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Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum zeigt 70 Gemälde des schwulen Künstlers Hans von Marées.

Von Carsten Weidemann

Hans von Marées ist einer der bedeutendsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Geboren 1837 in (Wuppertal-)Elberfeld prägte er mit seinen Freunden Böcklin und Feuerbach maßgeblich den Stil des Neo-Idealismus, der vor allem in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Bürgertum hoch geschätzt wurde. Das Von der Heydt-Museum zeigt jetzt eine große umfassende Ausstellung zu diesem herausragenden Künstler. Das Museum verfügt neben der Neuen Pinakothek München und der Alten Nationalgalerie Berlin über den größten Teil der Werke von Hans von Marées. 22 wichtige Gemälde, 41 großformatige Zeichnungen und das berühmte Neapler Skizzenbuch dokumentieren in unserem Bestand sein vielseitiges und farbintensives Schaffen.

Marées besuchte die Akademie in Berlin, arbeitete in den 1860er Jahren im Umfeld von Franz von Lenbach in München und war seit 1870 in Neapel, Florenz und schließlich in Rom tätig. Marées’ Kunst ist von der Überzeugung geprägt, dass die anschauliche Erfahrung von Alltag, Landschaft und Menschen nur durch ein Ideal gefiltert in die Malerei eingehen könne. Phantasie, Antike und Allegorie waren seine Orientierungspunkte.

Die Marées-Ausstellung im Von der Heydt-Museum bezieht alle Schaffensphasen seines Werks ein und präsentiert die sensationelle Menge von ca. 70 Gemälden. Die Werke kommen aus dem eigenen ausgezeichneten Bestand, aus der Alten Nationalgalerie Berlin, sowie aus allen wichtigen deutschen und Schweizer Museen, aus der Neuen Pinakothek, der Galerie Neue Meister Dresden, der Hamburger Kunsthalle, dem Museum für Bildende Künste Leipzig, der Kunsthalle Bremen und der Sammlung Oskar Reinhart in Winterthur. Diese bedeutenden Leihgaben sind umso höher zu schätzen, als Marées' Werke äußerst fragil sind und deshalb kaum mehr bewegt werden dürfen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die großformatigen Ölskizzen für die 1873 ausgeführten Fresken der Zoologischen Station in Neapel. Zusammen mit den Skulpturen Adolf von Hildebrands stellt Marées’ Neapler Freskenzyklus das bedeutendste Gesamtkunstwerk des 19. Jahrhunderts dar. Die Ausstellung zeigt zudem die poetischen Landschaftsidyllen, die Porträts und die späten Figurenstudien.

Eine wichtige Rolle spielen die großen Zeichnungen, die seine Schaffenskraft, aber auch sein Ringen um die richtige Form eindrucksvoll vor Augen führen. Erstmals bezieht die Ausstellung auch die Skulpturen seiner Schüler und späten Mitarbeiter Adolf von Hildebrand und Artur Volkmann ein, um die spannungsreiche, wechselseitige Be-ziehung von Zeichnung, Malerei und Skulptur zu beleuchten. Hinzu treten Fotografien aus dem Italien des späten 19. Jahrhunderts. Das Bekanntwerden unpublizierter Briefe und Zeich-nungen gibt Anlass zu einer neuen Deutung der Biographie und des Werkes von Marées.

Zur Ausstellung haben wir einen reich illustrierten Katalog erarbeitet, der die neue Deutung seines Werks vorstellt. Werner Raeune und das ZDF produzieren einen 30-minütigen Film zu Leben und Werk von Marées, der auch als DVD erhältlich ist.

Noch bis 14. September 2008 im Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, Wuppertal. Öffnungszeiten: Di-So 11 bis 18 Uhr (Do bis 20 Uhr), Mo geschlossen



13 Kommentare

#1 roterginsengEhemaliges Profil
#2 SaschaEhemaliges Profil
  • 08.06.2008, 19:16h
  • "W. Raeune und das ZDF produzieren einen 30-minütigen Film zu Leben und Werk von Marées..."

    Das ist wohl auch das Mindeste, was man vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit seinem "Bildungsauftrag" erwarten kann. Es ist von entscheidender Bedeutung, über die große Zahl historischer und lebender homosexueller Personen, die außergewöhnliche Beiträge für die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung geleistet haben, umfassend zu informieren.

