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Hamburg (queer.de) - Der ehemalige ZDF-Intendant Dieter Stolte hat sich in einem Kommentar bei "Welt Online" über den "Normen- und Werteverfall" beklagt, der u.a. durch Homosexuelle ausgelöst werden würde. Er verglich Schwule und Lesben zudem mit Junkies und Verbrechern: "Wer in der Gesellschaft, in Literatur, Kunst und Musik etwas gelten und anstoßen wollte, musste den Mut zum Anstößigen, zum Tabubruch oder gar zur Revolution haben. Das Bekenntnis zur Homosexualität ("Und das ist gut so!"), der Gebrauch von Rauschmitteln ("Grenzen des Bewusstseins erweitern") oder die Umgehung der Steuerpflicht ("Der Staat ist ein Räuber") sind Ausdruck einer Entwicklung, die sich im Interesse von Individualität und Selbstbestimmung aus gesellschaftlichen Normen und Bindungen lösen will", so der Herausgeber der "Welt" und der "Berliner Morgenpost".

Ideal 50er Jahre: "Das Normale bewährt sich im Alltäglichen"

Zwar würden durch diese Entwicklung "verlogene Meinungen und ideologische Positionen" aufgegeben. Allerdings gehe das mit einem "Normen- und Werteverfall einher, der die Gesellschaft ins Abseits führte". Stolte glaubt daher an ein baldiges Ende: "Auf Dauer ist … kein Leben von den Rändern her möglich". Als Ideal preist der 73-Jährige die 50er Jahre an: "Das Normale bewährt sich im Alltäglichen: Das war nach dem Zweiten Weltkrieg so, als Trümmerfrauen, Flüchtlinge, Kriegsteilnehmer, Schrebergärtner und Häuslebauer darangingen, Deutschland wieder aufzubauen."

Stolte startete seine Karriere als Journalist und war von 1982 bis 2002 Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens. (dk)



51 Kommentare

#1 Com. LazardAnonym
  • 14.04.2008, 10:37h
  • Der arme Kleingeist.

    Nun, dererlei Ablehnung gründet sich ja meistens auf Unverständnis und vor allem Angst. Und die haben ältere Leute nuneinmal.

    Eine Rückentwicklung hin zu dem, was der Herr unter "normal" versteht, wird es mit Sicherheit nicht geben. Dafür ist seit den 50ern und auch schon seit der Ära Kohl zuviel Wasser den Rhein runter gelaufen.

    Das Bekenntnis zur Homosexualität mit Drogenkonsum und Steuerhinterziehung gleichzusetzen ist natürlich nicht nur ein unsinniger Vergleich von Äpfeln und Birnen, sondern auch noch reichlich unverschämt und inakzeptabel.

    Auf solche Leute wird aber immer weniger gehört. Und eben das, dass seine Zeit und seine Ideale nun langsam Vergangenheit sind, ist, denke ich, sein größtes Problem.
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#2 GerdWSAnonym
  • 14.04.2008, 10:44h
  • Er vertritt den Muff, der schon immer von diesem Fernsehsender aus dem katholisch-provinziellen Mainz ausging...
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#3 splattergayAnonym
  • 14.04.2008, 11:00h
  • @com.Lazard

    Das solche Leute wie Stolte immer weniger Gehör finden, sehe ich gerade umgekehrt. Vor 10 Jahren glaube ich, hätte der Vorsitzende eines öffentlich-rechtlichen Senders sich nicht getraut, so etwas von sich zu geben. Er hätte seine Meinung für sich behalten. Heute, in der Zeit von Eva Herrman und Päpstin Benedikta ist so etwas wieder möglich. Ich glaube, die 50-er sind näher als viele denken.
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#4 KrzyszekAnonym
  • 14.04.2008, 11:29h
  • Nun, Herr Stolte spricht von einem Normen- und Werteverfall; ich würde es lieber als Normen- und Wertewandel bezeichnen. Normen und Werte haben sich im Laufe der Geschichte immer wieder verändert. Das Bekenntnis zur Homosexualität und damit der Wandel von einem Tabu zum Normalen wird nicht zum Untergang des Abendlandes führen.
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#5 StefanAnonym
  • 14.04.2008, 11:31h
  • Sehr unglücklich formuliert, Herr Stolte.

    Homosexualität, Drogenkonsum, Steuerhinderziehung für Werteverfall verantwortlich zu machen, da sie Tabus brachen. Das können Sie nicht wirklich ernsthaft gemeint haben.

