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Mehrere Porno-Darsteller haben sich in England mit HIV infiziert. Die BBC stellt Porno-Produzenten an den Pranger.

Von Dennis Klein

Acht junge Engländer ziehen in ein Ferienhaus in Frankreich und poppen den ganzen lieben langen Tag. Kurze Zeit später machen vier von ihnen einen HIV-Test: Alle vier sind positiv - und haben sich wahrscheinlich auf diesem Trip angesteckt.

Der Trip war kein Wochenendausflug gelangweilter Studenten, sondern ein Porno-Dreh aus dem Bareback-Segment. Die DVD dieser Session ist noch zu haben - allerdings soll der Vertrieb nun gestoppt werden, weil das BBC-Nachrichtenjournal "Newsnight" eine Reportage über das Bareback-Phänomen gedreht hat. Nach der Ausstrahlung der 13-minütigen Dokumentation diese Woche ist nun eine Diskussion im Gange, wie und ob gegen unsafen Sex in Pornografie vorgegangen werden kann.

Bareback hat 60 Prozent Marktanteil

In den letzten Jahren ist der Markt für schwule Pornos ohne Kondome explodiert. Gerade England ist gut im Geschäft - dabei wurde dort erst 2001 der Verkauf von pornografischen Filmen erlaubt. Während nach der Entdeckung von Aids in den 80er Jahren in Nordamerika und Europa alle einschlägigen schwulen Produktionen mit Kondomen produziert wurden, ändert sich die Einstellung nun rapide. "Bareback" ist derzeit das beliebteste Wort im Titel eines Schwulenpornos - "kondomfreie" Filme haben in Europa bereits einen Marktanteil von 60 Prozent erobert. Bei Hetero-Pornos, bei denen es auch immer wieder zu Infektionen kommt, liegt der Anteil indes bei fast 100 Prozent.

Die Macher von Bareback-Pornos verweisen darauf, dass sie ihre Darsteller nicht ohne Aids-Tests und eindringliche Beratung an einem Dreh teilnehmen lassen. Scheinbar ging die Firma Icreme, die auch das Video in Frankreich produziert hatte, nicht so genau damit um - obwohl sie nach eigenen Angaben der größte Anbieter für schwule Bareback-Pornos auf der Insel ist. So erklärten Darsteller gegenüber der BBC, dass die Produzenten oft nur fragten, ob ein Aidstest vorliegt - ihn aber nicht sehen wollten. HIV war den Berichten zufolge am Set nur selten ein Thema.

'Ich hab's fürs Geld gemacht'

Für Clyde wurde es zum Thema. Der sehr jung wirkende 20-Jährige erklärte gegenüber dem Szeneportal "Pink News", wie er zum Porno-Darsteller wurde und sich beim schicksalhaften Dreh in Frankreich infizierte: Kurz nach seinem 18. Geburtstag ist er im britischen Kontakt-Portal "Gaydar" von den Produzenten angesprochen worden. Nachdem er beim Casting vor laufender Kamera erfolgreich onaniert hatte, wollte Icreme ihn als Bareback-Darsteller unter Vertrag nehmen. Er musste beim Dreh zunächst einen Aidstest mitbringen - später war ein zeitnaher Test nicht immer Voraussetzung. Schließlich kostet der Test 25 Pfund (33 Euro) - und pro Szene hat Clyde nur 100 Pfund (130 Euro) erhalten. "Ich hab's fürs Geld gemacht. Ich habe nicht viel", erklärte er. Außerdem sei es schön gewesen, dass ihm - der in der Schule stets der Außenseiter gewesen ist - von Regisseuren und Produzenten erzählt wurde, wie schön er sei. Da der schmächtige Junge ein schlechter Schüler war und seiner Meinung nach keine Aussichten auf einen guten Job hatte, war die Pornografie für ihn ein Ausweg aus seiner finanziellen Misere. Als Clyde dann aber für ihn völlig überraschend positiv gestestet wurde, brach seine Welt zusammen: "Ich bereue, Bareback-Videos gedreht zu haben. Ich war kein Heiliger in meinem Privatleben, aber ich war vorsichtiger, bevor ich mit Pornos angefangen habe."