    Das gilt neben dem medialen Bereich insbesondere für unser "Bildungs"wesen, in dem auch im Jahre 2008 KEINERLEI nennenswerter und effektiver Beitrag für eine neue Kultur des Respekts vor der menschlichen und sexuellen Vielfalt geleistet, sondern schlichtweg die vorherrschende, aggressive Heteronormativität und Zwangs-Heterosexualität (und damit die schlimmste Form der Homophobie) reproduziert wird.
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#3 PrignitzerEhemaliges Profil
  • 08.06.2008, 23:01h
  • Ja, ja, schwul war er wohl auch, dieser Hans von Marées, aber darüber definiert hat er sich nicht, und warum versuchen wir, solches nun nachzuholen? Ist er, der tatsächlich ein bedeutender Maler war, dadurch etwa irgendwie noch eine Spur bedeutender, weil er homoerotische Neigungen hatte? Marées war kein "schwuler" Künstler; er war ein K ü n s t l e r, und damit war Hans von Marées, dessen Werke ich seit je schätze, doch wohl vollauf genug. - Was soll der oft mir schon zwanghaft anmutende Hang, wen "einzugemeinden"? Haben wir das nötig? Wenn ja, warum? Wird da etwa ein unbewusstes Minderwertigkeisgefühl (unbewusst) zu kompensieren versucht? Sind wir nun bedeutsamer, wenn wir aller Welt sagen: "Hört mal, der Marées, dieser großartige Maler... also, der war übrigens auch schwul. Ja, ja, der gehört zu uns. Könnt ihr euch 'ne Scheibe von abschneiden, was das Schwulsein so alles schon an Großem hervorgebracht hat."
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#4 stromboliProfil
  • 09.06.2008, 09:07hberlin
  • Antwort auf #3 von Prignitzer
  • Wenn Michelangelo heterosexuell gewesen wäre, hätte er die Sixtinische Kapelle mit einer Rolle Weiß angestrichen. (Rita Mae Brown) ( lesbe! oder glaubst du , ein hetero hätte so etwas schreiben können?)!

    Ja mein lieber, der vermutete minderwertigkeitskomplex, kompensiert durch die suche nach großen vorbildern unserer minderheit.
    Und wenn? Warum nicht!
    Sicher ist es heute einfacher, über die zusammenhänge seiner/unserer sexualität als trieb und der sublimierung in kunst und wissen zu reden, dank pschoanalyse und sonstigem. Was zum beispiel Bernstein von Karajan in der biographie und den werksinterpretationen untescheidet.Oder edward 2te; wer hätte besser als christopher marlowe ihn portraitieren können und wer , wenn nicht derek jarman (alles schwule) hätte die akzente seiner geschichte herausgearbeitet? Ohne marlowe bliebe eine fußnote eines gescheiterten königs, mit marlowe und jarman ist er wieder in unser bewusstsein zu rück gekehrt. Allein das ist es wert, sich schul zu definieren! Auch den zeitgeist einrechnend, die eine offene haltung verhinderte, schmälert nicht den einfluß, den unterdrücktes auf ein schaffen hat, haben kann! Sollten nicht wenigstens in der zeit danach, diese zusammenhänge eine gerechte bedeutung bekommen?

    Dein vorteil als autor ist es, eben diese schnittstelle nicht mehr umschreiben zu müssen, dank der möglichkeiten, dich öffentlich zu machen. Aber es sei gestattet: was, oder über was würdest du schreiben , gäbe es diese möglichkeit für dich nicht?! Und würde es die "qualität" steigern,müsstest du "umschreiben " was du nun offen beschreibst?
    Insofern ist mir die "einbeholung" ,wichtiger wegbereiter mit schwulem hintergrund, sehr wohl wichtig zur orientierung und , wichtiger noch, als vorbildsfunktion für nachkommende!
    Dabei den hang zum mainstream folgend ala : ist jwd schwul oder nicht; bläst bill nur flöte oder schwänze..., ist ähnlich dem, den schlager als populären grundstein für wagners tristan und isolde zu sehen. Irgendetwas bleibt immer hängen...
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#5 stromboliProfil
  • 09.06.2008, 09:17hberlin
  • noch einen kleinen nachtrag:
    die summe seiner bilder zeigt auf sein interesse hin: männer !
    Akte gemalt von Paul Cézanne stellen nackte frauen dar, was für mich immer ein hinweis darauf war, das cézanne frauen bevorzugte... nur um den spekulationen vorzubeugen
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#6 Tim_ChrisProfil
  • 09.06.2008, 09:40hBremen
  • Antwort auf #4 von stromboli
  • "wichtiger noch, als vorbildsfunktion für nachkommende!"

