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Ist Homosexualität genetisch oder sozial bedingt? Der Forschungsstand 2007: Die einen sagen so, die anderen so…

Von Dennis Klein

Seit Jahrzehnten fragen sich Wissenschaftler mal mehr, mal weniger seriös, woher Homosexualität kommt. Gibt es das schwule Gen, das angeboren ist? Sind irgend welche bösen "Hormone" am Werke? Oder sind vielleicht nur soziale Umstände schuld? Auch 2007 gibt es keine Sicherheit, wie neueste Forschungsarbeiten zeigen: US-Wissenschaftler glauben mit Hilfe der aus dem Biologieunterricht allseits beliebten Drosophila ein Gen entdeckt zu haben, mit dem man Homosexualität ein- und ausknipsen kann (zumindest bei Fruchtfliegen). Der populäre britische Zoologe Desmond Morris ("Der nackte Affe") vertritt dagegen in einem neuen Buch die These, dass Homosexualität rein sozial bedingt ist – Schwule sind seiner Ansicht nach in einer vorpubertären Phase "hängen geblieben".

Zunächst zu den Fruchtfliegen: Hier hat David Featherstone von der Universität Illinois in Chicago ein Gen entdeckt, das er "genderblind" nennt. Es hat Einfluss auf die Weiterleitung des Botenstoffes Glutamat – doch als der Forschungsassistent die "Genderblind"-Gene fröhlich mutieren ließ, stellte er fest: Die männlichen Fliegen werden bisexuell. Featherstone vermutet in seiner wissenschaftlichen Abhandlung, dass so bei den männlichen Tieren die Kontaktstellen zwischen Nervenzellen und anderen Zellen (Synapsen) gestärkt werden würden – und die Fliegen dann auf alles springen, was sechs Beine hat.

Bisexualität kann ein- und ausgeschaltet werden

"Die männlichen Genderblind-Mutanten verhielten sich den Männchen gegenüber genauso wie den Weibchen", erklärt Featherstone. Die Mutation sei aber mit Medikamenten zu kontrollieren. So mischte er den Bi-Fliegen ein synapsenschwächendes Mittel bei – und die CSD-Fliegen wurden binnen kürzester Zeit wieder hetero. Hetero-Fliegen ließen sich Featherstone zufolge dagegen mit Synapsen-Doping bisexualisieren. Die Ergebnisse der Forschungen werden im kommenden Monat im Magazin "Nature Neuroscience" veröffentlicht.

Schon in der Vergangenheit haben Forscher an Fliegen-Nerven herumgebastelt und sie so zu gleichgeschlechtlichem Sex verführen können. Doch bleibt offen, inwieweit sich das auf Säugetiere und damit den Menschen übertragen lässt. Ein Experte in diesem Bereich, der Verhaltensforscher und Zoologe Desmond Morris, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis: Homosexualität sei beim Menschen einzig das Ergebnis von sozialen Umständen.

Der 79-jährige Forscher glaubt, dass sich die Homosexualität vor der Pubertät herausbildet. Er argumentiert, dass die Geschlechter im Alter von fünf Jahren auseinander driften: Jungs spielen mit Jungs, Mädels mit Mädels. Diese Phase dauere ungefähr zehn Jahre. Danach sorgen die Sex-Hormone dafür, dass sich Jungs eigentlich für Mädchen interessieren, so Morris. Schwule steckten dem Forscher zufolge aber "in der Distanzierungsphase fest – und dort bleiben sie für den Rest ihres Lebens".

Vorpubertäre Tracht Prügel von Mädels macht Jungs schwul?

Nach Ansicht von Morris ist ihre Beziehung zu Jungs vor der Pubertät so stark geworden. Dadurch werde der Bruch von dieser Phase verhindert. Grund seien die äußerlichen Umstände – so könnten negative Erfahrungen mit Mädchen ausschlaggebend sein. "Für diesen Jungen ist es unmöglich, die Veränderung durchzumachen, weil er es nicht ertragen kann, das zurückzulassen, was er vorher hatte", so Morris.

