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  • 23. Mai 2008, noch kein Kommentar

Nachdem die britische Band Placebo ihre Meds-Tour abgeschlossen hat, kümmert sich der offen schwule Bassist Stefan Olsdal um sein Nebenprojekt "Hotel Persona", das der Schwede mit seinen spanischen Freunden David Amen und Javier Solo betreibt.

Die Band betreibt einen bunten Mix aus Elektro, Alternative und Pop. Gesungen wird auf Englisch oder Spanisch. Zudem sind mehrere Gastsänger wie Samantha Fox sind auf dem ersten Album "In the Clouds" zu hören, das am 27. Juni in Deutschland erscheinen wird.

Queer.de-Redakteur Dennis Klein sprach mit der Olsdal und Amen.

Man kennt Placebo – die meisten haben aber noch nichts von Hotel Persona gehört. Wer seid Ihr?

Stefan: Wir sind einfach drei Musikfanatiker, die sich seit zehn Jahren aus der Londoner Clubszene kennen. Natürlich ist es schön, dass ich Aufmerksamkeit auf die Band ziehen kann, weil ich eben der Typ von Placebo bin. Das ist doch eine gute Sache.

Wie kam das Projekt zustande?

David: Wir haben oft bei Themenpartys in London für Freunde gespielt. Da ging es um Themen wie "Ende der Welt" und wir haben das musikalisch unterlegt. Den Besuchern haben wir als Souvenir eine CD gegeben. Das hat sich dann einfach so weiterentwickelt.

Youtube | Video 'Apocalypse'

Habt Ihr nicht Angst, einfach im Schatten von Placebo zu stehen?

David: Wir suchen nach unserer eigenen Identität. Was am Ende des Weges rauskommt, wissen wir aber noch nicht. Natürlich wird die Verbindung in jedem Zeitungsartikel erwähnt – mit aller positiven oder negativen Kritik, die damit einhergeht.

Stefan: Als DJs und Remixer haben wir einfach rumgesponnen und viele verschiedene Stile ausprobiert. Natürlich beeinflusst uns auch die Musik von Placebo. Da komme ich schließlich her und ich will mich nicht selbst verleugnen.

Welche anderen Einflüsse hattet Ihr?

Stefan: Ach, das sind sehr viele. Man schreibt ja nicht und denkt, jetzt mache ich einen Song wie Depeche Mode. Man merkt erst beim Einspielen: "Man, das klingt ja wie der oder der". Aber natürlich hat jeder Einflüsse. Man hört Elvis in den Beatles oder Bob Dillon in Lou Reed heraus. Wir leben ja in dieser Welt von Musik, die uns ständig beeinflusst. Bei Null fängt niemand an.

Wie kamt Ihr denn auf den Namen der Band?

David: Der Name kommt von einem Ingmar-Bergman-Film namens "Persona". Den haben wir zusammen angeschaut und dann ist es uns wie Schuppen von den Augen gefallen. Persona symbolisiert das wirkliche Ich, das sich nie verändern kann. Hotel ist der Gegensatz, also etwas Vorübergehendes, denn in einem Hotelzimmer ist ja jeden Tag ein anderer zu Hause. Wir können also vorgeben, was wir wollen – alles ist möglich! Diese zwei Gegensätze wollen wir ausbalancieren.

Auf dem Album gibt es viele Gastsänger wie Samantha Fox. Wie kam das zustande?

Stefan: Das mit Samantha kam auf, weil wir Kinder der 80er Jahre sind. Wir haben sie vergessen und dann den Song "Touch me" wiedergefunden. Den hatten wir dauernd im Ohr. Also haben wir ihn gecovert, haben ihn langsamer gemacht und vom Edelpop-Song etwas in die Gosse gezogen.

David: Dann dachten wir, wir könnten mal Samantha Fox anrufen. Wir wussten überhaupt nicht, ob sie noch singt. Aber ihr hat unsere Version gleich gefallen und dann kam sie ins Studio. Sie ist ja eine interessante Person mit einem komischen Leben: Sie wurde nach ihrer Karriere wiedergeborene Christin, dann Lesbe, die ihre Managerin geheiratet hat. So ein Leben hat nicht jeder.

Stefan: Als sie ins Studio gekommen ist, war es auch sehr lustig. Alle Techniker waren aufgeregt und fragten sich, ob sie noch immer diese herausstechenden Brüste hat. Sie wurden nicht enttäuscht.

Youtube | Song mit Brian Molko: 'Modern Kids'

Mit Miguel Bosé ist ja auch ein spanischer Superstar auf dem Album.

David: Miguel ist jetzt schon eine Legende. Er hat mit Andy Warhol zusammengearbeitet. Er ist sowas wie der spanische David Bowie. Wir hatten ein Liebeslied zwischen zwei Männern angeboten – er hat's gemocht. Das war das Coole an ihm: Es macht ihm nichts aus, ob er über zwei Männer, zwei Frauen oder ein heterosexuelles Paar singt. Ihm ist nur wichtig, dass die Gefühle echt sind.

Stefan: Dann ist ja auch noch Brian Molko (Sänger von Placebo. Red.) mit von der Partie. Zu ihm habe ich natürlich einen guten Draht. Ein Song hat einfach zu ihm gepasst, da ist er auch gleich eingestiegen.

Euer Album erscheint hier im Juni. Sind auch Konzerte in Deutschland geplant?

David: Wir peilen die Zeit zwischen September und Oktober an. Dann kommen die Kids aus den Ferien zurück und sind heiß auf Abwechslung. Da sind wir derzeit noch in Verhandlungen. Gerade haben wir in kleineren Clubs in Spanien getourt.

Jetzt ist ja wieder Grand-Prix-Zeit. Zieht Ihr auch Einflüsse aus dem Eurovision Song Contest in Eure Lieder ein?

Stefan (lacht): Nun ja, ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr an die Sieger der letzten Jahre erinnern. Das ist einfach ein großes Spektakel, bei dem die politischen Punktevergaben wichtiger sind als die Songs. Es ist nichts anderes als "X-Factor" mit Tradition ("X-Factor" ist eine britische Castingshow, Red.). In den 70er Jahren kamen ja noch richtige Stars raus wie Abba. Heute ist das nicht mehr so.

David: Kam da nicht auch Céline Dion her?

Stefan: Das war in den Achtzigern, da ging’s schon bergab. Aber natürlich werde ich wie jedes Jahr wieder vor dem Fernseher sitzen und mir das Ganze ansehen.

Das Album "In the Clouds" erscheint am 27. Juni in Deutschland