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Mit "My Name is Earl" kommt die beste US-Comedy seit Jahren ins deutsche Fernsehen. RTL versendet sie freitags zur besten Ausgehzeit.

Von Norbert Blech

Es sind Unfälle, mit denen neuerdings die besten Serien starten. In "Life on Mars" landet ein Polizist nach einem Autounfall im Koma und in den 70ern, in "Six Feet Under" stirbt das Familienoberhaupt ebenfalls bei einem Car-Crash, und in "Lost" muss direkt ein Fluzeug abstürzen. Auch in "My Name is Earl" setzt die Handlung auf einen Autounfall, um richtig loszulegen: der Kleinkriminelle Earl Hickey (Jason Lee) landet auf dem Kühler, das gerade freigerubbelte Lotto-Ticket mit einem Gewinn von 100.000 US-Dollar fliegt ihm aus den Händen.

Aufgrund einer Talkshow, die er unter Medikamenteneinfluss im Krankenhaus sieht, lernt er das Konzept von Karma kennen: "Tue Gutes und Dir wird Gutes geschehen". Also entschließt sich Earl, eine Liste mit all den Dingen zu erstellen, die er angestellt hat - um diese dann Folge für Folge wieder gut zu machen. Rund 300 Einträge hat die Liste, von "habe Vater seine Wahl zum Bürgermeister gekostet" über "stahl das Auto einer einbeinigen Frau" bis hin zu "habe Strom verschwendet". Unterstützt wird er bei diesen oft surrealen Wiedergutmachungsversuchen von seinem dummen, aber liebenswerten Bruder Randy (Ethan Suplee, dessen grandioses Spiel in der deutschen Synchronisation mehr dumm als liebenswert rüberkommt).

Youtube | Car-Crash- und Trailer-Trash-Television

Exzellent bis in die Nebenrollen

Leider gibt es da noch Earls Exfrau Joy Turner (Jaime Pressly, in jeder Folge mit neuer Frisur und nicht nur dafür mit einem Emmy ausgezeichnet), die ihm mit ihrem neuen Mann Darnell (Eddie Steeples) das Leben aus ihrem Trailer heraus schwer macht und sich um zwei Blagen zu kümmern hat. Earl lebt mit seinem Bruder in einem Motel, und das mexikanische Zimmermädchen Catalina (Nadine Velazquez), das schon ohne Handlung lustig ist, hilft ebenfalls bei der Bewältigung der langen Liste. Tipp: auf die weiteren Nebencharaktere achten, sie tauchen immer wieder "Simpsons"-mäßig auf.

Neben witzigen Dialogen, irrwitzigen Handlungen und Gute-Laune-Abschlüssen der Folgen überzeugt die Serie auch durch ihre zahlreichen Running Gags - und übrigens auch durch versteckte Witze für HDTV-Zuschauer, die man in Deutschland nachlesen muss. In den USA geht die Serie im Herbst, zahlreiche Autounfälle später, in die vierte Staffel.

Auf eine Zigarette mit Mrs. McCluskey

"My Name is Earl" hat dabei auch viel für Schwule zu bieten: Bereits in der Pilotfolge geht es, mehr sei nicht verraten, um Homosexualität (und um die anfängliche Homophobie Earls; bitte nicht zu früh aufregen, liebe Mitschwule). In der zweiten Folge, in der Earl wieder gut machen will, Menschen durch Passiv-Rauch geschädigt zu haben, hat Kathryn Joosten einen Gastauftritt; Mrs. McCluskey aus "Desperate Housewives" wird auf erschreckende wie lustige Weise entwöhnt (weitere Gaststars sind unter anderem Burt Reynolds, Beau Bridges als Earls Vater, Paris Hilton und der schwule Kult-Regisseur John Waters in einer Parodie von "Six Feet Under").

Eine Folge der dritten Staffel, in der auf überraschende und natürlich humorvolle Weise das Thema Homosexualität im Gefängnis behandelt wird, ist sogar von der amerikanischen Gay and Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD) für einen Preis nominiert worden. Die dritte Staffel fällt ohnehin aus dem Serienkonzept: die ersten Folgen spielen komplett im Gefängnis, in späteren Folgen liegt Earl im Koma und ist "Life on Mars"-mäßig in einer Sitcom aus den 70ern gefangen, Lacher vom Band inklusive. Auf die wird in der Serie ansonsten freundlicherweise verzichtet.

Ob man diese Highlights auch in Deutschland sehen kann, ist noch offen: RTL hat die Serie lange liegen lassen, ab Freitag werden erstmal nur elf Folgen ab 23.30 Uhr gesendet (die Hälfte der ersten Staffel). Bei Erfolg gibts mehr, man kann aber bei Amazon & Co. günstige DVD-Importe aus Großbritannien bestellen. Die DVD-Box der ersten Staffel enthält auch eine alternative Version der Pilotfolge: Earl sieht im Krankenhaus eine Folge von "Family Guy" und beschließt, Böses zu tun. Zu Hilfe kommt ihm eine Tranny-Prostituierte, ebenfalls gespielt von Jason Lee.



