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  • Kolumne: Micha Schulze
    Micha Schulze, Jahrgang 1967, ist geschäftsführender Redakteur von queer.de. Zusammen mit Christian Scheuß hat er zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt „Das Orgasmusbuch“ (Bruno Gmünder Verlag), „Alles, was Familie ist“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf) und „Sexparty! Mehr Spaß bei Dreier, Gangbang und Orgie“ (Himmelstürmer). Auf queer.de schreibt er jeden Monat über Interna aus dem schwulen Redaktions- und Medienalltag.

    30. Juni 2008, 35 Kommentare

Queer.de intim: Von Gegenöffentlichkeit, Feuerzeugen und Intimrasuren

Früher war das einfach in der Medienwelt. Da gab’s auf der einen Seite die böse "Hetero-Presse", die schwule Themen nahezu komplett ausblendete und allenfalls Mord und Totschlag im "Homo-Milieu" berichtenswert fand. Auf der anderen Seite standen wir, die aufrechten Homo-Medien, und boten wacker "Gegenöffentlichkeit".

Nun, heute vergeht kein Tag, an dem uns User nicht auf Berichte zu schwul-lesbischen Themen hinweisen, die in allgemeinen Medien erschienen sind. "Ich vermisse auf queer.de…", heißt es dann immer mit rotem Ausrufezeichen, wenn Spiegel Online schon wieder eine neue Studie zu den "Ursachen" der Homosexualität aufgefahren hat oder der Tagesspiegel die Werbetrommel für das Berliner Antigewaltprojekt MANEO rührt. Nicht, dass wir für solche Hinweise nicht dankbar sind – mehrfach haben wir entsprechende Tipps schon aufgenommen. Manchmal sind wir bereits selbst am Recherchieren, manchmal verwerfen wir Themen aber auch, weil sie nicht mehr aktuell sind oder sie uns nicht relevant erscheinen. Bewusste Auswahl statt Beliebigkeit, heißt unsere Leitlinie.

Zugegeben, manchmal fehlt uns auch schlichtweg die Zeit. Es sind andere User-Mitteilungen, die dafür sorgen, dass wir selbst in einem Monat ohne Hacker-Angriffe und Abmahnungen nicht immer zum Arbeiten kommen. Da fragt letzte Woche zum Beispiel jemand über das Kontaktformular, ob bestimmte Intimrasuren für bestimmte sexuelle Vorlieben stehen. Uns kommen zwar in der Redaktionskonferenz zahlreiche lustige Frisurenideen für untenrum, dennoch müssen wir eingestehen, dass wir von einem solchen "Hairy Code" nichts wissen. Wir wollen dem User zudem eine große Enttäuschung bei der nächsten Naked-Sexparty ersparen.

Andere queer.de-Leser fragen gerne nach der Telefonnummer von Pete oder Patrick, die wir in den "Boy-Galerien" vorstellen. Natürlich verraten wir ihnen weder die persönlichen Angaben noch die Tatsache, dass wir die Boygalerien im Dutzend für ein paar Euro fünfzig eingekauft haben und nicht einmal wissen, ob sie Pete und Patrick oder Heinz und Horst heißen.

Nicht selten kommen Anfragen, wo man in Bodrum oder Chiang Mai schwul ausgehen kann. Andere schicken uns ihre Gedichtsammlungen mit dem Vorschlag, sie in Buchform zu veröffentlichen. Etwas unterhaltsamer sind die Emails mit angehangener 20-Megabyte-Fotogalerie, mit denen sich Herren jeden Alters und jeder Gewichtsklasse als "Model" bewerben. Nicht zu vergessen die vielen Bitten, kostenlos Kugelschreiber und Feuerzeuge mit unserem Logo zu versenden. Die queer.de-Redaktion als schwuler Doktor Sommer, Homo-Auskunft und Gay-Medienmulti in einem.

Heute Morgen wiederum überrascht uns ein "Protestbrief" eines Stamm-Users, der sich allen Ernstes beschwert, wir hätten uns den Artikel zu den Polizeiübergriffen beim kubanischen Gay Pride ausgedacht. Seine Begründung: Bei dpa habe er nichts darüber gefunden.

Zunächst will ich den geschätzten Leser und Aktivisten, der selbst aus der "Generation Gegenöffentlichkeit" stammt, empört an unseren Medien-Kampf von damals erinnern. Wie kann man heute ausgerechnet eine Nachrichtenagentur als Zeugen benennen, die homosexuelle Themen jahrzehntelang ignoriert und verschwiegen hat? Doch stattdessen verweist mein viel jüngerer Kollege Dennis ganz ruhig auf seine (natürlich seriösen) Quellen, darunter den "Guardian", sowie auf die eingeschränkte Pressefreiheit in Kuba, aufgrund der die lieben Kollegen von dpa das Thema vielleicht verschlafen haben.

