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Die "Pfundskerle" fühlen sich von der Ludwigshafener Atlantis-Sauna diskriminiert. Was steckt dahinter?

Von Anne Richter

Irgendwie steht es nicht zum Besten mit dem Verhältnis zwischen den Pfundskerlen und der Atlantis-Sauna. 2004 hatte es das erste Mal Ärger zwischen der Vereinigung von dicken Schwulen, ihren Freunden und Bewunderern aus dem Mannheimer Raum und dem Management der Sauna gegeben. Sie fühlten sich ausgeschlossen, weil mitgeteilt worden sei, "dass dicke Schwule in der Sauna unerwünscht sind", berichtet Frank Lohöfer, Leiter des Orga-Teams der Pfundskerle. Jetzt gibt es wieder Stress.

Der Ärger von damals ist längst Geschichte, denn inzwischen hat das Management gewechselt und man fand schnell wieder zueinander. Seitdem trafen sich die Pfundskerle einmal im Monat an einem Freitag. Ein Termin, mit dem wegen der oft langen Anfahrtswege einige unzufrieden waren. Die Sauna bestand aber darauf, dass Gruppentermine am Wochenende nicht möglich sind. Trotzdem wurde den Mannheimer Bären ein Termin am zweiten Sonntag im Monat zugebilligt. Unter diesen Voraussetzungen beschlossen die Pfundskerle, auch auf einen Sonntag zu wechseln. "Die Antwort der Sauna war, dass man dies nur ‚äußerst ungern’ sehen würde. Echte Gründe wurden uns aber nicht genannt, eine direkte Ablehnung gab es auch nicht", so Lohöfer.

Wollten andere Sauna-Gäste keine Dicken sehen?

Im Januar und Februar 2008 traf sich der Verein dann am letzten Sonntag des Monats in der Atlantis-Sauna. "Das Management hat daraufhin mitgeteilt, es sei nicht erwünscht, dass die Pfundskerle sonntags kommen", ärgert sich Lohöfer. Es war von "‚Unzufriedenheit über die Resonanz bei der restlichen Kundschaft’ sowie das Auftreten von ‚Irritationen’ bei dieser" die Rede. Die Pfundskerle zogen daraus den Schluss, "dass man die Dicken in der Sauna nicht mehr sehen mag bzw. sonntags nicht sehen möchte.", und fühlen sich nun wegen ihres Dickseins diskriminiert.

Für die Betreiber der Atlantis-Sauna stellt sich das Geschehen indes komplett anders dar. Ralf Wellstein-Knopf, Lebenspartner von Geschäftsführer Thomas Knopf, betont, dass von Diskriminierung gegenüber den Pfundskerlen keine Rede sein könne. "Wir haben keine festen Clubtreffen außer von den Bären und den Pfundskerlen. Beide Gruppen haben von uns vergünstigten Eintritt an den jeweiligen Tagen bekommen." Der Freitag, an dem sich die Pfundskerle getroffen haben, sei einer der umsatzstärksten Tage für die Sauna. "Wir haben nicht versucht, die Dicken in die Ecke zu drängen. Alles war wunderbar, bis Lohöfer die Treffen auf einen Sonntag verlegen wollte", so Wellstein-Knopf. "Wir möchten uns den Sonntag aber freihalten, das ist unser Werbetag, wo auch viele Kunden von weiter her anreisen. An diesem Tag wollen wir keine gesonderten Gruppen." Ausnahme seien die Bären am zweiten Sonntag im Monat, "weil diese mit 60 oder mehr Gästen so viele sind, dass es sich geschäftlich lohnt." Die Pfundskerle seien im Vergleich dazu eine zu kleine Gruppe.

Wellstein-Knopf zeigt sich aber trotz des Konflikts weiter offen: "Die Pfundskerle haben super zu uns gepasst. Wir haben in unserer Sauna ein eher älteres Stammpublikum. Und ich persönlich laufe da jeden Tag unter Nackten herum, ich achte gar nicht mehr darauf, ob jemand dick oder dünn, alt oder jung ist." Er verschweigt nicht, dass es auch Gäste gibt, die sich an den Dicken gestört haben. "Dann habe ich aber darauf verwiesen, dass der Freitagstermin fest ist und dass, wer die nicht sehen mag, doch an einem anderen Tag kommen soll", verteidigt er sich und fasst zusammen: "Der Geschmack ist frei!" An die Pfundskerle richtet er das Angebot, sie könnten am Sonntagstermin der Bären kommen oder den Freitag als Clubtag behalten, jeweils mit vergünstigtem Eintritt wie bisher. "Ich freue mich, wenn die Pfundskerle kommen", so Wellstein-Knopf, "aber es ist schade, dass sie sich so auf ihr Dicksein berufen und hinter einer rein geschäftlichen Entscheidung Diskriminierung wittern."

