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Eine britische Lehrergewerkschaft fordert seine Mitglieder auf, mehr gegen homophobe Schikanierung an Schulen zu tun.

Von Dennis Klein

Das Wort "schwul" wird auf Schulhöfen recht häufig verwendet – als Synonym für "langweilig", "schlecht" oder schlicht "beschissen". Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren erheblich beschleunigt. Er wird angeheizt von Rappern wie Bushido, die keinen Hehl daraus machen, dass sie Homosexuelle "schwul" finden.

Das Phänomen ist nicht auf Deutschland beschränkt: In Großbritannien hat nun die Lehrergewerkschaft Association of Teachers and Lecturers in einer Befragung von 268 Lehrern herausgefunden, dass "gay" das beliebteste Schimpfwort ist – vor "bitch" ("Zicke") und "slag" ("Nutte"). Das berichtet die britische Zeitung "The Guardian". 70 Prozent der Lehrer haben gehört, dass Schüler sich gegenseitig mit "gay" niedergemacht haben, 16 Prozent berichten sogar, dass sie täglich damit zu tun hätten. In einer anderen Umfrage hat die Gewerkschaft letztes Jahr herausgefunden, dass sogar 98 Prozent der Schüler homophobe Sprache in den Lehranstalten gehört hätten. 65 Prozent der schwulen und lesbischen Schüler berichten davon, dass sie wegen ihrer sexuellen Ausrichtung gehänselt werden – nicht wenige kämpften daraufhin mit Selbstmordgedanken.

Für die Gewerkschaft erschreckend ist, dass die Hälfte der Lehrer bei derlei Hänseleien nicht eingreift. Sie betrachten diese Ausdrücke – wie auch viele Schüler – als lustigen Gebrauch der Sprache. In Interviews waren sich viele Lehrer nicht sicher, wie sie die Lage einschätzen sollen. Sie befürchten, durch einen Eingriff aus einer Fliege einen Elefanten zu machen. Außerdem wollen sie nicht selbst als homosexuell erscheinen und so dem Mobbing der Schüler ausgesetzt werden. Ein Lehrer sagte bei der Befragung: "Ich denke, viele haben nicht genug Selbstvertrauen, dieses Problem anzugehen. Man will nicht dastehen als einer, der Homosexualität ‚fördert’". Ursache für diese Angst dürfte auch ein Gesetz der 80er Jahre sein, das die Diskussion von Homosexualität in Schulen verboten hatte. "Section 28" wurde erst 2003 abgeschafft (queer.de berichtete).

Erschwerend kommt hinzu, dass auch manche Erzieher "gay" als Schimpfwort benutzen. So berichten 12 Prozent der Lehrer, dass sie auch im Lehrerzimmer schwulenfeindliche Sprache hörten.

Die Homo-Gruppe Stonewall hat inzwischen für die britische Regierung einen Leitfaden entwickelt, der an alle Schulen verteilt werden soll. Hierin werden homophobe Beschimpfungen als ebenso inakzeptabel beschrieben wie rassistische Ausfälle. Gegen diese wird in den Schulen weit härter durchgegriffen. Ein Sprecher von Stonewall sieht die Schulchefs in der Verantwortung: "Rektoren müssen klarstellen, dass Homophobie nicht toleriert werden darf, indem sie Lehrern richtige Tipps geben, wie mit solchen Anfeindungen umgegangen werden muss."

13. März 2008



10 Kommentare

#1 LisaAnonym
  • 13.03.2008, 19:12h
  • Ich besuche die 12. Stufe eine Gymnasiums.
    Ich höre dort aus den Klassen 5-10 nichts häufiger als "schwuchtel"... In meiner Stufe höre ich meistens "Ey dat is voll schwul ey.." oder "Biste schwul oder was??"

    Niemand sagt was dagegen, noch nicht mal n Lehrer.

    Selbst in Reli, wo mein Lehrer offen schwul is, fällt häufig "schwul oder was?". Nicht mal der kratzt sich dran.
    Manchmal verstehe ich die Welt nicht.
    Ich denke aber auch, dass in den meisten Fällen, wenn jemand das Wort "schwul" als Schimpfwort benutzt, weniger die sex. Orientierung in den Dreck gezogen werden soll.

    Dennoch bin ich dagegen, dass so ein Wort benutzt wird.
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#2 saltgayAnonym
  • 13.03.2008, 21:19h
  • @Lisa
    Leider kann ich dir nur zustimmen. Dennoch sorge ich in meinen Klassen dafür, dass Ausdrücke wie "Schwuchtel" "schwul"=negativ geächtet werden. Viele Schüler haben nichts gegen Schwule, diskriminieren nicht bewusst. So am Gymnasium. An einer Haupt- und Realschule haben sich die Schüler an mich gewöhnt und niemand findet etwas dabei, dass ihr Lehrer schwul ist. So etwas ist bisher noch die Ausnahme. Dabei hat das Elternhaus und das Lehrerkollegium auch einen Einfluss. Viele impfen die Homophobie den Kindern bereits ein. Es gibt also noch viel zu tun.
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#3 FloAnonym
  • 13.03.2008, 23:08h
  • Für Psychoterror an Schulen, Selbstmorde von Schwulen und Lesben, verbale und körperliche Gewalt gegen Schwule und Lesben, Morde, etc. sind all die Politiker, die uns weiterhin diskriminieren und all die Pfaffen, die gegen Homosexuelle hetzen, mitverantwortlich!!

