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Das Verkehrsministerium in Rom kassierte den Lappen des 26-jährigen Danilo Giuffrida mit der Begründung, als Homosexueller sei er psychisch gestört.

Von Carsten Weidemann

Ein italienisches Gericht hat die Regierung in Rom zur Zahlung von 100.000 Euro Schmerzensgeld an einen 26-jährigen schwulen Sizilianer verurteilt. Damit hat sich Danilo Giuffrida erfolgreich gegen eine heftige Diskriminierung gewehrt: Das Verkehrsministerium hatte dem jungen Mann aus Catania den Führerschein entzogen – mit der Begründung, dass er als Homosexueller psychisch gestört sei.

Bei seiner Musterung hatte Giuffrida erklärt, dass er schwul sei. Das Verteidigungsministerium gab diese Information prompt an das Verkehrsministerium weiter, das den 26-jährigen vor die Wahl stellte: Entweder wiederholt er die Fahrprüfung oder sein Führerschein wird eingezogen. Danilo Giuffrida entschied sich für ersteres und bestand die Prüfung ein zweites Mal. Obwohl er keine einzige Verkehrssünde begangen hatte, wurde seine Lizenz jedoch nur um ein Jahr – statt der üblichen zehn Jahre – verlängert. Giuffrida zog vor Gericht: "In meiner Familie und in der Gesellschaft hatte ich nie Schwierigkeiten. Doch nach dem Vorfall fühlte ich mich wie ein Mensch zweiter Klasse", sagte er gegenüber den Medien.

Das Verhalten der Ministerien habe bei Danilo Giuffrida zu einem großen Misstrauen gegenüber dem Staat geführt, verkündeten die Richter und gaben seiner Klage recht. Sein Anwalt erklärte, er hoffe, dass sich Ministerpräsident Silvio Berlusconi nun "im Name des Staates und aller Italiener" bei Giuffrida entschuldigen werde.

Das Urteil wurde am Samstag veröffentlicht.



31 Kommentare

#1 VolumeProProfil
  • 13.07.2008, 13:45hMönchengladbach
  • Es stinkt bei den italienischen Behörden.

    1. Warum gibt die Musterungsbehörde so eine Information überhaupt an die ranghöhere Behörde?

    2. Warum gibt das Verteidigungsministerium so eine Information an die Führerscheinbehörde?

    3. Warum soll ein Schwuler nicht in der Lage sein, ein Kraftfahrzeug ordnungsgemäß zu führen?

    4. Was für menschenverachtende Einstellungen haben die zuständigen Sachbearbeiter?

    5. Hat die in Italien starke Kirche was damit zu tun?
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#2 HannibalEhemaliges Profil
#3 heldenlosAnonym
  • 13.07.2008, 14:19h
  • Was es nicht alles gibt *kopfschüttel*

