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Der Pornoregisseur Jean Daniel Cadinot prägte den schwulen Hardcorefilm in Europa wie kein anderer. Ein Nachruf.

Von David Renner und Christian Scheuß

Die Meldung kam überraschend und mit Verspätung. Es gab keine offizielle Pressemitteilung. Nur einen Eintrag im Blog seiner Website, auf der er auch seine Filme anpreist: "Das Licht ist ausgelöscht, der Vorhang ist zugezogen" formulierte er sein letzten Worte, als er bereits wusste, dass er diese Welt verlassen wird. Am 23. April 2008 starb der Porno-Regisseur Jean-Daniel Cadinot an den Folgen eines Herzinfarkts. Was bleibt, das sind seine Pornos, die wegweisend waren für die internationale Produktion schwuler Erotikfilme. Das Filmstudio unter seinem Namen erreichte Weltruhm.

Seine Karriere begann der 1944 in Paris geborene Franzose als Fotograf und als Regisseur für französische Mainstreamproduktionen. Sein professionelles "Coming-Out" hatte er 1972, als er erstmals schwule Aktfotos zusammen mit dem homosexuellen Schriftsteller Yves Navarre veröffentlichte. 1978 drehte Cadinot zum ersten Mal einen schwulen 16-mm-Film. "Tendres adolescents" war in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Hier hatten zwei verliebte Jungs vom Lande romantischen Sex im Heu. Eine wahre Wohltat zu den sonst so uniformen amerikanischen Muskelmännern, die hektisch zu Hammondorgelmusik ihre Geschlechtsteile ineinandersteckten. Cadinot liebte die schlanken französischen Jungs im Alter zwischen 18 und 25. Sie stellte er in den Mittelpunkt der insgesamt 70 Filme, die er bis zu seinem Lebensende produzierte.

Cadinot vermied es, das Wort Pornografie für seine Filme anzuwenden und betonte stets den künstlerischen Anspruch seiner Werke. Der Zuschauer, so wollte es der Franzose, sollte das Gefühl haben, dem Jungen von Nebenan zu begegnen. Er inszenierte in seinen Filmen auch viele schwule Fantasien, wie Sex im Klosterinternat, der Besserungsanstalt oder auf Pfadfindertour, Cruising in Paris, Sex im venezianischen Karneval und vieles mehr. Es gab mitunter opulente Szenerien, fantasievolle Kostüme und eine Handlung mit vielen Dialogen. Natürlich nur in französisch und sehr lange Zeit ohne Untertitel. Sollten seine Zuschauer doch selber dafür sorgen, zu verstehen, worum es ging.

"Es sind Emotionen, die meinen besonderen Stil ausmachen. Ich erzähle Geschichten. Ich mache keine Sachen, die mechanisch sind, was wir zuhauf von der Pornoindustrie zu sehen bekommen. Meine Szenarien basieren auf dem Geschmack meiner Darsteller", kommentierte der Regisseur einst seine Werke. Ironie und Humor fehlten ebenfalls nicht. Deswegen bekamen seine Fans auch erstmals in der schwulen Pornohistorie eine Szene zu sehen, in der scheinbar aus einem Hintern heraus ein Darsteller beim Rimmen gefilmt wurde. Und bei Gruppenszenen mit Gesichtsbesamung wurde statt mit echtem schon mal mit Kunstsperma nachgeholfen.

International fand sein Schaffen viel Aufmerksamkeit und Anerkennung. 1997 erhielt er die "Venus" in Berlin als bester Regisseur und wurde somit als erster schwuler Regisseur mit diesem Preis ausgezeichnet, der jährlich die Größen der deutschen und internationalen Pornobranche ehrt. Im Jahr 2002 wurde ihm zudem AVN-Award verliehen, der als "Erwachsenen-Oscar" für die Pornoindustrie gilt.

Cadinot präsentierte sich nur selten in der Öffentlichkeit. In den wenigen Interviews, die er gab, präsentierte er sich stets als Mensch, der an der Persönlichkeit seiner Darsteller interessiert ist. Die jungen Männer, die er begehrte, gaben ihm viel, dafür bedankt er sich auch in seinen Abschiedsworten: "Ich verlasse euch mit geklärtem Geist und meinem Kopf voll mit den Bildern unzähliger junger Männer, manche von ihnen stark und vital, andere zerbrechlich und sensibel. Alle gaben sie mir diese unvergesslichen Momente zärtlichster Intimität. Momente, die nur wenige von ihnen als solche erkannten, die ich aber in Bilder überführte, um euch die Möglichkeit zu geben, sie immer und immer wieder zu begehren."

29.04.2008



#1 mystereAnonym
  • 29.04.2008, 17:20h
  • der erste porno, den ich mir vor jahren gekauft hatte (noch postlagernd) war von ihm...

    schade...
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#2 Denny30Anonym
#3 RabaukeAnonym
  • 30.04.2008, 11:54h
  • Auch wenn ich persönlich nicht so unbedingt Porno´s schaue, mit Ihm ist einer der ganz Großen gegangen.

    Schade!!! Ich hoffe, Er hat seinen Frieden und sein Erbe wird von der Menschheit überliefert und am leben erhalten.
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#4 boylchenAnonym
  • 30.04.2008, 13:44h
  • das waren meine ersten und schönsten pornos....hübsche franzosenboys und zumindest ein hauch von einer handlung, den viele andere pornos vermissen lassen.....cadinot, du wirst uns fehlen...
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#5 Shylion30Anonym
  • 30.04.2008, 16:54h
  • Mit Cadinot fehlt es der schwulen Welt an Glamour und vorallem dem Stil in seinen Filmen.
    Mein erster schwuler "Porno" den ich gesehen habe, war von Ihm. Und auch später haben mich seine Filme immer wieder begeistert. Gerade oder vorallem weil Sie sich absolut von der Massenware unterscheiden.... Hoffe die Menschheit vergisst ihn niemals. Ich jedenfalls werde es nicht....
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#6 arno nymAnonym