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  • 02. Oktober 2007, noch kein Kommentar

Muss der Partner uns möglichst ähnlich oder besonders unterschiedlich sein? Des Rätsels Lösung liegt in der richtigen Mischung.

Von Eric Hegmann (gay-parship.de)

Gleich und gleich gesellt sich gern Der Volksmund hilft nicht wirklich weiter: "Gleich und gleich gesellt sich gern" gegenüber "Gegensätze ziehen sich an" lässt viele Fragen offen. Welche Faktoren sind wirklich wichtig in einer Partnerschaft? In einer neu erschienenen Studie von Verhaltensforschern behaupteten die meisten Versuchspersonen, sie wünschen sich einen Partner, der denselben sozialen Status habe und ähnlich attraktiv wie sie selbst sei. Doch sind das tatsächlich Garanten für eine harmonische und langfristige Beziehung?

Was sagt die Statistik?

Statistisch gesehen verpartnern sich Akademiker tatsächlich am liebsten unter sich, Arbeiter ebenso. Auch wer von sich selbst glaubt, in Sachen Attraktivität überdurchschnittlich gut abzuschneiden, wählt meist einen Partner, der ähnlich von sich denkt. Neben soziodemografische Faktoren sind bei der Partnerwahl ähnliche Freizeitinteressen ebenso wichtig wie vergleichbare Wertvorstellungen. Das zeigt sich etwa in der Art, seine Zeit zwischen Beruf und Beziehung aufzuteilen. Zum Beispiel Dirk (38): Der freie Grafiker aus Hamburg legt bei seiner Partnersuche vor allem Wert auf einen ähnlichen Beruf: "Als Selbstständiger teile ich meine Arbeits- und Freizeit ganz anders ein als jemand, der fest angestellt ist. Abgabetermine am Montag und deshalb nötige Wochenendarbeit kommen bei mir ständig vor. Für einen Partner, dem es ähnlich geht, ist es viel leichter zu verstehen, dass mein Feierabend nicht immer planbar ist."

Was wirklich zählt

Ähnlichkeit auf Äußeres zu beziehen, stimmt allerdings nur eingeschränkt. Wer blond ist, verliebt sich nicht zwingend in einen ebenfalls blonden Partner. Häufig stehen Blonde sogar eher auf Dunkelhaarige. Oft finden Männer auch an ihren Partnern genau solche Attribute und Eigenschaften spannend, die sie selbst nicht zeigen. Langzeitstudien belegen, dass vor allem gleiche kommunikative Fähigkeiten und ähnliche Wertvorstellungen für eine langfristige Beziehung wichtig sind. Was bedeutet das nun genau?

Kommunikation auf Augenhöhe

Spätestens beim ersten Krach wird klar: Konstruktiv streiten lässt sich nur, wenn man auf Augenhöhe und mit gleichen Waffen kämpft. Wer gewohnt ist, zurückhaltend und argumentativ zu diskutieren, wird mit einer aufbrausenden und fordernden Persönlichkeit schnell an seine Grenzen geraten. Umgekehrt muss jemand, der gewohnt ist, direkt Streitfragen anzugehen, viel Geduld mitbringen, wenn sein Gegenüber zunächst lange um den heißen Brei redet und scheinbar nicht Stellung beziehen möchte. Jochen (41), Lehrer aus Stuttgart, ist die gleiche Wellenlänge der wichtigste Faktor überhaupt: "Ich will mit meinem Partner über die gleichen Dinge lachen können. Mit Humor lassen sich so viele Probleme leichter lösen. Das funktioniert aber nur, wenn wir ähnlich ticken."

Wertvorstellungen im Einklang

Ähnliche Lebensziele sind für eine langfristige, stabile Beziehung unerlässlich. Der amerikanische Verhaltenspsychologe Steven Reiss hat nach jahrelangen Untersuchungen mit weltweit über 10 000 Versuchspersonen 16 Lebensmotive herausgestellt. Diese Motive beschäftigen uns alle, manche in einer starken, manche in einer schwachen Ausprägung. In der Gegenüberstellung von Menschen, denen diese Motive besonders wichtig oder unwichtig sind, bzw. bei denen diese Motive besonders hoch oder niedrig ausgeprägt sind, ergeben sich automatisch Konfliktpotenziale.

