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"Tinky Winky ist schwul", verkündet der amerikanische Prediger Jerry Falwell 1999 seinen Jüngern. "Er ist lila, das ist die "Gay Pride"-Farbe. Und seine Antenne ist zu einem Dreieck gebogen, das ist das "Gay Pride"-Symbol." Und noch schlimmer: Das mollige männliche Geschöpf trage "wie schwule Männer" eine Handtasche mit sich herum. Die Medien in aller Welt verbreiten Falwells Interpretation des größten Teletubby, teils als ernsthafte Warnung an Eltern, meist jedoch als putzige Kuriosität aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Inzwischen ist die Kinderserie seit fünf Jahren in Deutschland zu sehen und hat auch hierzulande eine schwule Fangemeinde. Nach Falwells Warnung liefen vor allem in schwulen Discos in den Vereinigten Staaten auf den Bildschirmen keine Cher-Videos oder Pornos mehr – es gab nur noch Tinky Winky und Konsorten.

Die Serie ist bereits seit 1997 auf der britischen BBC zu sehen. Heute laufen die 365 Folgen in 35 Sprachen und 80 Ländern. Neben Tinky Winky hüpfen noch Dipsy, Laa-Laa und Poo hyperaktiv durch das Teletubbyland. Dipsy ist grün und singt am liebsten sein Hutlied. Laa-Laa ist gelb und tanzt meist mit ihrem Ball. Und die rote Po, das kleinste der Teletubbies, düst vornehmlich mit ihrem Roller herum. Die Serie soll laut BBC Kinder darin imitieren, "wie sie spielen und Sprache entwickeln". Zunächst war die Serie in England aber vor allem unter bekifften Studenten populär, bevor die Schwulen Tinky Winky für sich entdeckten.

Das "Outing" von Tinky Winky durch Jerry Falwell (Foto links) trug dabei sehr zum Kultstatus der Teletubbies bei. Falwell kritisierte auch, dass die Grenzen der Geschlechter in der Serie verwischt und dadurch Kinder verwirrt werden würden.

Der Prediger ist einst ein ernst zu nehmender Teil der amerikanischen Politik gewesen, als er 1979 die so genannte "Moral Majority" ("Moralische Mehrheit") gründete. Mit Hilfe dieser Organisation erklärte Falwell seinen Millionen Anhängern, wie sie bei Wahlen oder Volksabstimmungen zu votieren hätten. "Christen stellen wie Sklaven und Soldaten keine Fragen", war sein öffentlich verbreitetes Credo. In den neunziger Jahren wurde es still um ihn. Er versuchte dann mit medienwirksamen Aktionen wie der Warnung vor den Teletubbies wieder mehr Einfluss zu erlangen, wurde aber mehr und mehr als Spinner abgetan. Als er dann zwei Tage nach den Anschlägen auf das World Trade Center "Abtreibungen, Feminismus und schwulen Lebensstil" für die Attacken verantwortlich machte, wendeten sich selbst ehemalige Weggefährten in der Republikanischen Partei von ihm ab.

Die Produktionsfirma der Teletubbies entkräftete im übrigen Falwells schlimmsten Vorwurf: Tinky Winky trage keineswegs eine Handtasche mit sich herum. Es handele sich vielmehr um ein "Zaubertäschchen". (dk)

"Teletubbies", täglich um 9:00 Uhr, Kinderkanal

30. März 2004, 12:55 Uhr