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Ric Weiland nahm sich 2006 das Leben – ein Großteil seines Vermögens geht jetzt in die Community.

Von Dennis Klein

Er war von Anfang an dabei: 1975 heuerte Bill Gates persönlich den Stanford-Absolventen Ric Weiland an. Der 22-Jährige war damit einer der ersten fünf Mitarbeiter der Garagen-Firma Microsoft. Als Hauptprogrammierer für die Computersprachen Basic und Cobol half er dem kleinen Unternehmen, ein Weltkonzern zu werden. Ihn machte der Erfolg schnell zum Millionär, der sich auch gerne politisch und sozial engagierte. Allerdings kämpfte er Zeit seines Lebens gegen Depressionen – und nahm sich im Sommer 2006 im Alter von 53 Jahren das Leben. Weiland hinterließ seinen Lebenspartner Mike Schaefer.

Größte Homo-Spende aller Zeiten

Auch nach dem Tod setzt sich der Programmierer der ersten Stunde für Homo-Rechte ein: Er spendete schwul-lesbischen Gruppen insgesamt 65 Millionen Dollar (44 Millionen Euro). Für diesen Zweck ist das die größte je gemachte Spende. Das Geld geht an zehn verschiedene Lobby-Organisationen wie den Servicemembers Legal Defense Network oder die Gay & Lesbian Alliance Against Defamation, die persönlich von Weiland ausgesucht wurden. 19 Millionen Dollar gehen direkt an die Pride Foundation, die er vor wenigen Jahren selbst gegründet hat. Diese Organisation vergibt Stipendien, um so in zukünftige Führungspersönlichkeiten für Schwule und Lesben zu investieren.

Weitere 95 Millionen Dollar vermacht Weiland anderen gemeinnützigen Organisationen – vor allem im Bereich des Umweltschutzes – und an seine Alma Mater, die Stanford-Universität.

Aber auch schon zu Lebzeiten stellte sich Weiland in den Dienst der Sache, nachdem er 1988 bei Microsoft als steinreicher Mann kündigte: Zeit seines Lebens spendete er geschätzte 30 Millionen Dollar an diverse Organisationen. Der Philanthrop selbst arbeitete als Homo-Aktivist im Nordosten der Vereinigten Staaten. So kämpfte er darum, dass General Electric, immerhin die zweitgrößte Firma der Welt, zur Jahrhundertwende Antidiskriminierungsrichtlinien für Schwule und Lesben erließ und so einen regelrechten Trend in der US-Wirtschaft startete.

Er sorgte auch mit Eigenkapital dafür, dass das traditionsreiche Homo-Medienhaus PlanetOut (heute: "The Advocate", Gay.com) den Crash der Internetfirmen im Jahr 2000 überlebte. Auf seinen ehemaligen Chef scheint Weiland Einfluss hinterlassen zu haben: Microsoft gehört nicht nur zu den homofreundlichsten Konzernen der Vereinigten Staaten (queer.de berichtete), Bill Gates hat im vergangenen Jahr höchstselbst die Mehrheit an PlanetOut übernommen (queer.de berichtete).

Spendenkultur in Amerika

Großspenden wie diese sind in den USA nicht unüblich. Auch zu Lebzeiten engagieren sich viele Multimillionäre karitativ. Das spektakulärste Geschenk war das des Investors Warren Buffet, der vor zwei Jahren 37 seiner 52 Milliarden Dollar spendete – den größten Teil davon erhielt die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die vor allem die Armut in der Dritten Welt bekämpfen will.

In Deutschland sind derlei Spenden – ob vor oder nach dem Tod – allerdings nicht üblich. Während hierzulande pro Kopf und Jahr durchschnittlich knausrige 50 Euro für wohltätige Zwecke abgezweigt werden, sind es in den USA mehr als zehn Mal so viel. Dabei gibt es auch hierzulande Stiftungen, gerade im schwul-lesbischen Bereich, die dringend auf Zuwendungen angewiesen sind. So wurde erst vor rund zwei Wochen die Gründung der Arcus-Stiftungsinitiative bekannt gegeben, die Schwulen und Lesben ganzheitlich in Jugend- und Altenarbeit, der Selbsthilfe und der Akzeptanzförderung unter die Arme greifen will (queer.de berichtete). Spender – ob große oder kleine – sind allerdings noch rar.

25. Februar 2008



#1 hwAnonym
#2 gerdAnonym
  • 25.02.2008, 19:32h
  • Diesen Menschen sollten wir bleibend in Erinnerung behalten, denn er war ein sehr wertvoller Mensch. Schade das er an Depressionen gelitten hat und sein Lebenspartner ihn "nicht halten konnte".

    Solche Menschen sind sehr selten und umsomehr haben sie meine ganze Hochachtung.
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#3 es gibt auch schon stiftungen in DAnonym
#4 handwerkerAnonym
  • 26.02.2008, 11:30h
  • Guter Zug von einem Microschrotter, selbst dann, wenn man sich überlegt, mit welchen Methoden Microschrott gegen die Konkurenz von Apple und Linux vorgeht.

