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Ventura (queer.de) - 27 Homo-Gruppen haben sich in einer gemeinsamen Erklärung an die Staatsanwaltschaft des Kreises Ventura (US-Bundesstaat Kalifornien) dafür eingesetzt, dass ein Schüler, der im Alter von 14 Jahren einen schwulen Mitschüler umgebracht hat, nicht als Erwachsener angeklagt wird. Brandon M. hatte im Februar dieses Jahres den Achtklässler Lawrence King in seiner Schule durch einen Kopfschuss getötet. Grund sei seine Schwulenfeindlichkeit gewesen. Daraufhin kündigte die Staatsanwaltschaft an, wegen der Schwere des Verbrechens könne M. nicht als Kind behandelt werden. Sie betrachtet den Fall zudem als Hassverbrechen.

"Der Beschuldigte, der drei Wochen nach der Schießerei 14 Jahre alt geworden ist, muss für seine Taten gerade stehen", so die gemeinsame Erklärung, der sich u.a. die Human Rights Campaign und Lamda Legal anschlossen. "Aber wir unterstützen unser Jugendstrafrecht, das Kinder anders behandelt als Erwachsene und mit dem man auf Resozialisierung hoffen kann". Den Täter als Erwachsenen zu behandeln mache die Schulen nicht zu einem Ort, an dem sich Lesben und Schwule sicher fühlen könnten. "Wir müssen auf diese Tat reagieren, indem wir das Klima in den Schulen ändern, in denen auf sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität basierender Hass zum Alltag gehört. Die Schulen müssen dafür verantwortlich gemacht werden, wenn Diskriminierung stattfindet oder körperliche Gewalt angewendet wird."

Mitschüler berichten, dass das Opfer King regelmäßig in der Schule gehänselt wurde. Er lebte in einem Kinderheim, da seine Eltern Ehe- und Drogenprobleme hatten. Der mutmaßliche Täter M. hatte offenbar nicht verkraften können, dass King ihm seine Zuneigung gestand. M. selbst wuchs Gerichtsunterlagen zufolge in einem gewalttätigen Haushalt auf. Sein Vater musste wegen Körperverletzung zeitweise ins Gefängnis - seine Mutter soll jahrelang drogenabhängig gewesen sein.

Als Erwachsener könnte King zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung verurteilt werden. Die Todesstrafe darf in Kalifornien allerdings nur verhängt werden, wenn der Täter bei der Tat bereits 18 Jahre alt ist.

Ein Abgeordneter des kalifornischen Repräsentantenhauses hat als Reaktion auf das Verbrechen kürzlich ein Gesetz eingebracht, das Toleranzunterricht an allen Schulen des Staates zur Pflicht machen soll. Das "California Diversity Bill" wird derzeit in den Ausschüssen beraten. (dk)



11 Kommentare

#1 Thomas, FrankfurtAnonym
  • 17.04.2008, 16:15h
  • Ja, wo kommen wir denn dahin, wenn heute schon kindliche Mörder freigesprochen werden und sich auch noch Schwulenverbände dafür einsetzen, dass er am besten nicht ins Gefängnis kommt? Und beim nächsten Mord steht man vielleicht klatschend dabei und ruft "weiter so". Auch wenn ich wahrscheinlich, wie so oft, mit meiner Meinung alleine da stehe, in diesem Fall bin ich aber für die absolute Härte. Es geht hier nicht nur um irgendeinen Mord oder irgendeinen Täter oder Opfer, beide sind Kinder und Jungendliche und das schon Jungendliche wegen ihrer vermeintlichen Homosexualität ermordet werden, bitte wie weit sind wir eigentlich schon gekommen? Ich fordere keineswegs "unmenschliche Strafen", also auch keine Todesstrafe, aber ich wage doch zu bezweifeln, dass der Mörder resozialisierbar ist, denn wenn er einen Grundhass gegen Schwule hat, wird er diesen wahrscheinlich auch später gegen andere Schwule wieder anwenden. Wieviele sollen dann noch sterben? Ich bin immer für Resozialisierung, aber nur dann, wenn es auch sicher ist, dass die Person für andere keine Gefahr mehr darstellt. Alles andere ist Sozialromantik. Wenn wir nur nach Friede, Freude, Eierkuchen leben, dann dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn man uns jagt und hetzt. Ich wünsche dem Täter, dass er seine Gefängniszeit nutzt, um über die Tat nachzudenken, egal, wie lange er sitzt. Wenn es schon was nützt, dass er wenigstens nachgedacht hat, ist schon etwas erreicht.

