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Berlin (queer.de) - Die Berliner Kulturbrauerei lässt den jamaikanischen Hass-Sänger Bounty Killer nun doch nicht auftreten. Das für den 9. April angekündigte Konzert ist abgesagt worden.

Die Kulturbrauerei übte bei Bekanntgabe ihrer Entscheidung sowohl Kritik an dem umstrittenen Musiker als auch am Lesben- und Schwulenverband (LSVD) und dem grünen Bundestagsabgeordneten Volker Beck, die gegen den Auftritt mobilisiert hatten. "Beide Seiten haben es nicht verstanden, die Differenzierung zwischen Diskriminierung und persönlichen Abneigungen zufriedenstellend zu klären", heißt es in einer Stellungnahme der Kulturbrauerei. "Dem Künstler ist zwar kein rechtswidriges Verhalten vorzuwerfen - so die Münchner Polizei und Staatanwaltschaft – allerdings bietet sein ambivalentes Verhalten Raum für Kriminalisierung durch die Verbände."

Es sei vor dem Auftritt Bounty Killers nicht gelungen, eine Lösung mit den Beteiligten von Schwulen- und Lesben-Verbänden, Politik und Künstlermanagement herbeizuführen, heißt es in der Stellungnahme der Kulturbrauerei. "In dieser aufgeladenen und emotionalen Atmosphäre halten wir es zum jetzigen Zeitpunkt für vernünftig, das Konzert von Bounty Killer abzusagen."

Um kurzfristige Auftrittsverbote in Zukunft zu vermeiden, will die Kulturbrauerei nun alle Beteiligten an einen Tisch bringen, um sich auf "eine für alle Seiten bindende Vereinbarung" nach Vorbild des britischen "Reggae Compassionate Act" zu verständigen. (cw)



40 Kommentare

#1 FloAnonym
  • 02.04.2008, 10:33h
  • "Beide Seiten haben es nicht verstanden, die Differenzierung zwischen Diskriminierung und persönlichen Abneigungen zufriedenstellend zu klären", heißt es in einer Stellungnahme der Kulturbrauerei. "

    Wie bitte?

    Wenn jemand seine persönliche Abneigung ausdrückt und sagt, dass er Schwule nicht mag oder sogar pervers findet, ist das natürlich freie Meinungsäußerung. Aber darum ging es hier nicht, sondern um Liedtexte, wo zu GEWALT und ERMORDUNG von Schwulen aufgerufen wird. Das ist nicht mehr persönliche Abneigung.

    "Dem Künstler ist zwar kein rechtswidriges Verhalten vorzuwerfen - so die Münchner Polizei und Staatanwaltschaft "

    Würden die Münchner Polizei und Staatsanwaltschaft das auch so sehen, wenn in den Texten, die zum Verbrennen oder was auch immer aufrufen, statt dem Wort "Schwule" "Juden", "Farbige", oder andere Gruppen genannt worden wären?! Das zeigt mal wieder, dass innerhalb der diskriminierten Gruppen die Schwulen immer noch ganz unten stehen und Dinge, die bei anderen selbstverständlich verfolgt würden, bei Hass gegen Schwulen toleriert werden. Und das sogar von staatlichen Stellen...

    Gerade das zeigt uns, dass wir noch viel entschiedener dagegen vorgehen müssen und unsere Rechte noch offensiver einfordern müssen, damit sich endlich etwas ändert...
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#2 LSVDAnonym
  • 02.04.2008, 10:51h
  • Keine Bühne für Hass-Musik!
    LSVD begrüßt Absage des Berliner Bounty-Killer-Konzertes

    Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) begrüßt die Absage des Berliner
    Konzerts des Dance-Hall-Musikers Bounty Killer durch den Veranstalter
    Kesselhaus/Kulturbrauerei. Musiker wie Bounty Killer, die in ihren Texten
    unverhohlen zur Gewalt gegen Homosexuelle aufrufen, dürfen keine Bühne
    bekommen.

    Unverständlich sind aber die Vorwürfe des Veranstalters gegen die Kritiker
    des Auftritts von Bounty Killer. Angesichts dessen unmissverständlicher
    Aufrufe zur Gewalt ist die Forderung des "Kesselhauses" nach einer
    "Differenzierung zwischen Diskriminierung und persönlichen Abneigungen"
    ziemlich daneben. Geradezu infam ist es, Kritiker von Bounty Killer mit
    Rassismus in Verbindung zu bringen.

