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Abenteuer, Wellness, Luxus - das neue schwule Thailand.

Von Micha Schulze

"Wohin bringst Du mich bloß?", fragt mich mein thailändischer Freund Tie, als der Wagen, der uns am Flughafen Krabi abgeholt hat, über einen Sandweg Kilometer für Kilometer durch den Regenwald ruckelt. Das kleine Resort Le Passe-Temps ist so etwas wie eine Horrorvorstellung für die meisten Thais: Es liegt zwar direkt am Strand in der idyllischen Bucht von Ao Phang Nga, aber mitten im gefährlichen Dschungel. Ohne Shops oder Clubs in der Nähe, ohne Fernseher auf dem Zimmer und - das Allerschlimmste! - ohne Handyempfang.

"Was soll ich denn da?", fragt mich mein deutscher Bekannter Heinz, als ich ihm das Le Passe Temps für seinen Thailand-Urlaub empfehle. Auch für ihn ist das kleine Resort in der Provinz Krabi eine Horrorvorstellung. Statt Ruhe und Entspannung sucht er in seinen Ferien schließlich Party und Sex. Für ihn kommen in Thailand ausschließlich Pattaya und Patong Beach in Frage. Dort warten auf ihn etliche lächelnde Thai-Boys, die gegen Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld sein Bäuchlein streicheln, während er ein Singha Beer nach dem anderen trinkt, und ihm anschließend die kurzen Nächte "versüßen".

Grillen und Frösche statt Tuktuk-Lärm

Für mich als stressgeplagten Expat mit Wohnsitz Bangkok ist das abgelegene Resort Le Passe Temps dagegen ein wahrer Traum: Acht mit Antiquitäten und Liebe zum Detail eingerichtete Holz-Bungalows ringen sich um einen kleinen Pool. Im Badezimmer steht eine wunderbare alte Holzbadewanne. Unten am Strand gibt’s eine kleine Bar, ein Bambushäuschen und eine Baumschaukel. Man hört kein Tuktuk-Lärm und keine Trillerpfeifen wie in Bangkok, sondern nur Grillen, Vögel, Frösche und Gekkos.

Die Erkenntnis ist nicht neu: Jeder hat seine eigene Vorstellung von einem gelungenen Urlaub. Neu hingegen ist, dass sich die Tourismusangebote in Thailand mehr und mehr differenzieren. Der Trend auch beim schwulen Reisen geht weg von den berüchtigten Gogo-Ghettos. Thailand bietet mehr als nur Sonne und Sex, so die Message zahlreicher neuer Hotels, Resorts und Spas, die im ganzen Land wie Pilze aus dem Boden schießen. Luxus, Wellness und Abenteuer lauten die neuen Schlagworte. Schiefe Blicke oder Diskriminierung hat man als schwuler Tourist im ehemaligen Siam eh nicht zu befürchten. Ob ein Gast auf Männer, Frauen oder Ladyboys steht, hat hier noch nie jemanden groß interessiert.

"Das schwule Thailand ist erwachsen geworden", bringt es Adam Preston von Rainbow-Scuba auf den Punkt. Ein Beleg für ihn sind die jährlichen Gay-Pride-Veranstaltungen, die sich vom reinen Touristenevent zu wahren Communityfesten entwickelt hätten. Preston erinnert auch an Thailands neue Verfassung, die in diesem August in Kraft getreten ist und die die Rechte von Menschen "mit anderen Geschlechtsidentitäten" garantiert. "Das in einmalig in ganz Asien."

Von seinem Sitz auf der Insel Ko Samui bietet Rainbow-Scuba nicht nur Tauchkurse an. "Weil es immer mehr Nachfragen gab, haben wir auch Radfahren, Wandern, Schnorcheln, Kajaktouren und Abenteuertrips in die Wälder ins Repertoire aufgenommen", berichtet Adam Preston. Sogar den Wunsch nach Gotcha-Spielen habe es schon gegeben. Kontakt findet man eben nicht nur in Gogobars, stellt er klar: "Bei unseren Touren bringen wir Schwule aus aller Welt zusammen."

