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Seit drei Wochen steht Katy Perry mit einem homoerotischen, aber auch unter Schwulen und Lesben umstrittenen Song auf Platz 1 der US-Charts – und christliche Sittenwächter machen sich langsam Sorgen um das Land.

Von Dennis Klein

Sie wuchs auf in einer christlichen Familie im recht Santa Barbara (Kalifornien), ihr Vater war Pfarrer, ihre Mutter auch. Mehrmals sang Klein-Katy in der Kirche und wurde inspiriert von den reinen Klängen, die christliches Radio so abspielt. Im Alter von 16 Jahren wurde sie vom christliche Plattenlabel Red Hill Records unter Vertrag genommen. Dieses produzierter mit der Pfarrerstochter ein traditionelles Gospel-Album. Sieben Jahre später sollte das brave Mädchen erstmals ihren Nummer-1-Hit haben, allerdings kein kirchentauglicher: In "I Kissed A Girl" erzählt sie, wie sie sich ans eigene Geschlecht ranmacht.

An der Wandlung von der Kirchen-Trulla zum textilarmen Nachwuchs-Luder war – wie könnte es anders sein – natürlich ein Schwuler mitverantwortlich. In Interviews erzählte Katy, dass sie in ihrer Teenager-Zeit mit einem Freund Platten der britischen Rock-Band Queen lauschte – und Freddie Mercury hat es ihr offenbar angetan. Deshalb habe sie ihre Stilrichtung gewechselt.

Dabei war ihre erste Single-Auskopplung aus dem auf Skandal getrimmten Album "One of the Boys" kein großer Renner: In "Ur So Gay" ("Du bist so schwul") beschwert sich die mit 23 Jahren nicht mehr ganz so junge Göre in Teenager-Manier bei ihrem Freund, dass er ein Weichei sei – also "gay". Textauszug des lyrisch fragwürdigen Produktes: "Ich hoffe, Du erhängst dich mit deinem H&M-Schal, während du dir einen runterholst und Mozart hörst… Du bist so schwul und du magst nicht mal Jungs… Du magst nicht mal Penis".

Viele Kritiker bemängelten, dass der Song schwulenfeindlich sei. Schließlich werde "gay" generell als Schimpfwort verwendet. "Sich einen auf Mozart runterzuholen, das ist kein homosexuelles Verhalten", beschwert sich zudem das Magazin "ugo". Dennoch bekam sie Lob von ganz oben: Madonna erklärte in mehreren Radiointerviews, das Liedchen gehöre auf ihrem iPod zu den Favoriten.

Youtube | Lesbenklänge: ''I Kissed A Girl'

Dem Thema gleichgeschlechtliche Liebe blieb Katy in ihrer zweiten Singleveröffentlichung treu – mit Erfolg: "I Kissed A Girl" richtet sich dabei wohl nicht nur an Lesben – der betont lockere Umgang mit Sexualität im Videoclip wird wohl eher pubertierende Teenager zum Jauchzen bringen. Auch der Text appelliert eher an männliche Fantasien: "Ich hab ein Mädchen geküsst und es gemocht. Ich hoffe, meinen Freund macht’s nichts aus." Daraufhin stellt sie die weiblichen Qualitäten in den Vordergrund: "Wir Mädels, wir sind so magisch. Wir haben weiche Haut, rote Lippen, so kussecht. Uns kann man nur schwer widerstehen, wir sind zu gut, um sich uns zu verweigern. Keine große Sache, es ist harmlos". Im Song wird klar, dass sich das Mädel nur mal ausprobieren wollte – "das heißt nicht, dass ich mich verliebt habe", lautet ein Satz ganz zum Schluss des Liedes. Wenn kein Junge da ist, kann man es also mit Mädels probieren, so eine mögliche Interpretation des Liedes. Die Künstlerin selbst hat übrigens in Interviews gesagt, sie habe – trotz des Liedes – noch nie ein Mädchen geküsst.

Auch wenn Kritiker die gesanglichen Qualitäten von Katy nicht ganz so hoch einschätzen und die Texte der Kalifornierin zumindest etwas bemüht auf Skandal getrimmt klingen: In Nordamerika und Australien ist der Song eingeschlagen wie eine Bombe. Und da sorgt sich nun auch die evangelikale Gemeinde um das abgefallene Kind. So appelliert James Dobson, Chef der Lobby-Gruppe "Focus on the Family", an die Sängerin, sich auf ihre christlichen Wurzeln zu besinnen und umzukehren. Sie solle sich an "die Weisheiten ihrer Jugend" erinnern, fordert der Moralapostel. Katy könnte das bei den gegenwärtigen Chartplatzierungen allerdings derzeit schwer fallen. Manche Kommentatoren sehen den Song sogar als Teil der "homosexuellen Agenda", die das Land dem christlichen Gott entreißen wolle.

"I Kissed A Girl" hat aber offenbar die Fantasie vieler CD-Käufer beflügelt. Der im Mai veröffentlichte Song erreichte in den USA, Kanada und Australien Platz 1 der nationalen Charts. Vor kurzem wurde das Lied auch in Europa veröffentlicht und erreichte in England auf Anhieb Platz 11 der Charts. Das Album soll im September auch in Deutschland auf den Markt kommen.



#1 Michel
#2 RabaukeAnonym
  • 14.07.2008, 17:26h
  • Neeeee was????? Und? Wisst Ihr denn schon das "Neuste"? ABBA hat sich aufgelöst.......gääähnnnnnn:))))))
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#3 SaschaEhemaliges Profil
  • 14.07.2008, 17:55h
  • Ist doch klar:

    Weiber, die miteinander rumknutschen und erotisieren, sind im Sinne heterosexistischer Ideale sowas von geil und sexy, weshalb das junge Publikum bei MTV, VIVA und Co. auch rund um die Uhr mit eben solchen Darbietungen zugemüllt wird.

    Gleichzeitig wird männliche Homosexualität weiterhin negativ konnotiert, verunglimpft und stigmatisiert.

    Da aber auch viele von uns die verheerende Wirkung dieser Gehirnwäsche auf junge Männer ignorieren und nicht endlich die erforderlichen pädagogischen und gesetzlichen Maßnahmen einfordern, brauchen wir uns über die zunehmende Un-Freiheit männlicher Jugendlicher in Sachen sexueller Selbstentdeckung und -bestimmung wahrlich nicht zu wundern.
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#4 seb1983
#5 jochenProfil
  • 15.07.2008, 18:51hmünchen
  • die usa sind doch noch immer etwas (und bisweilen erheblich) prüder als die europäer .
    und so können solche belanglosikeiten wie dieses liedchen ("ur so gay") einen (typisch) amerikanischen skandal bewirken.

    oder man macht auf "böses mädchen" und kleidet sich als verwöhnte dekadente billigschlampe(christina aguilera, britney spears, paris hilton .usw..), dass selbst den strassenhuren von der kurfürstenstrasse die schamesröte ins gesicht treibt.
    ...altbewährte methode um aufmerksamkeit im noch immer hart umkämpften us-musikgeschäft seine muskikalischen ergüsse irgendwie an den mann zu bringen und die dicke kohle zu machen.

    schlimm nur.. die teenie-mädels findens voll cool und machens nach.
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#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 29.07.2008, 10:45h
  • Im Song "Ur So Gay" (Du bist so schwul) hätte sich die Sängerin wohl besser nicht über ihrem Freund lustigmachen sollen. Eine bessere Übersetzung des Songs wäre "Du bist so fröhlich" (ist eine weitere Bedeutung von "gay") und dazu auch einen anderen Liedtext. Dann wäre die Aufregung völlig umsonst gewesen!
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