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Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat küssende Männer auf Einladungen verboten.

Von Dennis Klein

Das Homo-Mahnmal ist zwar am Dienstag vor hunderten Gästen und Journalisten feierlich eingeweiht worden. Der ewige Streit um das Kunstwerk hält aber an. So berichtet der Künstler Michael Elmgreen in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau", dass der verantwortliche Kulturstaatsminister Neumann bei den Einladungen zu der Ausstellung offenbar aus Homophobie keine küssenden Männer zeigen wollte.

"Wir wollten auf der Einladungskarte gern ein Standfoto aus dem Videoclip der küssenden Männer zeigen, der innerhalb der Denkmal-Stele zu sehen sein wird", erklärte Elmgreen. "Aber zwei küssende Männer - das war zu viel für den Kulturstaatsminister. Einerseits beweist uns das, dass das Konzept des Mahnmals funktioniert. Andererseits ist die Verbannung dieses Bildes symptomatisch für den halbherzigen Umgang vieler Offizieller mit dem Homomahnmal."

Kritik an Rede von CDU-Minister

Unter den Nazis sei man für so einen Kuss ins KZ gekommen und heute akzeptierten zwar viele Leute Homosexuelle, aber sie wollten sie nicht sehen, so Elmgreens Kritik an dem CDU-Politiker. Der Künstler bemängelte auch, dass Neumann bei der Eröffnung des Kunstwerkes spricht, obwohl "die Christdemokraten immer wieder gegen die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben votiert" hätten. "Und sie haben 2003 im Bundestag auch gegen dieses Mahnmal, ein rot-grünes Projekt, gestimmt."
Gegenüber der Zeitung "Die Welt" begründete ein Sprecher des Kulturstaatsministeriums das Kuss-Verbot damit, dass die Geschlechterparität nicht gewahrt sei. Da es noch keinen Film über küssende Frauen gebe, könnte dieses Bild nicht auf den Einladungen erscheinen.

Elmgreen hatte zusammen mit seinem Partner Ingar Dragset Anfang 2006 den Wettbewerb um das Homo-Mahnmal gewonnen (queer.de berichtete). Das Denkmal soll an die von den Nationalsozialisten ermordeten Homosexuellen erinnern und befindet sich in der Nähe von Peter Eisenmans Holocaust-Denkmal. Es ist auch auf Stelen aufgebaut, die schräg emporragen und zusammenstehen wie in einer Art Haus. Durch ein schräg eingeschnittenes Loch kann man dort hineinblicken und sieht ein projiziertes Schwarzweiß-Filmbild einer Kuss-Szene zwischen zwei Männern.

Wenige Monate nach der Auswahl des Elmgreen-Dragset-Entwurfs ist ein erbitterter Streit ausgebrochen. So haben Lesben- und Frauenverbände mokiert, dass die Kussszene zwischen Männern das Leid von weiblichen Homosexuellen ausblende. Die Zeitschrift "Emma" startete deshalb eine Kampagne gegen das Mahnmal. Zuletzt einigte man sich darauf, alle zwei Jahre das Bild auszuwechseln (queer.de berichtete). Verschiedene Künstler könnten ihre Interpretation eines gleichgeschlechtlichen Kusses präsentieren, so die von Elmgreen und Dragset entwickelte Kompromissformel.

Mahmal zeugt von „Lernfähigkeit unserer Gesellschaft“

Trotz des Streits sehen Homo-Aktivisten das Denkmal als wichtigen Schritt in der Aufarbeitung des NS-Unrechts an Schwulen und Lesben. Es zeuge von "der Lernfähigkeit unserer Gesellschaft und unseres Staates", erklärte Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion. Ich wünsche mir, dass das Denkmal auch ein Stein des Anstoßes für ausländische Staatsgäste sein wird." Weil in über 80 Ländern Homosexualität nach wie vor verboten sei, wäre es begrüßenswert, "das Denkmal zum festen Bestandteil des Besuchsprogrammes von ausländischen Delegationen" zu machen.

Die Nationalsozialisten haben zehntausende Menschen wegen deren Homosexualität in Konzentrationslagern ermordet. Der vom NS-Regime verschärfte Schwulenparagraf 175 war in dieser Form noch bis Ende der 60er Jahre gültig. Erst 1994 wurde er vollständig abgeschafft. Das Denkmal soll laut Beschluss des Bundestages von 2003 die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wachhalten sowie ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen.



