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Erste Ergebnisse der Bochow-Studie zeigen u.a.: Safer Sex ist nicht auf dem Rückzug – und Städter sind promisker als Landeier.

Von Dennis Klein

Im Sommer hatte queer.de mit anderen schwulen Portalen und Print-Magazinen seine Leser aufgerufen, an der neuen Bochow-Studie teilzunehmen. Die seit vielen Jahren regelmäßig durchgeführten Untersuchungen im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollen Aufschluss über die Lebensweise von Schwulen geben. Neueste Ergebnisse liegen jetzt vor.

In knapp zwei Monaten wurden über 8.000 Fragebögen ausgefüllt, drei Viertel von ihnen online. Damit zeichnet sich ein recht klares Bild der deutschen Schwulen ab. Allerdings sind Klemmschwestern oder szeneferne "Männer, die mit Männern schlafen" in der Umfrage natürlich nicht erfasst – daher sind die Zahlen natürlich nicht repräsentativ für alle Schwulen in Deutschland. Auch sind die Schwulenmetropolen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt deutlich überrepräsentiert.

Hier die Ergebnisse:

Partnerschaften

Knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) sind Singles. Dabei ist der Anteil in Stadt und Land gleich. Von den Männern, die "vergeben" sind, geben 29 Prozent an, "monogam" zu leben, 24 Prozent sind in einer offenen Beziehung. Wie erwartet sind Modelle mit "Fremdgehen" in den Metropolen populärer – eine Mehrheit der Beziehungen in den Homo-Hochburgen sind offen, während sich Schwule auf dem Land zumeist sexuelle Treue versprechen.

Elf Prozent der festen Partnerschaften haben inzwischen die Homo-Ehe geschlossen, 18 Prozent erwägen diesen Schritt. Die grundsätzliche Ablehnung blieb konstant bei neun Prozent. Singles und Ältere stehen dem Modell der Eingetragenen Partnerschaften kritischer gegenüber als Männer mit festem Freund oder Jüngere.

Anzahl der Sexpartner

So promisk wie in den Medien oft porträtiert sind Schwule gar nicht: Etwa die Hälfte der Befragten gibt an, nur maximal drei verschiedene Sexualpartner in den letzten zwölf Monaten gehabt zu haben. 23 Prozent hatten nur einen, ein Prozent gar keinen. Über 50 Partner hatten im gesamten Bundesgebiet vier Prozent, die Quote in den Homo-Hochburgen ist wie vermutet höher (Berlin: sieben Prozent). Verglichen mit älteren Studien hat sich in den vergangenen Jahren die Promiskuität von Schwulen damit nicht erhöht.

Safer Sex

Der Kondomgebrauch bei Analsex unter Schwulen hängt im großen Maße davon ab, ob dieser mit einem festen oder losen Partner praktiziert wird. Unter HIV-Negativen und Ungetesteten verwendet die Hälfte grundsätzlich kein Kondom bei einem festen Partner; bei einem "Fremden" sind es vier Prozent, die nie ein Kondom verwenden. 30 Prozent verwenden bei festen Partnern grundsätzlich ein Kondom, 72 Prozent bei anderen Sexpartnern.

Unter HIV-Positiven verwenden nur 38 Prozent grundsätzlich ein Kondom bei fremden Partnern, 54 Prozent verwenden es dagegen "flexibel" – abhängig davon, wie der erklärte oder vermutete HIV-Status des Partners ist.

Nach dieser Umfrage verhalten sich 70 Prozent aller promisken schwulen Männer safe. Verglichen mit älteren Studien ist dieser Wert in den letzten rund 20 Jahren weitgehend konstant geblieben. Damit zeige die Studie, dass die weithin angenommene "deutliche Erosion von Safer Sex" trotz steigender Neudiagnosen nicht stattgefunden habe, so die Autoren.

HIV

Rund sieben Prozent aller Teilnehmer der Studie sind HIV-positiv getestet. 58 Prozent haben einen negativen Test erhalten, 35 Prozent sind ungetestet. Der Anteil der HIV-Positiven ist in den Homo-Metropolen weit höher. Spitzenreiter ist Berlin mit rund 16 Prozent positiven Testergebnissen.

Eine gute Entwicklung sei, dass die Materialien der Aids-Hilfen unter Schwulen sehr bekannt sind – und das unabhängig davon, in welcher Region sie leben. So kennen drei Viertel der Befragten die Präventions-Plakate und mehr als die Hälfte die Faltblätter. Nur jedem zehnten sind diese Materialien gänzlich unbekannt. Der Anteil unter Jüngeren ist dabei höher.

Neun von Zehn Befragten wussten zudem, wie sie HIV übertragen lässt (durch Blut und Sperma). 18 Prozent der Hauptschüler, aber nur acht Prozent der Abiturienten wussten das nicht.