Nun hat es zwar durchaus etwas Amüsantes, wenn Nachrichtenagenturen mittlerweile "Gegenöffentlichkeit" zu schwulen Medien zugetraut wird – doch letztendlich zeigt das nur die unveränderte Sonderrolle der Szeneblätter und -portale. Es dauert wohl noch immer einige Zeit, bis queer.de endlich als ganz normales Special-Interest-Medium betrachtet wird.

Bis es soweit ist, werden wir auch noch jede Woche Briefe von Menschen bekommen, die ein Abo der Zeitschrift Queer bestellen möchten. Dabei gibt es die Printversion seit Anfang 2003 nicht mehr...



35 Kommentare

#1 Chris_Anonym
  • 30.06.2008, 20:50h
  • Sich über Themenvorschläge, die zB bei SPIEGEL Online (unserem dt. Leitmedium) veröffentlicht worden sind, zu beschweren ist ja nicht gerade die feine Art. Dort war zB schon viel früher von Übergriffen auf dem CSD in Sofia zu lesen, wo bei queer.de immer noch über den tollen Preis von P. Lahm als Schlagzeile zu lesen war ... von daher meinen es die User nur gut. Sich darüber zu beschweren ist etwas unschön. Habt ihr am Wochenende eigentlich geschlossen?
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#2 hwAnonym
  • 30.06.2008, 21:34h
  • "..die lieben Kollegen von dpa das Thema vielleicht verschlafen haben...." schääää !!!!

    wobei ich auch den verdachte hege, dass die nicht unbedingt nachdem frühstück bei der google suche
    "news" "u.s. " "gay cuba " eingeben....

    selbst nach der nepal-wahl ging es dort fixer als mit der einstellung "u.k.", klar die kohle..

    news.google.de/news?ned=us&hl=en&ned=us&q=gay+cuba&btnG=Sear
    ch+News


    wo sie dann auch die mentoren aus florida gefunden
    hätten..
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#3 stromboliProfil
  • 01.07.2008, 11:53hberlin
  • ich gestehe ein : ich bin ein journalistisch unbeleckter, der den zusammenhang von dpa und deren schlampigkeit im umgang mit schwulen meldungen in der vergangenheit nicht erfasst hat! mea culpa ! Aber da weder reuter noch andere hinweise...??
    Ich hab aber keineswegs unterstellt , das IHR die nachricht erfunden habt, sondern die beweisführung durch andere informationsquellen eingefordert. Und noch seit ihr nicht der stern mit verbreizung von tagebüchern... Auch wenn der guardian zitiert wird. NOBODY is perf...^^
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#4 LucaAnonym
#5 Fred_IsraelEhemaliges Profil
  • 01.07.2008, 13:17h
  • apropo seriöse zeitungen:

    meine tops:

    -welt
    -faz
    -spiegel
    -tagesspiegel
    -spiegel online
    - ab und zu jungle world und bahamas(wer es links mag)
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#6 Chris_Anonym
  • 01.07.2008, 15:05h
  • @ Fred:

    Na die WELT finde ich nur halb-seriös, ziemlich BILD-geprägt (man kommt ja auch aus demselben Hause). Oft sind ähnliche Artikel drin, vielleicht nicht ganz so nievaulos.

    1. SPIEGEL (natürlich, was sonst?)
    2. Neue Zürcher Zeitung
    3. Süddeutsche Zeitung
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#7 stromboliProfil
  • 01.07.2008, 15:19hberlin
  • Antwort auf #6 von Chris_
  • eine zeitschrift, die mit folgendem satz anfängt um damit eine angebliche diskussion zu führen , hat sich gleich disqualifiziert: "Jeder, der den Islam verteidigen will, aber gerade keine passenden Argumente zur Hand hat, ruf aus: „Das ist doch islamophob!“ Weltjournalismus at his best...
    An diesem armutszeugnis sollte auch die redaktion sich nicht abrackern müssen.
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#8 hwAnonym
#9 SaschaEhemaliges Profil
  • 01.07.2008, 15:43h
  • Die bisher genannten Medien sind letztlich nichts anderes als die Sprachrohre der Mächtigen und Privilegierten, produziert von Privilegierten - Mainstream-Machwerke, mit denen die "Masse" weiterhin ruhig gestellt und "dumm" gehalten und jede wirklich kritische Debatte im Keim erstickt werden soll.

    Wer sich einbildet, aus diesen Quellen " gut" und fundiert informiert zu werden, braucht sich nachher nicht über die neuesten Verbrechen der ökonomisch-politischen Elite zu wundern.

    Vereinzelte Ausnahmen bestätigen die Regel, weshalb ich mir die meisten davon natürlich auch zu Gemüte führe.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 SaschaEhemaliges Profil