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Schon in der Antike waren kultische Bacchanalien und Orgien beliebt. Ein Rückblick ins zweite Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.

Von Dennis Klein

Gruppensex kann auf eine lange Tradition zurückblicken: Die erste überlieferte Form waren die in ganz Italien verbreiteten Bacchanalien – die Bachus-Feste Anfang des 2. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung. Sie sollten den römischen Weingott Bacchus ehren. Zunächst fanden sie drei Mal im Jahr statt und nur Frauen waren zugelassen. Doch schon schnell wurden die Festlichkeiten ausgeweitet – am Ende feierten viele Römer fünf Mal im Monat Bacchanalien – Männer und Frauen waren dabei bunt gemischt und jeder trieb es mit jedem. Es war, als ob man das Münchner Oktoberfest sowie alle Swinger- und Schwulenclubs der Republik vereint: Wein floss in Strömen – und auch anderer Drogengebrauch ist überliefert. So entglitten die Teilnehmer mit psychoaktiven Pilzen in andere Sphären.

Im Jahre 186 v. Chr. setzte der Senat dem Treiben ein Ende. Der »Senatus consultum de Bacchanalibus« (»Senatsbeschluss über die Bacchanalien«) kam einem Verbot gleich. Nur noch mit einer Genehmigung des Senats durch gefeiert werden. Die auf einer Bronzeplatte festgehaltene Entscheidung wurde 1640 in Süditalien gefunden – und liegt heute im Kunsthistorischen Museum von Wien.

Die Senatoren waren dabei keineswegs sexfeindlich – viele von ihnen trieben es ja selbst in einer Weise, die heute nicht nur bayerischen Politikern den Hals brechen würde. Die Wissenschaft geht davon aus, dass den Senatoren aus drei Gründen die zügellosen Partys ihrer Untertanen nicht geheuer waren: Erstens spielten Frauen eine große Rolle in den Gelagen – und das widersprach dem römischen Familienbild. Zweitens tummelten sich in den klassenlosen Orgien auch Unterprivillegierte und Sklaven – das hätte das hierarchische System Roms beschädigen können, falls diese sich verbündet hätten und politisch aktiv geworden wären. Drittens wollte der Senat zeigen, dass er auch Kontrolle über religiöse Feste ausüben kann – als welche die Bacchanalien ja galten. So erweiterte er seine Macht.

Zwar setzte der Senat seinen Beschluss blutig durch. Es soll nach Angaben Titus Livius sogar zu tausenden von Hinrichtungen gekommen sein. Allerdings gibt es auch später noch Berichte von nicht genehmigten Bacchanalien. Trotzdem lagen auch sonst Orgien bei den Römern hoch im Kurs.

Das änderte sich erst in der Zeit, als das Christentum in Europa Fuß fasste. Die neue Religion erwies sich als äußerst sexfeindlich und ließ nur noch verschiedengeschlechtlichen Sex zu, wenn er der Fortpflanzung dient. Unter dieser Einengung des Sex-Begriffes leidet die westliche Gesellschaft noch heute.



#1 HannibalEhemaliges Profil
  • 27.07.2008, 10:17h
  • Die Christen waren schon immer leibfeindlich und gegen alles was Spass macht! Weil dieser Herr Jesus sich hat für UNS hat kreuzigen lassen (ICH habe ihn nicht darum gebeten), dürfen wir deren Frust jetzt ausbaden. Sorry - Ohne mich!
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#2 Tim_ChrisProfil
  • 27.07.2008, 13:17hBremen
  • "Unter dieser Einengung des Sex-Begriffes leidet die westliche Gesellschaft noch heute."

    Ergo, schafft die scheiß Religionen ab, damit Sex wieder das wird, was es sein sollte. Nämlich etwas ganz natürliches, was man eben auch ganz natürlich und seiner Orientierung und Bedürfnissen nach auch ohne Repressalien fürchten zu müssen, ausüben kann.
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#3 AlexTMProfil
  • 28.07.2008, 14:42hKöln
  • Na, Kinners, zum Glück sind die offiziell atheistischen Staaten, also die kommunistischen, oder einige der faschistischen, ja sowas von körperfreundlich draufgewesen, und auch alle so christlich beeinflusst, vor allem die in Ostasien.

    Ohne die körperfeindlichen Tendenzen der einen oder anderen Religion leugnen zu wollen, explizit keine Religion macht das nicht zwangsläufig besser. Denn das ist nur eine andere Religion unter umgekehrten Vorzeichen.
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