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Urteil des Berliner Kammergerichts: Wandschmuck mit Boys von Bel Ami und Kristen Bjorn weiterhin straffrei.

Von Carsten Weidemann

Am 8. Februar urteilte das Kammergericht Berlin über einen seit Jahren schwelenden Bilderstreit: Der Verleger Bruno Gmünder hatte Fotowandkalender publiziert, auf denen nackte Männer mit einer Erektion zu erkennen sind. Die Anklage plädierte auf Pornografie und Verletzung des Jugendschutzes mit dem Ziel, die Veröffentlichung solcher Fotos in Zukunft zu verhindern.

Der nackte Mann war und ist immer wieder ein Streitpunkt mit der Zensur. Anders als der Frauenakt polarisiert der Männerakt - wie keine andere Darstellung des Menschen. Im Zuge der Veränderungen der Moralvorstellungen machten sich in den siebziger Jahren Künstler wie Jeff Koons, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton und die deutsche Fotografin Herlinde Koelbl daran, selbstverständlich und offen ihre Bildwelt des Menschen als sexuelles Wesen zu formulieren. Ob dies auch für die Bilder von Bel Ami, Kristen Bjorn und anderen Erotik-Fotografen straffrei sein soll, wurde jetzt geklärt. Zwei Gerichte hatten die Kalender schon im Vorfeld beurteilt - jeweils mit Freispruch - doch die Berliner Generalstaatsanwaltschaft wollte die Frage höchstinstanzlich geklärt wissen.

"Manche Kämpfe müssen eben mehrmals gefochten werden", sagte Verleger Bruno Gmünder zum Verfahren. "Dass der Mann auch ein sexuelles Wesen mit Erotik und Sinnlichkeit ist, und dies darzustellen, dafür lohnt es sich, zu kämpfen. Wir lassen uns nicht in die 50er Jahre zurückversetzen." Gmünder gilt einer der weltweit größten Verleger von Büchern für schwule Männer.

Das Kammergericht folgte der Argumentation des Verlags: Wenn die Abbildung einer Erektion nicht bildbestimmend ist, die abgebildete Person als eigene Persönlichkeit erkennbar bleibt, das Bild insgesamt nicht reißerisch ist, dann könne dies keine Pornografie sein. Jugendgefährdend könne das auch deshalb schon nicht sein, weil der bloße Anblick eines solchen Bildes keineswegs einen heutigen Jugendlichen derart verstören könne, dass er in seiner Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigt würde.

Der Bruno Gmünder Verlag begrüßte das Urteil als "einen wichtigen Schritt Richtung Anerkennung schwuler Erotik in Kunst und Fotografie".

8. Februar 2008



37 Kommentare

#1 BjörnAnonym
  • 08.02.2008, 18:18h
  • "Höchstinstanzlich"? Wurde Revision nicht zugelassen? Das Berliner Kammergericht entspricht den Oberlandesgerichten in anderen Regionen, der abweichende Name ist traditionsbedingt. Darüber rangieren noch der BGH, ggf. das Bundesverfassungsgericht und evtl. der EuGH. Zudem müssen sich andere OLGs natürlich keinesfalls an die Entscheidungen des Berliner KG halten, gerade bei Druckerzeugnissen gibt es ganz abstruse Regelungen hinsichtlich der Zuständigkeit: Nicht der Sitz des Verlags zählt letztendlich, sondern wo ein möglicher Käufer wohnt. Es könnte also jedes deutsche Gericht außerhalb von Berlin(-Brandenburg) anders urteilen, eine endgültige Klärung der Frage erst ein BGH-Urteil bringen. Das ist zumindest mein juristisches Wissen.
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#2 joshiProfil
  • 08.02.2008, 18:34hBerlin
  • typisch homophobes deutschland, an jeder strassenecke, fernsehen, in zeitschriften etc. sind nackte frauen abgebildet. und kalender mit nackten frauen inkl. deren genitalien sind auch nicht schwer zu finden, bei männern ist das pornografie (tja warum nicht eigentlich) aber vor allem jugendgefährdend.
    im umkehrschluss heisst das nichts anderes als das das zur schaustellen von homosexualität und männlicher schwuler erotik jugendgefährdend ist.
    das urteil ist nur minimal zu begrüßen, da es nicht die anklage als solches verwirft, sondern lediglich deren anwendung auf den vorliegenden fall. natürlich ist es besser, als ein für den verlag negatives urteil. aber das ist auch schon alles.
    warum ein urteil des berliner kammergerichts plötzlich nicht überprüfungsfähig durch ein höheres gericht ist, würde mich nebenbei auch interessieren.
    und ebenfalls nebenbei, jedoch nicht unwichtig: warum darf die erektion nicht als wichtiger bestandteil eines bildes gelten? und erkennt jemand wirklich die persönlichkeit des oben abgebildeten jungen mannes?
    allein schon die für das verfahren sicherlich hinzunehmende verbale verteidigung ist letztlich eine anpassung an die zum himmel duftende bigotterie und diskriminierung dieser staatsanwaltschaft.
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#3 gerdAnonym
  • 08.02.2008, 19:14h
  • ch finde das es in erster Linie ein Urteil nicht nur für homosexuelle Männer sondern noch vielmehr für die heterosexuellen Frauen ist. Auch Frauen haben das Recht, sich nackte Männer anschauen zu dürfen und sich Wandkalender von nackten Männern aufhängen zu dürfen.

