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Aus Solidarität mit HIV-Positiven in Thailand schlägt die Münchner Aids-Hilfe eine Spende des Pharmariesen aus

Von Anne Richter

"Unser Engagement gilt den Menschen, deren Gesundheit wir uns verpflichtet fühlen." Dieses Versprechen richtet die Firma Abbott auf ihrer deutschsprachigen Homepage an ihre Kunden. Bei so einer Firmenphilosophie passt es zum Medikamentenhersteller, sich aktiv vor Ort für Menschen mit HIV und Aids einzusetzen. So wollte Abbott die Münchner Aids-Hilfe (MüAH) unterstützen und sich an einem über Werbeflächen finanzierten Auto für das Café Regenbogen beteiligen.

Nach reiflicher Überlegung hat die MüAH das Angebot jedoch abgelehnt und in einem Brief die Gründe dargelegt. Hierin erklärt Michael Tappe, Fachlicher Leiter der Aids-Hilfe, dass der Verein kein Geld von jemandem annehmen möchte, der "Betroffenen in anderen, ärmeren Ländern lebenswichtige Medikamente vorenthält."

Hintergrund für die ungewöhnliche Entscheidung ist die Situation in Thailand. Hier hatte die Regierung eine Zwangslizenz für das Aids-Medikament Lopinavir/Ritonavir erlassen und so den Patentschutz umgangen. Durch diese Maßnahme konnten die Behandlungskosten pro Jahr und Patient von 2.800 auf 695 US-Dollar reduziert werden, was für ärmere Menschen dort eine zumindest gesteigerte Chance auf eine Therapie bedeutet. Die Firma Abbott, die durch die Patentverletzung Umsatzeinbußen befürchtet, reagierte mit der Drohung, in Thailand keine neuen Medikamente mehr zur Zulassung anzumelden und zu vermarkten. Eines dieser Medikamente, die in anderen Ländern längst auf dem Markt sind, ist die neue hitzebeständige Variante des Protease-Hemmers Lopinavir/Ritonavir (in Deutschland: Kaletra®), Damit werden die Menschen in Thailand von neueren medizinischen Errungenschaften praktisch ausgeschlossen.

Die MüAH erklärte sich deshalb solidarisch mit den Betroffenen in Thailand und schließt sich der Forderung von "Ärzte ohne Grenzen" an, Abbott solle unverzüglich wieder neue Medikamente in dem südostasiatischen Land registrieren. Solange aber die aktuelle Vertriebspolitik weiterverfolgt werde, könne man "der Firma nicht durch Werbeflächen zu einem guten Image in Deutschland verhelfen", auch wenn dadurch finanzielle Unterstützung für die eigenen Anliegen verloren gehe.

15. März 2008



25 Kommentare

#1 Thom_ass1973
  • 15.03.2008, 07:43h
  • Meine Güte wie verlogen ist denn das bittschön? Wenn ich ein Patent hätte und das würde einfach kopiert, würde ich genauso handeln wie es das Pharmaunternehmen getan hat!
    Natürlich geht es einerseits nicht an das Menschen verrecken weil Medikamente einfach zu teuer sind, aber andererseits sind wir persönlich hier willens zu helfen? Wie wäre es denn wenn wir, die wir das nötige "kleingeld" haben einfach die "Medikamentenpatenschaft" übernehmen! Tun wir aber nicht - es ist ja so einfach anderes Fehlverhalten anzuprangern- meine Güte Drecks bornierte Münchener AIDS-Hilfe! Nehmt doch das Geld an und fahrt mit dem Fahrrad und schickt das Geld stattdessen nach Thailand!
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#2 tanjaAnonym
  • 15.03.2008, 13:25h
  • sind die dämlich!
    wie dumm muss man sein um ein haufen geld abzulehen, wenn man es -wie
    jede aidshilfe in deutschland- verdammt dringend braucht?! damit tut man
    den betroffen hierzulande keinen gefallen.
    davon abgesehn hat abbott selbstverständlich recht, patent verlieren,
    bedeutet billiger verkaufen und das wiederum heißt kein geld für forschung
    und damit gibt es weder in thailand noch hier neue medikamente.
    absolut idiotisch ihr müncher!
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#3 Josh~Anonym
  • 15.03.2008, 13:32h
  • Ist ja gruselig, wie die Propaganda der Patent-Mafia die Leser hier schon beeindruckt hat.
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#4 SchorschAnonym
  • 15.03.2008, 13:35h
  • Ja, da muss ich meinem Vorredner voll und ganz beipflichten. Das ist wieder diese typisch realitätsferne, dogmatische Prinzipienreiterei der Bewegungsschwestern. Denen gelten ihre Prinzipien mehr als die Hilfe für "ihre" Positiven und Kranken. Die AIDS-Hilfe München ist dazu da, ihrer Klientel in ihrer Region zu helfen. Und nicht, um Weltpolitik zu machen.