Die Firma Icreme hat nach dem BBC-Bericht erklärt, sie werde fortan nur noch Filme mit Kondomen drehen. Sie ist derzeit ohnehin in der Kritik, weil letzte Woche ein ehemaliger Angestellter von einem englischen Gericht zu 35 Monaten Haft verurteilt worden ist. Der 48-jährige Rufus Ffoulkes hatte einen Bareback-Film mit einem 16-Jährigen gedreht - und später beteuert, dass er ihn für 18 gehalten habe.

Trotz des angekündigten Rückzugs von Icreme weiterhin populär bleiben. Mehrere deutsche Labels wie Man's Art, die früher stets mit Kondomen filmten, sind bereits auf den Zug aufgesprungen. Das Kölner Label XXX-Project filmt sogar nur kondomfrei. Allerdings wird hier darauf verwiesen, dass Testergebnisse Voraussetzung für einen Dreh sind. Andere Labels wie Cazzo behelfen sich damit, dass sie feste Partner filmen, die nur miteinander ungeschützten Sex haben. Zudem lassen einige Produzenten HIV-Positive miteinander verkehren. Davor warnen aber Ärzte, da sich eine gefährlichere Variante von HIV einfangen können - und damit unter Umständen resistent gegen Medikamente werden können.

Die BBC interviewte einen HIV-Positiven, der für Icreme weiter Bareback filmen wollte. Als die Journalistin den etwas einfältig wirkenden Darsteller John Gadsby geschockt fragte, warum er so sein Leben aufs Spiel setze, antwortete er: "Ich gehe das Risiko ein, denn ich mag, was ich tue."

6. März 2008



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23 Kommentare

#1 FloAnonym
  • 06.03.2008, 15:57h
  • Die Pornoindustrie gefährdet für ihren Gewinn ihre Mitarbeiter. In jeder anderen Branche wären solche Betriebe längst geschlossen worden, aber solange es genug Käufer für Bareback gibt, bleibt die Pornoindustrie wohl mächtig genug, dass die Politik weiterhin zusieht...
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#2 seb1983
  • 06.03.2008, 16:05h
  • Traurig für die Jungs, Männer nenne ich die noch nicht, die sich da anstecken, aber der letzte Satz sollte den Tausenden Schwulen dich sich alltäglich durch Saunen Diskotheken und andere schwule "Schutzzonen" (das ich nicht lache) bareback ficken im Gedächtnis bleiben:

    "Ich gehe das Risiko ein, denn ich mag, was ich tue."

    Das neue Szenemotto 2008...
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#3 WernerAnonym
  • 06.03.2008, 16:47h
  • Es wäre von der EU besser gewesen, mal dagegen vorzugehen als gegen das Rauchen in Kneipen. Warum entzieht man den Pornofilmherstellern, die mit dem Thema HIV und Aids so leichtfertig umgehen, nicht die Lizenz?
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#4 handwerkerAnonym
  • 06.03.2008, 17:09h
  • @werner: Genau, Lizenz entziehen und dann vögeln alle wieder safer? was ist das denn für ein irrglaube? Wie willst Du denn den Produzenten, die z.bsp. in den usa produzieren, die lizenz entziehen? ganz zu schweigen von denen in osteuropa?
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#5 RainerAnonym
  • 06.03.2008, 17:09h
  • Die HIV Tests vor Produktionen kann man vergessen. Das sind Schnelltests
    und garantieren keine Sicherheit. u.a. weil natürlich der Virus erst nach 12
    Wochen damit festgestellt werden kann.

    Wie bei solchen Produktionen vorgegangen wird und was für ein Risiko
    dabei ist schildert Brent Corrigan auf seiner Internetseite sehr gut im
    Fragebereich von Usern an ihn.

    Auch ihm ist das erst spät klargeworden und hat sich jedoch inzwischen vom
    BareBack Geschäft zurückgezogen.