14.04.2008



27 Kommentare

#1 BjörnAnonym
  • 14.04.2008, 17:08h
  • Vom konkreten Fall abgesehen: Ich kann mir ganz grundsätzlich nicht vorstellen, daß unter Schwule irgend jemand von urgend jemandem seines Aussehens wegen diskriminiert wird. Schwule halten zusammen! Schwule interessieren sich für den Menschen, nicht nur für seine rasch vergängliche Hülle! Schwule sind bessere Menschen!

    LOL
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#2 MarekAnonym
  • 14.04.2008, 17:18h
  • Wenn diskriminierte Minderheiten anfangen unter sich auch zu diskriminieren (noch dazu wegen Oberflächlichkeiten und rein subjektiven Gründen), dann haben wir es wohl nicht besser verdient als ganz unten in der Gesellschaft zu stehen...

    Ich finde auch nicht jeden Mann gleich attraktiv, aber erstens ist das wirklich pure Geschmackssache und zweitens kann ich doch nicht Leuten den Aufenthalt an Orten verbieten, nur weil ich sie nicht hübsch finde.

    Das ist nicht nur dumm sondern grenzt an Nazi-Ideologie, wo Leute nicht in Schwimmbäder, Kinos, etc. durften, weil sie "undeutsch" aussahen. Ganz ehrlich: wer sich so verhält, sollte ruhig selbst auch diskriminiert werden...
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#3 kokAnonym
  • 14.04.2008, 17:44h
  • Tja, so ist es doch leider: Immer schön nach Akzeptanz brüllen und dann selbst diskriminieren. Und den Spruch "ich darf das, weil ich das selbst ja auch ertragen muss" höre ich mittlerweile nur noch, wenn man mal ein wenig zurechtweisend daherkommt.
    Der Prototyp eines solchen Schwulen ist wohl mein Chef: "Baah, haste den gesehen, ist ja ekelhaft, mit so jemanden wollte ich nicht befreundet sein." Die belästerte Person war wenig korpulenter als er selbst. Und was posaunt mein Chef wohl immer in die Weltgeschichte, wenn er sich mal wieder was geleistet hat: "Leben und leben lassen!"
    Früher waren die Schwulen wohl Meister des Doppellebens - heute sind sie in Sachen Doppelmoral meisterhaft ...
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#4 bastianAnonym
  • 14.04.2008, 18:13h
  • @ Björn: Dein Kommentar entspricht leider nicht der Realität und ist ehr eine Traum- oder Wunschvorstellung.

    Nur wer braun gebrannt und durchtrainiert ist, hat doch in der Szene eine "Chance". Ich habe in meinem Freundeskreis drei Leute (Durchschnittsaussehen), die schon mindestens einen Suizidversuch hinter sich haben. Die Gründe waren oftmals hänseleien und Ausgrenzungen in sogenannten Discos und Clubs der "Community". Das ist doch immer der Punkt, auf den ich so poche: Schwule schreien immer nach Toleranz und Akzeptanz und fordern dies - geben wollen sie das aber sogar in den eigenen Reihen nicht. Ich spüre das oft genug. Ich bin schwul, habe das was man einen leichten Bauchansatz nennt, bin bekennender katholischer Christ, stehe nicht auf D&G, wähle die CSU (!) und bin dort sogar Mitglied (!!). Zum Glück sind mir all die Leute, die sich "Community" nennen und sowas wie mich in ihrer "Alles-böse-Klemmschwestern"-Welt nicht sehen wollen aber sowas von egal, daß ich darüber nur schmunzeln kann.
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#5 hobbesduAnonym
  • 14.04.2008, 19:10h
  • Machen wir uns nichts vor: ab einem gewissen Alter wird es zunehmend (im wahrsten Sinne des Wortes) schwieriger, sein Idealgewicht zu halten, und einen Waschbrettbauch haben die allerwenigsten.

    Wir Schwule sind auch nur ein Abbild der Gesellschaft, die bekanntlich zu Übergewicht tendiert. Wenn ich dann aber - wie gestern - in der schwulen Sauna Männer sehe, die eher watscheln denn laufen, unter deren Massen sich die Balken der Saunabänke biegen, die Platz für Zwei beanspruchen, dann finde ich das sehr erschreckend. Ehrlich gesagt, auch wenn das hier Proteststürme hervorrufen sollte, ist das für mich ein eher abstoßender Anblick.

    Auf jedenfall ist es ein persönlicher Anreiz ins Sportstudio zu gehen. Immer wenn ich mal keine Lust habe zu trainieren, denke ich an die Massen von Übergewicht, dann kommt die Motivation von selber.