    In diesem Sinne
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#2 hwAnonym
  • 17.04.2008, 16:53h
  • @ thomas, frankfurt

    so grauenhaft die tat und ihre gesamtumstände waren, scheint mir die humanisierung konformierender asozialer erwachsener eigentlich aussichtsloser, als die resozialisierung eines jungen mörders, gerade in diesem alter.
    das demagogisieren gegen humane grundhaltungen mit abgeschmackten begrifflichkeiten wie sozialromatik, einem kampfbegriff aus der schimmelnden konservendose der coacher eines
    ökonomisch und moralisch bankrotten systems, scheint mir hier unangebracht.
    um frieden, freude, eierkuchen und brot werden
    sich die menschen übrigens weiterhin, so oder so, kümmern, weltweit.

    im übrigen fand ich die "mein gott, man muß es doch mal sagen dürfen"-pose schon immer mehr als mild dämlich. sie scheint mir aber auf dem rückzug zu sein,
    wenn mich nicht alles täuscht. wobei, selten kommt ja besseres nach.

    große achtung habe ich vor dem engagement dieser
    menschen in den 27 gruppen, die sich trotz des systemimmanenten drecks haltungen bewahrt haben und sie tätig werden lassen.
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#3 WolfgangAnonym
  • 17.04.2008, 18:35h
  • Ich finde es gut, dass sie sich für den Jungen einsetzen, trotz seiner Tat.

    Er ist noch ein Kind und sollte nicht den Rest seines Lebens im Knast verbringen, (fast) egal was er gemacht hat. Resozialisierung bringt mehr als dummes wegsperren!
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#4 stromboliProfil
  • 18.04.2008, 11:37hberlin
  • mein gott ( WENN ES IHN DENN GIBT...) , was für ein geschichte!
    zwei kinder ( der eine als schwules opfer, der andere als opfer schwulenfeindlicher erziehung )in einem konflikt ,der ihnen von der erwachsenen welt aufgedrängt wurde und nun von ihnen/ihm als erwachsener behandelt werden soll...
    Und von unserer seite hier ein bildzeitungsdenkmodell mit selbstgerechtem volksrichter - gespür.
    Da wird's einem schon übel.
    Wer fordert den die verurteilung der eltern des täters?
    Welche schuld tragen denn gerade die an der tragödie?!
    Wer hat dem täter denn die werte vermittelt und sozialisiert wenn nicht die eltern und lehrer, die verwandten und bekannten, die medien und religionen...

    !3 jahre und keine Gnade? Keine frage nach dem unabweichlichen in einer solchen situation, weil die gesellschaft keine anderen auswege zulässt.
    So wütend mich die ermordung macht , so wütend macht mich auch die banlität des denkens und ihre zwanghaften allgemeinplätze.

    Einem 13 jährigen hat man immer (!) noch eine menge zu sagen und zu lehren!
    Zuallererst weg von den eltern! Weg von einem erziehungssystem , in dem die möglichkeit des hasses quasi eingebaut ist!
    So , thomas ffm, kommen wir dahin, wo wir angelangen wollen
    : im bereich möglichen rechtes und dessen umsetzung!
    nicht mittels bildzeitungsempörung... die ist ohnehin nur geheuchelt!
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#5 SaschaAnonym
  • 20.04.2008, 00:48h
  • In diesem Fall bin auch ich ausdrücklich dafür, ein ganz klares Exempel zu statuieren und den Täter mit voller Härte des Gesetzes zu bestrafen!

    Es ist ein Unding, dass Homo-Gruppen hier die Schuld des Täters und damit auch die Tat an sich kleinreden oder zumindest ein völlig falsches Signal an andere junge Menschen aussenden.

    Selbstverständlich müssen sich die Zustände in den Schulen drastisch ändern (wobei es da gerade in Kalifornien punktuell sehr gute Ansätze gibt, die jedoch flächendeckend durchgesetzt werden müssen - und das ist bei einem fragmentierten, zu einem großen Teil privatisierten Schulsystem wie in den USA alles andere als einfach), aber das bedeutet ganz sicher nicht, dass ein abscheuliches Hassverbrechen wie im vorliegenden Fall nicht mit ganz besonderer Härte zu bestrafen ist!

