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Jürgen Domian (50) ist ein Mann mit verborgenen Talenten. Er ist nicht nur der einfühlsame Moderator, der seit 15 Jahren mit seinen Anrufern im WDR-Fernsehen und bei 1Live im Radio über die schwierigsten Probleme spricht. Er ist auch ein Schriftsteller. Sein Debütroman, "Der Tag, an dem die Sonne verschwand" ist seit wenigen Monaten auf dem Markt und überaus erfolgreich. queer.de-Redakteur Christian Scheuß hat den Nachttalker angerufen, damit der auch mal sein Herz ausschütten konnte. Das komplette Interview im O-Ton findest Du am Ende des Textes.

"Der Tag, an dem die Sonne verschwand", das ist ein Romantitel, der ziemlich gut zu Deinem Label als Nachttalker passt, oder?

Ja.

War das Kalkül des Verlags oder Deine Idee?

Nein, die Grundidee zu diesem Buch ist 18, 19 Jahre alt. Ich habe immer sehr gerne geschrieben, allerdings immer nur so für mich, hauptsächlich Lyrik und Kurzgeschichten. Es gibt eine Kurzgeschichte, die 18 Jahre alt ist, die ich als Exposé für den Roman genommen habe. Darin ist schon die Struktur niedergelegt, die im Roman verwirklicht wurde. Und es ist einfach ein kurioser Zufall, dass ich nun ein Nachtmensch bin.

Es sind bislang drei Bücher erschienen, in denen es aber immer um Deine Arbeit und die Schicksale der Anrufer aus Deiner Talkshow ging. Wie ist es nun dazu gekommen, dass Du Deine alte Geschichte noch einmal aufgegriffen und nun etwas Literarisches veröffentlicht hast?

Ich hatte schon einige Jahre lang den Traum, mich an etwas Größeres zu wagen. Ich hatte aber immer Respekt vor der vielen Arbeit. Vielleicht war es auch eine gewisse Trägheit. Seit ein paar Jahren ist mir klar, das ich in einem Alter bin, wo man keine Träume mehr vor sich hinschieben darf. Und deswegen habe ich 2003 damit angefangen und mir gedacht, ich versuche es jetzt einfach.

Dein Name wird sicherlich geholfen haben, einen Verlag zu finden?

Ja und Nein. Ja, da sich die Türen schon etwas geöffnet haben. Es gibt so viele Menschen, die schreiben, die Verlage werden mit Manuskripten zugeschüttet, darunter sicherlich auch viele gute Texte. Aber nein, weil das niemand von mir erwartet hatte. Hätte ich ein weiteres Sachbuch gemacht oder einen Lebensratgeber, hätte es sofort geklappt. Aber so war es am Anfang schwierig, bis ich mit dem Wilhelm Heyne Verlag jemanden gefunden hatte, der das Experiment mit mir wagen wollte.

Im Roman geht es um Lorenz, einen Mann, der entdeckt, dass er plötzlich der letzte Mensch auf Erden zu sein scheint. Was sind die großen Themen in der Geschichte?

Das Grundszenario ist ja sehr bedrückend und finster. Aber es ist kein pessimistisches, sondern ein sehr lebensbejahendes optimistisches Buch. Die Hauptthemen, mit denen ich mich beschäftigen wollte waren Schuld, Vergänglichkeit, Tod und die Frage: Wie lebt man richtig? Das ist eine Frage, die sehr relevant ist für mein Leben. Damit werde ich auch jede Nacht bei meiner Arbeit konfrontiert. Daher erschien mir das Konstrukt, dass ein Mensch so unbedingt, einsam und radikal auf sich zurückgeworfen ist in so einer Situation, am passendsten.

Inwieweit hast Du denn für Dich beim Schreiben Dein Leben reflektiert, was zum Beispiel Einsamkeit oder Lebensziele angeht?

Ich habe in meinem Leben freiwillig und unfreiwillig schon sehr viel Einsamkeit erlebt. Das ist natürlich mit eingeflossen. Wie das im Detail aussieht, das kann ich Dir gar nicht so sagen. Dazu müsste ich mich auf die Psychoanalyse-Couch legen.

Ein großes wichtiges Thema ist für Dich die Nacht. In Deiner Arbeit als mittlerweile dienstältester Nachttalker, und jetzt auch in Deinem Roman. Was bedeutet die Nacht für Dich?

Die Nacht hat immer eine Faszination auf mich ausgeübt. Als ich angefangen habe, mich für Literatur zu interessieren, war eines meiner ersten Bücher "Hymnen an die Nacht" von Novalis. Die Nacht ist schon etwas wunderbares, gleichermaßen auch etwas Beängstigendes. Es ist immer ambivalent. Ich reise zum Beispiel oft nach Lappland. Und wer einmal den Polarhimmel im Winter gesehen hat, der wird ein Leben lang beeindruckt davon sein. Polarlichter flimmern über das Schwarz, das ist schon sehr faszinierend. Zugleich kann die Nacht aber auch als Synonym für absolute Einsamkeit stehen.

Die nächsten Lesungen mit Jürgen Domian:
So, 01.06., 20:00, Köln, Alter Wartesaal im Rahmen des Sommerblut-Kulturfestivals
Mo, 09.06., 19:00, Mülheim, Kloster Saarn
So, 12.10., 19:30 Uhr, Herdecke, Zweibrücker Hof