Fremdenverkehrsamt umwirbt Queers

Auch die Tourism Authority of Thailand (TAT) hat den Trend erkannt und will im Jahr 2008 erstmals gezielt Schwule, Lesben und Transgender ins ehemalige Siam locken. Das neue Herz für Queers hat natürlich rein kommerzielle Gründe: "Diese Gruppen geben mehr Geld aus als normale Touristen", glaubt der TAT-Vize-Direktor für den internationalen Markt Jutaporn Reungronasa. Neben Schwulen sollen aus demselben Grund auch Hochzeitspaare aus Indien sowie Heteropaare ohne Kinder umworben werden. "Klasse statt Masse" - damit lässt sich die "Qualitätstourismus"-Strategie der TAT wohl am besten übersetzen.

Es ist der Anblick der alten, hölzernen Boots-Anlegestellen, der einem schnell das Gefühl von Geborgenheit und Ruhe vermittelt. In dem kleinen Fischerdörfchen Ban Saladan auf der Insel Ko Lanta läuft man nicht Gefahr, auf Hotelbunker und Gogo-Bars zu stoßen. Der Sand am Klangdao Beach, ist fein, weiß und heiß. Oft tummeln sich hier nur ein paar herumstreunende Hunde oder jagen einheimische Kinder Krebse fürs Abendessen. Selbst in der Hauptsaison im Dezember und Januar kann man hier sein Badetuch 50 Meter vom nächsten Touristen entfernt platzieren.

Die Regenbogenfahne muss man auf Ko Lanta dennoch nicht vermissen. "Noch einen King Kong?" fragt Turi Strahm. Jeder, der die Sanuk Bar besucht, muss seinen leckeren Haus-Cocktail aus Thai-Whiskey und Ananassaft probieren. Die Bar gehört zum Bungalowkomplex "Sun, Fun & Sea", der von dem Schweizer zusammen mit seinem thailändischen Freund betrieben wird. Er ist gleichzeitig der schwule Treffpunkt auf der Insel. Was man spätestens dann merkt, wenn Turi zu einer seiner legendären Travestieshows lädt und das halbe Dorf vorbeischaut, um den beleibten Besitzer im Dirndl die Heidi mimen zu sehen.

Oft sind es schwule Binat-Paare, die sich eine gemeinsame Existenz in Thailands Tourismusgeschäft aufgebaut haben und dabei gezielt aufs Gay Marketing setzen. "Ich hatte das Geld und wollte in Thailand leben, mein Freund hatte die Erfahrung und die Kontakte", erzählt der Brite Peter, der mit seinem langjährigen thailändischen Freund Jiab die Pension PJ’s Place in Chiang Mai betreibt. Die haben sowohl gemeinsam reisende Paare wie auch Geschäftsleute im Visier. Ihre Zimmer und Suite-Häuschen sind liebevoll im traditionellen Lanna-Stil eingerichtet und bieten zugleich Highspeed-Internet über ein W-Lan-Netz.

Selbst auf der Insel Phuket versucht sich die Szene, herauszuputzen. Waren früher Unterkünfte mitten im schwulen "Paradise Complex" von Patong Beach begehrt, wo es nur zehn Schritte bis zur nächsten Gogobar braucht, öffnen neue Pensionen und Hotels ganz bewusst an anderen Stellen der Insel. "Ich habe überhaupt nichts gegen die Szene, aber Phuket hat doch viel mehr zu bieten", erklärt Daniel See vom Club One Seven, warum er seine Pension am anderen Ende von Patong Beach eröffnet hat. "Mit dem Tuktuk ist man aber schnell bei den Bars." Noch weiter weg, in den Hügeln von Kata Beach, liegt das CC Bloom’s. In dem Boutique-Hotel des Amerikaners Skip mischen sich - wie im Club One Seven auch - die schwulen Zielgruppen. Neben Gay-Paaren aus aller Welt sonnen sich am Pool die allein reisenden Singles mit ihrem meist deutlich jüngeren Ferien-Boy.

Buchungen von Single-Reisenden unerwünscht

Dass jene als "Sextouristen" verschrienen Urlauber nicht zwangsläufig billige Absteigen mit Kakerlaken bevorzugen, hat man auch in Pattaya wohl registriert. Während die Zimmer im alteingesessenen Marina Inn Plaza Hotel direkt im schwulen Viertel Sunee Plaza derzeit nach und nach auf Vordermann gebracht oder sogar zu Suiten umgebaut werden, hat im April gleich nebenan das Gay-Boutique-Hotel Don Plaza eröffnet. Der Bedarf ist da, auch ohne gezielte Kampagne der TAT.

