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Als ein Fremdenführer erklärt, dass er transsexell ist, feuert ihn sein Arbeitgeber, das Bundespresseamt. Ein Fall fürs AGG.

Von Dennis Klein

In Berlin sorgt im Moment der Fall der Mandy G. für Aufsehen: Seit fünf Jahren führte sie im Auftrag des Bundespresseamtes Besuchergruppen durch die Hauptstadt. Beschwerden von Kunden gab es nicht – doch dann wurde sie gefeuert. Grund: Mandy, geboren als Matthias, wollte nicht mehr ihr Leben als Mann führen.

"Seit ich denken kann, habe ich mich eher weiblich als männlich gefühlt", erklärte Mandy gegenüber der Tageszeitung "B.Z.". "Jetzt hatte ich endlich die Kraft, diesen Schritt zu tun. Ich konnte das Versteckspiel nicht mehr aufrechterhalten. Es kostete mich zu viel Energie." Ihrem Arbeitgeber teilte sie ihr Coming-out mit. Und der reagierte prompt: Das Bundespresseamt entzog Mandy sofort alle Aufträge. Sie sei als "Repräsentant des BPA und der Bundesregierung nicht mehr tragbar", ließ man sie wissen.

Das Ganze könnte nun ein Testfall für das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz werden, das 2006 von der Bundesregierung beschlossen wurde. Mandy klagt wegen der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und fordert 4.000 Euro Schadensersatz. "Es geht mir nicht wirklich um das Geld, sondern darum, professionell in meinem Beruf arbeiten zu können", erklärte sie.

Die Bundesregierung hält sich in diesem Fall merklich zurück. Gegenüber der Presse schweigt sie mit Hinweis auf das laufende Verfahren. Auf eine Anfrage des Dortmunder Bundestagsabgeordneten Michael Kauch (FDP) erklärte sie lediglich, dass sie den Fall "so nicht bestätigen" könne. Kauch bezeichnete das Verhalten der Bundesregierung als heuchlerisch: "Die Bundesregierung verweigert offensichtlich die Antwort. Sie gibt sich nach außen tolerant: Sie verabschiedet Gesetze zum Schutz von Minderheiten und richtet eine Antidiskriminierungsstelle ein – aber im eigenen Haus hält sie sich nicht daran." Auch der Kölner Grünenabgeordnete Volker Beck hat sich in den Fall eingeschaltet: "Ich habe mich an die Antidiskriminierungsstelle gewandt, hoffe auf eine korrekte Entscheidung."

Das AGG schützt nicht nur Arbeitnehmer sondern auch "arbeitnehmerähnliche Personen" wie Mandy. Nach der vom Europäischen Gerichtshof gestützten Rechtsauffassung gilt die Diskriminierung von Transsexuellen als Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes.

Das Arbeitsgericht in Berlin wird sich in einer Güterverhandlung am 5. Mai mit dem Fall von Mandy beschäftigen.

29. April 2008



#1 BjörnAnonym
#2 Diz!Anonym
#3 holliAnonym
  • 29.04.2008, 17:17h
  • und habt ihr ihren blazer gesehen - wie unvorteilhaft. und die haare erst mal. mein gott!!!
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#4 Tim-ChrisAnonym
  • 29.04.2008, 17:19h
  • Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass ihr Outing und damit ihre Transsexualität der Grund für ihre Kündigung war, dann ist das eine riesen Schweinerei und zeigt deutlich, wie die Bundesregierung tatsächlich zu dem steht, was sie an Gesetzen verabschiedet.
    Wie ernst kann man solche Gesetze denn dann noch nehmen, wenn nicht mal die Regierung es für nötig hält, sie zu beachten? Sind dann die ganzen Gleichbehandlungs- und Minderheitenschutzgesetze nicht nur eine Mitleidspackung, bei der die Befürchtung besteht, dass sie jederzeit wieder gestrichen werden könnten, wenn das Mitleid verspielt ist? Und wie glaubwürdig wird das ganze dann International? Vorgegaukelte Toleranz und Gleichberechtigung, die nur eine Farce und nach belieben zurücknehmbar sind? Eine Lachnummer innerhalb der EU? Und wie fest steht Deutschland dann wirklich hinter ihren eigenen Minderheiten.

    @1: sicher. Würde ich mir vielleicht auch aussuchen, wenn ich mir einen weiblichen Vornamen überlegen wollte/müsste. Aber ich bleibe lieber bei meinem selbst ausgesuchten männlichen.
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#5 RabaukeAnonym
  • 29.04.2008, 17:45h
  • da haben wir doch den Beweis!!!!!Diese Bundesregierung ist nicht nur intollerant und heuchlerich. Neinnnn!!!!!! Sie teroriesiert und trangsaliert die eigene Bevölkerung!!!!! Sooooo,liebe Heteros, Homos, Transexuellen, Bisexuellen und versteckten! Dieser ganze "Regierungsladen" stinkt zum Halse raus! Mein nächstes "Kreuz" auf dem Blatt sieht GRÜN aus!!!!!

    An die Damen und herren der BPA: Pfui!!!!!Schämen Sie sich. Ihnen kann man nur noch die menschliche Verachtung aussprechen!!!!! Pfui
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#6 FloAnonym
  • 29.04.2008, 18:17h
  • Bei dieser Regierung wundert mich NICHTS mehr... Und das betrifft sowohl CDU / CSU als auch SPD...
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#7 SaschaAnonym
  • 29.04.2008, 18:57h
  • @Rabauke:

    Ach ja? So grün wie SCHWARZ-grün vermutlich???

    Ansonsten gilt:

    Der gesellschaftspolitische Rollback ist in vollem Gange, auch wenn es kaum jemand wahrhaben will!

    Denn das würde ja bedeuten, sein eigenes Verhalten in Frage stellen und die bisherige Strategie der Anbiederung (LSVD & Co.) für vollends gescheitert zu erklären!
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#8 KatrinAnonym
  • 29.04.2008, 22:26h
  • Wir leben in einer Mehrklassengesellschaft. Auf der einen Seite die braven Steuerzahler, die immer mehr ausgequetscht werden. Und wenn dann auch noch ein Steuerzahler schwul oder transsexuell ist ,wird kräftig draufgehauen. Auf der anderen Seite unsere Politiker, die glauben über allem zu stehen und die staatlichen Firmen, die Milliarden verschleudern, aber trotzdem brav ihre Vorstandsbezüge von den staatlichen Firmen beziehen und gutbezahlte Arbeitsplätze für abgewählte Politiker bereit halten.

    Was in den letzten 20 Jahren in Deutschland an Freiheiten oder an Gleichberechtigung eingeführt wurde kam aus der EU und nicht von unseren Politikern jedweder Farbe. Mit unseren Politikern wären wir bereits wieder bei der Heiligen Inquisition angekommen.
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#9 RabaukeAnonym
  • 30.04.2008, 11:50h
  • @ Katrin und @Sascha

    ich gebe mich "geschlagen". Sehr gute Beiträge!!!!

    Schönen Maifeiertag wünsch Euch und natürlich allen Userinnen und Usern von queer.de

    Euer Rabauke
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