    Der Werteverfall ist nicht das Ergebnis von Tabubrüchen, sondern Folge der fortschreitenden Verzweckung des Lebens. Menschen sind nur so viel Wert wie ihre Produktivität, Pflegebedrüftige seien Ballast, Rentner schädiliche Kostenfaktoren, Gesundheit und Heilung nur noch für Menschen, die es sich leisten können.

    Menschen die lieben, wen auch immer, sind Beispiel für Göttlichkeit - der Liebe also und somit der höhste Wert, den wir zu verteidigen haben. DAS wäre die Verlässlichkeit des Normalen. Abseitig sind die Kritiker der Aufklärung, abwegig die Kapitalisierung des Menschen.

    Leben und leben lassen.

    Gruß aus Köln!
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#6 GayPowerAnonym
  • 14.04.2008, 11:42h
  • Wer hat dem denn ins Hirn geschissen??
    Bloß gut, dass er in Rente ist.. Ansonsten würde ich Ginseng empfehlen - das soll ja gut sein gegen Demenz.
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#7 gerdAnonym
  • 14.04.2008, 11:53h
  • Herr Stolte sollte sich schämen, wenn er das Thema Homosexualität in diesem Gesamtkontext erwähnt haben sollte. Dann ist es gut, dass er mittlerweile in Rente ist und "nichts" mehr zu entscheiden hat. Besonders fortschrittlich war das ZDF im Vergleich zur ARD sowieso nie: das ist mir während der gesamten 1980er und 1990er immer aufgefallen.

    Die Denkanstöße und Fortschritte kamen von der ARD und deren dritten Programmen.

    Daher lieber Herr Stolte, sollten ihre Äußerungen tatsächlich in diesem Gesamtkontext auch Homosexualität erfassen, so gilt ein einfaches: "Setzen, Sechs". Wir können froh sein, dass sie in diesem Fall in Rente sind.
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#8 FelixAnonym
  • 14.04.2008, 12:02h
  • Der Roll-back der Konservativen ist voll im Gange. Indem man die Wertediskussion führt, braucht man nicht danach zu fragen, wer die Macht und das Geld hat im Land - und daran erbittert fest hält. Homos sind doch dabei nur eine Randnotiz, auch wenn sie hier auf der queeren Seite in den Mittelpunkt gestellt werden.

    Als Vorsitzender des Museumsvereins des Deutschen Historischen Museums in Berlin kann Herr Stolte schön am nationalen Bild der Deutschen basteln:
    christliche Werte, Familie, Recht und Ordnung in einem deutschen Reich statt individuelle Freiheit, Meinungsfreiheit unter den Bedingungen einer globalisierten Kommunikationswelt. Da kommt ein alter Mann wie Herr Stolte und viele seiner Kameraden nicht mehr mit. Der gute ALTE ZDF-Zuschauer hat sich auch längst dafür entschieden, wieder in die 50er Jahre zu wollen.
    Tun wir ihnen doch den Gefallen: wir gründen wieder eine DDR, mit nur zwei sauberen Fernsehprogrammen, keiner Kriminalität, keinen Drogen, sauberer Musik. Da bewährte sich auch "das Normale". Stolte und Co. können dahin auswandern. Gerne rufen wir der "Welt" dann zu: "Wenn es euch hier nicht passt, Dann geht doch nach drüben!" ;-) Und Tschüss!
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#9 FelixAnonym
  • 14.04.2008, 12:13h
  • Leider schreibt ihr nicht die Überschrift, die der Artikel von Dieter Stolte trägt:
    "Die meisten sind normal, und das ist gut so"

    Es hat sich also wohl kaum jemand (Stolte) im weiteren Text zufällig zu Schwulen geäußert oder unglücklich verglichen. Ich denke, eine Entschuldigung dieses Herrn ist fällig.

    Normalerweise spare ich es mir, einen zweiten Kommentar zu schreiben, aber da musste ich echt noch loswerden. LG, Felix
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#10 Stefan van WesterhoutAnonym
  • 14.04.2008, 12:49h
  • "über den "Normen- und Werteverfall" beklagt, der u.a. durch Homosexuelle ausgelöst werden würde. Er verglich Schwule und Lesben zudem mit Junkies und Verbrechern"

    Ignoranten, die eigene Ideologie über Fakten stellen gibt es genug. Aber schlimm wird es immer, wenn solche Leute in der Politik, Wirtschaft, Kirche, etc. in einflussreichen Positionen sitzen. Und wenn man bedenkt, dass dieser Mann lange Zeit Intendant des ZDF war, wird schon klar, warum die Öffentlich-Rechtlichen ihrem Grundauftrag der Ausgewogenheit und Neutralität bisher nicht immer nachgekommen sind.
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