Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?8040
  • 10. Dezember 2007, noch kein Kommentar

Hierzulande hat Lilo Wanders längst abgedankt – in Indien versucht sich jetzt erstmals eine Transe in einer Talkshow - ein Kulturbruch!

Von Dennis Klein

In Indien ist es für die meisten nach wie vor schwer, aus dem jahrhundertealten Kastensystem auszubrechen. Gerade für Schwule und Transsexuelle gibt es nichts anderes, als sich zu verstecken – oder man setzt sich dem Zorn der Mehrheitsgesellschaft aus. So kam es erst vor gut zehn Jahren zu Ausschreitungen, weil im Film "Fire – Wenn Liebe Feuer fängt" eine lesbische Beziehung beschrieben wurde. Nach Übergriffen radikaler Hindus auf Kinos wurde der Film kurzzeitig in Indien verboten.

Jetzt kratzt Rose an den alten Strukturen. Der Sender Star-Vijay plant eine Latenight-Show mit der 28-jährigen Transsexuellen - ein echtes Novum. Star-Vijay kann im Süden Indiens von immerhin 56 Millionen Menschen empfangen werden – der erfolgreiche Kanal gehört zur Gruppe des nicht gerade fortschrittlich denkenden australisch-amerikanischen Medienmoguls Rupert Murdoch.

Doch ein Glamour-Leben wie in Bollywood-Filmen führt die 28-jährige Rose nicht. Sie lebt noch bei ihren Eltern, die sie vor einigen Jahren zunächst hinausgeschmissen hatten, als sie ihnen von ihrer Transsexualität erzählte. Jetzt hat Rose sich mit ihnen arrangiert: Wenn sie nach Hause kommt oder zur Arbeit geht, trägt sie einen Anzug und sieht aus wie der gute Sohn aus der oberen Mittelklasse. Im Gepäck trägt sie Make-up und ihr Kleid. Sie sagt, es sei sicherer bei ihren Eltern zu wohnen. Immerhin würde Transsexualität in Indien oft mit Prostitution gleichgesetzt – und Vergewaltigungen sind daher an der Tagesordnung. Ob sie ihr Versteckspiel aufrecht erhalten kann, wenn ihre Sendung ein Renner wird, ist ungewiss. Sie befürchtet, dass dann ihre Eltern wie Aussätzige behandelt werden könnten.

In ihrer Sendung hat sie zunächst vorgehabt, ihre für Indien radikalen Thesen von Geschlecht, Ehe und Glauben zu vertreten. Ihr Credo: Jeder soll sich selbst verwirklichen können. Doch der Sender hat zunächst Vorsicht angeordnet: "Wir können nicht mit dem Holzhammer auf die Öffentlichkeit losgehen", erklärte Pradeep Milroy Peter, Programmchef von Star-Vijay. "Es wird um Sexualität gehen, aber nicht in den ersten paar Wochen. Zunächst müssen mal traditionelle Menschen wie mein Vater und meine Mutter die Show und die Moderatorin akzeptieren."

Ein ähnlicher Versuch glückte bereits vor zwei Jahren im benachbarten Pakistan. Ali Salam, der sich als Mann definiert, aber gerne in Frauenkleider schlüpft, moderierte als aufgedrehte Transe eine Talkshow – und erreichte in dem konservativen muslimischen Land Kultstatus (queer.de berichtete). Genau das will Rose auch erreichen - und dann subversiv ihre Agenda unters Volk bringen.

10. Dezember 2007