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Zum 65. Geburtstag des schwulen Skandal-Regisseurs: DVD-Set mit 5 Filmen

Von Carsten Weidemann

Zum 65. Geburtstag von Rosa von Praunheim präsentiert absolutMEDIEN fünf Filme in einer Box.

"Manche bezeichnen mich als den beliebtesten und manche als den unbeliebtesten schwulen Filmregisseur Deutschlands. Und dafür habe ich eine ganze Menge getan", sagt Praunheim über sich selbst: "Seit über 30 Jahren nerve ich nun die Nation mit meinen Filmen, endlosen Talkshows, vielen Büchern, Hörspielen und Theaterstücken."

Praunheim: "Man kann mich als historisch, hysterisch bezeichnen, als Stück eines schwulen Museums. Manche bezeichnen mich als egozentrischen Selbstdarsteller, andere als den weltweit produktivsten Schwulenfilmer. Schwul war ich schon immer, aber Filme darüber machte ich viel später und mache sie in hohem Alter von fast 65 Jahren immer noch. Für die einen bin und bleibe ich Dilettant, für die anderen bin ich Kunst und Kult. In 40 Jahren habe ich über 60 Filme gedreht."

Die Box enthält die Titel "Die Bettwurst", "Anita - Tänze des Lasters", "Tunten lügen nicht", "Der Einstein des Sex" sowie "Männer, Helden, schwule Nazis".

26. November 2007



#1 Fiete_Jansen
  • 23.05.2008, 15:20h
  • Ich finde es ja gut, das dies hier herausgekommen ist. Zum Thema "schwule Nazis" gibt es allerdings seit gut einem Jahr auch ein sehr gutes Buch von Markus Bernhardt. Das darüber hier noch nicht berichtet wurde, kommt mir komisch vor.

    Hier eine nette Rezension:

    In seinem ersten Buch versucht der Autor Markus Bernhardt das Verhältnis zwischen Neofaschismus und männlicher Homosexualität darzustellen und zu dokumentieren. Ein widersprüchliches wie auch heikles Thema. Schwule waren und sind Opfer, sie gehören zu den Opfergruppen des Faschismus und von Neofaschisten.

    Aber sie sind es nicht nur. Sowohl im historischen deutschen Faschismus, Stichwort Ernst Röhm, als auch in der gegenwärtigen Neonazi-Szene finden sich aktive Schwule und der Hang zum Fetisch "NS-Symbole" innerhalb von Teilen der schwulen Szene scheint nicht immer "nur" sexuell motiviert zu sein. Das alles findet nicht im luftleeren Raum statt. Auch innerhalb der schwulen Szene, insbesondere bei Medien und Verbandsfunktionären, ist nach der Phase der Entpolitisierung nunmehr ein verstärkter Rechtsruck zu beobachten, rassistische Vorurteile und Minderheitenfeindlichkeit sind auch hier zu finden.

    Das Buch bleibt nicht nur theoretisch, sondern porträtiert anhand von Beispielen offene Neonazis in der schwulen Szene und offene Schwule in der Neonazi-Szene. Es kommen aber auch in Interviews Menschen zu Wort, die diesem Treiben entgegen treten. So z. B. der erste bekennende schwule Bundestagsabgeordnete Herbert Rusche (ehemals "Die Grünen"), auf den am 12. März 1984 bei einem Vortrag in München ein Anschlag verübt worden war. Auch enthält es ein Interview mit Gottfried Ensslin. Er war in den 1970er Jahren aktiv in der Frankfurter Gruppe "Rote Zelle Schwul" (ROTZSCHWUL), einer der ersten Homogruppen der BRD. Dieser berichtet auch davon wie er im November 2006 grundlos von einem vermummten Sondereinsatzkommando der Berliner Polizei zusammengeschlagen wurde.

    Ein weiteres sehr gutes Interview gibt der Sprecher des Berliner Vereins "Gays & Lesbians aus der Türkei" (GLADT) Koray Yilmaz-Günay. Mit ihm spricht Markus Bernhardt sowohl über rassistische und homophobe Übergriffe der Neofaschisten als auch über das rassistische Verhalten von Teilen des LSVD und des sich als Opferschutzorganisation darstellenden Vereins MANEO, der zwar jeden Überfall aufnimmt solange ein Opfer angibt, es könnte auch ein "Südländer" gewesen sein, aber sofort nichts mehr macht, wenn das Opfer von Polizisten angegriffen wird, wie im Fall Ensslin. Auch der bekannte schwule Filmemacher Rosa von Praunheim kommt in diesem Buch zu Wort, der 2005 den Film drehte "Männer, Helden und schwule Nazis".

    Markus Bernhardt geht auch auf ein Thema ein, das in der schwulen Szene fast vergessen ist. Wer kennt sie noch, die "Rosa Listen", die von der Polizei angelegt wurden um Schwule effizienter nach § 175 verfolgen zu können? Im Mai 2005 deckte der "Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter" (VelsPol) auf, dass es solche Listen wieder gibt. Es wurde auch bekannt, dass ein damals noch ungeouteter junger Aktivist der antifaschistischen und antiimperialistischen Szene unter Androhung seines Outings von Polizeibeamten gegenüber seinem herzkranken Großvater dazu genötigt wurde eine Aussage zu machen. Vor allem aber geht es in dem Buch um eben die im Titel benannten schwulen Nazis. Seien es "Aussteiger" wie Bernd Ewald Althans oder der verstorbene Neofaschist Michael Kühnen. Auch das Internet und da gerade das schwule Datingportal "Gayromeo" wird unter die Lupe genommen. In diesem Portal haben sich auch Rechte in politischen Clubs zusammengefunden.

    Viele glauben ja heute noch, dass das sogenannte "antideutsche" oder "antinationale" Spektrum irgendwie "links" einzuordnen sei. Auch diesem Märchen geht der Autor auf den Grund. Die "Antideutschen", darunter auch die Gruppe "Queer for Israel", unterstützen noch heute den US-amerikanischen "Krieg gegen Terror". "Eine der Hauptaktivitäten der sich stetig rassistischer gerierenden Ex-Linken besteht mitunter darin, ihre politischen Gegner mit abstrusen Antisemitismusvorwürfen zu belegen und sie so diskreditieren zu wollen." So der Autor.

    Antisemitisch ist man z. B. dann, wenn man sagt: "Der Staat Israel ist ein kapitalistischer Staat, der einen anderen Staat besetzt hält. Ich unterstütze die politischen Bewegungen in Israel und Palästina, die für ein freies sozialistisches Israel und ein freies sozialistisches Palästina kämpfen." Soweit meine eigene Erfahrung mit diesem Personenkreis.

    Alles in allem muss man sagen, dass dieses Buch sehr flüssig geschrieben ist und sehr gut zu lesen ist. Ein einziger Punkt ist mir allerdings aufgestoßen, er hat vergessen im Anhang im "Adress- und Serviceteil" DKP-queer zu nennen. Markus Bernhardt hat aber sonst eine erstklassige Recherche für dieses Buch betrieben. Er hat ein Buch geschrieben, dass man jedem nur empfehlen kann. Sei er/sie homosexuell, bisexuell, transgeschlechtlich oder heterosexuell.

    von Thomas Knecht, veröffentlicht in Unsere Zeit - Zeitung der DKP 29. Februar 2008
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