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Zwei US-Präsidenten sollen schwul gewesen sein – das behaupten zumindest einige US-Historiker.

Von Dennis Klein

Politiker-Outings sind geradezu ein Volkssport geworden. So diskutieren US-Schwule im Internet liebend gern darüber, ob Präsidentschaftskandidat Barack Obama "eine Schwester" ist (queer.de berichtete). Derlei Klatsch-Geschichten muss fast jeder Prominente mit Sex-Appeal über sich ergehen lassen. Andere Legenden werden gestreut, um einen Politiker oder Show-Star bei konservativ eingestellten Volk zu diskreditieren – so entstanden offenbar die Lesben-Gerüchte um Hillary Clinton.

Aber auch echte Geschichtswissenschaftler zanken sich mitunter um die sexuelle Ausrichtung von großen Tieren. Am umstrittensten sind die "amerikanischen Royals", die Präsidenten. Und unter ihnen gibt es zwei, denen eine Vorliebe zum eigenen Geschlecht nachgesagt wird: James Buchanan (Präsident von 1857-1861) und seinen Nachfolger Abraham Lincoln (1861-1863).

Buchanan war schon lange auf dem Gaydar, weil er in über 200 Jahren der einzige Junggeselle war, der den Chefposten in der Regierung inne hatte. Sein Lebenspartner soll William Rufus King gewesen sein, der es immerhin auch zum Senator und Vizepräsidenten schaffte. Die Beiden wohnten 15 Jahre zusammen und waren stets untrennlich, wie Zeitzeugen berichteten. Selbst damals, als Homosexualität noch hochillegal war, stichelten Kontrahenten. So bezeichnete Ex-Präsident Andrew Jackson King als "Miss Nancy", weil er sich so weiblich verhielt – für Buchanan hatte er den Titel "Aunt Fancy" übrig. Ein Parlamentarier aus Tennessee bezeichnete die Beiden stets als "Buchanan und seine Frau". Auch herzzerreißende Briefe von Buchanan an King, die er im Trennungsschmerz verfasste, als der Angebetete den Posten des US-Botschafters in Frankreich annahm, sind gefunden worden: "Ich bin egoistisch genug zu hoffen, dass du keinen Gefährten finden wirst, der dir den Schmerz unseres Abschieds abnimmt", wimmerte Buchanan King an.

Umstrittener als Buchanans Liebesleben ist noch das von Abraham Lincoln, der als einer der größten Nationalhelden der Amerikaner gilt – zumindest derer in den Nordstaaten, die beim von "Abe" begonnenen Bürgerkrieg als Sieger hervorgingen. Über das Sexualleben Lincolns hat der schwule Autor C.A. Tripp mit "The Intimate World of Abraham" ein Standardwerk geschrieben.

Hierin beschreibt er die Liebe zwischen dem Präsidenten und dem Farmer Joshua Speed. Die beiden verband eine lange Freundschaft. Tripp, ein Schüler Alfred Kinseys, zitiert darin mehrere Merkmale, warum Lincoln Männlein den Weiblein vorgezogen hat. Er schreibt, wie unsicher Lincoln mit Frauen war, wie konfliktgeladen seine Ehe war und wie er eine Beziehung mit Joshua Speed aufbaute. Tripp zitiert zudem von Lincoln verfasste Homo-Poesie ("Billy has married a boy"). Seine Ansicht wird aber nicht von allen Akademikern geteilt und führt zu teilweise entrüsteten Gesichtern in der republikanischen Partei, der vor über 150 Jahren auch Lincoln angehörte.

Posthume Politiker-Outings sind übrigens keine Spezialität der Amerikaner. Auch in anderen Ländern lebt die Schwulensuche hoch. So berichteten englische Zeitungen diese Woche, dass das Grab eines Lovers von König Eduard II entdeckt worden ist (queer.de berichtete). Der Gute ist immerhin schon rund 700 Jahre unter der Erde. In Deutschland gibt es sogar Gerichtsverfahren um umstrittene Outings verblichener Promis: So klagte 2005 der Urenkel eines Oberstallmeisters des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II, weil sein Ur-Opi als triebhafter Homo bezeichnet wurde – das Verfahren endete in einem Vergleich (queer.de berichtete).

20. Februar 2008



#1 stromboliProfil
  • 21.02.2008, 10:53hberlin
  • ach , so neu ist das nicht . schon Gore Vidal lässt sich in "lincoln" auf diese spekulationen ein; wie immer bei ihm mit erfolg!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 remixbebAnonym