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Berlin (queer.de) - Philipp Lahm hat sich in einem Interview mit dem schwulen Lifestyle-Magazin "Front" als erster Nationalspieler zum Thema Homosexualität geäußert.

Der Profi-Fußballer betonte, er selbst kenne niemanden in der Bundesliga, der schwul wäre. "Es gibt viele Dinge, die jeder für sich entscheiden muss. Dazu gehört, ob man sich outet oder nicht", sagte Lahm zu "Front". Ein "Zwangsouting" von Spielern lehne er ab.

Der Außenverteidiger des FC Bayern München äußerte Zweifel, "ob es unbedingt gut wäre, wenn sich ein einzelner Fußballspieler outen würde". "Der Punkt ist: In der Bundesliga wäre er der Erste. Er würde sich exponieren, das mediale Interesse wäre groß, und wie ginge die Geschichte weiter?"

Auch sei die Situation im Fußball nach der Einschätzung von Lahm "viel archaischer" als in der Politik: "Bei Auswärtsspielen unterstützen die Fans ihre Mannschaft extrem und da geht es nicht immer politisch korrekt zu. Es wird nach den Schwächen der einzelnen Spieler gesucht und damit muss sich dann die ganze Mannschaft auseinandersetzen."

Für Lahm selbst ist das unverständlich: "Wenn ein Spieler schwul ist, ist er trotzdem mein Mannschaftskollege, und für mich würde sich im Umgang mit ihm nichts ändern". Auch im privaten Umfeld ist für den Nationalspieler Homosexualität "kein Thema": "Ich registriere das nicht, für mich geht es darum, welche Ansichten jemand hat und ob er sich vernünftig verhält. Ich lebe gerne in einer liberalen, offenen Gesellschaft, in der ein tolerantes Miteinander ohne diskriminierende Vorurteile möglich ist."

Zugleich äußerte Lahm, dass er selbst traditionelle Vorstellungen von einer Familie habe und sich nicht vorstellen könne, sich in einen Mann zu verlieben. Auch sprach Lahm über seine Unterstützung der Aids-Hilfe; dass die HIV-Risiken heute in Vergessenheit gerieten oder verdrängt würden, sei zu bekämpfen.

Die "Front"-Ausgabe mit dem ganzen Interview erscheint am Dienstag. (pm)



33 Kommentare

#1 SvenAnonym
  • 14.12.2007, 13:01h
  • Tja, wenn jemand nach meinen Schwächen sucht und feststellt, dass ich schwul bin, dann hat er logischerweise keine gefunden.

    Denn Schwulsein ist keine Schwäche!

    Es ist auch keine Stärke, sondern einfach eine Eigenschaft wie blaue Augen o.ä.
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#2 gerdAnonym
  • 14.12.2007, 13:11h
  • Was für ein gutes Interview...er hat vollkommen recht. Also ich würde es mir auch gut überlegen, ob ich mich als Fussballbundesligaspieler outen würde.

    In Einzelsportarten wie Fechten, Radrennen, Tennis, Ski-/Snowboard, Golf, Reiten, verschiedenen Schwimmdisziplinen gibt es hier in Deutschland und in anderen benachbarten Staaten bekannte offen schwul/lesbisch lebende Sportler. Das ist mittlerweile "durchzustehen" und da gibt es auch bereits genügend Personen, die bekannt sind.

    Bei Mannschaftssportarten wird es dann schon sehr viel schwieriger: da kommt es auf die einzelne Sportart drauf an, wie sehr dort archaisches Publikum anfeuert. Bei Volleyball oder Handball ist das Publikum "gesitteter" und politisch korrekter als gerade beim Fussball...da kommt es doch regelrecht immer zu Schlägereien vorm und im Stadium unter rivalisierenden Fangruppen. Die Polizeiaufgebote und damit verbundenen Kosten sprechen Bände...

    Wer sich als Bundesligafussballspieler outet hat meine Hochachtung...ich hätte da ehrlich kein Bock drauf, diesen Aufgabe in der Gesellschaft zu übernehmen.
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#3 ChrisAnonym
  • 14.12.2007, 13:28h
  • Hallo - man sieht doch wie schwer es ist sich im privaten Umfeld zB gegenüber den Eltern zu outen, wie ungleich schwerer muss es da sein so eine Last in der Öffentlichkeit zu tragen. Ich kann es vollkommen nachvollziehen.
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#4 predigerAnonym
  • 14.12.2007, 14:30h
  • aha, homosexualität ist "kein thema" und wird von diesem toleranz-überflieger nicht einmal "registriert".

    super.

    unsichtbar zu sein und nicht wahrgenommen zu werden, war ja bekanntlich schon immer genau das, was uns schwule total weitergebracht hat.
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#5 DanAnonym
  • 14.12.2007, 17:15h
  • @4: Entschuldigung, aber genau darum geht es doch! Dass man "normal" ist, wenn man schwul ist. Dass man die gleichen Rechte wie jeder andere hat, aber auch die gleichen Pflichten. Dass man nicht abseits von der Gesellschaft steht, sondern dazugehoert.
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#6 anonymAnonym
  • 14.12.2007, 19:36h
  • wir reden doch immer davon in der gesellschaft wie jeder andere behandelt werden zu wollen. die konsequenz daraus kann nur sein, dass meine homosexualität kein thema ist und vor allem, dass ich sie nicht permanent dazu mache. schliesslich geht auch keine hete her und erzählt jedem ungefragt, er sei hetero (zumindest ist mir das noch nicht passiert...).

