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  • 08. November 2007, noch kein Kommentar

Zu Besuch in der schwulen US-Metropole am Michigan-See.

Von Roberto La Pietra (Text und Fotos)

Jazz, eine tolle Skyline und ein Gemisch aus vielen bunten Kulturen. Dafür steht Chicago. Die Stadt rühmt sich ihrer vielen unterschiedlichen Neighbourhoods und genau darauf sollte man sich auch konzentrieren, wenn man die Metropole besucht. Neben dem obligatorischen Italiener- und Chinesenviertel gibt es die wohl größte griechische Gemeinde in den USA. Wer sich nicht alleine umgucken will, kann einen der Chicago Greeters in Anspruch nehmen. Das sind Einheimische, die Besucher unentgeltlich durch die einzelnen Stadtviertel führen. Lediglich um Vorab-Reservierungen wird gebeten.

Zugegeben: beim Spaziergang durch die Innenstadt, den so genannten Loop, kann man ein wenig enttäuscht werden. Wer hier die Quirligkeit eines New Yorker Times Squares erwartet, irrt. Die Entfernungen sind groß und die Möglichkeit, bei einem Becher Kaffee die Welt vorüberziehen zu lassen, ist gering. Selbst Starbucks findet sich hier schwer, und das mag in den USA wirklich was heißen.

Die Skyline kann sich aber sehen lassen. Ultramodern und gleichermaßen schön von der Nähe wie von der Ferne, gehört die Silhouette zu den markantesten aller US-Metropolen. Wer seine Beine schonen will, der sollte sich in die Hochbahn "EL" setzen und die Gegend gemütlich an sich vorbeiziehen lassen.

Im Sommer ist der Lake Michigan natürlich eine Wonne. Welche Stadt hat schon so was zu bieten? Schaut aus wie ein Meer, schmeckt aber nicht nach Salz! Lange Strände ziehen sich in Richtung Norden. Die Wolkenkratzer im Hintergrund schaffen ein Strandflair ganz ungewöhnlicher Art. Im Winter wird es allerdings zugig, wenn mal wieder ein stürmischer Wind aus Norden kommt und über den See peitscht. Dann liegt der Lake Michigan alles andere als platt da und die Wellen schlagen mehrere Meter hoch gegen die Küste. Die Chicagoer packen sich dann in dicke Mäntel und laufen mit schnellem Schritt fröstelnd durch die langen Straßen.

Rund drei Meilen nördlich des Loops liegt Lakeview, das viele Schwule, aber auch College-Studenten der nahen Uni zu ihrem Zuhause gemacht haben. So entstand hier eine nette Mischung aus zahlreichen Szene-Bars entlang der Halsted Street und leicht bekleideten Burschen, die selbst bei Minus-Temperaturen in Flip Flops und kurzen Shorts von den vielen Fitness-Studios zu ihrer Studenten-WG’s hetzen. Fitness scheint in diesem Viertel überhaupt eine recht große Rolle zu spielen. Überall kommt man an großen Glasfronten vorbei, hinter denen sich junge Kerle dabei zusehen lassen, wie sie an ihrem Body feilen. So ein Spaziergang heizt auf! Auch bei kalten Temperaturen….

Lakeview ist der Inbegriff der so genannten Gentrification. Ein Viertel kommt in die Jahre, die Kriminalität steigt, alle ziehen weg. Dann, auf einmal, entdecken Künstler das Viertel, ziehen in billige Apartments, die Schwulen ziehen nach und putzen die alte Bausubstanz aus braunem Backstein heraus. Schwuppdiwupp entsteht ein edles Viertel mit vielen Läden und Cafés – die Gegend erfährt eine Renaissance. Die Preise allerdings auch…denn die schnellen ebenfalls nach oben. Somit ist das Viertel unter Umständen gerade auf dem Weg zum Yuppie-Quartier.

Schwul auszugehen ist auf der Halsted Street übrigens ganz einfach. Die meisten Szene-Kneipen präsentieren sich als typisch amerikanische Bars und sind leicht zu finden. Die Regenbogen-Säulen entlang der Straße weisen dem Besucher den Weg.
Empfehlenswert sind zum Beispiel: Gentry, Roscoe’s Tavern, Cocktail und Touche. Der beliebteste Club ist das Spin.

Auch die Biermarken haben sich übrigens auf die schwule Klientel eingestellt. "Just be yourself" lautet die Leuchtreklame des Herstellers Budweiser im Fenster einer Bar – und das noch dazu in Regenbogen-Farben. Na wenn das nicht einladend klingt!

8. November 2007