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Unter dem Motto "Null Toleranz (für null Toleranz)" findet am Sonntag der Cologne Pride seinen Abschluss mit der CSD-Parade.

Von Dennis Klein

Der Kölner sehen ihren CSD – der immerhin als größter Gay Pride Europas gilt – traditionell als Karnevalsersatz an, der die lange Zeit bis zum 11.11. überwinden hilft. Die Veranstalter wollen aber trotzdem ihre Botschaft mit dem recht ungewöhnlichen Motto "Null Toleranz (für null Toleranz)" unter das Partyvolk bringen. Ähnlich wie in Berlin – hier machte man unter dem Motto "Hass du was dagegen" auf die zunehmende homophobe Gewalt aufmerksam – beklagt der Kölner Lesben- und Schwulentag, "dass in einigen Teilen der Gesellschaft auch nicht gerade zimperlich mit unserer Minderheit umgegangen wird."

Für den CSD erschienen daher in lokalen Homo-Magazinen fiktive Vermisstenanzeigen, in denen extreme Homo-Gegner an den Pranger gestellt wurden. Prominentester "Vermisster" ist der von Volker Beck einst als "Hass-Prediger" titulierte Kölner Kardinal Joachim Meisner ("zuletzt gesehen auf einer Kanzel im Kölner Dom, nachdem er homosexuelle Partnerschaften für 'verderblich' erklärt hat").

Der grüne Beck erfährt übrigens an diesem CSD eine besondere Ehrung: Der Kölner Bundestagsabgeordnete erhält am Samstag als zweiter Politiker seiner Partei (nach Claudia Roth) die "Kompassnadel". Der Preis wird jedes Jahr anlässlich des CSD vom Schwulen Netzwerk NRW vergeben. Beck wird dabei sowohl für sein Engagement für die Bürgerrechte von Schwulen und Lesben als auch für den Einsatz für eine Entschädigung der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus ausgezeichnet. Traditionell erhält neben einem Prominenten auch ein Ehrenamtler die Kompassnadel: Dieses Jahr wird Knut Dehnen von der Selbsthilfegruppe homosexueller Alkoholikerinnen und Alkoholiker in Duisburg ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt steht allerdings die CSD-Parade, die sich ab Sonntagmittag wie die letzten Jahre auch über die Deutzer Brücke in Richtung Dom bewegt. Mit dabei sind dieses Mal rund 80 Gruppen, vom "Schwulen Landadel" über die Gewerkschaft ver.di bis zum Schlagersender WDR 4. Auch Vertreter von SPD, FDP und Grünen werden von ihren Wagen viele Stunden Passanten anwinken. Beim Feiern vergessen die Rheinländer überdies alte Feindschaften: So hat der CSD Düsseldorf ein eigenes Plätzchen in der Kölner Parade. Im Gegensatz zum letztem Jahr ist der CSD diesmal aber arm an Kontroversen: 2007 gab es noch eine heftige Debatte um das Barebackporno-Label XXX-Project, das damals in der Parade mitfuhr (queer.de berichtete). Dieses Jahr verzichteten die Kölner Filmemacher auf die Teilnahme.

Nach dem mehrere Stunden dauernden Zug gibt es am Sonntagnachmittag um 17 Uhr für alle, die noch halbwegs nüchtern sind, die traditionelle Abschlusskundgebung am Heumarkt. Hier geht es ganz um Politik mit hochkarätigen Gästen aus dem In- und Ausland.

Mit einer Neuerung kann der CSD dieses Jahr auch aufwarten: Erstmals öffnet die Kölnarena ihre Pforten für die Cologne-Pride-Jünger. Am Samstagabend ab 22 Uhr steigt dort mit "Colour" die größte CSD-Party des Landes (queer.de berichtete). Es werden über 10.000 Besucher erwartet. Neben Show, Musik und Tanz gibt es dort auch einen Cruising-Bereich, in dem man froh und frei balzen kann. Nur bei einem Thema hört die Freiheit auf: Schwule Nikotinliebhaber dürfen erstmals nur noch unter freiem Himmel oder in abgetrennten Räumen an ihren Stängelchen ziehen. Denn seit dem 1. Juli gilt auch in Nordrhein-Westfalen ein Rauchverbot.

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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat an die bosnischen Behörden appelliert, Gewalandrohungen gegen CSD-Teilnehmer ernst zu nehmen und für einen reibungslosen Ablauf der ersten Gay-Pride-Veranstaltung in Sarajewo, die vom 24. bis zum 27. September stattfindet.

10 Kommentare

#1 SaschaEhemaliges Profil
  • 05.07.2008, 03:29h
  • "Ungewöhnliches Motto"

    Ich würde das eher ein äußerst zeitgemäßes Motto nennen, das sich an den aktuellen Negativtrends der gesellschaftlichen Entwicklung, insbesondere im Bereich der "Jugendkultur", orientiert.

    Wenn Interesse an der Auseinandersetzung mit einem wirklich ungewöhnlichen (und vor allem unsinnigen und gefährlichen) CSD-Motto besteht, dann sollte sich queer.de unbedingt dem Slogan "Ich glaube..." zuwenden - und zwar nicht nur mit Blick auf verweigerte CDU-Grußworte.
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#2 Fred_IsraelEhemaliges Profil
  • 05.07.2008, 12:29h
  • seltsam!! da schreibt saxxxx zum ersten mal etwas sinnvolles! und bekommt 3 ablehnungen,obwohl ich mich diesmal mit dem roten punkt zurück gehalten habe

    scheint also noch mehr leute zu geben, den du auf die nüße gehst

    trotzdem unverständlich für diesen beitrag.
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#3 SaschaEhemaliges Profil
  • 05.07.2008, 14:32h
  • Antwort auf #2 von Fred_Israel
  • Wobei du dir hoffentlich dessen bewusst bist, dass meine Vorstellungen vom Umgang mit Hass und Diskriminierung den deinigen diametral entgegen stehen.

