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  • 24. April 2008, noch kein Kommentar

Lesbische Frauen mit kleinen Brüsten und politischen Botschaften in einer radikal-feministischen Komödie

Von Carsten Weidemann

Eigentlich träumt Anna davon, Gender-Studies-Kurse auf dem College zu belegen. Doch stattdessen arbeitet sie in einer Klinik, die Schönheitsoperationen anbietet. Wobei sie mit ihrer Körbchengröße A nicht gerade ein Aushängeschild für das dort angepriesene Schönheitsideal ist, was ihr Chef und ihre Kollegin sie Tag für Tag spüren lassen. Auch sonst ist Frust angesagt – ihre Freundin hat sie sitzen lassen und ihre Familie, die ihr Lesbisch-Sein toleriert, solange es in bürgerlichen Bahnen bleibt, will unbedingt, dass sie sich zur Hochzeit ihrer Schwester herausputzt.

So ein Mauerblümchen, wie es auf den ersten Blick scheint, ist Anna aber gar nicht. Insgeheim träumt sie von einem wilden, selbstbestimmten Leben – und da kommt ihr die hübsche Sadie gerade recht, die eines Nachts feministische Parolen auf die Wand der Schönheitsklinik sprüht und sie zu einem konspirativen Treffen der "C.I.A." einlädt. Die Abkürzung bedeutet "Clits in Action" und steht für eine radikale Frauengruppe, die mit Schlagwörter wie "Fight the System", "Riots not Diets" und "Free your Clit, your Mind will follow" Aktionen im männerdominierten öffentlichen Raum veranstaltet und eine provokante Webseite unterhält.

Neben Sadie besteht die Gruppe aus Shulamith Firestone, der sarkastischen Hardcore-Feministin, die Männer nur akzeptiert, wenn sie schon mal von einer Klitoris gehört haben, außerdem Meat, dem künstlerische Kopf hinter den radikalen Projekten der C.I.A., und schließlich der schüchternen, androgynen Aggie, die sich gerade auf dem Weg dahin befindet, ein Mann zu werden. Für Anna ist das eine völlig neue, faszinierende Welt und schnell kommen die ersten punkigen lila Strähnen in ihr Haar – aber vor allem Sadie ist für sie ein Grund, immer wieder zu den Gruppentreffen zu gehen. Auch nachdem sie herausgefunden hat, dass Sadie mit der älteren Courtney zusammen ist, die ein erfolgreiches bürgerliches Frauennetzwerk ("Women for Change") organisiert.

Nach und nach müssen die radikalen Frauen allerdings feststellen, dass ihre Aktionen nicht sehr erfolgreich sind, ihre Webseite äußerst selten besucht wird – und dass Sadie sich mehr und mehr von Courtney davon abhalten lässt, bei der C.I.A. mitzumachen. Ausgerechnet Anna hat schließlich die Idee zu einem grandiosen, revolutionären Akt, der der C.I.A. endlich die weltweite mediale Aufmerksamkeit bringen soll...

Die Story, die Jamie Babbit hier wie ein klassisches Hollywoodmärchen angelegt hat (das unscheinbare Mädchen, das zu einer schönen und selbstbewussten Frau wird – der Kampf für die gemeinsame Sache, der nach Intrigen und Enttäuschungen zuguterletzt in ein Happy End führt), transportiert eine politisch engagierte und komplexe Standortbestimmung des westlichen Feminismus. Ob es Ideale und Ziele gibt, für die man als Frau – auch stellvertretend für andere – noch kämpfen muss – und ob man das eher innerhalb der bürgerlichen Institutionen macht oder in Form einer radikalen Gegenbewegung – all dies sind Fragen, die der Film auf witzige und auch selbstironische Art stellt.

Dazu passt, dass der Film eine reine Frauen-Produktion ist, entstanden mit Unterstützung der Non-Profit-Organisation POWER UP, die Frauen in der Medienbranche die Möglichkeit gibt,selbstorganisiert zu produzieren. Der witzige Movie ist somit ein State of the Art des selbstbestimmten Frauenbilds, und darin sehr parteiisch – denn die Botschaft der Frauen mit den kleinen Brüsten (dem Itty Bitty Titty Committee) lautet: vor der Veränderung des Körpers muss eine Veränderung des Bewusstseins erfolgen, wenn man eine ‚richtige Frau’ sein will...

24.04.2008