Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?8762
  • Kolumne: Mark Simpson
    Der „Skinhead Oscar Wilde“, wie er in Großbritannien genannt wird, ist der Erfinder des Begriffs metrosexuell und ein ausgewiesener Kritiker der klassischen Schwulenbewegung. In den Neunzigern stieß er mit der Anthologie „Anti-Gay“ eine breite Diskussion über die Fehler der Schwulenbewegung an. Seine klugen und witzigen Essays erscheinen in Zeitungen und Magazinen wie „The Independent“ oder „Details", Lob erhielt er auch für eine Biographie des Sängers Morrissey. Im Magazin Front schreibt er erstmalig auf Deutsch, queer.de darf diese Texte freundlicherweise übernehmen. Mehr Infos über den Autor unter www.marksimpson.com.

    19. Mai 2008, 5 Kommentare

Der kurzgeschorene Oscar Wilde teilt aus: Obama ist die größere Diva

Womöglich weil es sonst nichts mehr zu sagen gibt, wird in den amerikanischen Blogs derzeit eine Debatte darüber geführt, was für eine campe Diva die schwule Ikone Hillary Clinton eigentlich sei. Das einflussreiche Huffington-Post-Blog beschrieb sie als vom Geist Joan Crawfords besessen. Pro-Obama-Huffington will damit wohl andeuten, Hillary sei geistig verwirrt; allein dass eine Frau die Idee habe, den mächtigsten Job der Welt anzustreben, sei eine Form von Hysterie.

Die US-Medien hatten wahre Nervenzusammenbrüche angesichts der arroganten, hoffnungslosen, spaltenden, giftigen und hässlichen Vorstellung, diese Bitch, Kuh, Hure, kurz: dieses Monster könnte werden, was Herr Obama werden will. Ödipus lässt sich mit Händen greifen. Wahrhaft camp ist vor allem der Terror all dieser verunsicherten möglichen Kommentatoren, die unwillkürlich ihre Beine übereinanderschlagen, sobald Hillary auf dem Bildschirm erscheint. Engländer und Deutsche können sich einer Frau unterordnen, ohne dabei ihre Eier zu verlieren, amerikanische Journalisten anscheinend nicht.

Starke Frauen existieren in Amerika nun mal nur als Kleinholz in Arthur Millers Theaterstücken. Und so wurden sie schwachen Frauen in den Hollywood-Melodramen der Vierzigerjahre verkauft: als Diven wie Joan, Bette und Katherine. Wenn Hillary die alten Stars manchmal ein wenig in sich hervorholt, dann, weil sie das Bild einer starken Frau in einer Männerwelt braucht und die amerikanische Geschichte nicht viel bietet, außer Eleanor Roosevelt, womit sie arbeiten könne. Der hübsche, halb weiß/halb schwarze, aber durch und durch männliche Obama kann sich dagegen seine Legitimation von Martin Luther King und von JFK besorgen, wenn er will, sogar zurückgehen bis Abraham Lincoln.

Hillary steht der Gay Community viel näher als Obama, doch ausgenommen von der Unterstützung durch (den Briten) Elton John wird sie von den meisten amerikanischen Schwulen verachtet und die meisten schwulen Blogs tanzen ihr auf dem Kopf herum. Herr O. hingegen ziert sich, sich von der schwulen Presse interviewen zu lassen. Seine christlichen Wurzeln, seine Unbestimmtheit in allen schwulen Fragen hindern ihn nicht daran, der schwulere Kandidat zu sein, nur weil er neuer ist, besser aussieht, sich gut anzieht, cool wirkt und ein Mann ist.

Wenn camp Stil über Substanz bedeutet, dann ist der telegene Obama sicher viel camper als Hillary und auch viel mehr Diva. Und die männlichen Diven sind es, vor denen man sich in der Politik hüten sollte. Wir in England erholen uns noch immer von unserem christlichen Popstar-Politiker, diesem netten Herrn Blair, der uns mit seinem Drag-Queen-Lächeln in einen desaströsen Krieg hineinzog.



Kalifornien ist nicht Utah

Homorechte sind niemals sicher. Das ist die Erkenntnis des politischen Erdbebens in Kalifornien, das bis gestern noch als liberal galt.
Kalifornien: Erstmals Homo-Ehe wieder abgeschafft

In den vergangenen Monaten haben rund 20.000 Homo-Paare in Kalifornien geheiratet - damit ist jetzt dank Volkes Wille Schluss.
Sieg für Obama - Niederlage für Homo-Ehe

Um 5:00 Uhr deutscher Zeit verkündete CNN, dass Barack Obama neuer US-Präsident ist. Auch Schwule und Lesben setzen große Hoffnungen auf den Demokraten. Dagegen gab es bei vier Homo-Referenden vier Niederlagen - die schmerzhafteste in Kalifornien: Dort wurde (mit großer Wahrscheinlichkeit) die Homo-Ehe abgeschafft.
#1 CeeGeeAnonym
#2 hwAnonym
  • 19.05.2008, 19:57h
  • "...von unserem christlichen Popstar-Politiker..."

