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  • Kolumne: Mark Simpson
    Der „Skinhead Oscar Wilde“, wie er in Großbritannien genannt wird, ist der Erfinder des Begriffs metrosexuell und ein ausgewiesener Kritiker der klassischen Schwulenbewegung. In den Neunzigern stieß er mit der Anthologie „Anti-Gay“ eine breite Diskussion über die Fehler der Schwulenbewegung an. Seine klugen und witzigen Essays erscheinen in Zeitungen und Magazinen wie „The Independent“ oder „Details", Lob erhielt er auch für eine Biographie des Sängers Morrissey. Im Magazin Front schreibt er erstmalig auf Deutsch, queer.de darf diese Texte freundlicherweise übernehmen. Mehr Infos über den Autor unter www.marksimpson.com.

    14. Juli 2008, 7 Kommentare

Der kurzgeschorene Oscar Wilde teilt aus: Der magische Reiz der jungen Väter

Was ist cooler, als von einem sexy Typen ausgecheckt zu werden, der mit seiner Freundin Hand in Hand die Straße entlangläuft? Genau: von einem sexy Typen ausgecheckt zu werden, der mit seiner Freundin die Straße entlangläuft und dabei stolz sein quäkendes Baby im Kinderwagen spazieren fährt. Junge Väter – ich bin bei dem Thema so aufgeregt, dass ich nach Luft schnappen muss – , sie fordern es wirklich, wirklich heraus, oder?

Der junge Vater schaut mich an, denn er fühlt sich sicher. Den Beweis seiner Normalität und Männlichkeit fährt oder trägt er schließlich mit sich herum. Ich schaue ihn an, denn seine Normalität und Männlichkeit machen mich geil. Vielleicht schaut er, weil er sich in dieser windelwechselnden Heterosexualität ein bisschen eingesperrt fühlt. Vielleicht schaue ich, weil ich mich in dieser lakenbefleckenden Homosexualität ein bisschen eingesperrt fühle. O.K., manchmal schaut er, weil er sich fragt: Warum, verfickt noch mal, starrt mich diese Schwuchtel so blöd an?

In diesem Hahn-im-Korb-Stolz des jungen Vaters liegt etwas sehr ... Fickbares. Vielleicht liegt es daran, dass er a) seinen Hochzeitshaken tatsächlich zu dem Zweck eingesetzt hat, den Gott mal dafür vorsah (fast schon eine erfrischende Abwechslung heutzutage), und es b) auch noch geklappt hat. Es ist ziemlich geil, daran erinnert zu werden, dass Penisse keine Dildos mit Eigenantrieb sind.

Das Begehrenswerte an jungen Vätern könnte auch mit ihrer Unerreichbarkeit zusammenhängen, obwohl sie nicht unbedingt unerreichbar sind. Wie bei Schwangerschaften auch ist es eine Frage des Timings. Offensichtlich ist eine Entbindungsstation der beste Ort, sie abzuschleppen. Ein Bekannter von mir behauptet, regelmäßig mit spektakulärem Erfolg in einer zu cruisen. Er meint, dass es damit zu tun hat, dass sie schon eine Weile keinen Sex mehr hatten und sie aufgeregt sind, weil sie Vater werden. Junge Väter, die nach dem Weichspüler und dem Duschgel riechen, das die Frau in ihrem Leben – und jetzt Mutter – für sie gekauft hat, sind die perfekten Partner für alle Akte der Sodomie: Sie bleiben nie über Nacht. Sie ziehen immer ihre Schuhe aus, wenn sie die Wohnung betreten.

Nicht, dass ich mit sehr vielen jungen Vätern gevögelt hätte. Oder auch nur mit einem, soweit ich weiß. Mühe habe ich mir schon gegeben, aber meistens stolpere ich über einen dieser blöden Kinderwagen und dann zieht mir die Freundin mit dem Milchfläschchen eins über. Dumm gelaufen. Ich muss den Namen dieser Geburtsklinik herausfinden.