    Dennoch begrüßt der LSVD das Angebot zu einem Runden Tisch. Seit langem
    fordern wir, dass Künstlermanagement, Veranstalter und Politik gemeinsam mit
    Lesben- und Schwulenorganisationen Maßnahmen und klare Absprachen gegen
    Hass-Musik vereinbaren. Zentrales Thema muss dabei sein, wie in Zukunft
    verhindert werden kann, dass manche Dance-Hall-Musiker das extreme Klima der
    Gewalt gegen Lesben und Schwule in Jamaica immer wieder anheizen.
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#3 TufirAnonym
  • 02.04.2008, 11:52h
  • @LSVD :
    "Differenzierung zwischen Diskriminierung und persönlichen Abneigungen" bedeutet möglicherweise, dass jeder das Recht auf eine Meinung hat. Wenn jemand öffentlich sagt, schwule nicht zu mögen, ist das sein volles Recht. Wenn er dazu aufruft, Schwule deshalb abzuschaffen ist es Diskriminierung. Es gibt also Interpretationsspielraum, erst recht. wenn er nicht direkt auf der Bühne dazu Stellung nimmt. Darüber herrschte keine Einigkeit. So verstehe ich den Satz auf jeden Fall. Insofern rückt euch keiner in die rassistische Richtung.

    @alle hier:
    "Würden die Münchner Polizei und Staatsanwaltschaft das auch so sehen, wenn in den Texten, die zum Verbrennen oder was auch immer aufrufen" - genau bei diesem wasauchimmer wird die Sache interessant. Bisher hab ich in der Breichterstattung über das Thema keine angemessene Übersetzung des Textes gefunden, die berücksichtigt, das Worte einen Interpretationsspielraum zulassen.
    Die Feststellung, das Schwule als Minderheit unter allen anderen stehen würden, zeugt von hysterischer verzerrter Wahrnehmung der Realität. Angehörige jeder Minderheit werden Beispiele finden können, nach denen sie den Bodensatz der Minderheit, ja wenn nicht gar die Unter-Minderheit bilden.

    Es ist wunderbar, wenn man sich immer als Opfer begreifen kann - da kann man immer Schutz fordern. Und Zensur. Und Einreiseverbote. Und bestimmt noch viel mehr, das ist wie Weihnachten. Aber dadurch wird man die Opferrolle auch nie verlassen. Ich glaube, uns Schwulen würde es ganz gut stehen, langsam ein wenig erwachsener mit der Thematik umzugehen und nicht gleich hinter jeder Ecke ein Viertes Reich zu vermuten, nur weil dumme Menschen dummes sagen.
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#4 MarcoAnonym
  • 02.04.2008, 14:44h
  • Also... In den letzten Tagen und Wochen habe ich mir mal etwas aufmerksamer die Kommentare zu dieser Dancehall-Diskussion durchgelesen und irgendwie ist es interessant, dass hier immer nur Phrasen wiederholt werden.

    Die harte Homoseite führt hauptsächlich aus:
    ...wenn in den Texten, die zum Verbrennen oder was auch immer aufrufen, statt dem Wort "Schwule" "Juden", "Farbige", oder andere Gruppen genannt worden wären?!
    oder sinngemäß
    "Lasst uns die Veranstalter unseren Unmut über diese Verharmlosung dieser Thematik spüren"
    oder ähnliche Aussagen.

    Die moderatere Homoseite argumetiert dagegen, wir sollen uns nicht dauernd in der Opferrolle sehen, die Diskussion geht nach Hinten los, weil diese Interpreten dadurch doch nur an Popularität gewinnen und außerdem ginge es zu weit, zu solchen harten Mitteln wie Einreiseverbot etc. zu greifen.

    Und die Heteros hauen hier rein, wir seien scheinheilig, weil wir Toleranz forderen und diesen Dancehall Musikern die Auftritte verbieten wollen (und drehen dabei den Komentatoren dabei die Worte im Mund herum) und es ginge ja nicht um Texte und Volksverhetzung, sondern nur um Beats und Vibes.

    Fazit: Die ganze Diskussion ist nicht nur emotional, sondern auch monoton, weil sich alle nur im Kreis drehen und jeder auf seine Meinung beharrt. Warten wir einfach mal ab, ob der Runde Tisch mit dem LSVD und dem ganzen Rest etwas bringen wird.

    Aber eine Sache noch:
    Achtet mal oben auf das Cover. Unten Links befindet sich der Parental Advisory - Explicit Content („Wir machen Eltern auf eindeutige Texte aufmerksam“) Sticker. Ich glaube, das ist eine kleine unauffällige Sache, die noch niemandem aufgefallen ist.

