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Jetzt auf DVD: Hochsommerlich-karge Landschaften in Patagonien bilden den Hintergrund für die Coming-of-Age-Meditation "Glue", den preisgekrönten Debütfilm von Alexis Dos Santos.

Von Carsten Weidemann

Teenager sein ist ein Ausnahmezustand. Auch am Ende der Welt – in den kargen, wüstenähnlichen Weiten Patagoniens. Lucas ist 15, hat feuerrote Haare, zu einer Punkfrisur gestylt, und denkt wie sein Freund Nacho den ganzen Tag an Sex – und natürlich auch daran, was der Sinn des Lebens sein und wie seine Zukunft aussehen könnte. Seine Eltern sind kein Vorbild für ihn – sein Vater hat eine Freundin und lebt in Neuquem. Seine Mutter versucht, ihre Ehe zu retten.

In Lucas’ Leben spielen andere Dinge eine Rolle – Fahrradfahren zum Beispiel (ein Zustand!), seine Rockband, Mädchen (obwohl er sich nicht an sie herantraut) – und Nacho... Nacho hat mehr Haare an den Beinen und unter den Achseln und Lucas fragt sich, woran Nacho denkt, wenn er wichst.

Um etwas gegen ihren Hormonstau zu unternehmen, haben die beiden einen Plan: sie wollen ein Mädchen (oder zwei) in ein Stundenhotel oder die leere Wohnung von Lucas’ Vater in Neuquem locken, um sie dort zu verführen. Ihre Wahl fällt auf die schüchterne Andrea – die allerdings lässt sie sitzen. Mit etwas Klebstoff Schnüffeln und einem Porno-TV-Kanal sind die beiden Freunde bald soweit, sich miteinander zu trösten.

Lucas’ geheimen Gedanken über das Erwachsen-Werden und die Gefühle dabei werden in GLUE als fiktives Super-8-Tagebuch gezeigt. Auch Andrea darf auf diese Weise von sich erzählen – ihre Reflexionen sind durchaus vergleichbar, auch wenn sie bedauert, weniger Möglichkeiten als Jungs zu haben, mit ihrer Schüchternheit und ihrer Sehnsucht nach dem ersten Kuss klarzukommen.

Nach einer Party mit vielen selbstgeschriebenen Punksongs und reichlich Alkohol machen Lucas, Nacho und Andrea erste Erfahrungen miteinander – und sind danach zu dritt unterwegs.

"Worin liegt der Unterschied, einen Jungen und ein Mädchen zu küssen? Jungs haben Bärte, sonst ist es das gleiche."

Coming-of-Age-Filme gibt es viele. Kaum einer ist so genau, fantasievoll und jugendlich inszeniert wie GLUE. Sein außergewöhnliches Setting erscheint zwar unwirklich, ist aber real – Regisseur Alexis Dos Santos hat selbst seine Jugend in einem patagonischen Dorf verbracht. Die roten Farben, der Wind, die Trockenheit und die wie angeklebt wirkenden einzelnen Wolken erscheinen wie der direkte visuelle Ausdruck der unbestimmten Sehnsucht und des Verlangens der jugendlichen Protagonisten.

Mitfinanziert vom Hubert Bals Fond des Internationalen Film Festivals Rotterdam, hat GLUE seit seiner Premiere 2006 in Toronto weltweit bei Festivals Beachtung und schon mehr als zwölf Preise erhalten. Alexis Dos Santos hat sich mit seinem Erstlingswerk als großes Talent des ohnehin aufregenden jungen argentinischen Films vorgestellt.

Glue, ein Film von Alexis Dos Santos, Argentinien, Argentinien 2006, 110 Minuten, Farbe, OmU, Bildseitenformat: 16:9, Freigegeben ab 16 Jahren, Edition Salzgeber



#1 jessicaAnonym
#2 Tufir
  • 13.05.2008, 10:34h
  • Etwas weniger Provokation um der Provokation willen und mehr Liebe zu den Charakteren als Ken Park. Der Film will nicht nur auf den Putz klopfen sondern auch etwas erzählen.
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