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Eine Hommage des Schwulen Museums Berlin zum 65. Geburtstag von Rosa von Praunheim

Von Wolfgang Theis

Rosa von Praunheim ist einer der seltenen Künstler, denen es gelang, mit einem Werk die gesellschaftliche Wirklichkeit zu verändern. Während der Berlinale 1971 hatte auf dem Internationalen Forum des Jungen Films sein Spielfilm "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" Premiere. Der Film wurde heftig diskutiert. Vor allem die betroffenen Homosexuellen mochten sich nicht in dem vorgehaltenen Spiegel erkennen. Vorführungen, immer von Diskussionen begleitet, führten in verschiedenen Städten der Bundesrepublik zu Gründungen von zumeist studentischen Schwulengruppen. Als der Film nach beträchtlicher Verzögerung erst in den Dritten Programmen ausgestrahlt wurde, war das ein fulminantes Medienereignis. Praunheim wurde zum Sprachrohr der bewegten Schwulen. Kaum eine Sendung, die sich der Sache der Homosexuellen annahm, wollte auf ihn verzichten.

Rosa von Praunheims filmisches Œuvre begleitete in den folgenden Jahrzehnten den langen Prozess der gesellschaftlichen Emanzipation der Homosexuellen. Seine Filme thematisierten die Aids-Krise, die vermeintliche Verbürgerlichung der Schwulenbewegung, das Vorhandensein von Rechtsradikalismus auch in der schwulen Minderheit, die Angst vor dem Alter, das unerschöpfliche Thema der Tunten und ihr Verhältnis zu alten Frauen. Rosa war stets für eine Überraschung gut. Auch in der Öffentlichkeit sorgte er immer wieder für Furore: sei es, dass er im Fernsehen Prominente outete oder schwulen Sex provokant propagierte. Vor seinen indiskreten Fragen über Intimes war niemand sicher. Seine Lust an der Provokation hat mit zunehmendem Alter keineswegs nachgelassen.

Neben all diesen Aktivitäten entstand ein umfangreiches filmisches Werk. Neugier war schon immer eine Stärke des Regisseurs Praunheim. Mit großer Konsequenz hat er sich einer eingängigen Dramaturgie oder auch den vermeintlichen Anforderungen des Mediums verweigert. Seine Filme blieben schrill und unangepasst. Bisweilen überraschte er die Kritiker mit genau beobachteten Dokumentationen, um die so entstandenen Erwartungen dann mit dem nächsten Film wieder zu düpieren. Rosa von Praunheim hat sich in vielen Künsten versucht. Neben dem Film war er als bildender Künstler tätig, und er schreibt Gedichte, Prosa und immer wieder Lebenserinnerungen.

Das Schwule Museum zeigt zu Rosa von Praunheims 65. Geburtstag eine kritisch-liebevolle Hommage, die Leben und Werk dokumentiert, den Einflüssen und Reaktionen nachgeht, die Rosas Schaffen in der Öffentlichkeit hinterlassen haben.

Die Exponate kommen aus den Beständen des Schwulen Museums, überwiegend aber aus dem Besitz des Künstlers oder aus der an die Deutsche Kinemathek verkauften Sammlung Rosa von Praunheim. Begleitet wird die Ausstellung von Lesungen, Diskussionen, einer umfangreichen Retrospektive der Filme im Kino Babylon und weiteren Happenings. Immer mittwochs um 19 Uhr wird es Führungen oder Veranstaltungen geben mit wechselnden Gästen, dem Jubilar und dem Kurator der Ausstellung.

Die Ausstellung wird am 24. November 2007 eröffnet und ist anschließend bis 25. Februar 2008 im Schwulen Museum, Mehringdamm 61 in Berlin zu sehen.

5. Oktober 2007



#1 wolfAnonym
  • 05.10.2007, 15:38h
  • das hat es gebraucht, eine hommage für diesen selbsternannten schwulenkennenden filmchenmacher !
    allerdings hat er es immer geschafft im mainstream mitzupaddeln, egal um welchen preis hat er es geschafft sämtliche freunde und deren macken, für seine zwecke zu missbrauchen, bis hin zum tod von dietmar kracht, der im grunewaldsee, angeblich bei einer nächtlichen fete, ertrank.
    (bettwurst).
    er hat der schwulenbewegung nichts gebracht, denn die berühmten diskussionen anfang der 70ger, waren damals schon höchst peinlich und hatten mit der wirklichkeit absolut nichts zu tun.
    einfach nur ärgerlich so eine unperson immer noch zu hofieren.
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#2 stromboliAnonym
  • 07.10.2007, 11:11h
  • tut mir leid @wolf ,

    man kann zu rosa stehen wie man will , wichtig für die bewegung in der anfangsphase , war sie mit sicherheit ! Allein die kontroverse diskussion um seinen film brachte die schwimmelige szene der damaligen zeit in aufruhr , den schwulen auf die strasse und ins öffentliche bewustsein .
    Die spitzen , darin vorgetragen , änderten die sicht auf sich selbst und seine umwelt .
    So fangen halt mal dinge an , die verändern ; zuerst der blick auf sich selbst dann der nach draussen .

