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  • 16.05.2008           17       | | |

So schwul ist kein Jägermeister

Aha, dubidubiduu... - Quelle: Mast Jägermeister AG
Aha, dubidubiduu...
Bild: Mast Jägermeister AG
Dubidubiduuu! Die neue Werbekampagne des Kräuterlikörs ist nicht nur camp, sie ist auch außerordentlich homophil.

Von Christian Scheuß

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Jägermeister als ziemlich langweiliges Getränk, das in Omas Wohnzimmerschrank-Bar stand und nur zu den Canasta-Abenden mit Onkel Horst und Tante Ottilie rausgeholt wurde. Dann startete eine beispiellose Werbekampagne, von der man selbst bei den CSD-Straßenfesten überrollt wurde. Promoteams füllten die Besucher so lange mit dem Schnaps in Reagenzgläsern ab, bis auch der Letzte kapiert hatte: Jägermeister ist jetzt das hippe Szenegetränk. So weit, so erfolgreich.

(Fortsetzung nach Anzeige)


"Für die Party mit Pfiff" - Quelle: Mast Jägermeister AG
"Für die Party mit Pfiff"
Bild: Mast Jägermeister AG
Seit Anfang April irritiert eine neue Werbung die TV-Zuschauer: Männer mit gebügelten Bundfaltenhosen und steifen Hemdkragen lächeln schüchtern in die Kamera. Frauen in pastellfarbenen Strickwaren wagen sissihafte Tanzschritte. Gemeinsam bewegen sie sich synchron zu aeroben Xylophonklängen und warmem Falsettgesang - in einer Welt, die freundliche Wirtschaftswunderatmosphäre ausstrahlt. Und alle lieben KeinJägermeister, ein rosa-hellblaues Getränk für den ziemlich zahmen Dubidubi-Fetenspaß. Im aktuellsten Spot "Neues von KeinJägermeister" wird es mehr als subtil homophil: Der Sänger mit dem gespreizten kleinen Finger, die Männer mittleren Alters, die in goldenen knappen Turnhöschen Aerobicübungen absolvieren, die völlige Abwesenheit von Frauen; Da wird auf sehr campe und witzige Weise mit dem rosa Zaunpfahl gewunken.

"Dahinter verbirgt sich natürlich eine gehörige Portion Selbstironie" erklärt Sebastian Kamolz, Leiter Marketing der Mast Jägermeister AG. Die Werbeaktion, die das jahrelang aufgebaute Image des "wilden" Kräuterschnaps, mit dem es sich gut feiern lässt, schärfen soll, findet in Kino und TV, im Internet, auf Plakaten und Anzeigen, im Handel und in der Gastronomie sowie auf Events statt. So kann man zum Beispiel auf der Website allerlei spießige Videos anschauen und sinnfreie Spiele ausprobieren.

Video: (Direktlink)


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Tags:  jägermeister   werbung 
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Reaktionen zu "So schwul ist kein Jägermeister"


 17 User-Kommentare als Feed (RSS 2.0, ?)

S.  1  2
Die ersten:   
#1
16.05.2008
17:37:40


(+5

Von Tim_Chris
Aus Bremen
Mitglied seit 01.05.2008

Das übertüncht aber auch nicht, dass das Zeug einfach scheiße schmeckt.

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#2
16.05.2008
18:39:12


(+5

Von xy

Hallo, sonst wir doch so super bewußt: Was da gezeigt wird, ist eben "Kein Jägermeister". Und ebendieses so ziemlich der Inbegriff von "schwul" in jeder Hinsicht. Wer es also nicht so schwul mag, trinkt statt dessen die Plörre.

Natürlich wird das indirekt und damit auf geschicktere Weise gesagt als der prollige Appelt es tut. Dafür scheint es dann auch besser zu wirken: Statt sich darüber groß aufzuspulen, gibt es noch Lob. Oder war, nicht nur beim LSVD, das Erregungspotential für diese Woche bereits verbraucht?

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#3
16.05.2008
19:39:44


(+5

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar

Antwort zu Kommentar #2 von xy:
Richtig, xy!

Diese bezahlte Massenbotschaft im Bully Herbig-Style der Mast-Jägermeister AG aus Wolfenbüttel [Gründer war ein begeisterter Jäger, der das Getränk, das 1935 auf den [nazi-] deutschen Markt kam nach einem Begriff aus dem Reichsjagdgesetz von 1934 benannt hat] hat uns allen zu bedeuten: "Jägermeister ist cool, alle anderen Liköre dieser Kategorie sind schwul".

Beziehungsweise: alle, die [man muss diese einfachen Tatsachen ab und zu ins Bewußstein rufen] Geld für Jägermeister ausgeben, d.h. Geld in die Kasse der Mast-Jägermeister AG bringen sind cool - alle, die dies nicht tun und ihr Geld für andere Produkte - zum Beispiel auch nicht-alkoholische - ausgeben, gleichen den degenerierten Tunten aus dem Spot. Die nämlich trinken [trinken heißt auch hier immer nur = kaufen] etwas falsches, was sich unter anderem daran zeigt, dass sie sich falsch kleiden und falsch bewegen - woraus der durchschnittliche TV-Rezipient zu schließen hat, dass sie insgesamt auch falsch sind.