    Wäre vielleicht interessant, wenn die Steuerhinterzieher aus Deutschland, die Schumachers, Beckenbauers, Zumwinkels, die Bonzen aus der FDP & CDU, ihr Geld sinnvoll investieren würden, indem sie sich ein Beispiel an diesen Herren nehmen, anstatt es den Deutschen Fiskus vorzuenthalten und damit der Wirtschaft noch mehr zu schaden.
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#5 DanielAnonym
  • 26.02.2008, 18:11h
  • bitte beim letzten Absatz bedenken, dass jeder, der Kirchensteuer bezahlt, auch Geld für soziale Zwecke gibt... (auch wenn viel davon im Kirchensäckl verschwindet, bleibt doch noch was übrig...) diese "Kirchensteuer" spendet man in den USA und bekommt dann kräftig auf die Schulter geklopft?!
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#6 handwerkerAnonym
  • 26.02.2008, 19:17h
  • Nun, @Daniel, ob die kirchensteuer, die ich übrigens nicht zahle, dem Deutschen Fiskus so viel bringt wie die hinterzogenen Millionen der Reichen(die gerade einmal 10% der Bevölkerung stellen, während 2,7 Millionen Kinder in armut leben), wage ich zu bezweifeln.

    Jedenfalls ist uns die USA im Steuerrecht weit vorraus: Sie haben eine Vermögenssteuer und wer keine steuererklärung abgibt, dessen Steuer wird geschätzt. Aber auch die dortige Steuerfahndung ist nicht gerade zimperlich.

    Ein Sachverhalt, den übrigens ein Wirtschaftswissenschaftler aus den USA den Deutschen vorgehalten hat, das die Deutschen mit Steuersündern viel zu lasch umgehen.
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#7 SvenAnonym
  • 26.02.2008, 22:04h
  • Die Kirchensteuer, die ich zahle, kommt nicht dem deutschen Fiskus zugute sondern wird lediglich durch diesen eingezogen. Die VErmögenssteuer wurde hierzulande für verfassungswidrig erklärt. U.a. begründet damit, dass vorhandendes Vermögen bereits besteuert wurde, z.B. Schenkungs- und Erbschaftssteuer, Einkommenssteuer.

    Auch in Deutschland wird bei überschrittener Frist eine Schätzung der Steuerlast durchgeführt.

    Ein Wirtschaftswissenschaftler aus den USA hat das gesagt? Toll, EIN Wirtschaftswissenschaftler muss es ja wissen.

    Warten wir doch mal ab, welche gegen welche Abgeordnete jetzt gerade ermittelt wird, abermancher weiss ja alles vorher (bestimmt FDP und CDU)

    Geld, welches dem deutschen Fiskus vorenthalten wird, liegt ja i.d.R. nicht bar unterm Bett sondern auf ausländischen Konten. d.h. dieses Geld ist aktiv im Wirtschaftskreislauf.

    Und wirklich finanzschwach ist Deutschland ja auch nicht. Recht fantasievolle Steuern kommen gerne mal aus de rlinken Ecke und sorgen für zusätzliche Freude (Ökosteuer und Konsorten lassen grüßen).

    Letztlich sind div. Verbrauchssteuern, wie z.B. die Mineralölsteuer, in Deutschland höher als in den USA. Und nicht immer muss ja alles in den USA gut sein....

    Wer sagt eigentlich, dass in den USA nicht genauso viel und gerne hinterzogen wird?
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#8 Jensetz
  • 26.02.2008, 23:52h
  • @handwerker:

    10% Reiche sind aber mehr als deine angegebenen 2,7 Mio arme Kinder. 10% Reiche in D wären ca 8,1 Mio Reiche!

    Ich kann Daniel nur zustimmen, dass immer noch etwas von der Kirchensteuer an bedürftige Menschen geht.

    Zur angesprochenen Steuerhinterziehung muss ich sagen, dass du das etwas zu eingeengt siehst. Es sind nicht nur die zumwinkels und die Bonzen der Parteien CDU und FDP. Die Bonzen anderer Parteien und auch jeder Bürger versucht (wenn als Bürger auch nur im kleinen Rahmen) irgendwo einen Vorteil heraus zu holen.
    Das ein Zumwinkel und einige andere damit auf die Nase fallen finde ich eher amüsant, aber aus dem menschlichen Blickwinkel nur verständlich.

    Soll keine Aufforderung zur Nachahmung sein!

    Allerdings wäre eine Spendenkultur für soziale Projekte und Stiftungen, wie in den USA, wünschenswert. Ich bemühe mich jedes Jahr dem mit meinen bescheidenen Mitteln (mom. Zivi!) nachzukommen und es klappt!
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