    Link:

    de.wikipedia.org/wiki/Parental_Advisory_-_Explicit_Content
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#5 tofuAnonym
  • 02.04.2008, 16:03h
  • @ tufir

    erklär mir das mit der opferrolle mal ?
    verzerrst du da nicht die position
    der schwulen in jamaica mit unserer
    position hier ?

    frei nach sizzla:

    "Gründest du einen Verband, erweist du deiner Community Respekt.
    Gehst du zu anderen Männern, ziehst du ihr Ansehen in den Schmutz. Ein Mann muss sich entscheiden, ob er ein Stück Dreck sein will oder ein stolzer Mann - so einfach ist das."

    wer hass sät, wird einreiseverbot ernten.
    wer keinen hass säen kann, bekommt mitunter nur noch 30 minuten "konzert "auf die reihe.
    wie will man mit solcher underdog-folklore
    ghettos befreien ?

    oder geht es bei dieser art von "kultur" um etwas anderes ? du sprachst doch von interpretieren ?
    hilf mir mal.
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#6 TimmAnonym
  • 02.04.2008, 17:02h
  • @Tufir:

    Ja, dumme Menschen sagen oft Dummes. Aber sollen wir deshalb einfach die Hände in den Schoß legen und sie einfach machen lassen?! Es greift zu kurz, bei Gewaltaufrufen immer nur die Dummheit dieser Menschen ins Feld zu führen. Man muss das auch aktiv bekämpfen!!

    Wenn jemand von einem Dummen, der auf einen anderen Dummen gehört hat, krankenhausreif geprügelt wird, lindert es die Schmerzen kein bisschen, wenn man weiß, dass der andere halt dumm war.

    Und zu Deiner Feststellung, man solle nicht hinter jeder Ecke das "vierte Reich" vermuten. Das vermute auch ich nicht hinter den Hasssängern, aber muss man Gewaltaufrufe tolerieren, nur weil man glaubt, dass diese nicht in einer Diktatur enden? Und nochmal: dem Opfer homophober Gewalt ist es egal, ob er alleine Opfer ist, oder ob eine faschistische Diktatur droht.
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#7 schwarzwaldbub
  • 02.04.2008, 18:36h
  • Gut gemacht Kulturbrauerei!

    Auch den runden Tisch finde ich eine gute Initiative.

    Vielleicht wird dadurch allen Beteiligten deutlich, warum wir schwulen Männer uns – zu Recht – aufregen und zu drastischen Mitteln greifen.

    Homophobie gehört zum Alltag von Schwulen, wie Rassismus vermutlich zum Alltag von Jamaikanern in Deutschland gehören dürfte. Auch wenn man sich nicht leiden mag: Im Grunde sollte man sich mal persönlich kennen lernen und dann gemeinsam gegen Intoleranz aktiv werden und füreinander einstehen, das würde uns alle stärken, aber da träume ich vermutlich wohl leider!

    Nein, als Opfer fühle ich mich nicht. Deshalb unterstütze ich ja gerade das massive Vorgehen gegen Hass-Heten!
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#8 SaschaAnonym
  • 03.04.2008, 01:17h
  • @Fabian:

    Volle Zustimmung in allen Punkten außer dem ersten Satz:

    Die Kulturbrauerei hat sicherlich nichts "gut gemacht", indem sie hier den dringend notwendigen demokratischen Protest gegen antidemokratische und volksverhetzende Texte als "persönliche Abneigungen" diffamiert.

    Den geforderten Dialog muss und soll es daher geben, aber bitte unter den richtigen Voraussetzungen, nämlich Aufrufe zu Gewalt und Diskriminierung sowie grundsätzlich verbale Verunglimpfung von Homosexuellen unmissverständlich zu ächten.

    Dass sich in diesem Zusammenhang noch eine Vielzahl anderer, MINDESTENS ebenso wichtiger und dringender Handlungserfordernisse INNERHALB dieser Gesellschaft ergeben, sollte dabei allerdings ebenfalls betont werden.
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#9 Thom_ass1973
#10 schwarzwaldbub
  • 03.04.2008, 03:42h
  • Hi alle,

    @Sascha: In anderen Städten fand man es nicht erforderlich, die Konzerte von Hass-Heten abzusagen. Da möchte ich die Kulturbauerei trotz der völlig abwegigen Presseerklärung doch mal loben.

    Für eine leider hetige Institution, haben die sich doch halbwegs anständig benommen – Du musst mit den Heten auch ein wenig nachsichtig sein: Die finden eben nix dabei, wenn man Minderheiten bestialisch ausrottet, das ist ja doch hoffentlich bekannt - so sind die Heten eben!

    Ich habe gelesen, dass Heten ein viel kleineres Gehirn haben – Du möchtest doch nicht Behinderte diskriminieren (-;=

    Tja liebe Heten, da schluckt Ihr! So einen Blödsinn bekommen wir Schwule jeden Tag zu hören!

    Nieder mit den Heten!
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