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Der kanadische Kardinal Marc Ouellet hat sich bei Schwulen und Lesben für die Verfolgung entschuldigt – zumindest ein bisschen.

Von Dennis Klein

Das ist ein Novum in der katholischen Kirche: In einem gestern veröffentlichtem offenen Brief hat sich der Erzbischof von Québec-Stadt, Kardinal Marc Ouellet, für die "Fehler" der katholischen Kirche in der kanadischen Provinz vor 1960 bei Schwulen und Lesben und anderen Gruppen entschuldigt. "Ich erkenne an, dass die Engstirnigkeit einiger Katholiken vor 1960 Antisemitismus, Rassismus, Gleichgültigkeit gegenüber Ureinwohnern und Diskriminierung gegen Frauen und Homosexuelle gefördert hat", so der ranghöchste Katholik in Kanada. Diese Fehler hätten das Bild der Kirche beschädigt und einen Keil zwischen die Bevölkerung des französischsprachigen Teils Kanadas und deren religiöse Identität getrieben. "Wir verstehen unsere Fehler jetzt. Bitte vergeben Sie uns für den Schmerz, den wir verursacht haben", erklärte Ouellet.

Homo-Aktivisten kritisieren Kardinal

Obgleich die Entschuldigung ein Fortschritt sei, kritisieren Homo-Gruppen, dass ein simpler Brief nicht ausreicht, die Schuld der Kirche wegzuwischen: "Fühle ich mich besser, weil der Kardinal anerkennt, dass die Kirche die Bevölkerung geschädigt hat? Nicht wirklich, denn der Kardinal bietet keine Lösungen an", erklärte der Homo-Aktivist Michael Hedricks aus Montréal. "Die Kirche hat auch nicht damit aufgehört zu diskriminieren. Erst wenn ich eine Frau als Pfarrerin sehe, kommen wir dem Ende der Diskriminierung näher".

Aktivist Laurent McCutcheon hält den Brief für wertlos, da Ouellet selbst oft genug durch "verunglimpfende und schmerzliche Bemerkungen" gegen Schwule und Lesben polemisiert habe: "Für Homosexuelle klingt das eher nach Manipulation als nach einem Akt der Reue". Der Kardinal hatte sich insbesondere als erbitterter Gegner der Ehe-Öffnung einen Namen gemacht. Er hatte die Homo-Ehe vor zwei Jahren als Diskriminierung von Christen und schädlich für Kinder bezeichnet. Kanada hatte 2005 als erster nichteuropäischer Staat die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet (queer.de berichtete).

Für den Theologen Gilles Routhier von der Laval-Universität in Québec-Stadt kommt der Schritt "überraschend". Er nannte es "merkwürdig", dass sich der Kardinal nur auf die Zeit vor 1960 bezieht: "Er redet also über Dinge, bei denen er nicht selbst mitgewirkt hat und die deshalb keine Auswirkungen auf ihn haben", so Routhier gegenüber "CanWest".

Verhaltenes Lob der Frauenministerin

Lob für den Brief gab es von der Frauenministerin von Québec. Christine St-Pierre von der Liberalen Partei erklärte, der Schritt des Kardinals sei "mutig". "Aber es ist natürlich noch viel zu tun. Insbesondere müssen die Rechte der Frauen innerhalb der katholischen Kirche endlich respektiert werden", so St-Pierre.

Seine Kollegen in der katholischen Führungsriege hüllen sich nach dem Brief in Schweigen. Kein Bischof wollte gegenüber kanadischen Medien zu dem Thema Stellung beziehen. Eine Sprecherin der kanadischen Bischofskonferenz sagte schlicht, dass es jedem in der Kirche frei stehe, seine persönliche Meinung über die Lage der Welt und der Kirche zu äußern.

In Québec hatte die katholische Kirche bis in die 1960er Jahre erheblichen Einfluss auf die politischen Parteien und das Bildungssystem ausgeübt. In der so genannten "Leisen Revolution" ist dieser Einfluss bis heute verloren gegangen. Verschwindend wenige Frankokanadier besuchen noch den Gottesdienst, viele Kirchengebäude sind inzwischen verkauft worden oder verfallen.