Zum Beispiel die Wertvorstellung Macht: Menschen mit einer starken Machtausprägung sind Einfluss, Erfolg, Leistung, Führung und Kontrolle äußerst wichtig. Menschen dagegen mit einer niedrigen Ausprägung bevorzugen ein Leben ohne Führung, reagieren auf Dominanz mit Ausbruchversuchen oder Rückzug. Weitere Lebensmotive sind Unabhängigkeit, Anerkennung oder Ordnung. Solche Werte sind tief in uns verankert und über das gesamte Leben stabil. Sie sind sozial beeinflusst und werden in der Kindheit geprägt. Folgt man der These von Reiss, sind alle Versuche, die Werte seines Partners im Laufe einer Beziehung ändern zu wollen, zum Scheitern verurteilt.

Herkunft und IQ

Auch die Herkunft, "aus welchem Stall" man kommt, spielt mit: Menschen, deren familiärer Hintergrund mit dem unsrigen vergleichbar ist, sind uns auf Anhieb sympathisch. Wenn dann noch Parallelen in der Erziehung, eine gleiche Geschwisterrolle oder ähnliche Erlebniswelten hinzukommen, ist die Großwetterlage für ein paar Schmetterlinge in der Magengegend ausgezeichnet. Ein vergleichbarer ethnischer Hintergrund gehört ebenso zu den Herkunfts-Ähnlichkeiten, die uns anziehen.

Genauso wünschen wir uns einen vergleichbar intelligenten Partner. Niemand möchte sich vom Partner auf Dauer über- oder unterfordert fühlen. Dies beschränkt sich nicht allein auf den IQ. Die meisten Paare gleichen sich in ihren sprachlichen Fähigkeiten, ihrer Vorstellungskraft und Fantasie sowie ihrem Erinnerungsvermögen.

Belebende Unterschiede

Wenn es um Abenteuer und Affären geht, finden wir häufig sogar gravierende Unterschiede von Persönlichkeitseigenschaften extrem anziehend. Wo nicht viel geredet wird, sind ähnliche Kommunikationsfähigkeiten wenig relevant. Wenn es jedoch um eine Partnerschaft geht, können Unterschiede durchaus auch die Chance darstellen, sich ins seinen Fähigkeiten gegenseitig zu ergänzen. Dazu braucht es natürlich ein hohes Maß an Respekt vor den Eigenheiten des Partners (was eine Ähnlichkeit in dieser Wertedefinition voraussetzt). Wer beispielsweise sein Leben chaotisch organisiert, kann von einem Pedanten durchaus etwas lernen - und umgekehrt auch. Bei genauer Hinsicht werden die Partner vielleicht sogar erkennen, dass in der Kreativität des Unordentlichen für den sich nur in festen Strukturen Wohlfühlenden eine Chance liegt, neue Wege auszuprobieren - sicher und gemeinsam mit dem geliebten Menschen. Gegensätze ermöglichen uns, neue Erfahrungen zu machen, auf die wir in unserer eigenen Wahrnehmungswelt niemals gekommen wären. Wer also ausschließlich im Partner eine Bestätigung der eigenen Interessen, Vorlieben und Anschauungen sucht, verpasst möglicherweise die Chance, über den Tellerrand hinauszusehen und ganz neue Dinge zu erfahren.

Das Salz in der Suppe

Paartherapeuten sagen, dass zwar insgesamt bei der Partnerwahl das Ähnlichkeitsprinzip überwiegt, aber auf der Persönlichkeitsebene ebenso das Ergänzungsprinzip zum Tragen kommt. Die Ähnlichkeit ist die Suppe und die Ergänzung das Salz.

2. Oktober 2007