    Eine Ausgrenzung Übergewichtiger (oder nicht-braungebrannten CSU-Mitgliedern) ist natürlich abzulehnen, hierüber braucht nicht diskutiert zu werden.
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#6 seb1983
  • 14.04.2008, 20:11h
  • Leider hindert die eigene Diskriminierung nicht daran selbst andere zu diskriminieren. Man sollte meinen was man am eigenen Leib gespürt hat tut man keinem anderen an, aber weit gefehlt.

    Bestes Beispiel: Farbige (oder Schwarze, keine Ahnung was nun politisch korrekt ist).
    Da wird bei jedem schön das Farbblatt angehalten um zu sehen "wie schwarz" er denn nun ist, bei Präsidentschaftskandidat Obama kommen Fragen ob er denn ein "richtiger" Schwarzer ist, auf Haiti haben sich Schwarze und Mulatten gegenseitig abgemetzelt.
    Ein Freund von mir ist Haitianer, da kommen dann schonmal Sprüche wie: Ach ich wäre gerne schwarzer...

    Übrigens sehe ich nicht wo Schwule alle durchtrainiert und gebräunt wären. Wenn ich mal einen Szeneclub mit einem Nicht-Szeneclub vergleiche dann sind die Schwulen zwar oft peinlich aufgebrezelt aber dadrunter stecken dann oft die kleinen Bäuchlein und aus den Seiten des D&G shirts ragen die dünnen Ärmchen raus. Bei Heteros im Schnitt dagegen keine so teuren Klamotten aber besserer Stil und Körper.
    Das macht mir natürlich alles nichts aus! Aber der gutaussehende Schwule ist halt nur eins von vielen Vorurteilen. Und grade in er Schwulensauna die ja eh nur ein verkappter Puff ist kommts den Besuchern halt auf den body der Leute dort an denke ich mir mal.
    Übergewichtige Schwule sind aber auch kein Wunder: Wenn ich mich mal in den Sportvereinen umgucke die ich so durchgemacht habe (superinteressant übrigens, man lernt massig neue Leute kennen und wird in der Regel gut aufgenommen), dann treffe ich da etwa so oft Schwule wie Weihnachten ist, Fußballern und Co wird zwar gern hinterhergesabbert aber mitmachen? bei den meisten heißt es da nein danke. Das ist schade, mindert es doch nicht nur Lebensqualität sondert würde es auch Schwule im Alltag zeigen, grade wo die Deutschen solche Vereinsmeier sind...
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#7 holgerAnonym
  • 14.04.2008, 20:50h
  • ... das ist doch nichts weiter als zickenkrieg.

    "wenn wir nicht sonntags kommen dürfen, dann diskriminiert ihr uns."

    das kann man doch nicht ernst nehmen. selten so gelacht
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#8 66erAnonym
  • 14.04.2008, 21:15h
  • Es gab mal Zeiten, da haben insbesondere engagierte Frauen erkannt und verkündet: Wenn einem dauernd eingeredet wird, daß man sich ausgiebig um sein Äußeres kümmern müßte, geht es dabei darum, 1. einem Sachen zu verkaufen, die man gar nicht braucht (angefangen mit teurer Schmiere aus irgendeiner Designertube, wo es ein bißchen Creme aus der blauen Dose auch täte), 2. einen davon abzuhalten, sich mit den wirklich wichtigen Dingen im Leben und in der Gesellschaft zu beschäftigen.

    Aber das war natürlich 1968ff., also in jener Zeit, über die jetzt mal wieder viel schwadroniert wird, ohne sich allerdings dabei z.B. zu fragen, was es damals an Positivem gab, an dem wir uns (mal wieder) ein Beispiel nehmen sollten. Auch und gerade als Homos.
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#9 rainerAnonym
  • 15.04.2008, 01:19h
  • Hallo

    Ich wiege mit meinen 1.82 cm ca. 95 Kilo, dürfte ich
    da jetzt auch nicht rein ? Sowieso würd ich da nie hingehen,
    da ich jemanden kenne der sich in so einer Sauna mit
    Aids angesteckt hat.
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#10 RalfXAnonym
  • 15.04.2008, 06:42h
  • @Rainer: OT: Der hat sich bestimmt "nicht in der Sauna mit Aids angesteckt" sondern in dieser Sauna rumge******. Eine Sauna an sich ist nicht unbedingt gesundheitlich bedenklich.

    Zum Topic: Der Betreiber hat schon das Recht zu bestimmen, welche Zeiten er zu Verfügung stellt. Ob das Diskirmierung darstellt ist schwer zu beurteilen. Aber wie schon geschrieben, Schwule machen doch sowas nicht - die sind doch alle so tolerant.

    Ich schiebe meine kleine Kugel jedenfalls nur in "normale" Saunen, da bin ich noch der Schlankste :-)
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