    Bleibt noch der Hinweis, dass sich die Zustände in Deutschland wohl nur insofern unterscheiden, dass man hier nicht ganz so einfach an jeder Ecke an Schusswaffen herankommt. Ansonsten steht die Homophobie an deutschen Schulen derjenigen in den USA in nichts nach - im Gegenteil gibt es in Kalifornien an einigen finanziell gut ausgestatteten Schulen sogar sehr gute Antidiskriminierungsmaßnahmen, die es hierzulande praktisch überhaupt nicht gibt.

    Wo bleibt also unser "Diversity Bill"???
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#6 TufirAnonym
  • 20.04.2008, 12:53h
  • @Sascha
    Glaubst du ernsthaft, ein 13jähriger würde die Ausmaße seines Handelns begreifen?
    Das soll natürlich nicht bedeuten, dass die Tat ohne Konsequnzen bleiben darf. Aber der Mittelalterliche Pranger zum statuieren von Exempeln passt einfach nicht mehr in eine moderne Gesellschaft.
    Die symbolische Wirkung, einen Minderjährigen zum Zwecke eines Signals zu opfern, hält sich ohnehin in Grenzen. Allein schon die Bereitschaft dazu lässt einen barbarisch erscheinen und baut eher neue Fronten auf als dass sie Verständnis schafft.
    Der Impuls, der durch eine ghandihafte "Leben und leben lassen"-Haltung ausgesandt wird, ist der Sache vermutlich dienlicher, weil man dadurch mehr Zuspruch erhält. Verständnis verdient, wer Verständnis aufbringt.
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#7 hurra deutschlandAnonym
  • 20.04.2008, 17:36h
  • "... Aber der Mittelalterliche Pranger zum statuieren von Exempeln passt einfach nicht mehr in eine moderne Gesellschaft...."

    Och, warum nicht? Bei der Politikverdrossenheit hierzulande, bei Politikern, die ständig das Volk belügen und bestehlen, wäre das vielleicht mal angebracht;-)^^
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#8 JanXAnonym
  • 20.04.2008, 23:49h
  • Nanu. Ist #5 wirklich der Sascha der hier sonst immer schreibt? Ich bin fassungslos. Das ich das noch erleben darf ;-) Stimme seinem Beitrag uneingeschränkt zu.
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#9 TufirAnonym
  • 21.04.2008, 09:56h
  • @hurra deutschland schreibt am 20.04.2008, 17:36:06 Uhr:
    "bei Politikern, die ständig das Volk belügen und bestehlen, wäre das vielleicht mal angebracht"
    Das wäre dann aber nicht der Hassverbrechen-Pranger sondern einer, der für Groben Unfug reserviert ist. Hab ich auch schon drüber nachgedacht - die Idee scheitert aber am Platzproblem. An einen Pranger passen halt nur ein bis zwei Menschen (abhängig davon, ob man einen Spitzenpolitiker vom Formate Becks oder nur zwei kleine Wadenbeißer wie Pofalla und Westerwelle unterbringen möchte). :-)
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#10 SaschaAnonym
  • 21.04.2008, 22:58h
  • @Tufir:

    "Verständnis" für einen Mord aus Homo-Hass???

    "Leben und leben lassen" bedeutet also, Gewalt- und Hassverbrecher einfach laufen zu lassen, um nur nicht die "Fronten zu verhärten"???

    Ebenso wie wir möglichst nicht zu laut und zu deutlich gleiche Rechte in dieser Gesellschaft einfordern oder uns mit unserer sexuellen Identität zu erkennen geben sollten, um das konservativ-spießbürgerliche Milieu ja nicht gegen uns "aufzubringen". Nein, dann schon lieber weiterhin nur Gnadenhäppchen à la "Lebenspartnerschaft"???

    Das soll hoffentlich nicht dein Ernst sein!!!

    Ein fast 14-Jähriger, der dazu fähig ist, aus purer Homofeindlichkeit einen anderen jungen Menschen abzuknallen, der weiß sehr wohl, was er da tut! Und der ist auch fähig, nach voller Härte des Gesetzes bestraft zu werden!

    Denn in unserer "modernen" Gesellschaft muss vor allem eines aktiv bekämpft werden: Jede Form der Xenophobie, die ja auch hier in Deutschland unter jungen Menschen wieder stark im Zunehmen begriffen ist.
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