Der Sarotti-Nigger, nein, so hieß er ja nicht, also der Sarotti-Mohr ist aus der Werbung verschwunden. Ich bin gespannt, wann die 'degenerierte Schwuchtel' verschwindet.

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#4
17.05.2008
20:18:32


(+2

Von Mecachrome
Profil nur für angemeldete User sichtbar

@ xy:
Du hast vollkommen recht, wir sehen diese Woche es wesentlich deutlicher noch als sonst: Der LSVD regt sich über das Liedchen von Herrn A. auf und umgekehrt wird das fiese Spiel mit den Klischees beim Jägermeister gut geheißen oder zumindest nicht angemahnt. Das passt irgendwie nicht.

Das Einzige, was man hier zur political correctness sagen muss, ist, dass hier das Wort "schwul" nicht genannt wird, sondern "zahm".

Gut, wer spitzfindig ist, der kann jetzt sagen: "Ach, kaum treten da ein paar weibische Männer in den Fordergrund, identifizieren sich die Schwulen damit und fühlen sich angegriffen, obwohl da nirgends gesagt wird, dass diese Leute schwul sein soll!" und warum? Weil uns schon immer eingetrichtert wurde, dass ein Klischee-Schwuler sich exakt so verhält.

Was lernen wir also daraus? Das Klischee lebt und wird auch und gerade innerhalb unserer Szene weitergetragen und gefördert, weshalb wir noch viele weitere Jahrzehnte uns darüber beeumeln oder aufregen werden.

P.S.: Was heißt eigentlich "camp"? Der Begriff ist irgendwie komplett an mir vorbeigezogen...

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#5
17.05.2008
21:17:38


(+2

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar

Antwort zu Kommentar #4 von Mecachrome:
Google: ("susan sontag" "notes on camp").

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#6
17.05.2008
22:32:01


(+1

Von survival camp

Antwort zu Kommentar #5 von antos:
wohlgetan !

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#7
18.05.2008
12:49:28


(0

Von Schorsch

Also, in mir hat der Spot im Kino nur den Wunsch geweckt, KeinJägermeister mal zu probieren. Insofern bestätigt die Kampagne doch genau das Jägermeister-Image: Homophobe Prol-Heten mit Alkoholproblem, die es für wichtig halten, "hip", "cool" oder "unspießig" zu sein und die so Sachen wie Junggesellenabschiede für total tolle Events halten (oder möglichst laute Partys mit möglichst viel Alkohol oder ähnlichen pubertären Mist), sollen gern weiter die fiese Plörre trinken.
Man sollte die Agentur oder die Jägermeisters mal mit Anfragen überschwemmen, wann den nun das neue Getränk auf den Markt kommt und wo man es kaufen kann.
Endlich mal ein Drink mit Stil!

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#8
18.05.2008
12:55:50


(0

Von Schorsch

Aua!
Im ersten Satz bitte dringend ändern:
"...da galt Jägermeister als ziemlich langweiliges Getränk, DAS in Omas..."
Es ist DAS Getränk!
Feuert doch endlich mal Euren Korrekturleser und spendiert Euren Redakteuren einen Grundkurs Deutsch!

Die Redaktion bedankt sich für den freundlichen, solidarischen Hinweis und hat den Tippfehler korrigiert.

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#9
18.05.2008
13:45:52


(0

Von JD

Antwort zu Kommentar #8 von Schorsch:
BRAVO! Stimmt genau.

Im Übrigen gibt es "Kein Jägermeister" ja gar nicht. Das ist eine Anti-Kampagne.

In jeder Hinsicht, sozusagen.

Also ich habe kein Problem mit einer Werbeaussage, dass schlecht gestylte, homophile, laute, großkotzige, ungehobelte, brummige, schmierige Menschen Jägermeister trinken... letztendlich kann man diese Kampagne interpretieren, wie man möchte, aber immerhin hat sie ihren Zweck mehr als erfüllt; man spricht nämlich allerortens darüber ;-)

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#10
18.05.2008
15:49:29


(+1

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar

Antwort zu Kommentar #9 von JD:
"...man spricht nämlich allerortens darüber ;-)"

Genau, und zwar schlecht. Social Spamming bringt zwar Awareness, aber die hat Herr Josef Fritzl aus Amstetten auch ohne erreicht - und trotzdem möchte den keiner zuhause haben, ironisch augenzwinker.


Link: blogbar.de/archiv/2008/04/11/asoziales-spammen-und
-belastigen-mit-jagermeister-und-hitflip



Link zu www.werbeblogger.de



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