Daher würden Männer schwul gemacht – was allerdings auch kein Armbruch sei, findet der Verhaltensforscher. Denn Schwule blieben in einer Phase, die spielerischer und experimenteller sei. Daher seien sie auch eher künstlerisch veranlagt: "Schwule leisten gewöhnlich einen ungemein größeren Beitrag zum Leben als Nichtschwule", erklärt er. Als Beispiele nennt er Sokrates, Leonardo da Vinci, Tschaikowski, Cole Porter und Oscar Wilde – Fruchtfliegen und deren Synapsen-Trouble erwähnt Morris in diesem Zusammenhang nicht.

11. Dezember 2007



41 Kommentare

#1 stefanoAnonym
#2 KonstantinEhemaliges Profil
  • 11.12.2007, 20:03h
  • Ich glaube, die Theorie von diesem Herrn Morris gab es so oder so ähnlich vor mehr als 30 Jahren von Herrn Alfred Adler schon mal. Also nicht wirklich neu und seit mindestens 20 Jahren verworfen. Herrn Morris: SETZEN! SECHS! Wegen Täuschungsversuch! Nochmal von vorne und selber nachdenken!

    @ Hampi: Auf nach Illinois! Da stellst du dich doch sicher gerne als Probant zur Verfügung. Vielleicht können die netten Herren dir dort ja dein Schwulsein wegmedikamentieren! Bei deinem Trip nach Kairo hats ja wohl leider nicht geklappt!

    www.queer.de/news_detail.php?article_id=7960
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#3 SvenAnonym
  • 11.12.2007, 21:10h
  • Das mit de, sozialen Umfeld stimmt ja irgendwie. Ich möchte es schießlich nicht missen schwul zu sein. Was mir nicht gefällt ist, dass ich daurch aber i.d.R. viel für die Gesellschaft, die meistens nicht so dolle gegenüber mir einegstellt ist, leite. Und außerdem: Wären dann nicht alle Jungeninternatsschüler schwul oder zumindest auffallen viele?

    Wenn´s hingegend genetisch bedingt ist und man nur irgenein Zeugs schlucken muss, dann funktioniert das ja in beide Richtungen. Endlich könnte man der Traumhete mal was anständiges in´s Getränk mixen.

    Sicherlich, wäre schon spannend zu wissen, wieso man schwul ist, dann aber bitte im Sinne wahrer Forschung, also rein ob der Erkenntnis und bitt enicht ideoligisch oder weltverbesserisch behaftet. Das kann man aber wohl ausschließen. Insofern bleiben wohl nur wieder einige einfältige Theorien, die stark subjektiv geprägt sind.

    p.s.: Die Fliegen bespringen alles was 6 Beine hat? Ja toll, genau wie ich, ich muss einfach auch immer alles und jeden bespringen - in der Innenstadt oder im Fußballstadion kann das aber ganz schön in Arbeit ausarten....
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#4 :-)Anonym
  • 11.12.2007, 22:04h
  • Die wohl dringenste Frage der Welt, gleich nach "Warum ist die Banane krumm?" und "Was war zuerst da: Henne oder Ei?".
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#5 eskimoAnonym
  • 12.12.2007, 00:28h
  • ah, schwule bleiben also für immer in der "mädchen sind doof"-phase hängen und werden deshalb geil auf jungs.

    sehr originell.

    reicht es eigentlich wirklich immer noch aus, irgendeinen altbackenen quark aufzuwärmen, um in die medien zu kommen? hätte es nicht zumindest eine winzigkleine empirische studie sein dürfen? dann hätte sich womöglich gezeigt, dass viele spätere schwule als kinder mehr mit mädchen statt mit jungs gespielt haben - und schon ist's essig mit der dollen theorie...
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#6 hureAnonym
#7 wolfAnonym
  • 12.12.2007, 08:48h
  • na wenn das die neuesten wissenschaftlichen erkenntnisse sind, dann werden wir also auch wissenschaftlich diskriminiert., lach !
    sollte doch schon aufgefallen sein, dass jeder mensch über mehr oder weniger männlich/weibliche gene verfügt, also biologisch geprägt ist. dass das soziale umfeld die eine oder andere veranlagung mit prägt, ist eigentlich logisch.
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#8 hwAnonym
  • 12.12.2007, 12:56h
  • ..gemach, gemach...