    An deren Händen klebt Blut und sie verfolgen die Ziele des Bösen!! Die Täter der Worte sind keinen Deut besser als die Ausführer der Taten!!
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#4 MarekAnonym
  • 13.03.2008, 23:17h
  • Komisch, wenn Schüler als "Nigger", "Kaffer" oder sonstwas beleidigt würden, würde niemand das durchgehen lassen, aber bei "schwul", "Schwuchtel", etc. hören alle weg.

    Es wird Zeit, dass an den Schulen etwas dagegen unternommen wird und die Lehrer nicht mehr weghören, sondern aktiv werden!

    Und auch wir sind gefordert, gerade jetzt das Wort "schwul" weiterhin wie selbstverständlich und positiv besetzt zu benutzen...
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#5 RoyAnonym
  • 13.03.2008, 23:34h
  • Ich bin selbst auch noch nicht so alt und das vorherige besagte kann ich nur bestätigen. Bei schwundelfeindlichen Witzen (von Schülern) lachen Lehrer sehr oft gerne mit. Manchmal sind die sogar selbst Initiator solcher Witze! Sportlehrer sagen zum Beispiel Sachen wie: "Strengt euch mehr an, wir sind hier nich auf ner Schwuchtelparade" u.ä.
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#6 wolfAnonym
  • 14.03.2008, 06:32h
  • das ganze läuft wieder darauf hinaus, dass zuwenig für aufklärung an schulen ect. getan wird. wen wunderts, wenn nicht mal die regierungen zu ihren bürgern stehen, da sie ja "werte" und religion verteidigen müssen, ohne genau zu wissen was das eigentlich ist !
    genau diese damen und herren bereiten den bodensatz, auf dem bushidos und andere zum blühen kommen !
    eine aufgeklärte gesellschaft diskriminiert nicht, in keinem bereich !
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#7 FloAnonym
  • 14.03.2008, 12:59h
  • @Roy:

    Bei solchen Lehrern, die selbst von Schwuchteln reden, etc. sollte man sofort eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen und darauf bestehen, von diesem Lehrer nicht mehr unterrichtet zu werden. Lehrer, die Hass fördern, haben an Schulen NICHTS zu suchen!!

    Und die Lehrer, die bei solchen Äußerungen einfach wegsehen, sind auch nicht viel besser...

    Da wundert sich noch jemand über den Hass in unserer Gesellschaft und warum Parteien wie die CDU so stark sind. Und wenn dann dieser Hass irgendwann in Gewalt gegen Schwule und Lesben gipfelt, will wieder keiner schuld gewesen sein...
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#8 SaschaAnonym
  • 16.03.2008, 00:52h
  • Sprache ist immer ein Spiegel des individuellen Bewusstseins und wirkt wiederum auf dieses zurück.

    Wenn wirkliche Gleichberechtigung jemals möglich sein soll, wenn junge Menschen sich jemals angstfrei selbst entdecken und selbstbestimmt leben können sollen, dann muss gerade in diesem Punkt eine aktive und breit gefasste Antidiskriminierungspolitik bzw. -erziehung in den Schulen stattfinden.

    Während sexuelle Vielfalt in deutschen Schulen weiterhin konsequent ausgegrenzt und Homophobie in keiner Weise bekämpft wird, machen Länder wie Spanien machen vor, wie es geht! Das neue Pflichtfach "Staatsbürgerkunde" klärt dort von der Grundschule an intensiv über Menschenrechte-und Antidiskriminierungsthemen, über menschliche und insbesondere auch sexuelle Vielfalt auf und fördert aktiv eine neue Kultur des Respekts. Das ist es, was junge Menschen in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft brauchen - und keinen wie auch immer gearteten "Religionsunterricht".

    Oder hier ein positives Beispiel aus Großbritannien:

    jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/424329

    "Schwul!" Homophobe Sprache soll an britischen Schulen geächtet werden

    Ist es nur eine Lappalie, wenn Schüler sich "schwul" schimpfen? Nein, sagt jetzt die britische Regierung.
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#9 Herbi_LAAnonym
#10 EchtSchwulEhemaliges Profil
  • 17.05.2008, 21:08h
  • Antwort auf #8 von Sascha
  • Hi Sascha. Du hattest mir das doch zugesandt, das worum es auch hier geht. Denn wenn eine, in diesem fall Deutsche, Fehrnsehserie den jugendlichen vermittelt das Schwul sein ganz einfach zu korrigieren ist, dann wird sich an den Schikanen und Beleidigungen nichts ändern.

    s220165578.online.de/2008/03/11/homophobe-hetze-bei-rtl/

    Aber ist es nicht auch ein spiegelbild der Gesellschaft, wo doch angeblich in westlichen demokratien der Umgang mit dem Thema Homosexualität schon normal und kein problem mehr ist? denn in Anbetracht der Tatsache, das es nach wie vor Beleidigungen auf dem Schuhof gibt, scheint die gesellschaftliche akzeptanz wohl doch nur oberflächlich zu sein.
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