    Natürlich gehe ich als Pharmaunternehmen mit keinem neuen Medikament auf einen Markt, auf dem ich keine Rechtssicherheit finde und wo es mir passieren kann, dass ich auf den millionenschweren Entwicklungskosten sitzen bleibe, weil irgendein Bananenstaat mein geistiges Eigentum einfach enteignet. Sobald sich die Entwicklung neuer Medikamente nicht mehr finanziell lohnt (weil es keinen Patentschutz mehr gibt), werden wir erleben, dass es bald gar keine neuen Medikamente mehr gibt. Denn mit gutem Willen, netten Worten und der "richtigen" Gesinnung kann man keine jahrelange Forschungs- und Entwicklungsarbeit finanzieren.
    Pech für die Menschen in Thailand, dass die Regierung nicht die Kranken finanziell so unterstützt, dass sie sich die Medikamente leisten können - DAS wäre eigentlich die Aufgabe eines Staates mit funktionierendem Sozialsystem. Stattdessen wälzt die Regierung die Sozialkosten, die sie eigentlich tragen müsste, ab auf die Pharmaunternehmen einerseits und einen Restbetrag noch auf die Kranken selber andererseits.
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#5 Peter A.Anonym
  • 15.03.2008, 14:13h
  • Mich wundert es ja, dass hier jeder über die Münchner Aids-Hilfe schimpft.

    Die Firma handelt doch scheinheilig: in Thailand Medikamente nicht rausbringen weil Gewinneinbußen befürchtet werden, aber hier mit Werbung (was anderes wär die Spende ja nicht) ein gutes Image aufbauen. Es wär ja viel besser, wenn Abbott statt solcher Spenden/Werbungen ihre Medikamente einfach billiger machen würden. Das macht gutes Image UND bringt den Betroffenen etwas.

    Große Konzerne arbeiten oft so, lieber ein wenig Werbung oder Scheinaktionen machen, als wirklich helfen zu wollen.
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#6 Peter A.Anonym
  • 15.03.2008, 14:52h
  • Hab ich vorher noch vergessen:
    Zu "Denen gelten ihre Prinzipien mehr als die Hilfe für "ihre" Positiven und Kranken. Die AIDS-Hilfe München ist dazu da, ihrer Klientel in ihrer Region zu helfen. Und nicht, um Weltpolitik zu machen."

    Das heißt man soll Geld annehmen, ziemlich egal von wem? Soll also Amnesty International Spenden von der Chinesischen Regierung annehmen? Man kann nicht die Arbeitsweise einer Firma (oder eines Staates, einer Person) kritisieren und gleichzeitig Geld von der gleichen Firma annehmen (Wasser predigen, aber Wein trinken). Sowas wäre für mich verlogen.
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#7 Thom_ass1973
  • 15.03.2008, 15:58h
  • @ Peter A.
    Ein Rechtsbruch bleibt ein Rechtsbruch! und den begeht nun einmal der thailändische Staat und nicht das Pharmaunternehmen! ich weiss ja nicht was du beruflich machst - aber übertrag doch mal einfach die Lage des Unternehmens auf dich! Wenn du Arbeitnehmer bist: gehst du arbeiten wenn du schon vorher genau weisst das du nur die Hälfte oder noch weniger von deinem Lohn bekommst?
    Naaa wie war das mit der Ehrlichkeit?!
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#8 Thom_ass1973
  • 15.03.2008, 16:06h
  • @josh nicht zu vergessen das Abbott ne US-amerikanische Firma ist und nach US-Recht gibst du dein Copyright auf, wenn du nichts gegen die Rechtsverletzung unternimmst!
    Wie reagierst denn du, wenn was gegen dein Eigentum geschieht?!
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#9 spendenberaterAnonym
#10 SchorschAnonym
  • 15.03.2008, 23:24h
  • @ Peter A. (# 6):

    "Das heißt man soll Geld annehmen, ziemlich egal von wem? Soll also Amnesty International Spenden von der Chinesischen Regierung annehmen?"

    Das Beispiel passt nicht, weil genau das (die Chinesische Regierung und ihr Verhalten) ja das Aufgabengebiet von Amnesty International betrifft.

    "Man kann nicht die Arbeitsweise einer Firma (oder eines Staates, einer Person) kritisieren und gleichzeitig Geld von der gleichen Firma annehmen"

    Das ist richtig. Darum heißt das Fazit: Nicht kritisieren. Denn: Denn die AIDS-Hilfe München hat hier nichts zu kritisieren. Sie beschäftigt sich mit Positiven und AIDS-Kranken in München und Umgebung und NICHT mit internationalem Patentrecht, globaler Volks- und Betriebswirtschaft oder dem thailändischen Sozialsystem. Sollte einer der Funktionäre der Münchner AIDS-Hilfe sich berufen fühlen, zu diesen Themen eine Meinung zu haben und öffentlich vertreten zu wollen, dann steht es ihm frei, in eine Partei einzutreten oder einen Leserbrief an eine Zeitung zu schreiben. Aber er darf nicht aus persönlichen Ideologiegründen durch eine solche Spendenverweigerung die Arbeit sabotieren, für die er dort eingesetzt ist. Meiner Ansicht nach ist das ein ausreichender Grund für eine sofortige Entlassung bzw. Abwahl. Die Betreffenden haben die Kernaufgabe der AIDS-Hilfe sabotiert und ihrem Ruf nachhaltig geschadet. Wenn andere potenzielle Sponsoren erfahren, dass die AIDS-Hilfe München sich anmaßt, ihre Spender einem Gesinnungstest zu unterziehen, werden sie garantiert schnell auch andere Spendenempfänger finden - die dankbarer (und noch dazu imagefördernder) sind.
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