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Klaus Wowereit veröffentlicht seine Autobiografie – und plaudert aus dem schwulen Nähkästchen...

Von Dennis Klein

Private Bekenntnisse ist man von Volksvertretern nicht gewohnt – schon gar nicht von schwulen Politikern. Darum haben sich die Boulevard-Medien auch die Hände gerieben, als erste Passagen von Klaus Wowereits Autobiografie publik wurden. In "...und das ist auch gut so" berichtet der Partybürgermeister auf 300 Seiten von seinem Petting-Partykeller, dem Ärztespiel mit Frauen und seinen Liebeskummer. Die "Bild" druckte exklusiv Buchpassagen vorab und die "B.Z." widmete ihrem Bürgermeister eine Serie. Das Volk kann das Buch ab Donnerstag für rund 20 Euro erwerben.

In seinem Buch schlägt Wowereit einen Bogen von der Kindheit bis zu seiner Funktion als oberster Berliner. Ausführlich berichtet er, wie er zunächst Erfahrungen mit Frauen sammelte: "Klar ich fand Mädchen spannend, aber eben nicht nur", schrieb er. "Ich ahnte, dass ich mich eher zu Männern hingezogen fühlte. In unserer brachial-liberalen Schulzeit bereitete mir diese Erkenntnis zum Glück keine Probleme, auch wenn ich meine Neigung weitgehend für mich behielt." Nach mehreren Liebeleien mit dem "schwachen Geschlecht" wollte er einen festen Partner finden – scheiterte aber zunächst kläglich. Und hatte dann keine Lust mehr auf die Pirsch. Aber: "Kaum hatte ich meine Partnersuche eingestellt, da stand plötzlich Jörn in meinem Leben ... Es war der 29. März 1993."

Als er in den Parteigremien aufstieg, machte sich Wowereit Sorgen, was die schwule Identität für seine Karriere bedeuten würde. "In meiner Generation ist der tabulose Umgang mit Homosexualität nicht so verständlich", analysiert der 53-Jährige. "Mein Privatleben eignete sich geradezu perfekt für eine verlogene Schmutzkampagne". So kam es zu der berühmten "...Und das ist auch gut so"-Rede – die den Lokalpolitiker auf einen Schlag zur Medienbombe machte: "Keine Werbekampagne hätte es vermocht, mich so schnell bekannt zu machen. Noch eine Woche vorher wäre ich stolz gewesen, bei Sabine Christiansen überhaupt auf die Liste der Reserve-Gäste zu kommen." Er verglich den Aufstieg ganz unschwul mit einer Fußball-Analogie: "Das Schicksal hatte mich von der Landesliga in die Champions League geschossen."

Kritik an Boulevardisierung

Die offenen Bekenntnisse des Herrn W. erzeugen nicht überall Begeisterungsstürme. Zeitungskommentatoren erklären, dass Politiker nicht wie Britney Spears oder George Michael ihr Privatleben in der Öffentlichkeit zelebrieren sollten. Sie gehörten in die "Tagesschau", nicht in "RTL-Exclusiv": "Wer das Persönlichste bewusst preisgibt, der hebt die letzte Schranke, der wird zum Freiwild nicht nur auf dem Boulevard. Der riskiert seinen Ruf als seriöser Politiker, weil er sich auch als Narziss offenbart", schreibt die "Welt" in einem Kommentar. Wowereit habe aus seinem "anderen privaten Leben" ein Buch gemacht – aber seine rot-rote Regierung sage nicht viel "zur Zukunft dieser Stadt".

Schwuler Kanzler "möglich"

Trotz der Kritik bereitet sich der Berliner Bürgermeister offenbar auf höhere Weihen vor. Das Buch soll wohl noch nicht eine abschließende Zusammenfassung seiner Karriere sein, steckte er dem "Stern" indirekt: "Ein schwuler Kanzler wäre möglich", erklärte er im Interview – und hatte dabei wohl nicht Guido Westerwelle im Kopf.

19. September 2007



30 Kommentare

#1 JanXAnonym
  • 19.09.2007, 20:41h
  • Die "Welt". Ah ja. Hat also auch eine Meinung. Privatleben
    preisgegeben? Weil er ein Buch über seine Jugendzeit
    schreibt? Also, so was erzähle ich mal so nebenbei beim
    Klatsch mit Kollegen an der Kaffeemaschine. Was ist denn da
    besonderes dabei? Was erzählt sich denn der geneigte
    Welt-Leser so? Satz des Pythagoras? Quantenmechanik?