22. November 2007



Auch Westerwelle lobt Papst

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich positiv über die Aussagen von Papst Franziskus zur Homosexualität geäußert.
#1 wolfAnonym
  • 22.11.2007, 18:57h
  • woher kommt wohl der begriff "scheinheiligkeit " ???
    zumindest besteht hoffnung, dass der mitgliederschwund und der priestermangel die nekrophilen betonköpfe in die klemme bringt! ausserdem altersmässig, da war doch noch was ???

    wieso nimmt der liebe gott die besten immer so früh zu sich ?
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#2 ThomasAnonym
  • 23.11.2007, 14:55h
  • Das kommt mir vor wie in der Politik.
    Wenn die Mitglieder weniger werden "öffnet" man sich plötzlich auch für die ungeliebten sogenannten Randschichten. Hauptsache Stimmen/Schafe ....
    Z.B bei der evangelischen Kirche war es keinesfalls selbstverständlich daß Frauen in die Theologieseminare durften. Das geschah durch die "Natur in der Sache"
    Denen sind nämlich irgendwann die männlichen Bewerber ausgegangen (zu erfahren bei einem Besuch im Kloster Maulbronn) und heute brüstet sich die Kirche wie fortschrittlich sie ist. Den offiziellen Kirchen (besonders der katholischen) schwimmen die Felle davon .... da werden wir noch von so mancher Seite "Entschuldigungen" hören ....
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#3 redforceAnonym
  • 23.11.2007, 15:13h
  • Bei aller berechtigten Kritik - man muss auch mal loben. Ich finde diesen Schritt gut. Wenn nur andere Kardinäle auch solche Töne anschlügen, wäre das mal ein guter Anfang.
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#4 gerdAnonym
  • 23.11.2007, 19:36h
  • Auch von mir kommt Lob, wenn ein katholischer Kardinal/Bischof endlich in die richtige Richtung geht und offiziell sich für frühere Verhaltensweisen der katholischen Kirche entschuldigt.

    Mir ist jeder katholische Kirchenobere willkommen, der diesen Schritt offiziell geht. Denn lieber zu spät entschuldigt, als nie... aber die katholischen Bischöfe und Kardinäle denken sehr, sehr unterschiedlich, wenn man nur an Kardinal Meissner sich erinnert. "Der geht sowas von gar nicht"....
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#5 leftqueersAnonym
  • 23.11.2007, 19:51h
  • Meine Hochachtung vor diesem Mann!

    Der nächste logische Schritt wäre eine Entschädigung für die opfer der Antischwulen Politik der Katholischen Kirche bzw. eine Rehabilitierung dieser.

    Etwas, wovon mancher Homosexuelle, der Opfer des §175 wurde, heute noch träumen kann, da sich die Regierung der BRD bisher noch nicht dazu veranlasst sah, dies zu tun.
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#6 StarletAnonym
  • 24.11.2007, 10:47h
  • Es ist doch schön, zu sehen, dass wieder einmal ein Einzelner sich durchgerungen hat, über die in der Kirche immer noch vorhandenen Vorurteile nachzudenken! Die meisten wollen doch gar nicht nachdenken.
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#7 Thomas FrankfurtAnonym
  • 24.11.2007, 18:08h
  • Was will man denn noch? Für mich ist das ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung. Nach der Entschuldigung von Papst Johannes Paul II, der australischen Bischofskonferenz bei den Aboriginees und dem Erzbischof von Chicago wegen pädophiler Priester hier nun ein weiterer mutiger Mann. Einer Entschuldigung hat man zunächst mal Respekt zu zollen, egal, von wem sie kommt und darüber hinaus hat man sie auch anzunehmen, denn wir sind alle Menschen mit Fehlern und Schwächen und es wäre von unserer Szene ebenfalls ein Zeichen der Demut, solch eine Entschuldigung einmal auch anzunehmen, anstatt immer nur darauf herum zu hacken, denn getreu dem Motto "... wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein".

    In diesem Sinne
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#8 KatrinAnonym
#9 thomasAnonym
  • 30.12.2007, 23:05h
  • die katholische kirche hat uns schwulen und vor allem unseren vorgängern so viel leid zugefügt, dass es mit der einzelnen entschuldigung eines kirchenvertreters nicht getan ist (so löblich dies auch sein mag!).
    papst johannes paul II. hat sich für viele fehler der katholischen kirche entschuldigt - wir schwulen waren bisher nicht dabei.
    und selbst wenn, die offizielle lehre der kirche ist in sich sündhaft gegen homosexuelle. und diese sünde verlangt keine entschuldigung, sondern reue und buße!!!!
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