    was würde es ändern zu wissen, dass dieser oder jener spieler schwul ist? er würde nicht besser kicken. unter den augen der 'politisch_nicht_korrekten' fans wahrscheinlich wirklich eher schlechter. sich nicht zu outen macht aber den schwulen spieler nicht schlechter. ich würde es eher als teamgeist ansehen, der mannschaft das leben auf dem platz nicht unnötig schwer machen zu wollen. natürlich würde es auch von solidarität zeugen, wenn sich die mannschaft für einen schwulen spieler stark macht. ich denke aber, man ist sich in fussballerkreisen durchaus bewusst, welches niveau die zahlende klientel auf der tribüne hat. und die interessiert es nicht, solange sie nichts davon weiss.

    und wenn herr lahm sich mit mir als vermeintlichem fussballinteressierten unterhielte, würde er auch nicht registrieren können, dass ich schwul bin. da ich aber nicht fussballinteressiert bin und auch sonst nichts mit ihm zu tun habe, wird er eh nie erfahren, dass ich schwul bin. und?
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#7 ErikAnonym
  • 14.12.2007, 21:01h
  • @6: "was würde es ändern zu wissen, dass dieser oder jener spieler schwul ist?"

    Es würde vielen die Vorurteile nehmen, dass schwule Männer nicht Fußballspielen können, dass nur "echte" Männer sowas können. Und solange es die Vorurteile gibt, macht es wohl einen Unterschied.

    Dass ein einzelnes Outing sehr schwer werden würde, ist glaube ich allen klar.

    Aber wichtig finde ich vor allem diese Aussage von Lahm: "Wenn ein Spieler schwul ist, ist er trotzdem mein Mannschaftskollege, und für mich würde sich im Umgang mit ihm nichts ändern"
    Das ist sicher nicht bei allen Spielern so udn ich finde wichtig, dass das auch mal gesagt wird :)
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#8 SaschaAnonym
  • 14.12.2007, 22:04h
  • Ja, was soll man dazu sagen: Die personifizierte Verlogenheit in persona, es sei denn natürlich, er kennt sich selbst nicht, was bei seinem aggressiv homophoben Umfeld vielleicht sogar im Bereich des Möglichen liegt.

    Die allergrößte Frechheit ist aber, dass er allen Ernstes für eine Perpetuierung des kranken, homophoben Status quo plädiert und die Menschen verachtenden Zustände im Volkssport Nummer Eins auch noch entschuldigt, als handele es sich hierbei um ein Kavaliersdelikt (von wegen "nicht politisch korrekt" - ich glaub', da tickt's nicht ganz richtig).

    Hier muss eben endlich auch die Politik eingreifen und jede Form der Verunglimpfung von Homosexuellen in den Stadien und vor allem in den Jugendvereinen konsequent mit Geld- und Haftstrafen belegen.
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#9 SaschaAnonym
  • 14.12.2007, 22:21h
  • @anonym:

    Offenbar leidest du unter gehörigem Realitätsverlust (leider keine Seltenheit unter Schwulen - deshalb ändert sich auch nichts in dieser Gesellschaft), wenn du schon nicht einmal mehr bemerkst, wie sich die heteronormative Gesellschaft rund um die Uhr, in allen Bereichen des öffentlichen und alltäglichen Lebens, ständig mit ihrer Sexualität in Szene setzt und auf diese Weise sich ihrer selbst versichert.

    Die sexuelle Identität eines Menschen ist eine der wohl wichtigsten persönlichen Eigenschaften, und der erste Schritt zur Veränderung wäre es, diese Tatsache endlich auch anzuerkennen und in KEINER Weise auch nur die geringste Einschränkung im direkten Vergleich zur "Normalität" der Heterosexuellen hinzunehmen.

    Es ist für Hetero-Männer selbstverständlich, offensichtliches Interesse an Frauen zu zeigen, über deren angebliche "Sexiness" zu plaudern, über die Ex-Freundin oder den Ex-Freund zu reden, bereits als Teenie ganz selbstverständlich offen mit der ersten Freundin herumzuknutschen oder händchenhaltend durch die Stadt zu laufen und so weiter.

    All dies wird den allermeisten Schwulen durch massive gesellschaftliche Unterdrückung verwehrt bzw. sie lassen es sich selbst verwehren, durch eben jenen internalisierten Minderwertigkeitskomplex, der letztlich aus jedem einzelnen Wort deines Beitrages hier schreit!!!

    Sie haben es offenbar nicht besser gelernt, und genau daran gilt es dringend etwas zu ändern!!!
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#10 RalfXAnonym
  • 15.12.2007, 09:47h
  • @4

    Was wenn ich aber nicht meine Sexualität vor mit hertragen will? Ich will nicht als "Schwuler" wahrgenommen werden, ich will als Mensch wahrgenommen werden.

    @Sascha

    Hier gilt das Gleiche, meine sexuelle Identität ist mein Eigentum :-), da brauche weder deine noch von irgendjemand anderem Hilfe. Du redest hier jemanden einen Minderwertigkeitskomlex an, nur weil er deiner "homonormativen " Vorstellungen nicht entspricht. Bevor Du von der "heteronormativen" Geseelschaft mehr Toleranz einforderst, solltest Du mal erst bei dir anfangen.

    Du versucht ständig in höchst missionarischem Eifer deine etwas sagen wir mal schrägen Ansichten als das alleinige Wissen der Menschheit zu präsentieren. Hier wäre es mal an der Zeit etwas Selbstbetrachtung zu üben...

    Übrigens: Ich habe lange selbst Fussball gespielt und - nein ich war im Verein nicht geoutet. Warum aber auch? Ich bin so oder so nur ein mittelprächtiger Fußballer. Wen interessierts, dich etwa? Und als Zuschauer bin ich weder geoutet noch ungeoutet, ich bin einfach Zuschauer.
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