    "In Heidelberg, bei Prof. Paro, macht man aber einen Anfang. Für sämtliche Gene seiner Fruchtfliegen wurde ein Aktivierungsmuster angefertigt, das genau zeigt, wann wo Gene an- und abgeschaltet werden. Wird es genau so schwer sein, den epigenetischen Code zu entschlüsseln, wie es bei den Genen war? "

    "Das wird vielleicht noch viel schwieriger sein, als es beim genetischen Code war, einfach weil sehr viele verschiedene Komponenten, sehr viele verschiedene Proteine, daran beteiligt sind. Und nur feine Unterschiede in den Proteinen, Modifikationen, die man vielleicht als Flaggen bezeichnen kann, scheinen am Aufbau des epigenetischen Codes beteiligt zu sein. Und es wird sicher noch Jahre dauern, bis wir das entziffern können", so Paro. "

    www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/bstuecke/27744/

    vermutlich hat sich die evolution die option schwul
    oder bi-sexuell aus "genuinen" gründen erhalten.

    ob sie dabei den genetischen, den genetisch/epigenetischen weg, und auf letzterem
    relativ "aktuelle" umweltinformationen im aller weitesten sinne noch nicht erkanntem sinne nutzt, ist mir glutamat. :-)

    ... und warum sich fundamentalistische Christen und Deutschrapper in Zukunft möglicherweise von chinesischem Essen fernhalten..

    www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26813/1.html


    an der geschwindigkeit kann ich eh nichts ändern:

    www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26823/1.html
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#9 SaschaAnonym
  • 12.12.2007, 17:10h
  • @queer.de:

    Wie kommt ihr eigentlich dazu, solche Menschen verachtenden, aufgewärmten Asbach-Uralt-"Theorien" allen Ernstes als "aktuellen Stand der Forschung" zu verkaufen???

    Ihr suggeriert damit einen Dissens in Sachen Homosexualität, den es in der seriösen (!!!) Forschung in dieser Form überhaupt nicht gibt.

    Unter seriösen (!!!) Wissenschaftlern, die nicht selbst krankhaft homophob sind oder von eben solchen Leuten finanziert werden, ist es inzwischen völlig unstrittig, dass die sexuelle Orientierung genetisch vorbestimmt und schon ab der frühesten Kindheit praktisch unveränderlich festgelegt ist.

    In den letzten Jahren werden immer mehr Beweise gefunden, welche die genetische Prägung von Homosexualität ganz klar belegen (sei es im Erbgut, sei es in den klaren neurologischen Unterschieden zwischen homo- und heterosexuellen Männern), nachdem bereits die so genannten Zwillingsstudien vor mehr als 15 Jahren eine "Erklärungstiefe" von rund 50% erreicht hatten.

    Daher ist es nichts anderes als primitive homophobe Propaganda, wenn diese eindeutigen Ergebnisse bewusst ignoriert und Menschen als "in ihrer Entwicklung stecken- oder zurückgeblieben" bezeichnet werden, auch wenn anschließend auf scheinheilige Art und Weise rhetorisch abgewiegelt wird.

    Wenn hier irgend jemand irgendwo steckengeblieben ist, dann diese kranken Ideologen in ihrem mittelalterlichen, Menschen verachtenden, heteronormativen und heterozentrischen Weltbild, das sie mit allen Mitteln weiterhin salonfähig halten wollen.

    Einer derart perversen und gefährlichen Demagogie, präsentiert unter dem Deckmantel der "Wissenschaftlichkeit", dürfen nicht auch noch "wir" (sofern sich queer.de mit homosexuellen Menschen identifiziert) das Wort reden, sondern müssen sie vielmehr aktiv bekämpfen!
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#10 SaschaAnonym
  • 12.12.2007, 17:13h
  • @wolf:

    Nein, das ist defnitiv NICHT der aktuelle Stand SERIÖSER Forschung, sondern Menschen verachtender, neofaschistischer, an die biologische "Rassenlehre" erinnernder Propaganda-Müll!
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