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Das Memminger Jugendamt wollte eine Ausstellung mit 400 Fotos von Wilhelm von Gloeden verbieten lassen.

Von Hermann J. Huber

Der mecklenburgische Baron Wilhelm von Gloeden (1856-1931) gilt als Pionier der Aktfotografie. Fast 50 Jahre lang lebte der homosexuelle Bohemian in Taormina auf Sizilien, wo er gleichgesinnte Freunde wie Oscar Wilde, Kronprinz August oder Friedrich Alfred Krupp als Gäste beherbergte - und sich auch seine Knabenmodelle suchte. Diese Aktbilder, einst von den Faschisten in Italien und Deutschland konfisziert und teilweise zerstört, sorgen auch 2008 noch für Aufruhr.

Das Memminger Jugendamt wollte jüngst die Ausstellung in der örtlichen Kunsthalle verhindern und hat dem Kulturamt einen "sorglosen Umgang" mit dem Thema Knabenliebe vorgeworfen. Es sei höchst bemerkenswert, einem Künstler Raum zu geben, der nicht viel anderes getan habe "als es heutzutage Pädophile oder Päderasten in Thailand und Kambodscha tun", heißt es in dem Protestschreiben.

In den letzten Wochen kam es zu einer Leserbriefflut in der örtlichen Zeitung und es hagelte Anzeigen von Bürgern wegen "Propaganda für Pädophilie", bis sogar die Kriminalpolizei in der Kunsthalle auftauchte. Die Ausstellung wurde zwar nicht geschlossen. Aber die beiden nackten Knaben auf dem Plakat am Eingang der Kunsthalle wurden durch zwei weiße Flächen ersetzt.

Aufruhr im Allgäu

"Es rumort gewaltig in der Provinz", räumt Kunsthallen-Chef Prof. Joseph Kiermeier-Debré ein. "Dass das so ein delikate Ware ist, hätte ich nicht gedacht."

Die "Ware" besteht aus über 400 Fotografien, unter anderem auch aus dem Nachlass von Andy Warhol, der von Gloedens Knabenbilder mehrmals in seinen eigenen Werken zitiert und bearbeitet hat. Im Katalog finden sich sogar 800 Bilder aus den Tausenden von Aktfotografien, die der deutsche Baron von pubertierenden Bauern-, Schäfer,- oder Fischerjungen gemacht hat. Er ließ sie auf Leopardenfellen oder vor antiken Säulen posieren und stilisierte sie zu griechischen Schönheitsidealen.

Eine interessante Randnotiz: Anders als in Mailand, wo die katholische Kirche zusammen mit der konservativen Bürgermeisterin vehement gegen die Ausstellung "Kunst und Homosexualität" mit zahlreichen Bildern von Gloedens aufbegehrte und bereits gedruckte Ausstellungskataloge eingestampft werden mussten, rührte sich in Memmingen bislang kein Protest der Kirche.

Der bischöfliche Dekan Siegbert G. Schindele meinte zum Eklat um die nackten Knabenbilder lapidar: "Ich würde mir das nicht anschauen, aber der Künstler darf das machen."

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis Ende Oktober 2008.

Wilhelm von Gloeden: "... auch ich in Arkadien", MEWO-Kunsthalle Memmingen, Bahnhofstraße 1, Dienstag bis Sonntag 11-17 Uhr



13 Kommentare

#1 hwAnonym
#2 gayschwabeAnonym
  • 02.05.2008, 09:41h
  • Nur der rechtliche Hinweis, dass diese Meldung bereits am 16. Februar 2008 in der Memminger Zeitung erschienen ist!

    Unter der Homepage der Stadt Memmingen wurde dies bereits veröffentlicht!
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#3 MaximoEhemaliges Profil
#4 Tufir
  • 02.05.2008, 13:06h
  • "Der bischöfliche Dekan Siegbert G. Schindele meinte zum Eklat um die nackten Knabenbilder lapidar: "Ich würde mir das nicht anschauen, aber der Künstler darf das machen.""