    Nicht nur dafür, sondern auch um den Heten zu zeigen: "Seht her, diese Künstler, die ihr hervorhebt und bewundert, waren/sind ebenfalls schwul." Um noch einmal damit zu verdeutlichen, dass es scheißegal ist, welche Sexualität man auslebt. Der Mensch definiert sich eben nicht nur darüber. "Vergesst endlich, wer mit wem fickt, sondern schaut auf das was den Menschen sonst noch ausmacht."

    Die Frage, die ich mir dabei allerdings immer wieder stelle: "Bewirkt das wirklich ein Umdenken bei den Heten?"
    Ich meine, nehmen wir Inge Meisel. Mutter der Nation, Vorbildfunktion, großartige Schauspielerin, bewundert von Hetenfrauen und -Männern gleichermaßen, ein Ausbund an Agilität bis ins hohe Alter und plötzlich heißt es: Inge Meisel ist eine Lesbe. Rückzug auf allen Fronten, pikierte bis verächtliche Blicke, Unverständnis. Spricht heute einer der Heten über sie, wenn es um Vorbilder geht, Agilität im Alter? Wie lange ist es her, dass ihr Name in den Medien in Verbindung mit ihrer Arbeit, ihrem Schaffen, ihrem Lebenswerk gefallen ist? An was erinnert man sich irgendwann mal bei Hella von Sinnen, Dirk Bach, Alfred Biolek, Hape Kerkeling? Wir mit Sicherheit daran, was sie getan haben und dennoch welche von uns waren. Die Heten nur daran, welche Sexualität sie ausgelebt haben und erst danach dann nach vielem Nachdenken vielleicht noch das ein oder andere aus ihrem Leben in der Öffentlichkeit. "Biolek: schwul... konnte der nicht kochen, oder war das ein anderer? von Sinnen: ach die Lesbe die mit dieser Scheel zusammen war... was hat die noch mal gemacht? Irgendwas war da mit Balder."

    Heben wir unser Selbstbewusstsein vielleicht auf Kosten der (inzwischen verstorbenen) Künstler, die dadurch von den Heten einen "perversen" Touch aufgedrückt bekommen, den sie einfach nicht verdient haben? Einfach nur, weil Heten noch ein ganz anderes Wertesystem haben als wir?

    Ich bin da wirklich im Zweifeln.
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#7 stromboliProfil
  • 09.06.2008, 10:07hberlin
  • Antwort auf #6 von Tim_Chris
  • "Heben wir unser Selbstbewusstsein vielleicht auf Kosten der (inzwischen verstorbenen) Künstler, die dadurch von den Heten einen "perversen" Touch aufgedrückt bekommen, den sie einfach nicht verdient haben? Einfach nur, weil Heten noch ein ganz anderes Wertesystem haben als wir?"

    orientiere ich mich an dem "hetenwertesystem", reduziere ich automatisch, reduziere ich den einfluß der eigenen sexualität in mein lebenswerk ( auch für den "gewöhnlichen" exstiert eine solche wertung!) , reduziere ich meine gesamtpersöhnlichkeit!
    Die betroffenen eben dieser reduktion zu entziehen sollte aufgabe geschichtsbewuster schwuler sein. Was bei der aufarbeitung der geschichte auch zu widersprüchlichkeiten führen wird wie zum beispiel die der angst vor den entblösen (neudeutsch outing...) bei der betroffenen person. Und sieht man die nachkommen einzelner persöhnlichkeiten mit der "doppelpersonalität" und deren bestreben, die "geheime welt" ihres vorfahren zu bewahren, überfällt mich der anflug von gelinden ärger. Warum muß ich mir ein bild der welt aufzwingen lassen, dass so nicht bestanden?! Und indem ich es hinnehme ( reininterpretiere), nehme ich den hetero-denkkoloniaismus widerspruchslos hin. Das muß schon mal mit denen ausdiskutiert werden, und wenn nicht heute, wann denn??
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#8 PrignitzerEhemaliges Profil
#9 SaschaEhemaliges Profil
  • 09.06.2008, 18:18h
  • Fakt ist, dass in Erziehung und Bildung ebenso wie in den Massenmedien die Vielfalt sexueller Identitäten (und deren Gleichwertigkeit) weiterhin weitgehend ausgegrenzt bzw. nicht einmal ansatzweise in angemessener Form dargestellt wird.

