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  • 05. Juni 2008, noch kein Kommentar

Was passiert, wenn eine Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird? Der Publikumsgewinner des Verzaubert Filmfestivals 2008 gibt Antworten.

Von Carsten Weidemann

Gibt es für Beziehungen Regeln, die unumstößlich sind? Was geschieht, wenn man sich Wünschen und Begehren stellen muss, Ängste nicht verstecken kann? Wenn Freundschaften auf eine Probe gestellt werden? Um solche Fragen kreist Saturno contro – der "gegenläufige Saturn" –, der leichthändig erzählte und mit viel Humor gespickte neue Film von Ferzan Ozpetek. Wie bereits in "HAMAM – Das türkische Bad" oder "Die Ahnungslosen", mit denen Ozpetek hierzulande bekannt wurde, versammelt der Regisseur auch hier wieder ein herausragendes Schauspielerensemble.

Wir sind in Rom. Eine Clique von Freunden, ein schräger Haufen, bestehend aus dem schwulen Traumpaar Lorenzo und Davide, einer astrologiebesessene Kokserin, Antonio und Angelica, deren Ehe auf der Kippe steht, der mit einer extrem spitzen Zunge ausgestattete Neval und einem treuherzigen Autoren-Groupie, trifft sich zu einem gemeinsamen Abendessen. Die meisten von ihnen kennen sich schon ewig. Die Stimmung ist ausgelassen. Es wird getanzt, gelacht und viel geredet...

Doch der gesellige Abend steht unter keinem guten Stern – denn plötzlich bricht Lorenzo, der junge Liebhaber von Davide, zusammen. Einfach so. Alle stehen unter Schock und die Sorge um Lorenzo stellt die Freunde auf eine harte Probe: Wertvorstellungen geraten ins Wanken, Fassaden beginnen zu bröckeln, eine heimliche Affäre kommt ans Tageslicht und Lebenslügen werden entlarvt. Die Stärken und Schwächen der einzelnen Charaktere treten jetzt ganz deutlich zutage.

Saturno contro erzählt eine atmosphärisch äußerst dichte, zutiefst bewegende Geschichte, die von einer brillant geführten Kamera eingefangen wird. Die Charaktere sind bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt – allen voran Pierfrancesco Favino als Davide, dem schwulen Hünen mit erotischem Kummerblick. Was Saturno contro auszeichnet, ist der Optimismus, der trotz der großen Tragödie um Lorenzo als Grundmotiv in fast allen Szenen mitschwingt. Entgegen jeder Gewohnheit beginnen die Männer, sich zu öffnen und ihre Gefühle in Worte zu fassen, während die Frauen ihr Innerstes geschickt zu verbergen suchen. Hieraus entstehen höchst ungewöhnliche, gerade darum aber umso interessantere Konstellationen.

Selbst für Lorenzos konservativen Vater, der seinen schwulen Sohn einst verstieß, bietet dessen tragisches Los die lang ersehnte Chance, menschliche Größe zu zeigen und mit seinem Sohn – und vor allem mit sich selbst – Frieden zu schließen. Saturno contro ist ein ausgesprochen feinfühliger Film, ein Plädoyer für die wahre Freundschaft, der es versteht, Mut zu machen und auch – oder gerade – Zeiten großer Trauer als Chance für ein optimistisches ‚Weiterleben danach’ zu begreifen.