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DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger bezog beim 2. Aktionsabend gegen Homophobie im deutschen Fußball eindeutig Stellung gegen Diskriminierung jeder Art.

Von Anne Richter

Manchmal hat der Griff ins Klo auch eine positive Seite: Nicht nur, aber auch Dank der fragwürdigen Ansichten von FC Köln-Trainer Christoph Daum, der Homosexuelle als eine Gefährdung für Kinder und Jugendliche eingeschätzt hatte, konnte sich der 2. Aktionsabend gegen Homophobie im deutschen Fußball einer großen Aufmerksamkeit erfreuen. Nachdem es bei der ersten Veranstaltung im Oktober 2007 in Berlin noch relativ wenig Resonanz gegeben hatte, waren am vergangenen Freitag im Kölner RheinEnergie-Stadion rund 100 Vertreter aus Vereinen, Fanclubs, Politik und Medien vertreten. Gerade letztere waren durch die Statements Daums und die Reaktionen aus der Community für das Thema Homophobie sensibilisiert worden.

Von besonderem Interesse war für alle, wie der "offizielle Fußball", hier in Person des Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Dr. Theo Zwanziger, die Problematik beurteilt. Zwanziger stellte sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion den Fragen des Publikums und der Moderatoren. Dabei bezog er eindeutig Stellung gegen Diskriminierung jeder Art im Fußball: "Fußball diskriminiert nicht, der Ball ist für alle da. In der Satzung des DFB steht schon seit 2000, dass wir uns entschieden gegen Diskriminierung wenden." Gleichzeitig versprach er eine Qualifizierungsoffensive und bat die Anwesenden um Hilfe bei der Umsetzung der kommenden Aufgaben. Zu Daum erklärte Zwanziger, dass sie telefoniert hätten und dass er nach diesem Gespräch dem Trainer keine Diskriminierungsabsicht unterstelle: "Ich kann für Christoph Daum erklären, dass wir in der Betrachtung dieser Dinge keine Meinungsverschiedenheiten haben. Er steht klar zu der Grundposition, die der DFB in seiner Satzung verankert hat." Daum habe sich in dem Gespräch dazu bekannt, dass er verschiedene Dinge vielleicht etwas problematisch verbunden habe.

„Ich will ‚Schwule Sau’ nicht mehr hören!“

Den Aktionsabend hatten die frühere Bundesligaspielerin Tanja Walther, die sich für die European Gay & Lesbian Sport Federation (EGLSF) engagiert, und Come-Together-Cup-Initiator Andreas Stiene organisiert. Neben Zwanziger konnten sie auch Bundestagsmitglied Volker Beck und die stellvertretende Kölner Oberbürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes im Presseraum des Stadions begrüßen. Die Politikerin forderte in ihrem Grußwort in Anlehnung an das diesjährige Motto des Kölner CSD null Toleranz für Intoleranz: "Für Diskriminierung darf es keinen Platz geben!" und "Ich will ‚Schwule Sau’ nicht mehr hören!". Am Ende ihrer Rede lud sie Zwanziger zu den Gay Games 2010 nach Köln ein und überreichte ihm ihren 2010-Sticker als Symbol für die Einladung.

Beck stellte in kurzen Worten die "Erklärung gegen Diskriminierung im Fußball" vor, die schon vor einiger Zeit ausgearbeitet und am Ende der Veranstaltung von weiteren Vereinen unterzeichnet wurde. Die Unterzeichner verpflichten sich darin unter anderem, in ihre Stadion- oder Vereinssatzungen Paragraphen gegen Diskriminierung aufzunehmen und Öffentlichkeitsarbeit zu der Thematik zu betreiben. Bisher haben neben vielen anderen der DFB, die Deutsche Fußball Liga, Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen unterschrieben.