    Wir befinden uns in einer Gesellschaft, in der sich Heterosexuelle rund um die Uhr mit der größten Selbstverständlichkeit mit ihrer Sexualität in Szene setzen und jedem Einzelnen vom ersten Atemzug an eintrichtern, diese EINE Identität sei die angebliche, natürliche "Norm".

    Daher ist es so wichtig, gerade jungen Menschen deutlich zu machen, dass diese "Norm" nichts anderes ist als eine verlogene Konstruktion und Erfindung der heteronormativen Gesellschaft und dass menschliche "Normalität" gerade in der Vielfalt unterschiedlicher Identitäten besteht. Wenn bei heterosexuellen Künstlern - auch der Gegenwart - mit der größten Selbstverständlichkeit und in aller Ausführlichkeit auf deren Beziehungskisten und Liebschaften hingewiesen wird, warum soll das dann bei homosexuellen Männern nicht auch Erwähnung finden können???

    Der Vorgang der "Reduzierung" und der kollektive Minderwertigkeitskomplex schwuler Männer besteht doch - entgegen deiner Interpretation - gerade darin, dass deren große Mehrheit sich nach wie vor einbildet, sich mit ihrer Identität in der Öffentlichkeit und im Alltag "zurückhalten" zu müssen - getreu dem pseudotoleranten Motto: "Es ist ok, wenn jemand schwul ist, solange es für andere nicht sichtbar wird."
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#10 Tim_ChrisProfil
  • 10.06.2008, 10:31hBremen
  • Antwort auf #7 von stromboli
  • "Das muß schon mal mit denen ausdiskutiert werden, und wenn nicht heute, wann denn??"

    Natürlich. Das ist heute genau der rechte Zeitpunkt dafür. Die Frage ist nur: "Wie?"
    Wenn sich Künstler zu Lebzeiten bereits offenbart haben, ist es keine Frage, dass wir sie heute als zugehöriges "Vor"bild benennen und uns damit vor den Heten "Normalität" verschaffen können, soweit sie diese anerkennen.

    "orientiere ich mich an dem "hetenwertesystem", reduziere ich automatisch, reduziere ich den einfluß der eigenen sexualität in mein lebenswerk ( auch für den "gewöhnlichen" exstiert eine solche wertung!) , reduziere ich meine gesamtpersöhnlichkeit!"

    Das ist schon klar. Aber wir unterliegen noch immer ihrem Wohlwollen, denn sie bestimmen noch immer den Durchschnitt, bestimmen, was "normal" ist. Ich werde Akzeptanz nur dann erreichen, wenn es mir gelingt, sie von meiner Normalität, selbst wenn anders als ihre, zu überzeugen. Sie zu überzeugen, dass es keine Schande ist und gegen keinen Konvent, göttliche Vorsehung, teuflische Offenbarung oder was auch immer verstößt, schwul, lesbisch oder trans zu sein, weil Vielfältigkeit mit all ihren Fassetten etwas völlig natürliches ist, das absolut unbeeinflussbar irgendwelcher aufgesetzter Normen existiert und schon immer existiert hat. Aber erreiche ich das dadurch, dass ich Menschen der Öffentlichkeit aus der Geschichte hervorzerre und sie als Beispiel für meine Normalität "missbrauche"?
    Einerseits denke ich, man sollte die Geister ruhen und ihren, von den Heten bewunderten Ruf, den sie sich allein durch ihr Schaffen verdient haben, bewahren. Anderseits denke ich, wir brauchen sie, um eben den Heten ihre Überheblichkeit vorzuhalten und ihnen begreiflich zu machen, dass die genialsten Zeitgeister, die von ihnen so bewundert werden, eben aus den Reihen der "perversen" und "abnormen" Schwulen, Lesben und Transen kamen. Das ist ein Streitpunkt in mir, über den ich mir noch nicht ganz klar bin.

    Aber natürlich hast du Recht, dass man sich als Homo in seiner eigene Persönlichkeit nicht durch das schwarz/weiß Schubladendenken der Heten auf sexuelle Wertigkeiten reduzieren und menschlich erniedrigen lassen darf.
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