Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?8855

Barack Obama hat sich zum Sieger der Vorwahlen erklärt – Homo-Gruppen wollen ihm im Weißen Haus sehen und rufen zum Kampf gegen den republikanischen Widersacher John McCain auf.

Von Dennis Klein

Offiziell gibt sich Hillary Clinton zwar noch nicht geschlagen, aber Barack Obama liegt nach den Vorwahlen in South Dakota und Montana uneinholbar in Führung. Wenn nicht noch eine ganz große Katastrophe passiert, ist er im November der Gegner des republikanischen Bewerbers John McCain, der bereits vor Wochen die Vorwahlen seiner Partei gewonnen hatte.

Die meisten Schwulen und Lesben hatten in den Vorwahlen eigentlich Clinton unterstützt. Die 60-jährige Senatorin ist vor allem als starke Frau hinter ihrem skandalumwitterten Mann in Erinnerung geblieben, der als Präsident ab 1993 die Reagan/Bush-Zeit (vorläufig) beendete und offen auf Schwule und Lesben zuging. Obama war dagegen vor allem wegen seiner Nähe zu umstrittenen religiösen Figuren, die angeben, Homosexualität "heilen" zu können (queer.de berichtete).

In ihrem Programm unterscheiden sich die beiden Politiker so gut wie gar nicht: Beide lehnen die Öffnung der Ehe ab, sprechen sich aber für Eingetragene Partnerschaften aus. Beide sind für umfassende Antidiskriminierungsgesetze und wollen, dass Homosexuelle offen im US-Militär dienen dürfen.

Obama braucht Clinton

Clinton wird nicht von der Bildfläche verschwinden: Sie gehört zu den mächtigsten Demokraten und wird in den nächsten Jahren sicher eine Rolle spielen. Obama braucht sie ohnehin: Im Kampf gegen McCain muss er auch die Clinton-Anhänger überzeugen, die ihn im Vorwahlkampf bekämpft hatten. Insbesondere weiße Arbeiter – der traditionellen demokratischen Wählerschicht – ist der schwarze Intellektuelle suspekt. Diese befinden sich zudem noch in umkämpften Staaten, die wegen des komplizierten Wahlrechts besonders wichtig sind. Als starke Frau im Senat oder gar als Vizepräsidentschaftskandidatin würde Clinton Obama Stimmen einbringen. Ob er seine ambitionierte Konkurrentin allerdings zum Vize machen will, bleibt noch offen.

Auch schwule Wähler würden mit Clinton auf dem Wahlzettel eher angesprochen werden, halten doch einige den sanft sprechenden McCain für das kleinere Übel nach dem als zu religiös empfundenen Obama. Allerdings hat McCain in Sachen Homo-Rechte nur wenig getan. Der 71-jährige Senator hat in vielen Reformfragen wie einer Neuregelung der Wahlkampffinanzierung offen mit den Demokraten paktiert und sich so viel Ansehen erworben hat. Auch bei der von Präsident George W. Bush angestrebten Verfassungsänderung, die die Homo-Ehe verbieten sollte, galt er als entschiedener Gegner. Das war’s aber auch schon.

Größte Homo-Gruppe warnt vor McCain

Die größte amerikanische Homo-Gruppe warnt deshalb bereits: "Wir haben beobachtet, wie Präsident Bush in den vergangenen sieben Jahren wiederholt mit Ultrakonservativen und der religiösen Rechten gemeinsame Sache gemacht hat – auf Kosten der homo-, bi- und transsexuellen Amerikaner. Wenn man sich McCains Abstimmungsverhalten anschaut, würde er diesen Pakt weitere vier Jahre fortschreiben", so David Smith, Vize-Chef der Human Rights Campaign. Der damalige texanische Gouverneur Bush war 2000 als "mitfühlender Konservativer" angetreten und hatte so auch Schwule und Lesben erreicht. Das Adjektiv "mitfühlend" wird allerdings schon seit Jahren nicht mehr verwendet - auch nicht von Republikanern. Die Human Rights Campaign zieht Parallelen zwischen Bush und McCain: "Ähnlich wie Bush, spricht sich McCain gegen gleiche Rechte für Homo-Paare aus; gegen ein Antidiskriminierungsgesetz am Arbeitsplatz; gegen die Aufnahme von sexueller Ausrichtung und Geschlechtsidentität im Gesetz gegen Hassvergehen. Außerdem unterstützt er die diskriminierende Regelung ‚Don’t ask, don’t tell’ im Militär". Außerdem hat McCain aktiv die Wahl von homophoben Bundesrichtern unterstützt und spricht sich für ein Einreiseverbot von ausländischen HIV-Positiven aus.