Berlin: Kranzniederlegung für homosexuelle Nazi-Opfer

Der LSVD und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas laden am 27. Januar zu einer Gedenkfeier am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin-Tiergarten ein.

50 Kommentare

#1 CarstenFfm
  • 27.05.2008, 14:08h
  • Nach dem albernen Streit den EMMA damals angezettelt hat, weil das Denkmal küssende Männer zeigt, passt es ja in Bild, dass der Minister sich daran stört küssende Männer auf die Einladung zu drucken.

    Aber da hat der Künstler recht, wenn er sagt, dass damit das Denkmal seinen Zweck erfüllt. Gut dass es endlich da ist.
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#2 gerdAnonym
  • 27.05.2008, 14:23h
  • Also das muss man akzeptieren, wenn die Einladungskarten neutral gestaltet werden, wenn noch kein Video und keine Bilder zu einem Lesbenpaar vorhanden sind. Der nächste Artikel von EMMA wäre sonst vorprogrammiert. Da hat Herr Naumann Recht, wenn die Einladungskarte dann neutral ausfällt. Aber ist doch auch "egal", wie die Einladungskarten aussahen.

    Viel wichtiger ist, dass das Denkmal endlich in Berlin an zentraler Stelle eingeweiht wurde. Das ist sehr positiv und die Lage des Denkmals ist perfekt gewählt.

    Traurig ist nur, dass es so lange gedauert hat, bis endlich ein solches Denkmal in Berlin entsteht. Aber nun ist es endlich vollbracht.

    Die einzige Befürchtung, die ich habe: wie lange wird es dauern, bis das erste Mal das Denkmal beschmiert wird.
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#3 KonstantinEhemaliges Profil
  • 27.05.2008, 14:33h
  • Antwort auf #1 von CarstenFfm
  • "dass der Minister sich daran stört küssende Männer auf die Einladung zu drucken."

    Gegen zwei küssende Lesben hätte er sicher nichts gesagt, sondern die Einladung schnell mal mit aufs Klo genommen!
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#4 AntichristProfil
  • 27.05.2008, 14:44hHH
  • Antwort auf #1 von CarstenFfm
  • @CarstenFfm: Vermutlich hätte Neumann weniger Probleme damit gehabt, wenn man auf den Einladungen küssende Frauen hätte abbilden wollen. Ist ja bekannt, das sich Hetenmänner an Lesbensex selbst wenn nur angedeutet aufgeilen.

    @gerd: "Die einzige Befürchtung, die ich habe: wie lange wird es dauern, bis das erste Mal das Denkmal beschmiert wird."
    Vermutlich nicht lange, fürchte ich.

    Aber wo wir nun das Mahnmal haben, wie ist das jetzt mit der Entschädigung schwuler Holocaust-Opfer? Ist sie beschlossen, kommt sie noch und wenn ja, wann? Oder ist die endlich da? Bin da nicht auf dem aktuellen Stand. Man möge mir dies verzeihen.
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#5 AntichristProfil
#6 unbequemerAnonym
  • 27.05.2008, 15:22h
  • Antwort auf #2 von gerd
  • Hm, dagegen gibt es mittel, so zum beispiel einen oberflächenschutz, der graffittis beim nächsten regen einfach abperlen lässt.

    ausserdem - beim holocaustmahnmal gab es bis heute keine einzige schmiererei, zumindest ist mir derartiges nicht bekannt.
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#7 unbequemerAnonym
#8 DirkAnonym
#9 alexander
  • 27.05.2008, 16:05h
  • hat berlin doch wieder "schilda" überrundet !
    wer wurde nun eigentlich massiv verfolgt, schwule oder lesben ?
    dann muss ausgerechnet ein cdu-heini die eröffnungsrede halten, der die geschlechterparität wahren muss, brüll.............
    nun ist das von emma geforderte filmchen schuld ?

    die peinlichkeiten in der hauptstadt reissen nicht ab.
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#10 Ulli_2mecsProfil
  • 27.05.2008, 16:53hHamburg
  • neumann wirkte auch heute bei der eröffnung etwas "gestelzt" - auch wenn er wohl niht umhin kam, für die medien auch die kuß-szene im denkmal anzuschauen.

    bericht und fotos von der einweihung auch hier:

    www.ondamaris.de/?p=1700
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