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  • 31. März 2008, noch kein Kommentar

Erstmals Mozart, eine Rückkehr zu Beethoven und eine Reminiszenz an den Jazz: Kennedys neues Werk überzeugt.

Von Carsten Weidemann

In Musikerkreisen wird häufig von Grenzüberschreitungen gesprochen. Doch nur sehr wenige können damit wirklich überzeugen. Einer davon ist der englische Geiger Nigel Kennedy: Seit über zwanzig Jahren macht er als "Geigenpunk" von sich reden. Er gilt als erfolgreichster Interpret des Barockmeisters Antonio Vivaldi, er spielt Bach und Jimi Hendrix, Fritz Kreisler und die Doors, Elgar und Duke Ellington. Und das manchmal so gewagt, dass Puristen regelmäßig die sprichwörtliche Krise bekommen.

Immerhin, er ist Vollblutmusiker durch und durch: Nach Klassikauftritten geht er nicht ins Hotel, sondern begibt sich auf Touren durch jeweils ansässige Jazzclubs. Erst kürzlich überraschte Kennedy nicht nur das Publikum, sondern auch die Musikwissenschaft, indem er fast vergessene spätromantische Violinkonzerte aus Polen aufnahm. Und trotz dieser atemberaubenden Vielfalt, dieser vielen Facetten und Nischenausleuchtungen in seinem Repertoire findet er immer wieder neue Lücken, die es zu schließen gilt.

Und den ganz großen Schlachtrössern der Geigenliteratur nähert er sich auch nach Jahren neuer Perspektivgewinnung gerne ein zweites Mal. So jetzt geschehen mit Beethovens Violinkonzert, das Kennedy mit einem Komponisten koppelt, den er erst vor kurzem für sich selbst entdeckt hat und nun zum ersten Mal aufnahm: Wolfgang Amadeus Mozart. Auch bei dieser Aufnahme arbeitet Kennedy mit dem polnischen Kammerorchester zusammen, dem er seit 2002 als Künstlerischer Leiter vorsteht.

Kennedy spielt wie gewohnt mit unglaublich viel Energie. Aber: Nicht nur die rasende Fingerfertigkeit gehört zum Können eines Violin-Virtuosen, sondern auch die Fähigkeit, die Seele, den Schmelz, den Ton der Geige zum Klingen zu bringen. Und diese Eigenschaften entfalten sich in klassischen Konzerten meist in den Mittelsätzen - ein Gebiet, auf das sich Kennedy in seinem aktuellen Album konzentriert und das ihm, ob Beethoven oder Mozart, vollends gelingt. Als Zugabe gibt es übrigens "Creepin’ In" von Horace Silver – wohl eine Reminiszenz an Kennedys letzte Ausflüge in den Jazzbereich.

31. März 2008