Beleidigungen

Die Anzahl der Gewalterfahrungen hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. 13 Prozent gaben an, in den letzten zwölf Monaten wegen ihrer Homosexualität angepöbelt oder beleidigt worden zu sein. Insbesondere junge Schwule sind davon betroffen. Ungeoutete blieben dagegen weitgehend von Pöbeleien verschont. Der Anteil von Opfern von Beleidigungen war in Dörfern, Städten und Metropolen gleich hoch.

23. November 2007



#1 seb1983
  • 26.11.2007, 12:50h
  • 16% HIV Positive in Berlin...

    Wenn wir das mal als repräsentativ ansehen also etwa jeder 6te Schwule ist dort HIV Positiv.
    Da hat sich die Hauptstadt ja mal wieder ganz nach vorne gerammelt, Glückwunsch.
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#2 SimonAnonym
  • 26.11.2007, 15:52h
  • Also ich bin über die 16% echt geschockt... das ist eindeutig zu viel... egal wie man es begründen möchte.
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#3 silvioAnonym
  • 27.11.2007, 21:31h
  • Die Testkampagnen zeigen Wirkung. Es ist gut, zu wissen, ob man HIV+ ist oder nicht. Es ist eher schlecht, sich nicht testen zu lassen wenn vielleicht ein Risiko gegeben war. Safer Sex ist Sicherheit zu 99%, nicht zu 100%! Wer von seiner Infektion weiss, verhält sich auch danach. Und er kann dann auch eine Therapie anfangen. Schlecht ist, wenn man davon ausgeht, negativ zu sein, aber doch HIV+ ist.
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#4 silvioAnonym
  • 28.11.2007, 14:15h
  • Mit repräsentativ ist da nix. Die Grundgesamtheit der Schwulen in Deutschland ist (gottseidank) nicht bekannt. Und die müsste man ja wissen um repräsentative Studien durchzuführen.
    Also: Vorsicht bei den Zahlen....Jeder liesst halt nur das aus den zahlen, was er lesen will. Stichwort "selektive Wahrnehmung" bite bei wikipedia nachschauen...
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#5 menschenrechte für alleAnonym
  • 28.11.2007, 16:26h
  • @silvio: Noch ist diese Zahl nicht bekannt. Das könnte sich aber schlagartig ändern, denn ab 1.1.08 gilt die vorratsdatenspeicherung. diese dient leider eben nicht der angeblichen "Terrorabwehr", nein, sie ist der erste große Schritt in den Überwachungsstaat, denn mit ihr lassen sich Profile von jedem Bürger anlegen. Zum Beispiel "Rosa Listen".

    Wiederstand?
    vorratsdatenspeicherung.de

    Petition unterschreiben! Ich hab`s schon gemacht.
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#6 hugoAnonym
  • 28.11.2007, 17:21h
  • @silvio:

    Leider ist es eine präventionspolitische Bauchlandung, wenn Du sagst, wer positiv getestet sei, verhalte sich auch danach.

    Der (ja auch von Dir angedeutete) Umkehrschluss legt es nahe, ein vermeintlich "Negativer" könne die Prävention schleifen lassen.

    Höre ich da gauweilereske Töne im schwulen Gewand? Für die Prävention sind die Positiven und nicht alle zuständig?

    Das zeitweilig kolportierte Ammenmärchen, Positive könnten mit anderen Positiven aufs Gummi / auf die Prävention verzichten, ist inzwischen ja auch hinreichend widerlegt, da so nur Virusmutationen und Resistenz gegen die Medikamente gefördert werden.
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#7 splattergayAnonym
  • 29.11.2007, 17:48h
  • Wenn man von einer geschätzten Anzahl von etwa 40.000 infizierter Schwuler in D ausgeht und 7% aller Schwulen infiziert sind, dann ist die Gesamtzahl schwuler Männer aber relativ gering (ca. 600000). Das bestätigen andere Untersuchungen ja auch. Das ist aber weit von den 10% entfernt, die immer umhergeistern.
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#8 silvioAnonym
  • 30.11.2007, 15:50h
  • @hugo
    O.K. Wer sein Testergebnis kennt, verhält sich i.d.R. danach.
    Ein Umkehrschluss hast nur Du gezogen.
    Ich fordere ja geradezu zum Test auf, um die "Vermeintlichkeiten" zu klären.

    Natürlich sind für die Prävention bzw. die Sorge um die eigene Gesundheit und die Sorge um die Gesundheit des anderen alle verantwortlich.

    HIVpositive, die sich andere HIVpositive zum barrierefreien Sex suchen, handeln verantwortlich. Und auch dann, wenn Ihnen die möglichen Mutationen und Resistenzen relativ egal sind. Die Haltung wäre doch: ich möchte niemanden mit HIV infizieren.

    Was ist mit denen, deren Viruslast fast vollständig unterdrückt ist?
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