    Verdammt - wen können wir denn noch hassen, wenn die Kirche so lässig damit umgeht?
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#5 Rolf RohlederAnonym
  • 02.05.2008, 13:38h
  • Nun ja, seien wir mal ehrlich, denken wir ernstlich, wir Schwulen leben schon im Vorgarten zum Paradies? Das Gröbste wäre ausgestanden; nun sind es lediglich noch ein paar ewig Gestrige, die uns ausgrenzen wollen? Im Grunde hätten wir's geschafft? - Nee, nee, Flagge zeigen bleibt nach wie vor erstes Gebot, wollen wir tatsächlich einmal als das angesehen werden, was wir nun mal sind: Keine Besonderen, nichts Außergewöhnliches, keine Menschen überm Strich, keine unterm Strich, nur halt schwul, ja und...
    Hüte wir uns also zu denken: Na ja Memmingen, das ist irgenwo hinterm Wald. Ja, ja, ich lebe in Berlin/Prenzlauer Berg. Da kann ich, wenn mir danach ist, meinen Freund mitten auf der Straße und mitten unter der Sonne herzhaft küssen. Aber bevor ich das nicht auch in Memmingen kann, gebe ich persönlich keine Entwarnung, denn ich gebe mich keinen Illusionen hin. "Von Gloeden und das Memminger Jugendamt" wäre ein Thema für den CSD; gefeiert kann ja trotzdem werden, aber knallhar gesellschaftspolitisch engagiert sollten wir trotzdem daherkommen. - 2.5.08 Rolf Rohleder
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#6 Lars3110
  • 02.05.2008, 14:00h
  • Also ganz ehrlich, finde ich das auch sehr grenzwertig.
    Auch wenn es Kunst ist (unzweifelhaft), ist die Grenze zum Kindesmisbrauch unscharf.
    Dass die Kirche dagegen nicht groß protestiert, ist klar. Die Priester stehen auf sowas.
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#7 stromboliProfil
  • 02.05.2008, 14:26hberlin
  • ach , taromina und catania werben mit von gloeden und haben daueraustellungen mit seinem gesamtwerk...! Es ist eine touristenatraktion und gut besucht.
    Das sich der 2te mann der italienischen kirche , der karinal von mailand, hierzu empört , findet bei seinem kollegen in catania keine allzugroße resonanz.
    Und zur pädopilie mal klar gesagt: da wird auch ein gedöns drum gemacht der dem schutz der betroffenen in keiner weise gerecht wird! Was mich eher an die nichtraucherkampagnen erinnert...^^
    Und beim näheren hinsehen sind es in der regel "jünglinge" im vollen besitz der männlichkeit und nicht schamhaarlose vorpupertierende. Ob kitsch hingegen kunst ist, entzieht sich meinem verständnis.Was bleibt ist die sicht auf eine andere zeit und ihrem unverkrampfterem umgang mit der darstellung des männlichen körpers. DA ist von gloeden eher der großvater von cadinot und somit durchaus verdienstvoll für die kultur
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#8 hurra DeutschlandAnonym
#9 chromaticAnonym
  • 04.05.2008, 02:35h
  • Antwort auf #6 von Lars3110
  • Die Vokabel grenzwertig ist absolut unangebracht.
    Auch vom strengen Gesetzesstandpunkt aus ergeben sich keine Bedenken, junge Männer in offensichtlicher Beendung der Pubertät zu zeigen.

    Da der Gesetzgeber dies ja wieder ändern will und uns auf das Niveau der 50er Jahre zurückwerfen will, scheint einigen doch sehr willkommen.
    Wer alles in einen Topf wirft, kann nur unglaubwürdig sein. Knabe im Sinne des Gesetztes , also Kind, ist jemand unter 14 Jahren. Keiner der in der Ausstellung gezeigten ist aber jünger.
    Vielleicht erklären sie mal, warum sie den Begriff "grenzwertig" verwenden. Glauben sie, wer junge Männer anschaut verführt auch kleine Kinder?
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#10 PierreAnonym
  • 04.05.2008, 11:00h
  • Man sollte doch die Kirche im Dorf lassen:
    Wären es nackte Jung-Mädchen, dann hätte keine was dagegen.
    Und wie man deutlich sehen kann, sind die nackten Knaben alle bereits in der Pubertät, also mindestens 14 Jahre alt.
    Mit Pädophilie hat das also nichts mehr zu tun.
    Oder gibt es in der Ausstellung auch Knaben ohne (also auch nicht rasierte) Schambehaarung, die dann 10 oder 11 Jahre alt sind?
    Wohl kaum.
    Dafür würde dich auch kaum einer interessieren, außer Pädopihile.
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