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Die schwulen Sportclubs von Peking und Shanghai laden Vereine ein, nach China zu kommen – auch um ihre eigenen neuen Freiheiten zu sichern.

Von Hermann J. Huber

Ein Weltreich öffnet sich. Das ist der Eindruck, den Gay-Touristen gewinnen, wenn sie derzeit nach China reisen. Das größte Land der Welt galt bislang als vermintes Gelände für Schwule. Doch gerade im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking sprießen in den Großstädten dutzendweise Szenelokale aus dem Boden, gründen sich Gruppen, bilden sich Netzwerke an den Universitäten.

Das brutale Vorgehen der chinesischen Regierung in Tibet droht dieses positive Bild der neuen Freiheiten im Ausland zu verzerren oder gar zu zerstören. Vertreter schwule Sportclubs in China sind daher besorgt und wenden sich massiv gegen einen Olympia-Boykott durch den Westen. Jue Yan, Kapitän von Beijing Shenlan Football, des ersten schwulen Fußballvereins Chinas, ruft im Gegenzug schwule Fußballclubs aus aller Welt auf, nach zu Peking reisen, um sich mit seinem Team "in großer Freundschaft" zu messen.

Sein Club, am 20. September 2003 gegründet, hat längst neben 36 anderen Vereinen weltweit unter dem Dach der IGLFA (International Gay & Lesbian Football Association) eine sportliche Heimat gefunden. Auch an deren Weltmeisterschaft vom 24. bis 30. August 2008 in London will man teilnehmen.

Ebenfalls strikt gegen einen westlichen Olympia-Boykott ist Fei Long, der Leiter des Shanghai Tongxin Football Teams. Sein Kommentar: "Wir setzen auf viele internationale Kontakte und wollen, dass die Sportler zu uns kommen." Die Tibet-Frage dürfe den Aufbruch, den die Gay-Community in China erlebe, nicht gefährden.

Gerade in Shanghai, der 20-Millionen-Metropole, in der 2010 die Weltausstellung Expo stattfindet, steht die Gayszene in voller Blüte. Mit einer großen Gala feierte man gerade das fünfjährige Bestehen von SUNHOMO. Der Verband wurde 2002 gegründet, gleich nachdem Homosexualität legalisiert und nicht mehr als "Geisteskrankheit" eingestuft wurde. Analverkehr unter Männern ist seit 1997 kein Straftatbestand mehr. Das Schutzalter liegt für Hetero- und Homosexuelle bei 14 Jahren.

SUNHOMO ist eine Vereinigung von schwulen Sport- und Kulturgruppen. Sie zählt bereits sieben Badminton-Gruppen, fünf Schwimmvereine, mehrere Volleyball-, und Tischtennis-Gruppen sowie die Sparten Fußball, Tennis, Yoga, Kung-Fu, Marathonlauf, Bodybuilding oder Fitness. Zum Verein gehören auch Abteilungen, die sich mit Kochen oder Fotografie befassen oder sich um die Pflege der klassischen Peking-Oper, um Gesang und Schauspiel kümmern. Bei der Fünf-Jahres-Feier wurden begeisternde Shows geboten, mit Musik zwischen Beethoven und Village People. Aber auch Theaterstücke zum Thema Aids kamen zur Aufführung.

Insbesondere die China-Oper ist ein Betätigungsfeld für viele junge schwule Männer. In wundervollen Gewändern und bestem Make-up verwandeln sie sich in bildhübsche Frauen. Überhaupt ist Travestie ein sehr beliebtes Freizeitvergnügen und in zahlreichen Gaybars zu bewundern.

Noch verbreiteter in der Gayszene ist Karaoke, ebenfalls eine eigene Sparte bei SUNHOMO. Es gibt fast keinen Gayclub in Shanghai und Peking ohne eigene Bühnen und Kabinen, in denen Schwule mit ihren Freunden bei "K-TV" die Hits von Madonna oder Dutzender asiatischer Boygroups trällern.

Der Erfolg von SUNHOMO ist ansteckend. Denn mittlerweile hat der schwule Dachverband Ableger in den Städten Peking, Guangzhou, Shenzhen, Wuhan, Nanking, Chonqing, Lanzhou und selbst kleineren Städten gefunden. Ray M., einer von 50.000 Ausländern, die mittlerweile in Shanghai leben (davon allein 17.000 Deutsche) und Mitglied bei SUNHOMO, erklärt: "Unser Verband ist für die Schwulen eine wichtige gesellschaftliche und soziale Heimat geworden. Denn nicht jeder mag es, in Bars, Discos und Saunen zu verkehren."

