Regenbogenpresse wären die gleichen geistlosen Schlagzeilen zu lesen gewesen.

    Auf den zweiten Blick aber erscheint die Äußerung "unseres" Oberstaatsanwalts wohl überlegt (und in einer stundenlang vorbereiteten und hochrangig besetzten Pressekonferenz verstolpert sich ein Pressesprecher auch nicht mal einfach so). Dass die Äußerung des Herrn Oberstaatsanwalt Apostel von ihm offensichtlich nur gemacht wurde, um den Täter der Bevölkerungsgruppe homosexueller Menschen zuzuordnen, liegt auf der Hand. Durch den verächtlichen Tonfall des Herrn Oberstaatsanwalt Apostel sollte dann zusätzlich noch der Eindruck erweckt werden, dass die vermeintliche Homosexualität des Täters ein unabdingbarer Bestandteil seines Tatmotivs sei. Anders gewendet: Es sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass der Täter die Tat nicht begangen hätte, wenn er nicht homosexuell wäre. Besser lassen sich Vorurteile im Sine der Presseratsrichtlinie nicht schüren. Die unreflektierte Übernahme dieser Äußerung in die Berichterstattung der Medien war vorhersehbar. Es drängt sich daher die Frage auf, welches längerfristige Kalkül der Äußerung des Herrn Oberstaatsanwalts Apostel zugrunde liegt.

    Auffällig ist, dass die Staatsanwaltschaft Bonn in der Vergangenheit bei Aufsehen erregenden Verbrechen, zu denken wäre an den so genannten Foltermord in der Justizvollzugsanstalt Siegburg, die Heterosexualität der Täter nicht zum Gegenstand ihrer Erörterungen mit der Presse gemacht hat.
    Ich vermute, dass die Bonner Staatsanwaltschaft das Tatmotiv noch etwas "andicken" wollte. Nach dem schnellen Fahndungserfolg in einer Pressekonferenz mit bundesweiter Beachtung nur das Motiv "Lust auf eine Frau" zu nennen, erschien wohl zu dürftig, zumal damit das sexuelle Bedürfnis heterosexueller Männer plötzlich zum Motiv für einen Mord mutiert und damit die Mehrheit der Männer unter einen (präventiven) Generalverdacht gestellt worden wäre. Also wurde diesem Tatmotiv, der Täter mag die Vorlage dafür geliefert haben, noch das Merkmal der vermeintlichen Homosexualität des Täters hinzugefügt und von Herrn Oberstaatsanwalt Apostel sprachlich so miteinander verbunden, dass das eine ohne das andere nicht denkbar erscheint. Damit wird einerseits davon abgelenkt, dass das Motiv immer noch außerordentlich dürftig und unglaubwürdig ist, und andererseits wird nun die Gruppe der homosexuellen Männer unter (präventiven) Generalverdacht gestellt. Diese Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft Bonn ist diskriminierend und verwerflich.

    Für Dienstaufsichtsbeschwerden ist übrigens der Generalstaatsanwalt in Köln zuständig.
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#10 Sepp-2004Anonym
  • 17.09.2007, 18:55h
  • Ich als schwuler alter Mann hatte niemals Lust auf eine Frau. Bzw. ich hatte immer Angst in eine Situation zu geraten, in der ich einer Frau näher kamm, als normal. Dieser Täter ist Bi oder sogar hetero, meiner Ansicht nach.
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