    Achja es heißt "Giffrida zog VOR Gericht" ;)
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#4 gatopardo
  • 13.07.2008, 14:31h
  • Von Italien ist man ja allerhand gewohnt, aber wie man sieht, bleibt der Hoffnungsschimmer der (noch) nicht gleichgeschalteten Rechtsprechung. Die Italiener schlucken auch nicht alles und man kann gespannt sein, wann sie Berlusconi und seiner Narrenfreiheit die Stirn bieten.
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#5 MarekAnonym
  • 13.07.2008, 14:49h
  • Berlusconi und der Vatikan zusammen sind eine schlimme Kombination für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Italien. Zuerst wird Schwulen aufgrund ihrer "psychischen Störung" der Führerschein entzogen. Demnächst dürfen wir wohl auch nicht mehr in Kinos, in Parks, nach 8 Uhr auf die Straße, etc. Genauso haben es die Nazis mit den Juden gemacht... Wie sich Geschichte wiederholen kann, ohne das Leute es merken...
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#6 IchAnonym
  • 13.07.2008, 15:09h
  • Antwort auf #2 von Hannibal
  • Berlusconi. Mussolini war ein itlaienischer Diktator - ein Faschist. Berlusconi ist eine Schande für jede Demokratie aber noch weit davon entfernt ein Faschist alla Mussolini zu werden. Übrigens genauso, wie die systematische Ausgrenzung und Verfolgung vpn Juden nicht im geringsten Vergleichbar ist, mit der Benachteiligung von Schwulen und Lesben in heutigen westlichen Gesellschaften. Wie sich doch das Verständnis für Geschicte in manchen Köpfen zu wirrem Zeugs verwischen kann...
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#7 stromboliProfil
  • 13.07.2008, 15:13hberlin
  • Antwort auf #1 von VolumePro
  • zu eins: auch in deutschland ist es in den bundesländern nicht unüblich die kreiswehresatzämterunterlagen in den gemeindebehörden abzuspeichern. So die verweigerung des wehrdienstes wegen homosexualler ausübung schon mal auf dem schreibtisch deiner gemeinde landet...
    zu 2: In italien ist der erwerb diverser dokumente , so auch der des führerscheines an eine reglung aus der faschistischen periode gekoppelt: die der sittlichen reife. Was in der vergangenheit teils auch schwierigkeiten beim wohnungssuchen oder gemeindewechsel einbrachte.
    zu 4 & 5 ist wenig zu sagen, da spricht das geschehene für sich selbst; aber die kirche ist da nur am rande beteiligt, das ist eine, früher der mafiabekämpfung unter mussolini geschuldete erscheinung. Dem mißbrauch aber war zu allen zeiten alle türen offen!
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#8 ....on the road again ?Anonym
  • 13.07.2008, 15:17h
  • Antwort auf #2 von Hannibal
  • 7. November 1921(Faschistischer Kongress in Rom) schwanden alle Zweifel über politische Stoßrichtung und Machthunger des Faschismus, als Bewegung zur Partei wurde, ,, Partito Nazionale Fascista" (PNF), mit einem offenen rechten Programm, das Monarchismus, Freihandel und Antisozialismus einschloss:

    1. Die Aufgaben der Regierung sollen sich auf Politik und Gesetzgebung beschränken. Die übrigen staatlichen und sozialen Aufgaben sollen sogenannten Nationalräten übertragen werden, die sich aus von Berufsverbänden benannten Fachleuten zusammensetzen.
    2. Neutralität in der Frage Republik oder Monarchie.
    3. Ausweitung des Grundbesitzes der öffentlichen Hand überall nur dort, wo es zweckmäßig erscheint, aber keine Verstaatlichung von Grundbesitz.
    4. Dezentralisierung der Wirtschaft und Reform der Verwaltung.
    5. Abschaffung des Streikrechts in öffentlichen Versorgungs - und Dienstleistungsbetrieben.
    6. Beseitigung von Monopolen und Subventionen.
    Die Privatwirtschaft soll angekurbelt, unrentable Staatsbetriebe müssen geschlossen werden.
    7. Revision der Friedensverträge, soweit der volkswirtschaftliche Sektor von ihnen betroffen ist.
    8. Beibehaltung einer schlagkräftigen Armee und Kriegsmarine.

    so was brauchen wir hier nicht, wir haben ja die bertelsmann-stiftung.....
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#9 VolumeProProfil
  • 13.07.2008, 15:43hMönchengladbach
  • Antwort auf #7 von stromboli
  • In der Sachfrage der Datenübertragung zwischen Gemeinde und Streitkräfte kann ich nur für NRW sprechen.
    Hier gibt es nur eine einseitige Kommunikation, nämlich die Übertragung der Meldedaten von Wehrpflichtigen an das zuständige Kreiswehrersatzamt.
    Andere Kommunikation findet nicht statt, außer sie wird von einem Wehrpflichtigen ausdrücklich erwünscht, z.B. wenn es um die Freistellung vom Wehrdienst wegen Tätigkeit in der Freiwilligen Feuerwehr geht. Dann dürfen Daten wie Musterungstermin und Musterungsergebnis übermittelt werden, aber keine Daten, die während der Musterung erhoben werden.
    So dürfen die Ergebnisse von Urinproben nicht an die Polizei übermittelt werden, wenn sich dort Spuren von Drogenkonsum findet.
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#10 gatopardo
  • 13.07.2008, 16:41h
  • Antwort auf #7 von stromboli
  • Ach, "sittliche Reife". Das erinnert mich an Francos Zeiten, als bei Vorstellungsgesprächen in allen span.Firmen ein Führungszeugnis (buena conducta)
    des Gemeindepfarrers vorgelegt werden musste.
    Heute lacht man sich darüber tot und die Jungs wolln´s nicht glauben.
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