    Daher ist es in erster Linie ein Sieg homosexueller Männer, der insbesondere den Interessen der heterosexuellen Frauen in unserem Lande dient.
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#4 seb1983
  • 08.02.2008, 19:23h
  • Leute Leute, da urteilen alle damit betrauten Gerichte dass es in Ordnung ist und trotzdem wird refexartig rumgejammert, pöses pöses Deutschland.

    Um zu beurteilen ob der Junge auf dem Bild nun unbedingt einen Ständer haben muss bin ich wohl nicht künstlerisch begabt genug, aber Pornografie ist das nun wirklich nicht.
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#5 FloAnonym
  • 08.02.2008, 19:38h
  • Im Sinne von Kunst und freier Meinungsäußerung freut mich dieses Urteil sehr. Die Berliner Staatsanwaltschaft konnte sich mit dem Scheitern nicht abfinden und ging weiter und weiter (als ob es in Deutschland nichts schlimmeres gibt als homoerotische Kunst worum sich die Staatsanwaltschaften eher kümmern sollten) und ist schließlich wieder mal gescheitert.

    Eine Erektion ist ein natürlicher biologischer Vorgang! Ebenso wie der Penis natürlich ist. Auch wenn die Kirche seit Jahrhunderten versucht, Genitalien als böse darzustellen (weil Menschen, die sexuell zufrieden sind keine Heilsprediger brauchen) ist das die normalste Sache der Welt!

    Und wenn das auch noch so geschmackvoll wie im Rahmen homoerotischer Kunst geschieht, bin ich froh, dass dieses Urteil Klarheit schafft!!
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#6 hwAnonym
#7 SaschaAnonym
  • 08.02.2008, 23:02h
  • "Der nackte Mann war und ist immer wieder ein Streitpunkt mit der Zensur. Anders als der Frauenakt polarisiert der Männerakt – wie keine andere Darstellung des Menschen."

    Genau dieser Gedanke kommt mir jedes Mal, wenn ich die Rund-um-die-Uhr-Hetero-Propaganda in Film, Fernsehen und Werbung über mich ergehen lassen muss.

    Die Schönheit und Geilheit des männlichen Körpers wird fast immer ganz bewusst ausgeblendet, während gerade jungen Männern wackelnde Weiberärsche und deren Körper als DAS einzige und absolute Ideal der Sexyness eingetricht werden sollen.

    Es gibt - das deutest du sehr gut an, lieber @josh - , einen in der Tat sehr einfachen Grund dafür:

    Die heteronormative, homophobe Gesellschaft möchte Jungs und Männern offenbar ganz bewusst das vorenthalten, was sie auf "dumme Gedanken" bringen, sprich: ihnen vor Augen führen könnte, dass Männerkörper mindestens (!) ebenso geil und sexy sind wie Östrogenkörper - oder vielleicht den einen oder anderen in seinem unterschwelligen Eindruck bestätigen könnte, dass Männerkörper geil sind und Frauenkörper nicht.

    Eben diese bewusste Ausblendung maskuliner Körperlichkeit und das geradezu lächerliche Hochstilisieren weiblicher Körper zum vermeintlichen "Sexsymbol" ist einer der zentralen homophoben Akte unserer stark medial geprägten und sich über die Massenmedien wiederum reproduzierenden Gesellschaft.

    Gerade für eine gesunde, d.h. freie und selbstbestimmte sexuelle Entwicklung junger Männer ist es extrem wichtig, mit dieser unterschiedlichen Darstellung männlicher und weiblicher Körperlichkeit endlich Schluss zu machen. Wenn es im Video "Du hast den schönsten Arsch der Welt" um geile Ärsche geht, dann ist es geradezu absurd, ausschließlich mit Orangenhaut verzierte weibliche Rundungen im String zu zeigen, knackig-muskulöse Männerärsche aber allenfalls durch eine Jeans zu präsentieren. Solche grotesken Vorgänge machen deutlich, wie krankhaft homophob unsere Gesellschaft in Wahrheit immer noch ist.
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#8 SaschaAnonym
#9 SaschaAnonym
  • 08.02.2008, 23:06h
  • @seb1983:

    Der Junge "muss" wohl keinen Ständer haben, aber es ist gut - und vor allem sexy - so!
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#10 SamuelAnonym
  • 09.02.2008, 10:28h
  • Das Urteil geht bei weitem nicht weit genug. Warum überhaupt der Streitfall zwischen Kunst und Pornografie? Was ist überhaupt so schlimm an Pornografie?
    Wenn ich mir Bilder vom Sexakt zwischen Männern im meiner Wohnung aufhängen, oder Filmchen konsumieren will ist das meine Sache. Wenn Gmünder und Co diesen Markt bedienen wollen, hat ihnen nicht irgendeine Plankommission dazwischen zu reden. Jugendschutz! Bei der Darstellung von Erektionen! Hallo?
    Vielleicht fängt Vater Staat demnächst an, die männliche Jugend vor ihren eigenen Erektionen schützen zu wollen. Lächerlich das alles.
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