Um ihren gesellschaftlichen Status, ihre neu gewonnen Freiheiten auszuschöpfen und auszubauen, wünschen sich die schwulen Sportgruppen Chinas internationale Kontakte. Sie wollen zeigen, dass Gaylife in ihrem Land Normalität wird und dabei die "eigene Stabilität im Palast der schwulen Emanzipation" (ein schwuler Sportfunktionär) absichern. Ray M.: "Da käme ein Olympia-Boykott zum völlig falschen Zeitpunkt. Das wäre das absolut falsche Signal auch für die vielen Gay-Sportvereine. Wir wollen, dass gerade sie nach China kommen."

28. März 2008



19 Kommentare

#1 SvenAnonym
  • 28.03.2008, 09:09h
  • Na, das ist ja mal wieder fein!
    Minderheiten gegeneinander ausspielen, also jetzt bin selbst ich für einen Boykott von Olympia!
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#2 NobbiAnonym
  • 28.03.2008, 10:26h
  • "Die Tibet-Frage dürfe den Aufbruch, den die Gay-Community in China erlebe, nicht gefährden."

    Wo ist der Zusammenhang zur Boykott-Begründung, wo vor allem die Gefährdung?

    Natürlich hat sich in China in den letzten Jahren einiges entwickelt, nicht nur die schwule Szene. Bei dem Boykott sollte es aber um die Frage gehen, ob man den derzeitigen Entwicklungs-Stand in Sachen Menschen- und Arbeiterrechte und das Verhalten in der Tibet-Frage im speziellen akzeptiert.

    Das sollte die Grundlage sein, aber es scheint ja viele Sportler (und übrigens auch, nicht nur zu Olypia, die gesamte deutsche Wirtschaft) nicht sonderlich zu interessieren.
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#3 FloAnonym
  • 28.03.2008, 10:51h
  • Das hört sich so an: "Akzeptiert die Lage in Tibet, damit Homorechte nicht gefährdet werden."

    Das finde ich nicht gut... Homorechte sind weder wichtiger noch unwichtiger als die Lage in Tibet. Dann zu versuchen, verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen, ist für alle Beteiligten, egal auf welcher Seite, nachteilig.

    Ob jemand Olympia boykottiert oder nicht, ist jedermanns persönliche Entscheidung, die man zu akzeptieren hat. Dann zu versuchen, Leuten ein schlechtes Gewissen einzureden oder verschiedene Interessen gegeneinander auszuspielen, gehört sich einfach nicht. Das zeigt, dass demokratisches Gedankengut in China noch nicht sehr verbreitet ist.
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#4 hwAnonym
  • 28.03.2008, 11:53h
  • was oben im bericht steht, kenne ich so auch.
    die gaybewgung in china organisiert zur zeit eine kampagne für die anerkennung gleichgeschlechtlicher
    paare, landesweit augezogen, mit massensammlungen von unterschriften zum volkskongress.

    www.aibai.cn/info/open.php?id=17903

    gerade heute nutzen sie eine meldung aus dem
    "befreundeten" kuba um diese kampagne zu stützen.

    www.aibai.cn/info/open.php?id=17919

    news.bbc.co.uk/2/hi/americas/7314845.stm

    die stimmung in china nutzen aber auch massiv
    evangelikale mit chinesischer abstammung und dollars, um von honkong aus das festland mit gratis
    dvds und fernsehsendungen mit der botschaft
    drogen, saufen, schwul, kriminalität, knast, dann gott,
    alles wieder gut, zu überschwemmen. die kacke findet sich dann mitunter leider zunehmend in
    provinzzeitungen wieder,
    in denen die gay-bewegung noch nicht die kraft, wie in den großstädten, hat, um vor ort gegen zu steuern.
    die seite abai berichtet aber regelmäßig über die gröbsten auswüchse.
    die stimmungsmache betreiben spezialisten, doktoren und professoren chinesicher abstammung aus den usa.
    immer mehr chinesische "staatliche" spezialisten erklären sich aber bereit, diesem humbug öffentlich entgegen zu treten.

    entwicklungen die vor kurzem noch undenkbar waren.

    wie im stattfindenden weltwirtschaftskrieg stellt sich auch für gaybewegungen von land zu land die frage:
    frontalangriff, kalter krieg, wandel durch annäherung,
    guerillaaktionen, kampagnen.
    das geht in reinkultur oder als kombinationstherapie.
    ich bin gegen den boykott. nur eine strategie der aufweichung wird erfolg haben. geschichtlich und gaygeschichtlich.

    reformer in china werden bei einem boykott geschwächt. nationalisten in china und eben auch im transatlantischen raum gestärkt.

    energie- und rohstoffkreuzrittern ist diese entwicklung
    nur recht. schwächung des konkurrenten. rüstungsaufträge gegen china, billige scheinwahlkämpfe, halt die ganze chose.