    Du tust offensichtlich alles, um einzelne diskriminierte Gruppen und "Minderheiten" in dieser Gesellschaft gegeneinander auszuspielen, wechselseitige Vorurteile, xenophobe Stimmungen und kulturelle Spaltung zu befördern -

    ich möchte letztere GEMEINSAM mit eben den Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder wegen ihres Glaubens diskriminiert, ausgegrenzt und/oder pauschal verunglimpft werden, überwinden!
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#4 Tim_ChrisProfil
  • 05.07.2008, 14:57hBremen
  • Antwort auf #1 von Sascha
  • "dann sollte sich queer.de unbedingt dem Slogan "Ich glaube..." zuwenden - und zwar nicht nur mit Blick auf verweigerte CDU-Grußworte."

    Ein roter Pöppel stammt von mir, weil mir dein Kommentar besonders aber obiges Zitat unverständlich ist. Über das Motto des CSD Stuttgart wurde bereits hinreichend in dem von dir in diesem Zusammenhang angesprochenen Beitrag diskutiert. Wie viel Plattform braucht es dafür noch? Wäre das Thema weiterhin diskutierenswert, dann wäre dies vermutlich zu eben jenem Beitrag bereits geschehen.

    Und auch in diesem Beitrag geht es nicht vornehmlich um das Motto des Kölner CSD, sondern um den CSD in Köln allgemein, zu dem nun eben auch das Motto angesprochen wurde.

    "Ungewöhnliches Motto" wohl deshalb, weil man - vor allem auch die Heten und Homogegner - erst einmal den tieferen Sinn davon erfassen und eben darüber nachdenken müssen. Das ist nicht einfach ein vor die Nase geknalltes: "Wir fordern..." - "Wir wollen..." usw. Darüber müssen die erst mal nachdenken und wenn sie das Hirn schon zum nachdenken einschalten, kommt vielleicht dann auch ein "Aha. So ist das. Jetzt verstehe ich" heraus. Genauso wie übrigens auch das ungewöhnliche Motto "Hass du was dagegen" und "Ich glaube..." ;-)
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#5 antos
#6 Fred_IsraelEhemaliges Profil
  • 05.07.2008, 15:08h
  • Antwort auf #3 von Sascha
  • dafür bist du ein gefährlicher aggressiver heterophober, christenfeindlicher berufsschwuler/hetzer.


    naja, wie es so aussieht, gehst du nicht nur mir auf die nerven.

    und das ist auch gut so
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#7 Tim_ChrisProfil
#8 AntichristProfil
  • 06.07.2008, 08:20hHH
  • Antwort auf #6 von Fred_Israel
  • @Fred_Israel: "gefährlicher aggressiver heterophober, christenfeindlicher berufsschwuler/hetzer"
    Gefährlich ist er sicher nicht, aufdringlich und konsequent trifft es eher. Aggressiv - Japp (Bin ich auch wenn es um Religion und Gleichberechtigung geht). Heterophob - Japp. Christenfeindlich - Japp (sind aber die meisten hier auf eine gesunde Art). Berufsschwuler/Hetzer - Kannst du schlecht wissen. Er verdient seine Brötchen sicher nicht indem er die verbale Antidiskriminierung und Gleichberechtigung propagiert.
    60% Zustimmung von mir.

    @Sascha: gute Beschreibung. 100% Zustimmung.
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#9 Meleg29Profil
  • 06.07.2008, 21:13hCelle
  • Liebe Leute!
    Lese gerade im Netz, dass es beim Budapester CSD Ausschreitungen von Rechten gab....

    Sehr schade!

    Gruß Meleg
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#10 Mister_Jackpot
  • 07.07.2008, 13:49h
  • Antwort auf #9 von Meleg29
  • Also ich war auch mit vielen Freunden auf dem CSD. Es war wie immer eine grosse Party, doch es waren für mein Gefühl merklich weniger Leute als in den letzten Jahren da. Kommt mir vielleicht auch nur so vor! Ich finde aber, dass es teils politischer war als in den letzten Jahren und auf den Paradewagen weniger nackte Haut präsentiert wurde. Ich denke mal das kann man positiv werten, auch wenn für meine Cam nicht wirklich viel "Material" dabei war. Aber dafür kann man sich ja Filmchen anschauen.:-)
    Ansonsten muss ich sagen, dass mir vor allem die Selbstdarsteller auf dem CSD insgesamt wie immer auf die Nerven gingen, die mit ihren durchtrainierten Bodys mal wieder den Otto Normal Schwulen zeigten wie ein Schwuler mediengerecht auszusehen hat! *Ironie! ;-) Jemanden für ne Beziehung kennenzulernen ist meiner Ansicht nach grad auf dem CSD Köln unmöglich, da man als "durchschnittlicher" etwas in der "Masse" untergeht!
    Was wieder mal klar war ist, dass alle Parteien da waren (SPD,Grüne, FDP, Linke), aber die CDU wieder einmal weder mit einem Wagen, noch mit einem Stand auf dem Strassenfest dabei war. Das zeigt mal wieder, dass die Union für Schwule und Lesben, die sich selbst akzeptieren eigentlich nicht wählbar ist und es hat mich in diesem Standpunkt wieder mal bestärkt.

    Das war mein Kölner CSD Fazit! :-)
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