    Oder mal anders rum angefangen: Ein kurzweiliges Ratespiel
    extra für euch. Ich habe mir gerade eine Person ausgedacht, die
    war mal mit einer Frau zusammen, hat später entdeckt, dass sie
    schwul ist und irgendwann einen Freund kennengelernt. Wie?
    Da kennt ihr mehrere? Kann nicht sein! Ich habe euch gerade
    wirklich dass aller intimste und innerste dieser Person genannt,
    also wenn ihr sie jetzt nicht eindeutig(!!) erratet, kann ich euch
    auch nicht mehr helfen.
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#2 leftqueersAnonym
#3 HampiAnonym
  • 20.09.2007, 03:12h
  • ...ein schwuler Bundeskanzler? Na, dann träumen Sie mal schön weiter, Herr Wowereith. Ich halte es mit der seriösen Zeitschrift die "Welt", wonach Politiker gut daran tun, ihr Privatleben nicht an die prominente Glocke zu hängen. Bei uns in der Schweiz haben wir "sieben Bundeskanzler", das ist die Regierung, bestehend aus zwei Frauen und fünf Männern, und nie und nimmer sind deren sexuelle Eskapaden aus der Jugendzeit Thema in irgendwelchen Büchern oder Zeitschriften. Politiker sollen gewissenhaft ihre Arbeit zum Wohle des Landes tun, und Bücher über ihre ach so interessanten sexuellen Erfahrungen können sie schreiben wenn sie dann einmal zurückgetreten sind. Doch an dieser Stelle mache ich ein Versprechen: Sollte der Schwuli Wowi je deutscher Bundeskanzler werden,an diesem Tag werde ich mich selber endlich als Homo-Schwuchtel outen und eines dieser engen T-Shirts anziehen auf welchem ein Schwanz und zwei Eier aufgedruckt sind und auf welchem ein Pfeil in Richtung Hose zeigt, und darauf steht "I can't blow it myself".....diese T-Shirts gibt's schon heute zu kaufen und eignen sich hervorragen zum Tragen, besonders zur Arbeit im Büro.....pfffff....
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#4 bjoernAnonym
  • 20.09.2007, 03:31h
  • Ich frage mich eher, was dieses Buch zu diesem Zeitpunkt soll, zudem mit freundlicher Unterstützung wichtiger Springer-Blätter (wozu die "Welt" eben nicht gehört). Wowereit ist jetzt sechs Jahre im Amt, die SPD hat ein massives Führungsproblem seit der einzige präsentable Kanzlerkandidatenkandidat, Platzeck, gesundheitsbedingt ausgefallen ist. Das Buch und das Trara darum dürfen wir wohl als Wowereits Bewerbung für höhere Ämter verstehen, vielleicht noch nicht zum höchstwahrscheinlichen SPD-Wahldebakel 2009. Aber ich halte W. für clever genug, zu kalkulieren, daß seine Partei danach mehr als dankbar sein wird für eine neue Führungsfigur. Vielleicht versucht er mit dem Buch auch schon mal Leuten den Wind aus den Segeln zu nehmen, die in seiner Vergangenheit herumschnüffeln wollen.
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#5 GeorgiosAnonym
  • 20.09.2007, 04:13h
  • Wenn noch nicht mal eine renommierte Zeitung wie die Welt es schafft endlich zu kapieren, dass Schwulsein eben mehr als eine "Privatsache" ist, dann weiß ich auch woher die Homophobie in unserer Gesellschaft im Allgemeinen kommt! Im Gegenteil...grad von schwulen Politikern erwarte ich sogar, dass sie so offen wie möglich zu ihrer Sexualität stehen, sie öffentlich machen und somit jungen Schwulen ein Vorbild sind, damit diese sich dann widerrum trauen rauszugehen und zu sich zu stehen.....das ist eine höchst politische Aufgabe im Feld der Minderheitenpolitik, obwohl ich 10 Prozent der Bevölkerung schon beinahe nicht mehr als "Minderheit" sehe.....vielleicht sollten sich die Welt Redakteure mal vorher überlegen was sie da für einen Unfug schreiben. Solang man seine Sexualität als "Privatsache" verstecken soll, solang sind Schwule in unserer Gesellschaft auch nicht akzeptiert. Das sollten sich vor allem die Schwulen merken, die damit hausieren gehen, dass sie sich ja so "angepasst" wie möglich verhalten nur um nicht aufzufallen. So werden wir den "Schrank" niemals wirklich verlassen und immer abhängig sein von der "Gnade" der Mehrheitsgesellschaft......
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#6 MarkusAnonym
  • 20.09.2007, 06:46h
  • Sorry, aber Eure Überschrift passt echt hervorragend zu den "Kollegen" von BLÖD und BZ...
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#7 leftqueersAnonym
  • 20.09.2007, 09:46h
  • @Hampi: Die welt ist seriös? Wow, was ist denn passiert, das die sich um 180° gedreht haben??

    @bjorn: "....die SPD hat ein massives Führungsproblem...."

    Nicht nur das. Bei der nächsten landtagswahl kämen sie in Sachsen auf gerade mal 7%! Waoran das liegt? Vielleicht sollten sie mal wieder Sozialdemokratisch werden...

    @Georgios: ".....nicht mal eine renommierte Zeitung wie die Welt...." Also von dir hätte ich auch etwas mehr erwartet. Die Welt als Renomiert darzustellen...

    Die FAZ, Berliner Zeitung(nicht verwechseln mit der BZ!), die SZ, und andere sind renomiert. Die Welt ist Springer. Das reicht doch schon und sagt doch im Endeffekt schon viel aus.
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#8 GeorgAnonym
  • 20.09.2007, 10:11h
  • Die Überschrift von queer.de ("Wowi lässt die Hosen runter") ist unterstes Niveau!
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#9 madridEUAnonym
  • 20.09.2007, 10:18h
  • Wowi in seiner Offenheit ist und bleibt für mich DER Politiker überhaupt. Es ist nur zu natürlich, dass man ihn in dieser Spiessergesellschaft als Party-Löwen fertigmacht, denn nach deren Kodex dürfte ein Schwuler niemals so weit gekommen sein. Auf seine Memoiren kann man ungefähr so gespannt sein wie auf Erlebnisse aus unserem eigenen schwulen Leben. "Im Westen nichts Neues", wohl aber für Reaktionäre einer "Welt".
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#10 wolfAnonym
  • 20.09.2007, 12:37h
  • na eventuell können ein paar "heterolike" ungeoutete klemmschwestern was lernen, nachdem es ja wieder "chic" ist nicht aufzufallen und so "normal" wie alle anderen zu wirken.
    (es könnte ja meiner karriere schaden.)

    die geschichte wowis dürfte mit vielen von uns in etwa identisch sein, zumindest derer, die sich mit ihrer veranlagung und deren problematik auseinandergesetzt haben.
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