Die wissenschaftlichen Aspekte von Homophobie im Fußball beleuchtete Dr. Tatjana Eggeling in einem Vortrag. Die Ethnologin führte aus, dass im Fußball oft heteronormatives Denken vorherrsche. Als interessante These stellte sie in den Raum, dass es vielleicht im Profifußball weniger Schwule gebe, als im Bevölkerungsdurchschnitt, weil viele talentierte schwule Fußballer vor dem Beginn einer wirklichen Karriere wegen des enormen Drucks aufhören würden.

Das Podium besetzten neben Zwanziger und Eggeling der Ex-Profispieler Yves Eigenrauch, Dagmar Ziege (Gay Games 2010 und Ex-Spielerin), Christian Deker (Queer Football Fanclubs) und Rainer Mendel (Fanbeauftragter des 1. FC Köln). Allen gemeinsam ist, dass sie relativ zuversichtlich in die Zukunft von Schwulen und Lesben im Fußball blicken. Eigenrauch betonte, dass die Gesellschaft sich in einem Prozess des Wandels befinde. Man dürfe nicht zuviel auf einmal erwarten, aber es gehe voran. Deker berichtete von seiner Erfahrung, dass durch persönlichen Kontakt zu den Fans und offenem Umgang mit der Homosexualität viel bewegt werden könne.

Auch Zwanziger stellte in seinen Statements heraus, dass sich schon viel getan habe. Er habe auf Feiern der Frauennationalmannschaft schon erlebt, dass ihm Spielerinnen ganz ungezwungen ihre Lebensgefährtin vorgestellt hätten. Das mochte Ex-Spielerin Ziege nicht glauben und verwies darauf, dass zumindest auf den Homepages der Spielerinnen diese Offenheit noch nicht gegeben sei. Zwanziger stellte heraus, dass der DFB alle Spielerinnen und Spieler bei einem Outing unterstützen würde, dass er aber niemanden dazu zwingen wolle, mit seinem Privatleben an die Öffentlichkeit zu gehen. In seiner Familie sei es auch so, dass seine Frau nicht in der Öffentlichkeit stehen wolle, und das Privatleben eines jeden müsse akzeptiert werden. Wie ernst der DFB mittlerweile die Problematik der Diskriminierung nimmt, zeigt eine andere Äußerung ihres Präsidenten. Er zog die Möglichkeit in Betracht, homophobes Verhalten auch mit einem Eingreifen in den sportlichen Bereich, etwa Punktabzug, zu ahnden.



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#1 KonstantinEhemaliges Profil
  • 26.05.2008, 16:17h
  • Da hat sich Koksdaum ja schön aus der Affaire gezogen - Wie immer!
    Wie kommt es bloß, dass ich grad einen aufkommenden Brechreiz unterdrücken muss?
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#2 Ikaiko
  • 26.05.2008, 16:40h
  • Na ja, Christoph Daum hat selber ja nix gesagt. Theo Zwanziger hat in seinem Namen gesprochen, weil sie "miteinander telefoniert haben".

    Hätte die Koksbirne selber gesprochen, hätte er sich nur wieder tiefer reingeritten. GRINS
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#3 HannibalEhemaliges Profil
  • 26.05.2008, 18:11h
  • Ich würde es durchaus begrüßen, wenn Herr Daum sich für seine Entgleisung entschuldigen würde.
    Auch wenn Herr Zwanziger nun versucht die Sprüche des Koksers schön zu reden, hat sich NIEMAND von der Aussage distanziert, Homosexuelle wären potentielle Kinderschänder!
    EIne Krähe hackt der anderen halt kein Auge aus. Wer weiss was die beiden außer ihrer Affinität zum Fußball sonst noch alles teilen? *schnief*
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#4 Tim_ChrisProfil
  • 26.05.2008, 18:50hBremen
  • Antwort auf #1 von Konstantin
  • Da geht es nicht nur dir so.