14 Kommentare

#1 ErikAnonym
#2 gatopardo
  • 17.07.2008, 13:42h
  • Bertolucci hat einmal gesagt, Synchronisation sei pervers. Er hat nie verstanden, weshalb man Originalfassungen nicht mit Untertiteln der jeweiligen Landessprache versieht, wie es z.B. in Portugal,den Niederlanden, Belgien, Skandinavien oder Grossbritannien der Fall ist. Auch dort hat man sich ans Lesen gewöhnt. Wenn die Originalsprache nicht verstanden wird, ist sie doch trotzdem ein wesentlicher Bestandteil einer Aussage in einem Film.
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#3 queer_norbert (Admin)Profil
  • 17.07.2008, 13:51hDüsseldorf
  • Antwort auf #2 von gatopardo
  • Wie schon bei Blanche bei den Golden Girls geht bei Earls Exfrau der krasse Südstaaten-Unterschicht-Akzent verloren. Das ist schade, Jaime Pressly ist für ihre Rolle mit ihrer abfälligen Betonung des Satzes "Who's the whore" in der ersten Folge gecastet worden, zumindest angeblich...
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#4 Tim_ChrisProfil
  • 17.07.2008, 14:13hBremen
  • Antwort auf #2 von gatopardo
  • Wobei man anmerken muss, das mancher Untertitel genauso grauenhaft ist, wie eine mögliche Synchronisation, womit dann auch ein großer Teil dessen verloren geht, was er im Original aussagen sollte.
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#5 gatopardo
  • 17.07.2008, 14:56h
  • Antwort auf #4 von Tim_Chris
  • Gut, das weiss ich. Aber wenn man auf Untertitel trainiert ist, findet man es unerträglich, wenn Lippenbewegungen nicht mit der Sprache übereinstimmen, was bei mir so weit geht, dass ich dem Film nicht mehr folgen kann. Die Gewohnheit an die Synchronisation muss wohl geübt werden, was ich trotz der auch in Spanien herrschenden Synchron-Manie ablehne. Da kann man heute gottseidank auf DVD-Originalfassungen mit allen möglichen Untertiteln ausweichen.
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#6 gatopardo
  • 17.07.2008, 15:58h
  • Antwort auf #3 von queer_norbert
  • Das sehe ich ähnlich. Synchronisation geht mit brutaler Gewalt gegen alle Nuancen vor und macht Dialektunterschiede wieder aalglatt. Das trifft besonders diejenigen, die eine Originalfassung mit allen Besonderheiten der Sprache verstehen, weil sie im betreffenden Land leben oder dessen Idiomatik umfassend erlernt haben. Synchronisierte Almodóvar-Filme im Deutschen oder ARD-Krimis im spanischen Fernsehen sind daher für mich eine Tortur.
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#7 Sunbear
  • 18.07.2008, 10:30h
  • Ich freu mich schon auf die Sendung, vorallem weil ich den Schauspieler Ethan Suplee süß finde.
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#8 xyAnonym
  • 18.07.2008, 21:20h
  • Ja, Du hast völlig recht! Wie oft habe ich mich schon bei einem in Portugiesisch, Arabisch oder Kisuaheli gedrehten Film geärgert, daß die feinen Nuancen der gesprochenen Dialekte in der Synchronisation völlig verloren gingen. Auch nicht missen möchte ich die Unterschiede zwischen west- und ostflämisch. Oder die wundervollen Wortspiele, welche aus dem Zusammentreffen von Dänischem und Norwegischem entstehen können. Und die bezaubernden Auswirkungen von Untertiteln auf die Bilder, insbesondere auf dunkle, insbesondere im Kino. Man wird von selbigen auch überhaupt nicht abgelenkt, wenn man dauernd mit Lesen beschäftigt ist. Besonders intensiv natürlich bei wortreichen Filmen, bei welchen dann allerdings die Untertitel auch gern inhaltlich "komprimiert" werden, um wenigstens halbwegs dem durchschnittlichen Lesetempo entsprechen zu können.

    Im Ernst: Synchronisationen, selbst gute, werkgetreue, haben ihre Nachteile. Untertitel allerdings auch.
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#9 ArendAnonym
  • 18.07.2008, 21:35h
  • Und erst in der zweiten Folge widmen wir uns also dem Kampf gegen die unbeschreiblichen Folgen des "Passivrauchens", welches bekanntlich um ein Haar die gesamte Menschheit ausgerottet hätte.

    Was wirklich unglaublich unkonventionell und zudem mutig ist, bedenkt man, dass die teuflische Tabakindustrie nicht nur in Amerika Politik und Medien fest in ihrem Würgegriff hat: Dauernd neue Gesetze, die das Rauchen nicht nur überall erlauben, sondern ausdrücklich erzwingen, dauernd positive Berichterstattung über den Tabak und seine Freunde und Verhöhnung engagierter Nichtraucherschützer, die - da umfassend problembewusst und aufgeklärt - schon beim bloßen Gedanken an eine Zigarette den Krebs bei sich wachsen spüren.

    Völlig überraschend dann auch die Auswirkung einer Folge von "Family Guy": Die Serie ist nämlich, wie andere Zeichentrickserien bei MTV und Co., wirklich frech und nonkonformistisch.

    Anm. der Redaktion: der Autor des Berichts oben ist überzeugter Aktiv-Raucher, diskutiert gerne stundenlang humorfrei gegen Rauchverbote und über die aus seiner Sicht alberne Konstruktion eines Passiv-Rauchens und amüsiert sich trotzdem über die entsprechende Folge. Und der Schöpfer von "My name is earl" war zuvor Produzent bei "Family Guy".
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#10 gatopardo
  • 19.07.2008, 08:12h
  • Antwort auf #8 von xy
  • Nun gehören ja Filme auf Arabisch, Kisuaheli oder Portugiesisch nicht zu Favoriten, sondern es dominieren die englischsprachigen Versionen. Da wir uns in der EU auf Englisch spezialisiert haben, wäre es meiner Ansicht nach durchaus positiver, Filme in dieser Sprache in der Originalversion zu sehen.
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