Auch die Gegnerschaft des "Marriage Amendment" ist nicht wirklich überzeugend. Immerhin hat sich McCain erst vor wenigen Jahren in seinem Heimatstaat Arizona für ein verfassungsmäßiges Verbot der Homo-Ehe ausgesprochen und dafür sogar Fernsehwerbung gemacht. Er spricht sich als Föderaler nur gegen eine bundesweite Regelung aus, erklärte er galant. Mit dieser Doppelzüngigkeit will er offenkundig konservative Wähler erreichen, die ihn oft als zu links ansehen, aber gleichzeitig auch als moderner Politiker gelten, der sich für Minderheiten einsetzt.

Jetzt haben beide Kontrahenten fünf Monate lang Zeit, die Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Die meisten Homo-Gruppen – natürlich mit Ausnahme der schwul-lesbischen Log Cabin Republicans – wollen dabei Obama unterstützen. Am 4. November werden dann Millionen US-Bürger über das Schicksal der nächsten vier Jahre entscheiden.



Kalifornien ist nicht Utah

Homorechte sind niemals sicher. Das ist die Erkenntnis des politischen Erdbebens in Kalifornien, das bis gestern noch als liberal galt.
Kalifornien: Erstmals Homo-Ehe wieder abgeschafft

In den vergangenen Monaten haben rund 20.000 Homo-Paare in Kalifornien geheiratet - damit ist jetzt dank Volkes Wille Schluss.
Sieg für Obama - Niederlage für Homo-Ehe

Um 5:00 Uhr deutscher Zeit verkündete CNN, dass Barack Obama neuer US-Präsident ist. Auch Schwule und Lesben setzen große Hoffnungen auf den Demokraten. Dagegen gab es bei vier Homo-Referenden vier Niederlagen - die schmerzhafteste in Kalifornien: Dort wurde (mit großer Wahrscheinlichkeit) die Homo-Ehe abgeschafft.

32 Kommentare

#1 gerdAnonym
  • 04.06.2008, 17:31h
  • Ein sehr gut geschriebener Artikel und sehr gut analysiert. Ich stimme der Darstellung im Artikel zur homopolitischen Grosswetterlage in den USA vollkommen zu.

    Insgesamt dürfte es von Vorteil sein, wenn Obama und die Demokraten im Weissen Haus regieren. Wenn McCain gewinnt, so ist dieser zwar nicht "ganz so schlimm", wie der Bush-Clan aus Texas; aber unter den Demokraten dürfte die "Don't ask, don't tell" Regel im Militär fallen und weitere Bundesstaaten in den USA (Maryland, New York, Illinois, ...) hätten eher die Kraft die Eingetragene Partnerschaft einzuführen, wenn sie auf Bundesebene Rückendeckung haben. Von zentraler Bedeutung aber dürfte aus homopolitischer Sicht in den USA sein, wie das Referendum in Kalifornien endet. Vielleicht noch wichtiger für homosexuelle Paare in den USA als die Frage, ob McCain oder Obama gewinnt.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 mr1001nightsAnonym
#3 hwAnonym
#4 SaschaEhemaliges Profil
  • 04.06.2008, 23:04h
  • Es mag zwar sein, dass Barack Obama aus rein politischen Erwägungen auch immer einen "guten Draht" zur so genannten "Faith Community" in den USA gesucht hat. Spätestens vor einigen Wochen hat er aber sein wirkliches Verhältnis zur Religion offenbart, als er im Vorwahlkampf in Pennsylvania sinngemäß sagte: "Wenn die Menschen verbittert sind über die wirtschaftlichen und sozialen Probleme, dann wenden sie sich den Schusswaffen und der Religion zu."

