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Roman-Autor Oliver Fehn ("Verfluchter Sommer") behauptet: Satanismus und Schwulsein passt gut zusammen.

Von Anne Richter

Oliver Fehn hat schon vieles probiert: Radio-DJ, Folksänger, Zauberkünstler. Heute ist er als Übersetzer tätig und schreibt Bücher. So hat er das erste deutschsprachige Buch über Satanismus verfasst. Da er nicht nur Mitglied in der "Church of Satan" ist, sondern auch schwul, schreibt er auch über schwule Liebesbeziehungen, wie zuletzt im Roman "Verfluchter Sommer". Im Interview erklärt er, wie die beiden Seiten seiner Persönlichkeit zusammen passen.

Geht es in deinem Roman "Verfluchter Sommer" eher um die Beziehung zwischen den beiden Brüdern, Bennies Entwicklung oder den Satanismus?

In "Verfluchter Sommer" geht es um falsche Vorbilder, verfehlte Rollenideale. Der Titelheld Bennie ist schwul, braucht aber eine Weile, um es zu kapieren, weil er seinem Bruder nacheifert, einem ehemaligen Frauenhelden.

Was war Dir besonders wichtig beim Schreiben? Hast Du viel Wert auf eine realitätsnahe Darstellung gelegt oder stand die spannende Geschichte im Vordergrund?

Die Spannung hat bei mir immer Vorrang. Ich hasse Romane, durch die man sich hindurch quälen muss. Das heißt nicht, dass auf jeder Seite etwas Aufregendes passieren muss; aber man kann zum Beispiel einen Dialog sehr gut und unterhaltsam schreiben oder ihn vermurksen.

Du bist Mitglied der "Church of Satan" und hast dich schon sehr früh in deiner Jugend als schwul geoutet. Inwieweit spiegelt Dein Roman die Geschichte Deines Lebens wieder?

Ich kenne die Art Erfahrungen, die Bennie mit seinem Schwulsein macht; aber ich habe es im Rahmen meiner Geschichte erlebt, und er erlebt es im Rahmen seiner Geschichte. Der Roman ist frei erfunden; aber die "Story hinter der Story", sprich: die Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen des Protagonisten sind Dinge, über die man nur berichten kann, wenn man ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

Wie hat man sich einen schwulen Satanisten vorzustellen? Die gängigen Klischees über diese beiden Gruppen passen auf den ersten Blick ja überhaupt nicht zusammen.

Das ist richtig, gilt aber eben nur für die Klischees. Satanisten sind ja – im Gegensatz zu dem, was Boulevardpresse und Volksmund so berichten – keine bösartigen Katzenopferer, sondern rationale Freidenker, und meist tierliebend dazu. Im Mittelpunkt des Satanismus steht der Mensch, so wie er ist, mitsamt seinen Trieben, während andere Religionen sich gerne Soll-Menschen zusammenträumen, die dann auf alles Gute im Leben verzichten sollen. Insofern, finde ich, passen Satanismus und Schwulsein ganz gut zusammen.

Kennst Du noch viele andere schwule Satanisten oder bist Du auf diesem Gebiet eher ein Einzelkämpfer? Gibt es Netzwerke?

Es gibt etliche schwule Satanisten – sogar einige berühmte wie den Musiker Marc Almond oder den Filmemacher Kenneth Anger. Angeblich sind auch die Mitglieder eines sehr bekannten schwulen Pop-Duos, das ich hier aber nicht namentlich nennen will, Mitglieder der Church of Satan. Von einem Netzwerk für speziell schwule Satanisten ist mir allerdings nichts bekannt.

Wie gehen die nicht-schwulen Satanisten mit dem Thema Homosexualität um?

Sehr offen und sehr normal. CoS-High-Priest Peter H. Gilmore zum Beispiel hat erst kürzlich ein Essay veröffentlicht, in dem er für die Homo-Ehe eintritt. Der Satanismus bewertet Menschen nicht nach ihren sexuellen Neigungen, ihrer Hautfarbe oder ihrer sozialen Herkunft, sondern nach ihrer Persönlichkeit, ihrer Intelligenz und ihrer Kreativität.

Wie sieht der ideale Leser für Deinen Roman aus? Kann man auch ohne Vorkenntnisse alles verstehen oder empfiehlst Du vorher einen Blick in "Satans Handbuch"?