    über die todesopfer der chinesischen arbeiterproteste,
    ihre lohnforderungen, und ihre kämpfe um humane arbeitsbedingungen hört man im transatlantischen kapitalismusraum nichts. warum auch, man partizipiert ja markttechnisch an der unterdrückung.

    indiens bruttosozialprodukt pro kopf der bevölkerung ist nur halb so groß wie chinas, während die armutsrate chinas nur die hälfte indiens beträgt.
    die unterernährung von kindern ist in china 75 prozent niedriger als in indien. die alphabetisierung von frauen beträgt in china 90 prozent, das ist fast doppelt so hoch wie in indien.

    das staatliche eigentum von land hat verhindert, dass eine schicht reicher großgrundbesitzer entsteht, die die ländlichen debiete dominieren würden. die staatliche kontrolle über das finanzsystem hat bisher die volksrepublik china vor den manövern des spekulativen kapitals schützen können, die in so vielen kapitalistischen neokolonien die wirtschaft ruiniert haben.

    in diesem rahmen bewegt sich die chinesische gaybewegung.

    wer weiß was zur gay-bewegung in tibet ?
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#5 hwAnonym
#6 stromboliProfil
  • 28.03.2008, 13:02hberlin
  • sich vorzustellen das boykott eine wirksame waffe gegen "irgendetwas "ist , ist etwas zu kurz gegriffen!
    Da kann man versuchen , ein konzert zu verhindern oder zumindest dem auftretenden und veranstalter einen "stempel" aufzudrücken; so geschehen aktuell mit killerBounty und anderen.
    Ein , mittlerweile ausschließlich komerzielles ereigniss mit weltweiter wirkung, hingegen lässt sich nicht mit einem boykott der sportler aus seinem trüben fahrwasser des komerzes herausbringen!
    Aber, wenn wir, die ZUSCHAUER wegbleiben (!), dann wird es ein desaster! Es sind die einnahmen aus der vermarktung durch die multimedialen verwertung der "spiele", die den leuten, politikern - chinesischer führung, IOK, das fürchten lernt!
    Vergleicht einfach den effekt der spiele von moskau 1980 und los angeles 1984. Der wegfall der zuschauer mangels interesse, war ein finazielles desaster für moskau; hingegen gelang , trotz boykott durch den ostblock ( für die nachgeborenen -komunistischen staaten) , gelang den amis ein einnahmerekord weltweit.

    Also mein byokott sieht so aus: kein fernsehabruf oder internet
    mit inhalten von den "spielen"!
    Fällt der zuschauer weg ( siehe auch formel 2 und tour de france in vereinzelten beispielen) , bleiben die auf ihren kosten hängen!
    Mehr nicht, und nicht sehr viel! Aber es trifft da wo es denen weh tut: am geldbeutel!
    Das wird vieleicht dazu führen, dass die werbenden und ihre lobby , bei den nächsten vergaben von spielplätzen bei megaevents darauf achten, wo und warum dort was ablaufen soll!
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#7 MatzAnonym
  • 28.03.2008, 13:13h
  • Ich bin für ein Boykott der Olympiade, wenn die chinesische Regierung ihre Politik gegenüber Tibet nicht ändert. Es kann nicht sein, dass wir eine chinesische Olympiade befürworten, weil dies die Situation der LGT-Leute verbessert, wenn gleichzeitig die Menschenrechte der Tibeter mit den Füssen getreten werden. Ich finde die Minderheiten sollten zusammenhalten und gegenseitig solidarisch sein. Was meint ihr?
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#8 gerdAnonym
  • 28.03.2008, 13:32h
  • Erstmal freut es mich, dass in China im Verlgeich zum anderen großen Staat Indien in Asien Homosexualität legalisiert hat. Indien liegt da weiter zurück.

    Noch schöner zu sehen, ist aber dass sich eine Community in den chinesischen Grosstädten bildet und dort endlich ein wenig offener gelebt werden kann. Aber diese leichte Öffnung bezüglich des Themas Homosexualität ist in China immer noch gefährdet; das kann auch "schnell" zerstört werden.