Michel Henry würde die beiden Häuser am Sunee Plaza wohl nur über seine Leiche betreten. Der Besitzer der Lana Thai Villa in der Nähe von Chiang Mai hat einen ganz anderen Kundenkreis im Blick. "Wir akzeptieren keine Buchungen von Single-Reisenden", stellt der Franzose klar. Er vermietet drei Luxus-Suiten an einem Berghang, etwa 15 Kilometer von Thailands zweitgrößter Stadt entfernt. Selbst Kurzzeit-Besucher sind in der Lana Thai Villa ausdrücklich nicht willkommen.

"Wir wollen kein Treffpunkt für Sextouristen werden", sagen auch Kiet und Oliver, die beiden Betreiber des Le Passe Temps in Krabi. Mit Schaudern erinnert sich das französisch-vietnamesische Homo-Paar, beide Anfang Vierzig, an einen US-Rentner, der mit seinem dreimal jüngeren Thaiboy für ein paar Tage aus Phuket herüberkam. "Alle anderen Gäste haben gesehen, dass die beiden nicht aus Liebe zusammen sind", schimpft Olivier. "Die Atmosphäre im Resort war gestört", pflichtet ihm Kiet bei.

Über meinen Freund Tie, der als Redakteur bei einem Modemagazin arbeitet, freuen sich Olivier und Kiet dagegen sehr. "Er ist unser erster ‚richtiger‘ Thai-Gast." Die beiden quetschen ihn aus, was sie tun müssen, um das Resort für die gestresste Thai-Mittelschicht in Bangkok attraktiver zu machen. Tie, der sich nach einem Gin-Tonic zumindest akklimatisiert hat, bleibt allerdings skeptisch: "Auf den Fernseher kann man zur Not verzichten, aber Handyempfang muss schon sein."

18. September 2007



#1 janAnonym
  • 19.09.2007, 21:04h
  • "Michel Henry würde die beiden Häuser am Sunee Plaza wohl nur über seine Leiche betreten." -- lach. er also über seine eigene leiche. schreiberling, ich musste ein wenig schmunzeln ob dieser kuriosität. ;)
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#2 esb963Anonym
  • 08.03.2008, 01:39h
  • Soso, Single-Reisende sind also unerwünscht. Und Ihr unterstützt diese Diskriminierung durch Propaganda auch noch.
    Falls es noch nicht in Eure Kleinhirne vorgedrungen ist: Nicht jeder Single nimmt sich Stricher!
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#3 handwerkerAnonym
  • 08.03.2008, 08:55h
  • Wie heißt es doch so schön bei den Prinzen, im Song "D"?

    "...es gibt manchen, der sich gern über Kanacken beschwert und zum Ficken jedes Jahr nach Thailand fährt..."
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#5 stromboliProfil
  • 08.03.2008, 12:59hberlin
  • putzfrauen/männer dieser welt vereinigt euch;
    wenn euer starker arm es will, bleibt auch Herr fred mal still..
    putzfrau/männersolidaritätskomitee "roter feudel"
    freiheit für alle putzmittel!
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#6 handwerkerAnonym
  • 08.03.2008, 15:05h
  • @stromboli: Woher hat die Oberschwester Mildred F. Ratched das Bild? Vielleicht aus ihrem Bad? Solch primitive Geräte benutze ich nicht, wenn dann muß es schon Qualität von Ecolab sein. Nur solche Profigeräte kann die sich doch nicht leisten.

    Ich frage mich nur, was das damit zu tun hat, das Die Prinzen aus Leipzig so einen schönen Song geschrieben haben!

    en.sevenload.com/videos/79xgtyW/Die-Prinzen-Deutschland

    P.S.: Ich putze nicht - ich reinige. Das wird die Oberschwester auch eines Tages noch kapieren, wenn sie vielleicht ersteinmal mitbekommen hat, wieviel Geld ich verdiene. Dann wird ihr die Kinnlade herunter fallen, bei den Tariflöhnen. Aber vorher bekommt sie noch eine Aufgabe:

    @Oberschwester Mildred F. Ratched: Erkläre mir den Begriff Penetration.
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