Nein, gar nicht. Ich freue mich zwar über jeden Leser meines "Handbuchs", aber für die Lektüre meiner belletristischen Werke ist es keine Voraussetzung. Stell es dir einfach so vor: Es gibt eine Menge Juden, Christen oder Buddhisten, die auch Romane schreiben, ohne darin ihre Religion zu thematisieren. Ich sehe mein Bekenntnis zum Satanismus sehr locker und ungezwungen. Natürlich spinnt es sich wie ein roter Faden durch alles, was ich denke und tue, das jedoch eher unauffällig.

12.02.2008



11 Kommentare

#1 stefanoAnonym
  • 12.02.2008, 20:53h
  • ungewöhnliches thema, aber irgendwie interessant! vielleicht sollte ich auch satanist werden, wer weiß, wer weiß...:-)
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#2 RögAnonym
  • 12.02.2008, 23:06h
  • wieos, bist du schwul? *nur Spass*
    aber ich fand das Interview auf der einen Seit interessant und auf der anderen wiederum verwirrend, ok kann narürlich auch daran liegen, dass das Bild des "allgemeinen" Satanisten etwas verschwommen dargestellt (Black Metall und son driss "wird und die "richtigen" wenig oder garnicht in der Öffentlickeit sich richtig outen. Naja, war definitiv sehr aufschlussreich und würde davon mal mehr lesen, obwohl ich schon einiges weiss ^^
    danke
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#3 KanoranAnonym
  • 13.02.2008, 19:25h
  • Zum Interview:
    Das Interview ist interessant, aber ehrlich gesagt nichts Neues für mich, da ich selbst Satanist bin. Oliver Fehn ist wirklich ein atemberaubender Schriftsteller, muss ich ganz ehrlich sagen. Nur muss ich bemängeln, dass das Interview ziemlich kurz ist und, dass vom Roman nicht allzuviel die Rede ist, aber ehrlich gesagt, was soll man mehr dazu sagen? Ich kann nicht viel dazu sagen, da ich noch nicht dazu gekommen bin seine Romane zu lesen, aber ich habe seine Sachbücher alle durch und freue mich auf seine belletristische Schreibweise.

    Zu dem Kommentar von Stefano:
    Man kann nicht einfach so Satanist werden. Man wird als solcher geboren und kann höchstens nur ERKENNEN, dass man einer ist. Man kann nicht zum Satanismus "konvertieren", wie es bei den Religionen üblich ist, da Satanismus ja gar keine Religion ist, im eigentlichen Sinne. Wenn du willst, schlag ich dir "Satans Handbuch" von Oliver Fehn vor. Das erklärt so manches. ;) Sorry für die Schleichwerbung. :P

    Grüße,
    Kano
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#4 ThomasAnonym
  • 15.02.2008, 10:24h
  • Satanist sein? Das hieße doch dass man Satan als die Quelle, den Ursprung alles Seins anerkennt.
    Satan, der mal Luzifer hieß, wurde doch selbst erschaffen. Warum soll ich ein Wesen, eine Kraft anbeten, einer Kraft vertrauen, die selbst erschaffen wurde?
    Warum soll ich einer Kraft vertrauen die nur Chaos stiftet weil sie meint perfekt zu sein, die vieleicht mehr weiß über die Erde und den Menschen als ich, aber selber nicht perfekt ist. Satan ist nicht Herr über Leben und Tod, Satan hat die Welt nicht erschaffen. Er hat das Universum und die Gesetze darin nicht erschaffen.
    Warum sollte ich ein Wesen anbeten daß mich nicht erschaffen hat?
    Warum sollte ich ein Wesen, eine Kraft anbeten, die
    w e n i g e r ist als Gott, der Alles erschaffen hat?
    Diejenigen die meinen Gott existiere nicht - bitte nachdenken - wer hat denn den Luzifer erschaffen?
    Luzifer hat sich nicht selbst erschaffen.
    Er ist ein Lügner und Betrüger, er ist weniger als Gott.
    Deswegen kann er nur Chaos und Unvollständigkeit schaffen und schnelles vergängliches Glück
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#5 WölfchenAnonym
  • 15.02.2008, 19:40h
  • @ Thomas
    Satanisten verehren nicht Satan, er ist für sie nur ein Sinnbild für Eigenständigkeit, Genuß und Lebensbejahung. Du solltest dich mal auf Webseiten wie www.churchofsatan.com usw. schlau machen und nicht nur Klischees wiedergeben.