    Schlaue Entscheidung. Wer es auch nach so einer Situation nicht versteht ist
    einfach nur dumm und scheint nicht mehr zu verstehen, was HIV auch heute
    noch an Lebensqualitätsverlust bedeutet.
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#6 BenedictusAnonym
  • 06.03.2008, 17:12h
  • Dieser HIV-pos. Darsteller macht das wahrscheinlich nicht primär wegen des Geldes, sondern weil er Sex ohne Kondom geil findet. Er kann bei einem Porno mit anderen hübschen Darstellern Sex machen und seine exhibitionistische Ader wird durch die Kameras befriedigt. Solange es Leute gibt wie ihn, werden sich immer Darsteller für BB-Pornos finden.

    Aber ich muss zugeben. Wenn ich mir einen Porno anschaue, dann finde ich Kondome bei Darstellern auch abturnend. Wenn ich mir beispielsweise einen Actionfilm anschaue, dann interessiert mich auch nicht die Gesundheit des Stuntmans, hauptsache die Action stimmt, gefährliche Szenen und viel Schrott und Explosionen. Und bei einem Porno finde ich Typen geil, die ohne Kondom ficken. Das wirkt versaut, ja sogar sündhaft, weil die ganze Szene und die Gesellschaft es verurteilt. Und gerade das was verboten ist, das hat einen verruchten Touch und ist deswegen besonders interessant. Diese Pornos verkaufen eine Phantasie, die man selbst nie durchleben wird. Geilen versauten unsafen Sex mit unzähligen schweinegeilen rücksichtslosen Typen ohne schlechtes Gewissen wegen Krankheiten. Ein Kondom würde in diese Szenerie nicht passen.

    Und ich denke, die Konsumenten der BB Pornos werden das genauso sehen. Sollten wir uns schuldig fühlen, wenn wir Pornos konsumieren, in denen uns Dinge gezeigt werden, von denen wir uns nicht einmal zu träumen wagen?
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#7 DannyAnonym
  • 06.03.2008, 17:22h
  • Es gilt immer noch, auch 2008:

    ! Jeder weiss, wie HIV übertragen wird !

    Daher kann das dann auch keine Überraschung sein, weil man beim Blank-Ficken unter den Voraussetzungen mit dem Ergebnis immer rechnen muss!

    Ich will hier nicht die Moralkeule schwingen. Ich finde Bare-Filme auch geiler (wobei ich betonen möchte, dass ich mich selbst nie gefährden würde im echten Leben), aber solange sich ein paar Boylies für ne Handvoll Euros als Darsteller auch ohne Test zur Verfügung stellen, wird so was immer wieder passieren. Leider!

    Es ist und bleibt ein Bedarf nach Filmen ohne Kondom, aber die Produzenten müssen hier wesentlich besser vorsorgen; meinetwegen mit einem Schnelltest oder so.
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#8 DannyAnonym
  • 06.03.2008, 17:32h
  • Okay, Ergänzung- sehe jetzt erst in vorherigen Kommentaren, dass Schnelltests nicht zuverlässig genung scheinen. Dann muss sich die Pornoindustrie halt andere Sicherungsmechanismen ausdenken.

    Da aber xtube.com & co auch immer mehr von privaten "Heimatfilmen" voll sind, wird sich das mit den kommerziellen Produktionen vielleicht eh in den nächsten Jahren erledigen...
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#9 holgerAnonym
  • 06.03.2008, 18:28h
  • wer bare fickt, egal ob vor einer kamera oder privat, der weiß, dass er anschließend positiv sein kann.
    auch ein 20jähriger sollte das wissen.

    da der pornoindustrie die alleinige verantwortung zuzuschreiben, finde ich ein bißchen kurz gegriffen.
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#10 SvenAnonym
  • 06.03.2008, 19:38h
  • Den Vergleich mit den Action-Filmen finde ich sehr gut, das ist auch immer mein erster Gedanke, wenn andere dagegen wettern.
    Oder auch Seiltänzer im Zirkus, ist doch immer viel aufregender ohne Netz.
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