    Auch sein gesamtwerk ist diskutierfähig aber wichtig . Viel schwaches reiht sich an starke eindrücke die bleiben , auch wenn einem seine narzistische eitelkeit auf den wecker geht .

    Mit der benutzung der freunde und weggefährten teilt er seine egomanie mit anderen , vieleicht wichtigeren (fassbinder z.b. ) aber auch das hat 2 seiten der medaille . Warhol beschreibt es mit den 5 minuten berühmtheiten von dem man zehren kann und dem dann verfallenden glanz .
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#3 Georg FalkenhagenAnonym
  • 07.10.2007, 12:28h
  • Für mich war Rosa immer ein großes Vorbild und wird es immer bleiben, er hat eine angemessene Ehrung verdient.

    Wenn ein Herr Wowereit im neuesten 'Stern' auf die Frage "Reden schwule Politiker miteinander übers Schwulsein?" zum Besten geben darf:
    "Na, man kannte ja bis zu meinem Outing keinen. Da konnte man auch nicht reden. Jeder hat sich mit dem Schweigen arrangiert. Es ist auch kein großes Thema. Das Beste wäre, wenn es überhaupt kein Thema wäre. Das ist aber leider noch nicht der Fall" zeigt das doch wohl mehr als deutlich, wie es um die "schwule Sache" bestellt ist...

    www.stern.de/politik/deutschland/Klaus-Wowereit--Der-und-das
    -ist-auch-gut-so-Mann/598580.html?p=2&nv=ct_cb
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#4 madridEUAnonym
  • 09.10.2007, 12:16h
  • Über seine schrillen Filme haben wir uns immer köstlich amüsiert. In einem seiner Bücher erkennt man sich selber, denn es sagt aus, wie wir vor Aids gelebt und geliebt haben. So war´s und nicht anders. Schade, dass sich so sehr viele Schwule nicht gerne mit ihm identifizieren wollen, was vermutlich daran liegt, dass Praunheim auf die Mehrheit der Heteros abschreckend wirkte, was wir unterschwellig übernommen haben könnten ?
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#5 stromboliProfil
  • 09.10.2007, 12:45hberlin
  • @madridEU ,
    eher , weil wir eifersüchtig keine anderen egomanen an unserer seite wünschen .
    Solche widersprüche , wie er sie in sich und seinem gesamtwerk verkörpert , bräuchte die community mehr !

    Ich wünsch ihm was ... und nicht zu wenig !
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#6 madridEUAnonym
  • 09.10.2007, 13:02h
  • @stromboli: Gut möglich, aber dann denke ich an Fassbinder und Almodóvar, die doch kaum in unserer Gemeinde auf Ablehnung stossen, ja in allen Schichten akzeptiert werden. Es ist vielleicht die schrille und etwas abstrakte Form der Darstellung, die nicht als repräsentativ angenommen wird ? Auch der radikale, aber aussagekräftige Pasolini bot Reibungspunkte. Visconti in seiner Ästhetik, die wir besser kennen, weniger.
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#7 stromboliProfil
  • 09.10.2007, 13:37hberlin
  • @madridEU ,
    zu fassbinder täuscht dich deine erinnerung : Faustrecht der freiheit oder "die bitteren tränen der petra kant" waren filme die in der community heftigste reaktinen hervorrufen .

    Für Passolini steht eher die auseinandersetzung mit dem katholizismus im vordergrund und seine anfeindung durch den klerus . Ansonsten fand selbst die passage der homosexuellen verführung durch den "engel" in "teorema " kaum beachtung ; sogar den preis der katholischen filmkritik beim festival di venezia wurde ihm zugesprochen . Es sind die schriften die die aufruhr ausmachten .
    Almodòvar hingegen tritt in einer zeit auf , in der auch das schrille akzeptanz fand .
    Was alle drei verbindet ist ihr speziell schwuler blick auf frauen !
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#8 stromboliProfil
  • 09.10.2007, 13:49hberlin
  • ach ja , Visconti ,
    ausser , der uns bekannten liaison zu helmuth berger und seine techtelmechtel mit alain delon (sowie die ,der gescheiteten mit horst buchholz ... der sollte die rolle delon's in "der leopard" übernehmen ) , ist nur minimal homosexualität thema in seinem werk . Siehe "gewalt und leidenschaft " .
    So auch "die verdammtem " , kein werk ,dass sich mit homosexualität beschäftigt , sondern sie als historisches zitat nutzt .
    ciao , wie wars in italien ?
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#9 madridEUAnonym
  • 09.10.2007, 17:02h
  • Ach @stromboli: Bin von Mailand an den Comer See
    bis Lugano mit ital. Freunden gefahren, wo ich noch nie war. Noch immer sprachlos über die Schönheit dieser Gegend.
    Dann die ganze Pallette der einzigartigen Architektur gemischt mit tadelloser Gastronomie, die mich immer wieder zu dem Schluss kommen lässt, dass sowohl der Bodensee als auch vergleichbare spanische Regionen niemals diese Exklusivität vorweisen können. Dies stellt mich erneut vor die Herausforderung einer Analyse. Wie wär´s Deinerseits damit, auch wenn wir hier stark vom Thema abdriften ?
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