#1 DanielAnonym
  • 14.07.2008, 17:04h
  • vielen Dank. Sowas haben wir gebraucht. Noch eine Kolummne, die vor Sex trieft und den langweiligen Trend, dass Schwule am liebsten nach dem nächsten Schw**z Ausschau halten. Diese wundern sich dann, warum ihre Beziehungen ständig schief gehen.
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#2 MatthiasAnonym
  • 14.07.2008, 17:58h
  • Ach Gottchen. Herr Simpson sollte vielleicht erstmal klären, wie genau er Männlichkeit definiert. Aber wenn er begriffen hat, dass man Schwänze lutschen, und trotzdem ein ganzer Kerl sein kann, entfällt eventuell seine Existenzgrundlage. Das ist alles total 90er, echt.
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#3 alfAnonym
#4 jollyjokerProfil
  • 14.07.2008, 18:58hKöln
  • Was genau hat jetzt Oscar Wilde damit zu tun? Dass er auch Texte geschrieben hat?
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#5 KonstantinEhemaliges Profil
#6 PrignitzerEhemaliges Profil
  • 15.07.2008, 01:49h
  • Ich habe heute zum ersten Mal eine Simpson-Kolumne gelesen, also bin ich weder positiv noch negativ vorbelastet, ich kann nur das beurteilen, was ich hier heute gefunden habe, und Gott ja, eine Kolumne ist kein Leitartikel, ist keine Grundsatzerklärung, und eine bierernste journalistische Großtat muss eine Kolumne ja wohl sowiesso und überhaupt nicht sein, eher eine kleine feine witzige, jedenfalls amüsante Anmerkung unter dem Titel: "Was ich schon immer mal sagen wollte..." - Na ja, und das hat Mark Simpson gesagt, vielleicht nicht gerade mit sonderlich schillerndem Witz, vielleicht nicht gerade doppel- und dreifachbödig, auch nicht gerade mit schier genialer Pointe, aber amüsant finde ich's durchaus. Liest man, grinst man, und das Leben geht weiter. Und ich denk' mal, wer sich da angegriffen fühlt und zähnefletschend, also aggressiv auf den Kolumnisten anspringt, dem muss Simpson mehr auf die Schliche gekommen sein, als Simpson das vermutlich für möglich gehalten hat, als er diesen seinen Leichthin-Schabernack runtergetippt hat. Oder ist da etwa einer schon im Vorhinein grantig, weil er ahnt, Simpson wird, sollt' er den Namen besagter Geburtsklinik herausfinden, diesen nicht weitersagen? Wird ihn für sich behalten? So aasig könnt' das Aas womöglich sein? - Na ja, wenn man das vermutet, ist es schon besser, man findet die Trauben, die einem zu hoch hängen, sowieso für viel zu sauer. Soll er abziehen damit, der Simpson, soll er sich doch allein den Magen dran verderben!
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#7 _sic_
  • 15.07.2008, 11:25h
  • Ich sehe schon wie sich hier ein neuer Nischenmarkt für die Pornoindustrie öffnet. Die beginnen dann wohl mit "Während seine Frau ihr schreiendes Kind im Nebenzimmer wickelt ..." oder "Den Blick auf sein heimliches Objekt der Begierde gerichtet, befördert er sein Neugeborenes in die Babyklappe...".

    Wie bei so manch anderen Sexphantasien auch muß man nur ein gehöriges Stück Wirklichkeit ausblenden und durch Geilheit und blosse Möglichkeit ersetzen. Sicher die Welt ist nicht so schwarz und weiß, als daß die geilen Jungväter nicht existieren könnten. Extra nach ihnen zu suchen, scheint mir eher eine verzweilte Suche nach einem Novum zu sein. Eine Beschäftigung für sexuell Gelangweilte und Trophäensammler.

    Denk ich an Jungväter, zeigt sich mir eher ein Bild das jede Erotisierung sabotiert.
    Gefestigte heterosexuelle Jungväter lassen diese Phantasie wohl am schnellsten platzen. Nein Danke - Ende. Offen Bisexuelle muß man nicht suchen, die suchen selbst. Also was bleibt.
    Da wären die phantasielosen Konformisten, die den eigenen Lebensentwurf von Mami und Papi eins zu eins kopiert haben. Kontrollfreaks haben bestimmt ihre Freude an Ihnen. Dressiert sind sie ja schon.
    Oder jene bei denen man bloss noch schreien will "Rette sich wer kann! Es hat sich fortgepflanzt!", die einfach an der Komplexität des Kondompackungaufreißens gescheitert sind. Wer schon immer einen absoluten Schwachkopf ficken wollte, für den ist das die Chance.
    Und dann sind da ja noch die in der Kolummne beschwörenen ihrer selbst garnicht so sicheren Heteros, die ihr wankedes sexuelles Selbstverständniss mittels materiellen Beweis abstützen. Die Kombination verstohlenen Fickens hinter dem Rücken der Ehefrau und die Panik vor der eigenen möglichen Homosexualität junger Männer, bieten sicher ein Panoptikum der Psychopathologie. Wem die Neurotiker der Szene schlicht zu wenig Herausforderung bieten, sei dieser potentielle Superlativ wärmstens empfohlen. Und immer schön dran denken: Nur DU kannst ihn retten.

    Alles in allem ein zutiefst stupides Unterfangen.
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