    ..ist ja nett gemacht. aber mit "new labour" oder
    "schroeder-blair-papier" ist es weniger campig,
    hat mehr substanz, womit's denn auch mit der
    erholung und der zu vermeidenden wiederholung
    besser klappt.

    wo konservative zur modernen maskerade greifen,
    um mittiger zu erscheinen, greifen die klassischen emporkömmlinge, zur alten nummer:
    links blinken, rechts fahren !

    von allen campereien mal abgesehen, bekam obama
    von den medien fix mitgeteilt, dass er in zukunft
    die erwähnung ökonomischer ursachen für angst, frust, rassismus, in der old working class, zu unterlassen hat.

    für die gibt es ja muttis folgenlose medizin, von der jeanne d'arc der weisen amerikanischen arbeiterklasse.
    mit clintons hilfe, sediert richtung white trash.

    obama wird besser geeignet sein, die wut billiger farbiger auf noch billigere latinos (katholisch)
    ein bißchen im zaun zu halten.

    auch in amerika wird der wert der ware arbeitskraft
    permanent neu verhandelt.

    ohne arbeit, kein leben, auch kein schwules.

    bei google: advocate
    bei advocate: obama
  • Antworten » | Direktlink »
#3 VORHAUT EXEGESEAnonym
  • 21.05.2008, 16:11h
  • Hoffen auf Obama ?

    “Es gibt Juden, die hätten selbst dann vor Obama Angst, wenn er seinen Vorname in Baruch umändern und Bar-Mizwa abhalten würde.” (Jeffrey Goldberg)

    Jeffrey Goldberg ist ein viel beschäftigter jüdischer US-Journalist. Vergangenes Jahr verriss er in der New Republic das Standardwerk zur Israellobby von Mearsheimer und Walt.

    Goldberg tat das Werk damals wie zu erwarten als judenfeindliche Verschwörungstheorie ab. Heute dagegen veröffentlichte Goldberg selbst eine Kolummne in der New York Times, in der er die Israellobby attackiert:

    “Es gibt Juden, die hätten selbst dann vor Obama Angst, wenn er seinen Vorname in Baruch umändern und Bar-Mizwa abhalten würde.”

    “Was jetzt nötig ist, das ist ein radikales Umdenken in der Frage was es bedeutet, pro-Israel zu sein. Barack Obama (…) sollte mit offenen Worten über das ganze Spektrum der Gefahren reden, mit denen Israel sich konfrontiert sieht. Auch über die Gefahren, die Israel sich selbst eingebrockt hat.

    Aber das wird nicht passieren, solange AIPAC (das American-Israel Public Affairs Committee) und die Führung der jüdischen Gemeinschaft in den USA es nicht zulassen.

    (…) diese jüdischen Führer, die in Chicago und New York (…) leben, verabscheuen die Vorstellung, Olmert oder sein Nachfolger könnten eines Tages die arabischen Viertel Jerusalems einem kommenden Staat Palästina abgeben. (…) Sie messen einem Thema eine kosmologische Bedeutung zu: Die heilige Unverhandelbarkeit eines ‘vereinigten’ Jerusalem unter der alleinigen Kontrolle Israels.

    (…) Die wichtigste Vorraussetzung für die Geburt eines Staates Palästina ist die Rücknahme - nicht den Stopp, sondern die Rücknahme - der (jüdischen) Siedlungen im Westjordanland.”

    Mit anderen Worten, Goldberg hofft auf Obama und attackiert nicht nur die Israellobby, sondern auch die religiöse Vorstellung eines expansionistischen Zionismus, der ein biblisches Israel mit möglichst viel Land zum Ziel hat. Und er benennt jene, die ihren jüdischen Mitmenschen in den USA die kritiklose Unterstützung dieser religiösen Bestrebungen abpressen: AIPAC und die Führer der alten, konservativen jüdischen Organisationen.

    www.nytimes.com/2008/05/18/opinion/18goldberg.html?_r=2&page
    wanted=2&sq=goldberg%20lobby&st=nyt&scp=1&oref=slogin&oref=s
    login


    Vor kurzem äußerte sich der ehemalige Präsident der Knesseth, Avraham Burg, in der linksliberalen israelischen Haaretz ähnlich:

    “(Der israelische Spion Jonathan Pollard) und seine Kontaktmänner (in der israelischen Botschaft) lebten und arbeiteten in der zwielichtigen Zone der komplexen Loyalität der in den USA lebenden Juden.

    Sie gingen und gehen immer noch von folgendem Grundsatz aus: Juden überall auf der Welt haben eine doppelte Loyalität. Die Loyalität eines US-amerikanischen Bürgers gegenüber seiner Heimat, und die viel tiefer reichende, national-spirituelle Loyalität gegenüber den Juden und dem Staate Israel.

    Jahrelang hat Israel diese komplizierte Loyalität offiziell gefördert. Israel verwickelte und ließ sich verwickeln, verschwörte und spionierte. AIPAC (das American Israel Public Affairs Committee), die jüdische Lobby in Washington, ist die unverblümteste Institutionalisierung dessen, was an Verrat grenzt und sich zu einem riesigen politischen Oktopus entwickelt, der unzählige Opfer fordert.

    Pollard und seine Kontaktmänner beim Geheimdienst weiteten die Grenzen dieser Lobby über alle Maße aus und alle seine fundamentalistischen Unterstützer verwandelten den Verrat in eine Ideologie.”

    www.haaretz.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=978118
  • Antworten » | Direktlink »
#4 globoProfil
  • 21.05.2008, 22:03hBerlin
  • Offensichtlich haben viele Schwule eine masochistische Ader. Anders kann man auch bei uns das Verhalten von so manchen Schwulen nicht nachvollziehen...
  • Antworten » | Direktlink »
#5 amueAnonym
  • 23.05.2008, 09:38h
  • Hmm, die Kolumne ist zwar nicht schlecht geschrieben, aber doch eher irrelevant. Was hat das, ja, was hat Mark Simpson überhaupt mit uns zu tun? Was qualifiziert ihn, uns über seine Ansichten
    zu informieren? Würde es begrüßen, wenn sich ein Kolumnist fände, der sich zu Themen äußert, die auch für hier lebende Schwule und Lesben interessant sind.
  • Antworten » | Direktlink »