    Außerdem, was heißt das, Gott hat dich erschaffen? Ich glaube eher, deine Mutter hat dich geboren.
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#6 wolfAnonym
  • 18.02.2008, 09:41h
  • na eigentlich sagt der name "church of satan" alles !
    hat nicht viel mit "frei" denken zu tun, klingt eher dumm in diesem zusammenhang und nach möchtegern !
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#7 ÜwchenAnonym
  • 19.02.2008, 09:50h
  • Wenn man an Satan glaubt dann auch zwangsweise an Gott. Egal ob Satan als Sinnbild genommen wird oder angebetet. Wenn Satanisten also an Satan glauben/anbeten dann verleugnen sie die Macht die ihn erschaffen hat. Also ist diese "Religion" schwachsinn und kann nur zu Chaos führen. Da Lobe ich mir die Atheisten die haben wenigstens Wissenschaftliche Gründe wieso sie nicht an Gott glauben. Auch wenn die Wissenschaft nicht alles erklären kann. Aber an Satan zu glauben heisst an das Böse zu glauben denn Satan steht in allen Religionen für das Böse, die Zerstörung und für das Chaos. Ist wie mit jeder Religion es geht nur darum Menschen irgendwas einzureden um sie besser ausnehmen zu können. Satanisten haben einen an der Klatsche und wollen nur Rebellieren gegen das gängige Sozialgefüge. Das kann man aber besser mit einem Idol das nicht in jeder Religion für das absolute Böse steht. Obwohl ich finde Gott im Alten Testament kommt an das wahre Böse näher ran als Satan es je könnte. Was lernen wir daraus? Wer Satan erschaffen kann dem kann Satan nicht das Wasser reichen weder in Bosheit noch sonstwas.

    Amen
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#8 HannibalEhemaliges Profil
#9 HendrikAnonym
  • 10.04.2011, 18:56h
  • Antwort auf #8 von Hannibal
  • Das Ding ist, dass Satanisten nicht an Satan glauben. Er dient zwar in vielerlei Hinsicht als Vorbild und Inspiration, jedoch wissen wir, dass er rein fiktiv ist. Ergo beten wir ihn auch nicht an oder vergöttern ihn.

    Es kratzt einen Satanisten übrigens auch nicht, wenn hier provokanterweise versucht wird, Satan "dezent" zu beleidigen oder als lächerlich darzustellen (schon gar nicht, wenn es so peinlich offensichtlich geschieht.)

    Er ist einfach eine von Menschen geschaffene Figur, die viele Eigenschaften vereint, die von uns als erstrebenswert, ehrlich, menschlich etc. angesehen werden und dient daher als Vorbild. Achtung: Vorbild, nicht Idol, nicht Gott, nicht Gebieter - einfach nur Vorbild. (Ein wichtiger Aspekt im Satanismus ist, dass man sich nicht unterordnet. Jemanden oder etwas anzubeten ist also sogar das komplette Gegenteil und hat nichts mit der Sache zu tun.)

    Wenn jemand Spongebob Schwammkopf sieht, und in der Hauptfigur die Verkörperung aller Eigenschaften sieht, die er als erstrebenswert erachtet, könnte er eine Religion erschaffen, die "Spongebobismus" heißt - klingt lächerlich, ist auch eher als Witz gedacht, ist im Prinzip aber das selbe. Spongebob ist nämlich auch nichts weiter, als ein fiktiver Charakter.
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#10 zuzizickeAnonym
  • 04.07.2012, 03:41h
  • Satanisten sind genauso denkbequem und suchen genauso eine einfache Wahrheit, wie alle denkbequemen Menschen, die an Religionen glauben, und daran, dass ihr Glaube der alleinig wirklich wahre wäre.

    Arme Satanisten. Nicht besser (und nicht schlechter) als jeder andere eine Eingebundenheit und eine Sicherheit suchende Mensch auch, der dann andere Menschen degradiert ob ihres anderen Glaubens.
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