    Daher bin ich der Meinung, dass sich homosexuelle Verbände international weder in die eine noch in die andere Richtung äußern und die Tibetfrage anderen Organisationen wie amnesty International, Ärtze ohne Grenzen, Rotes Kreuz, Kirchenvertretern, usw. "überlassen".
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#9 Georg FalkenhagenAnonym
  • 28.03.2008, 13:40h
  • Das ist doch wieder das typische Totschlagargument, dass man den Schwulen in China schaden würde, wenn man zum Boykott der Olympischen Spiele aufruft oder allen Chinesen schaden würde, wenn man keine chinesischen Produkte mehr kaufte usw.

    Ich bleibe dabei: China ist eine kommunistische Diktatur übelster Sorte, wie sich nun wieder einmal am Beispiel Tibets zeigt. Menschenrechte sind unteilbar! Verhindert Olympia 2008!!!
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#10 hwAnonym
  • 28.03.2008, 15:35h
  • china ist eine kapitalistische einparteien-diktatur ?
    china ist eine sozialistische einparteien-diktatur ?
    china ist eine kommunistische einparteien-diktatur ?

    der durch die marktreformen geschaffene privatsektor einschließlich der ausländischen unternehmen ist vor allem der, der Leichtindustrie.
    die schwerindustrie – stahl, nichteisenmetalle, schwermaschinenbau, telekommunikation, energie, petrochemie – ist in staatsunternehmen konzentriert, die strategisch bedeutender sind.

    für die kp chinas galt, von jelzin lernen, heißt siegen lernen, für putin übrigens auch.

    gut möglich, dass ich bei steinewerfenden
    jugendlichen in tibet zu finden wäre, wenn ich mir bei steigender inflation, ökonomisch marginalisiert, ethnisch majorisiert, gesellschaftlich deklassiert, vorkäme.
    die finanzielle pro-kopf-förderung durch sonderzulagen des chinesischen staates für alle 54 minderheitenvölker,scheint die zunehmenden ökonomischen spannungen bei zunehmender marktwirtschaft nicht mehr zu kompensieren. zu familiären situationen kommt hinzu, dass die ein-kind-politik nie für die minderheitenvölker galt.
    mein freund hoa ist han-chinese und erzählte mir, als ich ihn nach dem studiensystem in china befragte,
    daß bei den aufnahmeprüfungen für hochschulen oft wunder geschehen. über nacht wurde die religion
    oder die möglichkeit durch das aussehen als angehöriger einer minderheit durchzugehen wahrgenommen, um die minderheitenpluspunkte mitzunehmen.
    in weniger marktwirtschaftlichen zeiten befanden sich diese uni-absolventen, dann auf der überholspur
    bei der jobsuche. das ist vorbei. in der heimatstadt meines freundes, kunming gibt es über dutzende
    religionensrichtungen und völker, die bisher friedlich zusammen lebten.
    den sogenannten "kulturellen genozid" tibets besorgt der kapitalismus, wie überall auf der erde.
    dass chinesen auch in tibet von dieser entwicklung am schnellsten und sichtbarsten profitieren,
    liegt an ihrer "geschäftstüchtigkeit", wie überall auf der erde. es gibt übrigens auch eine geschichte
    der porgrome gegen die "chinatowns" in asien, schon seit beginn der kapitalistischen weltwirtschaft;
    der aversion europäischer völker gegen juden nicht unähnlich.
    für mich ist der ausbruch und der zeitpunkt des
    pogroms in lhasa so wenig zufällig, wie die z.t.
    dämlichen erklärungen aus dem kp-apparat. immerhin reagierte die polizei in tibet schneller,
    als z.b. die polizei in der türkei bei pogromen von sunniten und nationalisten gegen aleviten.
    das brennen einer moschee in lhasa dürfte den neocons, den förderern des islamfeindlichen tibetischen jugendkongresses, gefallen haben. besonders die wirkung dieser nachricht bei den islamischen uiguren in west-china. alles was religiösen nationalismus in china schürt, liebt die us-elite. rischte-ratsche. die immobilienhändlerin und freiheitskämpferin rabiya kadeer, dürfte demnächst zum einsatz kommen, zur zeit lebt sie in den usa.
    wie dem auch sei, das ausplündern russlands unter jelzin, führte zu putin. mal sehen zu was der versuch des zerlegens chinas führt.
    im übrigen denke ich, dass es ein richtiges zeichen wäre, der chinesischen devisenhändler-clique den kauf von us-staatsanleihen zu verbieten. das wäre doch was für nancy pelosi.
    richard geere könnte ja noch die sofortige freilassung aller dollarbestände aus den blutigen klauen der pekinger schlächter fordern ?
    immerhin über 1.500.000.000.000 $.
    so würde auch ein schöner ozean des wissens entstehen.
    haben sich die steinwerfer in lhasa das werfen bei denen in ramallah abgeguckt ?
    tibetan intifada ?
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