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  • 13. Oktober 2007, noch kein Kommentar

Interview: Henning von Berg über erotische Fotos und seinen neuen Bildband "Alpha Males"

Von Carsten Weidemann

Wann ist ein Foto erotisch?

Gemeinhin gilt schon nackte Haut an sich als erotisch. Idealerweise sollen HvB-Fotos noch ein Quäntchen mehr zeigen, beispielsweise einen ungewöhnlichen Ort, eine unerwartete Haltung, eine freche Aussage, eine Übertreibung, eine Prise Humor. Manchmal sogar eine leise Anlehnung an Sex.

Nach welchen Kriterien hast du die Fotos für den dicken und großformatigen Band "Alpha Males" ausgewählt?

Im Winter 2006/2007 hatte ich aus meinem Archiv (insgesamt 160.000 Negative, Dias und Digitalbilder) rund 300 Eye-Catcher herausgesucht. Der Fotobuch-Lektor im Bruno Gmünder Verlag hat mich dann mit seiner großen Erfahrung kollegial beraten. Rund 100 Bilder wurden verworfen, da sie zwar fotogen sind, aber nicht exakt zum speziellen Thema "Alpha" passten. Da es sich um eine Retrospektive handelt, sollten in der Werkschau (1997-2007) auch HvB-Klassiker vorkommen. Zudem legte ich Wert auf einige reifere Alpha-Herren und bissige Macho-Parodien.

Viele deiner Models sind keine Profis. Was ist das Besondere an der Arbeit mit Amateuren?

Viele Profimodelle agieren wie vorprogrammierte Maschinen. Sie haben halt gelernt, in bestimmter Weise zu gucken und zu posieren. Das ist manchmal von Vorteil, ergibt aber eine oftmals ungewollte Statik und Monotonie. Die Arbeit mit Amateuren dagegen erfordert sehr viel mehr Zeit und Geduld, weil Vieles erst vor Ort eingeübt werden muss. Doch die Ergebnisse gefallen mir mehr. Die Posen der Laien wirken natürlicher, ehrlicher, authentischer.

Wie schaffst du es, den Models Ängste oder Hemmungen zu nehmen und bei Akt-Aufnahmen dann auch noch erotische Momente einzufangen?

Mir sagt man große Lockerheit mit Modellen nach. Offenbar kommt meine direkte und fröhliche Art gut an. Vielleicht ist es die herzliche Offenheit bei gleichzeitiger Distanz? Ich gehe gern vorurteilsfrei auf Personen zu. Trotzdem wahre ich stets professionellen Abstand. Bei Fotositzungen lassen sich beide Seiten bewusst auf eine große Intimität ein. Diese Nähe erfordert von beiden ein enormes Entgegenkommen. Ich fotografiere daher nur Menschen, die mir wirklich sympathisch sind. Nur wenn die Chemie zwischen Fotograf und Modell tatsächlich stimmt, können herausragende Aufnahmen entstehen.

Deine Fotografien sind oft Außenaufnahmen. Warum lohnt sich der größere Aufwand, Fotos unter freiem Himmel zu schießen?

Im Studio hat man zwar immer perfektes (Kunst-)Licht aus zig fest installierten Scheinwerfern und Spezialspots, aber ich bevorzuge trotzdem die komplizierte Auseinandersetzung mit den 100.000 unterschiedlichen Lichtstimmungen des natürlichen Sonnenscheins. Ein Studio kann man wohltemperiert heizen, aber ich fahre gern drei lange Stunden hinaus in eine brütendheiße Wüste oder in ein windiges Bergmassiv, denn dort habe ich eine viel authentischere Atmosphäre. Außerdem erzeugt es bei uns einen besonderen Kitzel, an eigentlich verbotenen oder gar gefährlichen Locations zu arbeiten.

Wie findest du die passenden Orte für deine Shootings?

Ich blättere gerne in Bildbänden (Reise- und Kunstführern) und lasse mich von exotischen Ideen inspirieren. Zudem befrage ich regionale Location-Scouts nach besonderen Gebäuden und Landschaften.

Im Sommer 1999 warst du Co-Initiator des spektakulären Foto-Shootings mit sechs nackten Männern im Berliner Reichstag. Hattest du mit den heftigen Reaktionen gerechnet?

Zusammen mit dem Buchautor Dietmar Kreutzer hatte ich das Konzept für die Kunstaktion "Akte in der Öffentlichkeit" entwickelt. Im Sommer 1999 fotografierte ich mit dem Team sechs splitternackte Männer vor den Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt für die Serie "Naked Berlin". Weil wir unter anderem auch im Deutschen Parlament waren, ging die Session als so genannte "Reichstagslümmel" in die Pressegeschichte ein. Natürlich hatten wir einige Aufregung erwartet, aber keinen globalen Rummel. Durch die sensationellen Pics wurden meine tabubrechenden Konzepte endgültig weltweit bekannt. Aus dem frechen Happening war ein künstlerischer Durchbruch geworden. Leider wurde ich danach dauernd in die Schublade "schwuler Fotograf" gesteckt. Meine vielen anderen Projekte mit Frauen, Greisen und Behinderten nahm man überhaupt nicht zur Kenntnis.

Gibt es lang gehegte Träume, die du unbedingt noch realisieren willst?

Einige Promis durfte ich ja bereits fotografieren. Jetzt träume ich noch von Portraitsessions mit Elizabeth Taylor, David Hockney, Ian McKellen, John Waters und Bette Midler.

Henning von Berg: Alpha Males, Bruno Gmünder Verlag., 160 Seiten, 44,95 €

Am 10. November um 18 Uhr lädt der Verlag zu einer Signierstunde mit HvB und Modellen im Bruno’s Berlin am Nollendorfplatz.


13. Oktober 2007