    Ist ja okay, wenn man sich mal falsch ausdrückt, kann jedem mal passieren. Und natürlich sollte man sich dann auch dafür entschuldigen.
    Aber sorry, in diesem Kontext, wie Daum seine Meinung zu Homosexualität im Fußball und dem Schutz der Kinder rüber brachte war das eben NICHT nur einfach blöde ausgedrückt, weil zwischen dem einen und dem anderen nämlich überhaupt kein Zusammenhang besteht.
    Aber erst mal Mittwoch abwarten, wenn die Doku ausgestrahlt wird. Was er denn wirklich wie und in welchem Kontext gesagt hat.
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#5 HugoAnonym
#6 gerdAnonym
  • 27.05.2008, 06:33h
  • Dann entschuldigt sich Herr Zwanziger jetzt im Namen von Christoph Daum. Das ist zwar sehr löblich von Herrn Zwanziger und da bewerte ich dann Herrn Zwanziger auch sehr positiv.

    Das Herr Daum dies aber nicht selbst mit eigenen Worten in der Presse schafft, ist dann schon sehr schwach für Herrn Daum. Da muss also Herr Zwanziger den Dreck aufwischen, den Herr Daum da verbal ausgekotzt hat.

    Daher ein Lob hier an den DFB und Herrn Zwanziger. Eine reine Weste bescheinige ich Herrn Daum aber damit "noch lange nicht" in diesem Thema.
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#7 Tim_ChrisProfil
  • 27.05.2008, 07:06hBremen
  • Antwort auf #5 von Hugo
  • Na, ob wirklich "nichts" bei rauskommt bleibt abzuwarten. Zumindest wird diskutiert und das Problem beim Namen genannt.

    Einerseits gäbe es für die Spieler wohl keinen besseren Augenblick als den jetzigen, endlich aus ihren Verstecken zu kommen und in einem großen Gemeinschaftsouting zu sagen: "Wir spielen für euch in der Bundesliga, haben für euch in der WM gespielt und ja, wir sind schwul." Den Leuten genau jetzt zu zeigen, das Zwanziger recht hat, dass sie gar nicht anders sind als ihre Kollegen, genauso gut spielen können und es überhaupt keinen Grund für irgendwelche Ängste gibt.

    Aber...
    Wir dürfen andererseits ein großes Problem dabei auch nicht vergessen.

    Diese Spieler sind "Weltwaren". Sie spielen nicht nur hier in Deutschland, sondern für immens hohe Ablösen auch für alle möglichen Vereine weltweit. Es nutzt also nichts, wenn nur die Homophobie in Deutschland "besiegt" würde. Das muss viel weiter gehen, denn weltweit würden diese Spieler nach wie vor extremem Druck und Anfeindungen ausgesetzt sein, und ihnen würden gerade wegen ihrer Homosexualität die Chancen auf hohe Gehälter entgehen, die sie ungeoutet von ausländischen Vereinen kassieren könnten.
    Und wo Geld regiert, es gar um Millionenbeträge geht...
    Selbst wenn sie also hier auf Verständnis und Akzeptanz stoßen, weltweit wird das eben nicht so sein. Noch nicht mal europaweit.
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#8 Jensetz
  • 04.06.2008, 09:27h
  • Der DFB, hier in Person von Dr. Theo Zwanziger, haben sich gut verhalten.

    Nur Christoph Daum sollte sich entschuldigen! Homosexuelle sind genau oft in Pädophilie verwickelt, wie Heterosexuelle!

    Seit wann fällt es unter Jugendschutz, wenn mann hetero-Pädophile anders behandelt als homo-Pädophile?? Beides fällt unter "the worst case" und muss mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden, wenn es aufgeklärt ist!

    Der Fehler liegt bei Christoph Daum, nicht bei Theo Zwanziger! Ich finde die Reaktion von Zwanziger zwar sehr gut, aber ich finde, dass nicht er für Daum sprechen sollte, sondern Daum selbst eine Entschuldigung vorbringen muss.

    Im Nachhinein ein Lob auf Uli Hoeneß (auch wenn er selbst nicht wesentlich besser ist): Zum Glück wurde Daum kein Bundestrainer!
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