    Freilich versuchten seine politischen Gegner umgehend, aus dieser Aussage Kapital zu schlagen, und Obama relativierte seine Aussage zumindest graduell, aber für mich hat er damit endgültig bewiesen, dass er einer der intelligentesten Präsidentschaftsanwärter ist, die die USA jemals gesehen haben. Einer, der wirklich Veränderung bringen will und der sich zumindest rhetorisch und in seiner wirtschafts- und sozialpolitischen Programmatik deutlich weiter links positioniert hat, als es eine vom großen Kapital gleichgeschaltete deutsche SPD und deren Spitzenpolitiker im Jahre 2008 jemals wagen würden.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Tim_ChrisProfil
  • 05.06.2008, 20:43hBremen
  • Antwort auf #4 von Sascha
  • "dass er einer der intelligentesten Präsidentschaftsanwärter ist, die die USA jemals gesehen haben. Einer, der wirklich Veränderung bringen will"

    Nur, wollen die Amis das denn überhaupt? Und wenn ja, werden sie es trotz Wahlbeteiligung auch tatsächlich bekommen? Es konnte zwar bisher nicht bewiesen werden, aber ich bin immer noch fest davon überzeugt, dass Bushs Erst- und auch Wiederwahl bereits getürkt war. Der eigentliche Verlierer wurde zum Gewinner erklärt, der sich als Sieger fühlen konnte und doch von seinem Volk ausgebuht wurde.
    Eine tatsächliche Veränderung und/oder ein Umdenken in den USA glaube ich erst, wenn es auch wirklich geschieht und sichtbar ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 SaschaEhemaliges Profil
  • 06.06.2008, 21:56h
  • Antwort auf #5 von Tim_Chris
  • Was uns optimistisch stimmen sollte, ist die Tatsache, dass Barack Obama mit seiner Botschaft des Wandels und - das muss in einem immer noch stark rassistisch geprägten Land leider betont werden - als erster schwarzer Politiker überhaupt so weit gekommen ist.

    Selten zuvor in der US-Geschichte war die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung und der politischen wie gesellschaftlichen Situation insgesamt so überwältigend groß wie seit 2006. Das Wahlprogramm von Barack Obama und den Demokraten einschließlich der verwendeten Rhetorik tragen dem dringenden Wunsch nach sozialem Fortschritt sehr sichtbar Rechnung. Eine Partei wie die SPD hat jedenfalls hierzulande bisher nicht ansatzweise so klare Worte mit Blick auf die soziale Spaltung unserer Gesellschaft gefunden und auch keine derart unmissverständlichen politischen Maßnahmen formuliert (z.B. das klare Bekenntnis zu höheren Steuern für alle, die mehr als etwa 100.000 Euro im Jahr verdienen).

    Hoffnungsvoll stimmen auch Einschätzungen der politischen und gesellschaftlichen Lage in den USA wie diejenige des renommierten Ökonomen Paul Krugman:

    www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,554651,00.
    html


    Da wird einem zudem einmal mehr bewusst, dass die neoliberale Propaganda im Jahr 2008 kaum in einem anderen Land noch so stark ist wie in Deutschland.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 stromboliProfil
  • 07.06.2008, 08:39hberlin
  • offen gestanden: so recht wohl ist mir bei diesen herrn nicht!
    Schon die tatsache seiner nähe zur religion (spez. die zu rev.wright und dessen "kirche") , aber auch die unspezifische aussage des wechsels politischer inhalte ist eher dem amerikanischen politzirkus geschuldet, den dem einer inhaltlichen reform.
    Aber richtig: wir wählen lieber das kleinere übel!
  • Antworten » | Direktlink »
#9 KritikerAnonym
#10 KritikerAnonym